Star Trek: The Next Generation - Ein Nicht-Trekkie guckt "Mission Farpoint"

30 Jahre TNG

Liebe Leser von Robots & Dragons. Ihr müsst jetzt stark sein. Denn es gibt sie. Die eine Person in der Redaktion, die noch nie eine einzige Folge von Star Trek: The Next Generation gesehen hat. Die es geschafft hat, 178 Episoden, die in sieben Staffeln entstanden sind, über dreißig Jahre - oder auch 27 Jahre, rechnet man von der Erstausstrahlung im ZDF - zu ignorieren. Die, anders als unser Star-Trek-Experte Björn, nicht auf dem ersten Blick einen Trailer detailliert analysieren kann. Die nicht versteht, warum man in Erwägung zog, das veränderte Aussehen der Klingonen zwischen Star Trek: The Original Series und Star Trek: The Next Generation zu erklären. Die Wil Wheaton primär mit Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers und Jonathan Frakes mit Fackeln im Sturm verbindet. Diese Person bin ich.

Jedoch möchte ich mir der Faszination Star Trek nicht mehr länger verschließen. Denn die Faszination und Freude ist bei den Trekkies von Robots & Dragons greifbar. Also gibt es fast keinen besseren Anlass, als den 30. Geburtstag von TNG, um sich die Pilotfolge "Mission Farpoint" anzusehen. Mit dem gängigen Popkultur-Wissen; aber ohne fundiertes Expertenwissen.

Vorhang auf für Professor X und Stanley Hazard

Bereits das Intro der Serie beschert mir ein leises Lächeln, da ich von einem Intro zu einer Sci-Fi-Serie nichts anderes erwartet habe. Zu einer schmissigen Fanfare präsentiert sich die USS Enterprise von allen Seiten. Mal fliegt sie von oben links ins Bild, nur um sich dann für einen detaillierten Blick von unten langsam aufsteigend zu präsentieren, bevor sie rasant aus dem Bildschirm verschwindet.

Nach dem Intro erwartet mich mit Sir Patrick Stewart als Captain Jean-Luc Picard ein vertrautes Gesicht - er sieht beinah aus wie heute, hat allerdings noch ein paar wenige Haare. Sein Status auf der USS Enterprise ist bereits in der ersten Szene deutlich: Leute, die ihm begegnen, nicken ihm mit einem respektvollen "Sir" zu. Für einen Neuling wie mich schon einmal die beste Orientierung.

Als Picard die Brücke betrifft und von der "Komplexität des Schiffes" spricht, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Der Achtzigerjahre-Plüsch mit dem Teppich und den Sesseln, die mich an die Sitze im GMC Vandura des A-Team erinnern, wirkt nicht sonderlich komplex.

Wer macht was auf der Brücke?

Dennoch fällt mir auf, wie die Folge mit wenigen Mitteln auch Neueinsteigern schnell die einzelnen Figuren vermittelt. Umgehend ist klar, dass es sich bei Data - sofern man es nicht sofort aufgrund des Namens kapiert hat - um keinen Menschen handeln kann. Lediglich bei Deanna Troi ist mir nicht sofort klar, was ihre Position ist. Ich begnüge mich damit, dass sie anscheinend so etwas wie ein Medium ist und stelle nebenbei fest, dass Marina Sirtis mit glatten Haaren besser aussieht, als mit der für die Achtziger üblichen wilden Lockenmähne.

Lediglich der Klingone auf der Brücke irritiert mich, da mein Popkultur-Wissen nur die Information gespeichert hat, dass Klingonen eigentlich nicht im Dienst der Sternenflotte stehen.

Möchtest du ein Q kaufen?

Bevor ich jedoch weiter darüber nachdenken kann, wird die friedvolle Stimmung unterbrochen und eine Figur tritt auf, die sich auf der Brücke der USS Enterprise reichlich daneben benimmt und erst einmal ein Besatzungsmitglied schockfrostet. Ein Guter ist der nicht, dieser Typ, der binnen kurzer Zeit ganze drei Mal sein Kostüm wechselt. Nun ist meine Neugier definitiv geweckt. Und dann wird es auch schon richtig actiongeladen - das Schiff wird vom Gegner verfolgt, zur Rettung wird die Untertassensektion abgetrennt. Allerdings erschließt sich mir nicht, warum ein eigentlich spannender Moment mit einer triumphalen, fast fröhlich anmutenden Musik unterlegt wird.

