Real Buddy

Originaltitel: 
Real Buddy
Land: 
Deutschland
Laufzeit: 
52 min
Regie: 
Frank Mirbach
Drehbuch: 
Steve Hudson
Darsteller: 
Dietrich Hollinderbäumer (Nathan Hopkins), Brian Thomas (Anchorman), Deborah Friedman (Weather Forecaster)
Kinostart: 
18.02.16

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Real Buddy

Inhalt

Es geht um den Betrüger Morris (Steve Hudson, Autor des Films), der in einer nicht allzu fernen Zukunft im härtesten Gefängnis der Welt einsitzt. Es ist ihm gelungen, eine Riesensumme Geld mit cleverem Fandom-Know-how beiseite zu schaffen und wenn er rauskommt, ist er reich. Dumm nur, dass die Welt aufgrund atomarer Konflikte kurz vor dem Untergang steht.

Ein Genrefilm aus Deutschland - das geht!

Welche Filme kommen aus Deutschland? Krimis für das Fernsehen - die fallen einer oder einem bei dieser Frage zuerst ein. Dann vielleicht noch Komödien, allen voran romantischer Art, mit Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle; vielleicht noch schwere Dramen, wahlweise über die DDR oder den Nationalsozialismus. Aber Genrefilme, also Horrorgeschichten oder Fantasy-Filme, Science-Fiction oder Western? Nein, für solcherlei billige Massenprodukte ohne ernsthaften künstlerischen Anspruch hat die deutsche Filmlandschaft keinen Platz, so etwas leistet sich die Filmförderung einer Kulturnation Deutschland nicht. Und doch rumort es unter jungen Filmschaffenden, die ihren Ausdruck jenseits melodramatischer Trennungsgeschichten finden wollen - und vielleicht einfach den Spaß an der Herausforderung des eigenen Lieblingsgenres suchen.

Deshalb ist jeder Genrefilm aus Deutschland bemerkenswert, vor allem, wenn es sich um notorisch teure Science-Fiction-Filme handelt. Oft hapert es bei solchen Projekten an der Ausstattung, fehlen Requisiten für eine glaubwürdige Welt - das Ergebnis wirkt am Ende billig. Was aber passiert, wenn sich Filmschaffende zusammenfinden, um ein Herzenprojekt über Jahre mit Leidenschaft voranzutreiben? Und darüber hinaus Profis sind und so mit dem entsprechenden Know-How in der Hinterhand die üblichen Fehler zu vermeiden? Das Ergebnis sind Filme wie Real Buddy, der seine Deutschlandpremiere am 18. Februar 2016 auf dem Filmfestival "Genrenale" in Berlin feiern durfte.

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Real Buddy Still

In knapp einer Stunde erzählt der Film seine Geschichte. Entstanden ist die Idee, einen "richtigen" Genrefilm zu produzieren in einem Gespräch zwischen Regisseur und Produzent Frank Mirbach** (siehe unten) und dem bekannten Filmemacher Wim Wenders. Die beiden waren der Meinung, dass man auch in Deutschland die Grundlagen hätte, um einen Genrefilm in Hollywood-Ästhetik drehen zu können. Also sah sich Mirbach nach einem Script um und stieß auf das Drehbuch "The Last Eleven" des englischen Autoren Mark Weal. Nach einigen Umarbeitungen nahm sich Schauspieler und Drehbuchautor Steve Hudson des Stoffes an. Mirbach und er kannten sich bereits aus einem früheren Projekt und zusammen finalisierten sie das Drehbuch für Real Buddy. Geplant war eigentlich ein zehnminütiger Kurzfilm mit drei Darstellern, doch das Projekt wuchs unter den Händen der Crew, wie es mit engagierten Projekten so üblich ist.

Mirbach erzählt auf der Genrenale über den Film, während Interessierte und junge Filmschaffende im Foyer des Festivalkinos "Babylon" miteinander reden und Kontakte knüpfen. Das ist leider wichtig, denn Genrefilme werden von der deutschen Filmwirtschaft eher ignoriert. Dies zieht sich bis hinein in die Filmhochschulen: Dort werden Abschlußprojekte mit den Worten "Genre machen wir nicht!" abgekanzelt.

