Das Ende ist nah: Kritik zum Auftakt von Aftermath auf Syfy

"Das Ende ist nah" heißt es die nächsten Wochen immer dienstags: Syfy zeigt die Apokalypse-Serie Aftermath in deutscher Erstausstrahlung.

Darum geht es

Die Bilderbuchfamilie Copeland bewirtschaftet irgendwo im US-Hinterland eine Farm. Vater Joshua (James Tupper) ist Kulturwissenschaftler und arbeitet als Professor der Anthropologie an einer Uni. Ehefrau Karen (Anne Heche) war einst Pilotin im Militär, kümmert sich nun aber eher um Haus, Hof und Familie.

Ihre fast erwachsenen Kinder sind auf dem Sprung, das elterliche Nest zu verlassen, tragen aber alle so ihre eigenen Probleme mit sich rum. Sohn Matt (Levi Meaden) sinniert nach einer Sportverletzung über seine Zukunft, und auch die äußerst unterschiedlichen Zwillingsschwestern Dana (Julia Sarah Stone) und Brianna (Taylor Hickson) müssen ihren Weg noch finden.

Lange Zeit blieben die Copelands eher unberührt von den diversen merkwürdigen Naturkatastrophen, die über die Welt in letzter Zeit hereinbrachen. Doch mit einem Schlag erreicht auch sie der radikale Wandel. Nichts ist mehr, wie es war, und sie sehen sich nicht nur mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Fischregen konfrontiert, sondern auch mit einer Seuche sowie Dämonen, Gestaltwandlern und einem Schlangen-Gott. Gemeinsam stellen sie sich dem drohenden Weltuntergang.

Aftermath, Beforemath oder einfach Math?

Die Pilotepisode verliert keine Zeit. Zwar heißt die Serie Aftermath, doch bekommt man zumindest einen kurzen Einblick ins Leben vor den mysteriösen Ereignissen und befindet sich eher noch mitten im Geschehen. Vom Umgang mit der Katastrophe, dem Aftermath, sieht man erstmal nicht viel.

Man hechtet von einer Szene zur nächsten und hat keine Zeit, das Gezeigte irgendwie zu verarbeiten. In einem Moment wird noch von Naturkatastrophen und von einer Krankheit, die Menschen verrückt macht, geredet, im nächsten regnet es Fische. Gleich weiter zu dämonischen Schattenwesen, die Körper von Leuten besetzen können, und Begegnungen mit den sogenannten "Feverheads" - erkrankte Menschen, die randalierend und mordend durch die Gegend ziehen und sich dabei ähnlich Zombiehorden verbünden.

Damit wäre man vielleicht gerade mal bei der Hälfte der ersten Episode. Auch im weiteren Verlauf schafft Aftermath das unterzubringen, wofür andere Serien des Genres viele Jahre brauchen.

Dass nichts davon erklärt und lediglich von Joshua, dem Anthropologie-Professor, irgendwie mythisch und biblisch eingeordnet wird, wäre eventuell gar nicht mal so tragisch, wenn denn der Rest passen würde. So fühlt es sich eher wie ein "Was bisher geschah"-Schnelldurchlauf einer ersten Staffel an, die es nie gab. Oder aber man hatte die berechtigte Befürchtung, dass man nur wenige Episoden Zeit hat, und so ein ganzes Serienkonzept in lediglich eine Staffel gestopft.

Von Klischee-Mythen und fragwürdigen Charakteren

Ein gewisser mythischer Aufbau mit Verweisen auf Bibel und Co. ist gar nicht so unüblich für eine Apokalypse-Geschichte. Blöd jedoch, wenn diese eher holzschnittartig eingebaut wird. Dass man sich erst Sorgen mache, wenn man Trompeten hört und dies im Verlauf der Episode durch Jazzmusik geschieht, ist so platt, dass es doch für einen Schmunzler reichte. Auch die überwiegend charakteruntypisch scheinenden Sprüchen können erheitern - oder nerven, je nachdem in welcher Stimmung man ist.

Die Betonung liegt allerdings auf "scheinend", denn so wirklich weiß man überhaupt nicht, wer denn nun diese Hauptcharaktere sind, mit denen man mitfiebern soll. Auf Figurenaufbau wird weitreichend verzichtet.

Zwar ist es nett zu sehen, dass hier mit Karen eine kampferprobte Helikopterpilotin den Draufgänger-Part übernimmt und sich ihr Ehemann über die religiöse Einordnung Gedanken macht - ihr Umgang miteinander lässt aber, wie auch bei den Kindern, auf wenig Harmonie und Respekt füreinander schließen. Auch dass auf die schlimmsten Vorfälle eher mit Ignoranz und einem Schulterzucken reagiert wird, macht es dem Zuschauer schwer, die Ernsthaftigkeit der Lage sowie das Familiencredo "gemeinsam schaffen wir das alles" und die Sorge umeinander ernsthaft abzunehmen.

Ein kurzes Vergnügen

"Das Ende ist nah" kann auch als Kommentar bezüglich der Laufzeit gesehen werden. Bereits nach der ersten Staffel mit lediglich 13 Episoden wurde die Serie abgesetzt. Dabei war es ein Gemeinschaftsprojekt von Syfy USA und Space.

Die Quoten lagen mit durchschnittlich rund 594.000 Zuschauern pro Folge im soliden Mittelfeld. Dennoch entschied man sich, vermutlich auch wegen der derzeitig zahlreichen weiteren Projekte, gegen eine Fortführung.

Fazit

Wer eine längerfristige Serie mit solider Grundsubstanz und Faktencheck wünscht, ist mit Aftermath vermutlich nicht ganz so gut bedient. Dabei kann die Serie durchaus unterhalten, insbesondere wenn man sie mit Freunden sieht. Wer einfach seichte Kurzweil sucht oder SchleFaZ mag, wird auch mit Aftermath sicher seinen Spaß haben.

Von der Qualität und dem Unterhaltungsfaktor der ebenfalls eher irren Syfy-Serie Z Nation ist die Serie jedoch leider weit entfernt.

Syfy zeigt Aftermath ab dem 5. September immer dienstags um 21.00 Uhr.

Der Sommer ist vorbei - Zeit für eine neue Serie! Aftermath ab 5.9. um 21:00 Uhr auf SYFY.

Posted by Syfy on Montag, 4. September 2017

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