Spides: Robots and Dragons auf Setbesuch bei der neuen SYFY-Serie

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Es ist ein kalter Februarmorgen, an dem zum Setbesuch der Sci-Fi-Serie Spides eingeladen wurde. Vom 21. Stockwerk des ehemaligen Postbank-Gebäudes am Halleschen Ufer hat man einen schönen Ausblick - und eine wunderbare Kulisse für eine Mystery-Serie. Das Set passt auch: In ordentlichen Reihen sind Tische und Stühle aufgebaut, eine Polizeidienststelle soll dies darstellen. Wenn nun nur noch die Sonne dramatisch hinter den Wolken hervorschauen würde, wäre der Effekt komplett. Oder? Der Produzent Alexander Kiening winkt ab: Graue Wolken mit diffusem Licht seien viel besser, weil sie eine lange Drehzeit ermöglichen. Einleuchtend.

Auf dem Set von Spides ist es sehr geschäftig: Viele Leute laufen durcheinander, aber immer mit einem Ziel, es scheint, als hätte jede und jeder mindesten vier Aufgaben gleichzeitig. Alle haben Walkie-Talkies umgeschnallt, sprechen sich untereinander ab - und dann sind da auch noch die Journalisten, die zwischen Kulisse und Lampenkabeln herumstolpern. Die Gäste sollen der Aufzeichnung einer kleinen Szene beiwohnen - das aber lässt lange auf sich warten, erst klappt die Verbindung zum Monitor-Screen nicht, dann gibt es keinen Ton. “Filming is waiting” scherzt man hier viel.

Alles Profis, alles auf Englisch

Als dann schließlich die Verbindung steht, können die versammelten Journalisten die Szene verfolgen. Auch wenn eigentlich der gesamte Kontext der Situation fehlt: Es wird klar, dass hier alle mit hoher Professionalität herangehen und auch diese kleine Szene mit allem möglichen Ernst inszeniert wird. Die Schauspielerin spricht in ein Telefon: Jemand sei ermordet worden, eine Sache für den Staatsanwalt, der aber habe eigene Interessen. Alles auf Englisch, die Setsprache hier bei den Dreharbeiten zu Spides.

Denn wie später im Gespräch mit dem Autor und Regisseur Rainer Matsutani, den Produzenten Alexander Kiening und Bernd Schloetterer klar wird: Es soll eine international konkurrenzfähige Serie sein, die man hier produziert. Aber klappt das auch? Immerhin haben Genre-Produktionen - und Spides schmückt sich mit sichtlicher Freude mit diesem Titel - in Deutschland einen eher schwierigen Stand. Alles wird immer mit den hohen Produktionsstandards aus den USA verglichen, da können Serien aus Deutschland in Bezug auf Budget, Professionalität und Schauspiel selten mithalten.

Mit Spides wollen aber Matsutani und Kiening beweisen, dass das Genre auch aus Deutschland überzeugen und funktionieren kann. Schaut man sich am Set um und lauscht den Ausführungen der Profis vom Spezialeffekte-Studio Baby Giant, dann möchte man ihnen glauben. Enthusiastisch erzählen Daniel von Braun und Heiko Nemmert von Baby Giant von der Arbeit, die sie in Spides gesteckt haben, in das Design der fremden Welten, in die Spides entführen soll. Dass Studios aus Deutschland gerne für internationale und US-amerikanische Produktionen gebucht werden, sollte spätestens seit Game of Thrones bekannt sein. Viel Talent gibt es hierzulande also, liegt aufgrund der eher eingefahrenen, sich auf Liebeskomödien wahlweise von und mit Til Schweiger oder Elyas M’Barek konzentrierenden Filmwirtschaft vielleicht sogar brach.

Zwillings-Krimi

Allerdings sollen die Spezialeffekte ja nicht das einzige Highlight sein, auch die Handlung soll überzeugen. In acht Episoden mit je 45 Minuten Laufzeit will Spides eine spannende Geschichte erzählen, um Jugend, Selbstfindung, Drogen, Verschwörungen und Aliens. Im Mittelpunkt steht die junge Frau Nora Berger, gespielt von Rosabell Laurenti Sellers (Game of Thrones), die eines Tages entdeckt, dass sie einen Zwilling besitzt. Zu allem Überfluss hat Nora nach der Einnahme einer neuen Droge auch noch Amnesie und muss ihrer eigenen Familiengeschichte auf den Grund gehen. Gleichzeitig ermitteln zwei Polizisten auf der Spur dieser Droge und stellen sich einer zunehmend größeren Verschwörung entgegen.



Ein bisschen erinnert das Ganze an die erfolgreiche Serie Orphan Black - da ging es auch um Zwillinge (und Klone) und Verschwörungen. Rainer Matsutani gesteht diese Parallelen ein, man wolle sich aber eher auf die Unterschiede konzentrieren. Denn bei Spides kommt hinzu, dass es auch um Außerirdische geht, die es wohl auf die Erde abgesehen haben.

Das klingt alles ein bisschen abgefahren, aber angesichts der allein in Kurzfilmen existierenden Genre-Film-Szene in Deutschland wäre es wünschenswert, wenn Spides wenigstens ein moderater Erfolg wird. Immerhin würde das vielleicht auch anderen Teams und Produzenten den Mut geben, vielleicht ihr Geld in etwas anderes als Krimis oder Til-Schweiger-Schmonzetten-Verbrechen zu stecken.

Die Voraussetzungen, eine an internationale Qualität anknüpfende Serie zu sein, hat Spides jedenfalls. Ob es die Serie auch über seine acht Folgen schafft zu überzeugen, kann man ab dem 5. März auf Syfy verfolgen.

Spides Trailer #1

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