Kritik zu Lucifer 2.03 - Sin-Eater

SPOILER

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Lucifer Still Sin-Eater

Was passiert eigentlich, wenn man Lucifer mit Elementen aus Saw mischt? "Sin-Eater" gibt wenigstens eine kleine Antwort auf diese Frage.

Für die Serie ziemlich ungewohnt steht dieses Mal der Fall der Woche im Vordergrund. Bereits die Eröffnungssequenz überrascht hierbei, haben wir bei Lucifer (Tom Ellis) immerhin noch nie die Perspektive eines Mörders eingenommen. Im Laufe der Folge stellt sich heraus, dass es sich um einen Serienmörder handelt, der seine Opfer für Cyber-Mobbing auf der Plattform namens Wobbler bestraft. Der Spannungsbogen hierbei ist jedoch eher mäßig und erinnert mit zum Teil offensichtlichen Hinweisen an eine "Der Gärtner ist immer der Mörder"-Lösung, wie man es sonst aus einem Tatort kennen könnte.

"Great balls of fire!"

Wesentlich spannender ist hierbei, dass die Serie mit "Sin-Eater" auf die Folgen des Cyber-Mobbing anspielt. Wie schnell ein Video hochgeladen ist, ist bekannt. Und wie viele ein Prank-Video oder gar einen Amateur-Porno gesehen haben, bevor er von den Plattformen entfernt wird, auch. Was dann aber mit den Leuten geschieht, die in solchen Videos zu sehen sind, wissen nur die wenigsten.

So erscheint der Suizid einer Lehrerin, deren Ex-Freund nach der Trennung aus Rache das BDSM-Video der beiden bei Wobbler online gestellt hat, in Chloes Erzählung zuerst überdramatisiert für die Handlung - schließlich kann die Lehrerin somit ganz bestimmt nicht mehr der potentielle Mörder sein. Dennoch fällt hier auf, dass in Lucifer öfter solche Untertöne zu finden sind und die Serie auf den ersten flüchtigen Blick gar nicht so oberflächlich ist, wie sie zuerst scheint.

"I thought someone was out there stealing my job."

Außerdem geht "Sin-Eater" auch näher auf Lucifers Aufgabe des Bestrafens ein. Einerseits ist es ihm ein persönliches Anliegen, den Mörder ausfindig zu machen - immerhin übernimmt dieser ungefragt seinen Job. Das kann der Teufel ihm nicht durchgehen lassen. Und: Lucifer möchte wissen, warum der Mörder straft. Die Antwort hierauf ist etwas unbefriedigend aufgelöst. Denn der Täter eskaliert mit gefühlten tägliche Morden für einen Serienmörder ungewöhnlich schnell; und Lucifer hält ihm vor Augen, dass er tötet, weil er sein Opfer gerne um ihr Leben betteln hört. Hier hätte man etwas mehr in die Tiefe gehen können, musste aber wohl wegen der anderen Erzählstränge in der Folge Abstriche machen.

Andererseits stellt auch Charlotte (Tricia Helfer) ihrem Sohn die nicht gerade unwichtige Frage, warum er immer noch Leute bestraft. Lucifers Entgegnung, dass dies reine Gewohnheit wäre, erscheint hier fast reflexartig. Und genau hier setzt Charlotte auch an. Sie provoziert ihn, dass er immer noch das macht, was sein Vater wollte.

In dem Erzählstrang um Chloe und Dan greift die Serie die Thematik dann noch weiter auf. Denn im Kern geht es hier um Paare, die getrennt sind, und die Auswirkungen auf die Kinder. Bei Charlotte ist klar, dass sie Söhne auf ihre Seite bringen will; Dan (Kevin Alejandro) und Chloe (Lauren German) wollen hingegen zum Wohle Trixies handeln.

"No one chooses to be a Sin-Eater."

Generell wird in der dritten Folge deutlich, welch verkorkste Familie Lucifer, Amenadiel (D.B. Woodside), Charlotte und "Dad" sind. Amenadiel hat sich, wenn es nach Charlottes Meinung geht, als treuer Soldat auf die Seite des Vaters gestellt. Hier wird auch endlich mal die Motivation für so manch Verhalten Amenadiels deutlich. Immerhin erfahren wir, dass er der große Bruder von Lucifer ist und somit zwangsläufig den Part des Aufpassers übernehmen muss. Umso härter trifft es den Zuschauer, dass da niemand ist, dem er seinem Kummer über seine aktuelle Situation anvertrauen kann. Stattdessen betäubt er sich mit Alkohol, wenn er allein ist - und hält nach außen hin die Fassade aufrecht. Lediglich Charlotte erkennt, dass ihr Sohn angeschlagen ist; wie sehr sie dies gerade nach dem Ende von "Liar Liar Slutty Dress on Fire" nutzen wird, bleibt offen und damit spannend.

"I punish because I'm good at it."

Zum Schluss hat Lucifer noch die passende Antwort für seine Mutter auf ihre Frage Eingangs der Folge parat. Er bestraft, weil er es gut kann. Damit ist ihm auch die passende Strafe für sie eingefallen, immerhin hat sie ihm im Laufe der Folge mehr als einmal blamiert - wer lässt sich schon gerne von Mama bei heißen Wachsspielchen mit der Affaire erwischen oder sieht sie im Club aufreizend auf dem Tisch tanzen? Er verdonnert sie zu ihrem Entsetzen dazu, das Leben von Charlotte weiterzuführen. Da die "echte" Charlotte verheiratet und Mutter zweier Kinder ist, könnte das für komödiantische als auch für leise Momente im Verlauf der Staffel sorgen.

Fazit

Auch die dritte Folge kann das Niveau der Serie halten. Für die Zukunft bleibt lediglich weiterhin zu wünschen, dass sowohl Ella (Aimee Garcia) als auch Linda (Rachael Harris) mehr Platz in der Serie eingeräumt wird - beide tauchen nur kurz auf, was ihre Charaktere nicht verdient haben. Und als letzter Wunsch bleibt nur, dass Chloe etwas lockerer wird. Sätze wie "Das ist eine Leiche, also etwas mehr Respekt bitte!" wollen nicht so recht zu ihr passen und lassen sie als deplatzierten Moralapostel stehen.

In der nächsten Woche geht es dann mit "Lady Parts" weiter.

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Lucifer Staffel 2

Originaltitel: Lucifer (seit 2016)
Erstaustrahlung am 25.01.2016 bei Fox / 15.06.2016 bei Amazon Prime Video
Darsteller: Tom Ellis, Lauren German, Kevin Alejandro, D. B. Woodside, Lesley-Ann Brandt, Scarlett Estevez, Rachael Harris
Produzenten: Tom Kapinos, Ildy Modrovich, Len Wiseman, Jonathan Littman, Jerry Bruckheimer
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 51+


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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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