Kritik: Star Trek Continues präsentiert die zweite Episode „Lolani“

Zugegeben: Star Trek Continues ist auf den ersten Blick vielleicht nur eine von vielen Fan-Serien, die in Ermangelung neuen Materials das Internet überschwemmen. Doch diese Serie hat ob ihrer außergewöhnlichen Qualität durchaus einen zweiten Blick verdient – und den kann man nun auf das zweite Abenteuer der Enterprise-Crew lenken, welches am 8. Februar auf der Dallas Comic Con & SciFi Expo dem Publikum vorgestellt wurde und seitdem kostenlos auf YouTube oder Vimeo angeschaut werden kann. Dort hatten die Produzenten der Serie auch schon den ersten Teil "Pilgrim of Eternity" veröffentlicht, der durchweg großes Lob erhielt.

Der Titel „Lolani“ lässt schon erahnen, dass weibliche Reize im Spiel sein könnten, wenn Captain Kirk (gespielt von Vic Mignogna) und seine Crew ihre nächste Mission antreten. Und so ist es erstmal nicht verwunderlich, wenn im Rahmen eines Rettungseinsatzes eine schöne Orion-Sklavin von einem havarierten Schiff auf die Enterprise gebeamt wird – eine echte Herausforderung für den Raumschiffkommandanten, der bekanntlich kein Kostverächter ist.

Doch auch wenn Lolani ihre Weiblichkeit zunächst an Kirk ausprobiert, so muss dieser spätestens dann Vorsicht walten lassen, wenn diplomatische Verwicklungen ihre Schatten voraus werfen. Hier entfaltet die Geschichte ihre eigentliche Qualität, indem sie tiefgreifendere Fragen aufwirft: Darf man einer souveränen Zivilisation die eigenen Moralvorstellungen überstülpen? Oder sollte man aus Rücksicht auf freundschaftliche Beziehungen in die andere Richtung schauen, selbst wenn fundamentale Werte in Gefahr sind? Das ist Star Trek, wie es die Fans lieben und sich schon lange zurück auf den Bildschirm wünschen – mit moralischen Konflikten, die nicht immer eine einfache Antwort zulassen und auch heute kaum an Aktualität verloren haben.



Aber „Lolani“ kann nicht nur durch eine gelungene Geschichte punkten. Einmal mehr beweist das Team um Vic Mignogna einen akribischen Blick für Details und vermag es, den Ton der Originalserie gut zu treffen. Das liegt nicht nur daran, dass mit Christopher Doohan der Sohn von James Doohan die Rolle des eigenen Vaters übernimmt und mit Leben füllt – und bei geschlossenen Augen möchte man meinen, das Original sei auferstanden. Auch Vic Mignogna in der Rolle von Captain Kirk liefert eine so überzeugende Vorstellung ab, dass man den Eindruck bekommt, dieser Schauspieler hätte sein ganzes bisheriges Leben damit verbracht, jede Bewegung und jede Reaktion von William Shatner zu studieren und zu kopieren.

Nicht ganz überzeugen können Todd Haberkorn als Mr. Spock und Larry Nemecek als Dr. McCoy, doch das mag zumindest teilweise dem Umstand geschuldet sein, dass mit Michele Louise Specht in der Rolle von Dr. McKennah schon in der ersten Folge „Pilgrim of Eternity“ ein neues Mitglied zur Stammcrew gestoßen war. In dieser zweiten Mission tritt sie nun noch stärker in den Mittelpunkt – zu Lasten der anderen Charaktere. Besonders hervorzuheben ist der Gastauftritt von Lou Ferrigno (Der unglaubliche Hulk), dessen Rolle nicht besser besetzt sein könnte, aber hier noch nicht näher beschrieben werden soll, um die Überraschung nicht zu verderben.

Technisch betrachtet ist die Produktion sicher nicht ganz makellos, aber mit Rücksicht auf die Tatsache, dass es sich schließlich um eine Fan-Serie handelt, die mit sehr begrenztem Budget auskommen muss, kann man die gelegentlich wackelige Kamera gern verzeihen. Ansonsten ist die Umsetzung jedoch absolut professionell und ganz im Stil der Originalserie – bis hin zur Musik und zum Schnitt der einzelnen Szenen. Finanziert wurde diese Episode übrigens durch Fans über Kickstarter, denn natürlich dürfen Fan-Produktionen mit der Marke Star Trek kein Geld einnehmen.

Alles in allem ist „Lolani“ eine gelungene Fortsetzung von Star Trek Continues, bei der man sich wehmütig in die Zeit zurückträumt, als es noch wöchentlich ein Abenteuer aus dem Star-Trek-Universum gab. Bleibt zu hoffen, dass es bald weitere Episoden gibt.

Star Trek Continues E02 "Lolani"

Star Trek 2009 Filmposter
Originaltitel:
Star Trek
Kinostart:
07.05.09
Laufzeit:
127 min
Regie:
J. J. Abrams
Drehbuch:
Alex Kurtzman, Roberto Orci
Darsteller:
Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Zoë Saldaña, Simon Pegg, John Cho, Anton Yelchin, Bruce Greenwood, Eric Bana
Die Zerstörung der U.S.S. Kelvin durch den zeitreisenden Romulaner Nero, bei der auch Kirks Vater ums Leben kommt, erzeugt eine alternative Zeitlinie, in der sich das Design der Sternenflotte und die Biografien der Figuren teilweise erheblich unterschiedlich entwickeln.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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