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Real Buddy Still

Mit diesem Misstrauen gegen Unterhaltungsfilme musste sich Frank Mirbach auch während der Dreharbeiten zu Real Buddy herumschlagen: Filmföderung über die üblichen Kanäle gab es keine. Das läge daran, so Mirbach, dass die Entscheidungsgremien der Filmförderungen dominiert seien von den Vertretern der Fernsehsender - und die fördern eben hauptsächlich diejenigen Filme, welche später auch im Fernsehen verwertet werden können. Genrefilme fänden deshalb in Deutschland weitgehend nicht statt, auch weil zum einen Abspielstätten fehlen, und zum anderen schlicht das Geld. Gleichzeitig hat das zur Folge, dass das Publikum hierzulande Genrefilmen aus heimischer Produktion nichts zutraut. So bleibt der deutsche Science-Fiction-Film in den Zeiten von Raumpatrouille Orion stecken.

Also musste auch Real Buddy komplett privat finanziert werden. Über Mirbachs Firma Mineworks Film produziert und mit der Hilfe vieler Bekannter aus der Branche, konnte Real Buddy in einem langwierigen Prozess umgesetzt werden. Schließlich durfte die Crew nicht zu lange am Stück von anderen Engagements abgehalten werde, was mehrere Drehphasen erforderte. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass ganz in der Nähe von Aachen, wo Mineworks Film seinen Sitz hat, die Zitadelle Jülich steht. Deren Gemäuer aus dem späten 16. Jahrhundert dienten als Kulisse für die Gefängnisanstalt der Zukunft. Der Mix aus alten Ziegelsteinmauern und aufwändigen, futuristischen Requisiten verleiht dem Film eine eigene, gelungene Optik. Überhaupt hat es die Crew geschafft, einen ähnlichen Look zu schaffen, wie man ihn auch in den besten Sci-Fi-Filmen der 1980er und 1990er sieht. Es finden sich Anklänge an Total Recall, Blade Runner, Brazil und Aliens, die klar Pate für das Design der Umgebungen und Requisiten standen.

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Real Buddy Still

Das Schauspielerteam aus Deutschland, den USA und Großbritannien leistet ebenfalls überzeugende Arbeit. Namen wie Heinrich Schafmeister (z.B. Vollidiot, Comedian Harmonists, Die Sieger) und Dietrich Hollinderbäumer (Heute-Show, Die Brücke - Transit in den Tod, Der Untergang) kommen der einen oder dem anderen vielleicht bekannt vor - zumindest ihre Gesichter kennt man aus dem deutschen Film. Alles in allem macht Real Buddy einen hochwertigen Eindruck. Natürlich gibt es an manchen Stellen Ecken und Kanten: Die Story endet recht plötzlich, manche Dialoge könnten noch überzeugender rüberkommen, aber das tut dem beeindruckenden Ergebnis keinen Abbruch. Das Ziel, einen Genrefilm mit Hollywood-Ästhethik zu drehen, ist dem Team auf überzeugende Art gelungen. Vor allem, wenn man sich des Budgets vergegenwärtigt, mit denen die Macherinnen und Macher gearbeitet haben. Im Abspann des Films laufen über 300 Namen über die Leinwand, von denen viele fast zum Nulltarif über Monate hinweg das Projekt unterstützt haben.

