Marvel's The Defenders: Kritik zur 1. Staffelhälfte

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The Defenders Marvel

Im November 2013 kündigten Marvel und Netflix an, dass sie Daredevil, Jessica Jones, Iron Fist und Luke Cage gemeinsam als The Defenders in ein Serienabenteuer schicken werden. Ganz nach dem Vorbild der Avengers sollten die vier Helden zunächst in eigenen Soloserien vorgestellt werden, bis sie schließlich zusammenfinden. Knapp vier Jahre nach der Ankündigung ist es nun endlich soweit: Die Defenders vereinen sich zum ersten Mal.

Nach den Geschehnissen in der ersten Staffel von Iron Fist (Finn Jones), befindet sich Danny Rand auf einer weltweiten Jagd nach den Mitgliedern der Hand. Doch dann erfährt er, dass die größte Gefahr in New York City lauert. Und so kehrt Danny in die Stadt zurück.

Auch Luke Cage (Mike Colter) ist hier wieder auf freiem Fuß, nachdem ihm ein gewisser Foggy Nelson (Elden Henson) als Anwalt zur Seite stand. Ohne es zu wissen, wird Luke bald in einen Fall gezogen, an dem zeitgleich auch seine Ex-Freundin Jessica Jones (Krysten Ritter) arbeitet. Matt Murdock (Charlie Cox) hat währenddessen seinem Doppelleben als Daredevil abgeschworen, da ihn Schuldgefühle am Tod von Elektra plagen. Allerdings fällt es ihm zunehmend schwer, sich an den Schwur zu halten.

Gemächlicher Einstieg

Wäre die Teamserie unmittelbar nach der zweiten Staffel von Daredevil an den Start gegangen, wäre sie vermutlich auf deutlich größere Euphorie getroffen, als es nun der Fall ist. Mit den beiden Staffeln von Daredevil und Staffel 1 von Jessica Jones gelang Marvel ein hervorragender Start für die Defenders. Leider folgten im Anschluss mit Luke Cage und Iron Fist zwei Formate, die in vielen Belangen enttäuschten.

Besonders offensichtlich wurde dabei, dass die Serienmacher zunehmend Probleme hatten, die 13 Episoden einer Staffel mit einer durchweg spannenden Handlung zu füllen. Schon in Jessica Jones gab es im Mittelteil einige Längen, allerdings sorgten die starken Darsteller dafür, dass diese nicht so sehr ins Gewicht fielen. Bei Luke Cage und Iron Fist war das Problem dann offensichtlich und führte dazu, dass die Geschichte sich träge und mitunter langweilig anfühlte.

Vor diesem Hintergrund konnte man es nur begrüßen, dass Marvel und Netflix sich bei The Defenders dafür entschieden, nur acht anstatt der bisher üblichen 13 Episoden zu produzieren. Eine gestraffte Handlung mit einem Fokus auf das Wesentliche klang nach Luke Cage und Iron Fist nach der richtigen Entscheidung. Umso überraschender ist es daher, dass The Defenders fast drei Folgen benötigt, um wirklich Tempo aufzunehmen. Besonders die erste Episode wirkt eher so, als wäre man in den jeweiligen Einzelserien gelandet.

Das Team der Unwilligen

Die einzelnen Helden interagieren zunächst einmal nur mit den ihnen bekannten Nebencharakteren, wobei es primär darum geht zu zeigen, was Matt, Jessica, Danny und Luke gerade so treiben. Dies ist aber nicht viel, sodass die erste Episode wie ein überlanger Prolog wirkt, der sicherlich auch in der Hälfte der Zeit hätte erzählt werden können. Allerdings ist zumindest die optische Gestaltung interessant geraten. Sobald die Handlung zu einem Charakter springt, wechselt auch die Farbgebung, wobei man sich an den jeweiligen Einzelserien orientiert. Während in den Szenen mit Luke Cage beispielsweise ein gelber Farbton vorherrscht, sind die Jessica-Jones-Momente erneut eher im Film-noir-Stil gehalten.

Spätestens mit der dritten Folge nimmt The Defenders dann an Tempo auf und die Spannungskurve steigt. Haben sich die vier Helden schließlich gefunden, bekommt der Fan endlich die Interaktionen, auf die man jahrelang gewartet hat. Das erste Aufeinandertreffen gehört zu den Highlights der ersten Staffelhälfte und bringt zudem eine hervorragend choreografierte Actionszene. Vor allem Iron Fist kann sich hier beweisen, dessen Kampfkünste von Regisseur Peter Hoar deutlich besser inszeniert wurden als in der Soloserie.



Zugegeben, es wirkt zwischenzeitlich schon etwas befremdlich, wie zunächst einmal andauernd betont wird, dass abgesehen von Iron Fist keiner der Helden Interesse an einer Zusammenarbeit hat. Gerade Daredevil wurde von den Autoren in eine Ausgangssituation geschrieben, die etwas überraschend kommt, da sie am Ende der zweiten Staffel nicht einmal ansatzweise angedeutet wurde. Auch bei Jessica Jones lässt sich zunächst nur wenig Charakterentwicklung feststellen. Die Hoffnungen liegen hier auf der zweiten Staffelhälfte, da besonders Episode 4 Mut macht.

Neben den Helden ist auch der Gegenspieler der Defenders dem Zuschauer durchaus vertraut. Sowohl Daredevil als auch Iron Fist haben sich in ihren Soloserien schon mit der Hand angelegt, wobei beide auf ganz unterschiedliche Inkarnationen getroffen sind. The Defenders ergründet nun die Hintergründe und präsentiert mit Sigourney Weaver zudem die Anführerin der Organisation. Allein durch die Darstellerin gewinnt die Hand an Faszination hinzu.

Fazit

The Defenders startet trotz geringerer Episodenzahl erstaunlich gemächlich. Besonders der Auftakt hätte mehr Tempo und weniger Exposition vertragen können. Ab der dritten Folge nimmt das Geschehen dann an Fahrt auf und bringt den Zuschauern endlich die Momente, auf die man so lange gewartet hat. Man kann nur hoffen, dass die zweite Staffelhälfte darauf aufbaut.

Marvel’s The Defenders | Offizieller Trailer 3 | Netflix [HD]

The Defenders Logo

Originaltitel: Marvel's The Defenders (2017)
Erstaustrahlung am 18.08.2017
Darsteller: Charlie Cox (Matt Murdock/Daredevil), Krysten Ritter (Jessica Jones), Mike Colter (Luke Cage), Finn Jones (Danny Rand/Iron Fist), Élodie Yung (Elektra Natchios), Sigourney Weaver (Alexandra)
Produzenten: Douglas Petrie, Marco Ramirez, Drew Goddard, Jim Chory, Jeph Loeb
Staffeln: 1
Anzahl der Episoden: 8


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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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