Für Mirbach war dies der erste Auflug in den Genrefilm. Mit Mineworks Film dreht er unter anderem hochwertige Dokus für für den internationalen Markt. Real Buddy war in erster Linie als Visitenkarte gedacht, als Demonstration dafür, was mit geringem Budget erreicht werden kann. Dem entspricht auch die Entscheidung, den Film komplett auf Englisch zu drehen, um international Anschluß zu finden. Und das hat funktioniert: Der Film heimste den Special Jury Award in der Kategorie Best Dark Comedy auf dem Worldfest Houston ein, lief in der Auswahl der Genrenale und wird bald auch bei den Utah Film Awards sowie auf dem Interurban-Festival in Texas gezeigt. Die Resonanz belohnt die Leidenschaft: Momentan würde man darauf hinarbeiten, so erzählt Mirbach, einen Langfilm aus dem bis jetzt Sechzigminüter zu machen, ein Drehbuch gäbe es schon. Eine Serie wäre auch möglich, danach hätten viele gefragt, sagt der Regisseur, Produzent und Kameramann. Tatsächlich kann man sich den Mikrokosmos des Gefängnisses kurz vor der Apokalypse hervorragend als Serie vorstellen: Insassen, Wärter und die Leitung scheinen alle ihre eigenen Pläne auszuhecken, die in der Kürze der Filmerzählung aber alle nicht zum Tragen kommen können.

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Real Buddy Still

Umso bedauerlicher ist es dann eigentlich, dass Real Buddy aufgrund der Strukturen der deutschen Filmwirtschaft - genau wie viele andere auf dem Genrenale-Festival gezeigten (Kurz-)Filme - ein Schattendasein als Nischenfilme fristen. Das schlägt sich auch in den Verbreitungswegen nieder. Da Real Buddy eine vergleichsweise kleine Produktion ist, wird sie zunächst nur auf Festivals zu sehen sein. Erst später wird es eine Verbreitung per Streaming oder BluRay geben, sagt Mirbach.

Die technologischen Möglichkeiten der heutigen Zeit, mit Digitalfilm und -Schnitt, mit Vimeo, YouTube und Crowdfunding, eröffnen jungen Filmschaffenden eine ungleich mächtigere Ausgangsposition als noch vor ein paar Jahren, als die Planungen für Real Buddy begannen. Deshalb rät Frank Mirbach auch: "Schreibt etwas, schnappt euch die Kamera, guckt, dass ihr auf die Festivals kommt - Einfach machen!".

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Real Buddy Still

Schließlich leben die Genrenale und ähnliche Filmfestivals auch von den Beiträgen der jungen Filmschaffenden, die mit einem gewissen Pioniergeist vorangehen. Und je mehr gute Genrefilme es gibt, je sichtbarer diese vermeintlichen Nischenfilme in Deutschland werden, desto größer stehen letztlich auch die Chancen, dass die deutschen Filme den Muff von romantischen Komödien und schnulzigen Liebesdramen abschütteln können. Dann stehen die Chancen für eine Filmvielfalt wesentlich besser und wir, das Publikum, können uns an mehr guten Genrefilmen aus Deutschland erfreuen.

Infos zum Film Real Buddy gibt es auf der offiziellen Webseite: www.real-buddy.com, Aktuelles um den Film auf der Facebook-Seite sowie auf Instagram.


Frank Mirbach

Bereits vor seiner Aufnahme in die Kunsthochschule für Medien in Köln arbeitete Mirbach als Kamera- und Regieassistent für verschiedene Produktionen. Noch während des Studiums gründete er seine Firma Mineworks Film. Mit ihr realisiert der Regisseur, Produzent und Kameramann hauptsächlich Dokumentationen. Real Buddy ist der erste Ausflug in Genre-Gefilde.


Awards und Auszeichnungen

Bei den International Independent Film Awards in Encino, Kalifornien, hat Real Buddy den "Diamond Award" für die beste Kamera und den "Platinum Award" für den besten erzählerischen Langfilm erhalten.


Die Genrenale:

Die Genrenale ist als Gegenveranstaltung konzipiert: Während auf der Berlinale hochkarätige Dramen und politische Thriller laufen, widmen sich die Kurz-, Mittel-, und Langfilme des Off-Festivals lieber stimmungsvollem Horror, spannender Mystery oder krachender Action. Das Filmfestival fand dieses Jahr am 17. und 18. Februar in Berlin statt. Gezeigt wurden vor allem Kurzfilme und zwei Langfilme, daneben gab es auch Panels, Pitches und eine Preisverleihung.

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