Die anschließende Situation in dem Gerichtssaal nimmt das Tempo wieder heraus und sorgt bei mir für einige unfreiwillig komische Momente. Anscheinend war es in den Achtzigern einer Frau nicht zuzumuten, ein kleine Kampfszene zu drehen. Anstelle von Denise Crosby als Tasha Yar agiert eindeutig ein Stuntman mit einer preiswert anmutenden Perücke. Zu allem Übel erinnert mich Q mit seinem Gerichts-Outfit irgendwie an einen Time Lord. Als sich dann auch noch ausgerechnet Picard an einem Zitat William Shakespeares bedient, ist es mit dem nötigen Ernst für den Rest der Szene vorbei.

Das macht aber auch nichts, da nun der - wie mir redaktionsintern versichert wurde - Frauenliebling von TNG die Bühne betritt: Commander Riker. Frakes sieht mit Bart jedoch männlicher aus, finde ich, hier wirkt er eher noch etwas weich im Gesicht. Allerdings nehme ich Riker sofort ab, dass er durch und durch ein Commander ist. Die erste Arbeitsprobe des manuellen Ankoppelns meistert er jedenfalls scheinbar mühelos.

Rette die ... ähm ... Qualle?!

Damit ist nach gut der Hälfte der Folge des Setting gesetzt, und die Besatzung kann sich der Aufgabe von Q stellen. Zwar mag für mich keine richtige Spannung aufkommen, allerdings langweilt mich die Folge auch nicht - also scheint sie mich ja in gewisser Weise zu fesseln.

Dies mag zugegeben in manchen Momenten darin liegen, dass sie wie ein Autounfall wirken; ich kann einfach nicht wegsehen. Sei es wieder ein Stuntman, der für Brent Spiner die Steine herunter springt, um Wesley Crusher aus dem Wasser zu ziehen. Sei es das sichtlich schmale Budget für die Ausstattung und die Miniaturen. Sei es, dass auch ich nach nicht einmal einer Folge verstanden habe, warum Trekkies in der Regel wenig mit Wesley Crusher anfangen können - dabei sehe ich dank seiner Figur eine fast revolutionäre Kameraführung auf der Brücke. Oder die Tatsache, dass die Menschheit mittlerweile im 24. Jahrhundert lebt und nichts besseres zu tun hatte, als Kaffeetassen ohne Henkel zu designen. Vermutlich hat sich Picard mehr als einmal seine Finger verbrannt.

Ebenso wirken manche Dialogzeilen unnötig. Es reicht am Ende nicht, dass alle mit einem seligen Lächeln, den beiden quallenartigen Wesen zusehen, wie sie nach der Trennung tentakelhaltend davonschweben. Nein, da muss wieder Deanna Troi mitteilen, dass sie große Freude empfindet, damit auch der letzte Zuschauer das Happy End dieser Folge auch wirklich verstanden hat.

Jedoch hat mich "Mission Farpoint" besser unterhalten, als ich es zunächst erwartet hätte. Das mag zu einem daran liegen, dass ich als Whovian mich an den Sternenwal aus Staffel 5 von Doctor Who und auch etwas an die Folge "Fleisch" aus Staffel 2 von Torchwood erinnert und ein wenig heimisch fühle.

Aber ganz bestimmt liegt es daran, dass ich - jeder unfreiwilligen Komik und Autounfall-Momenten zum Trotz - nachvollziehen kann, was Trekkies an der Serie fasziniert. Denn "Mission Farpoint" hat mich nicht zum Abschalten animiert. Viel mehr möchte ich wissen, wie es für die Crew weitergeht, schließlich scheint das Duo Data/Riker vielversprechend zu sein. Und Picard ist auch kein schlechter Typ. Jedenfalls scheint er mir als Captain wesentlich begabter, ruhiger und diplomatischer zu sein als Captain Kirk.

Glückwunsch, Star Trek. Du hast es damit geschafft. Ich weiß jetzt, wie ich verregnete Wochenenden verbringen werde. Ich habe schließlich noch 176 Episoden, die ich nachholen muss.

Star Trek: The Next Generation Poster Staffel 2

Originaltitel: Star Trek: The Next Generation (1987-1994)
Erstaustrahlung am 28. September 1987 / 07. September 1990 im ZDF
Darsteller: Patrick Stewart (Jean-Luc Picard), Jonathan Frakes (William T. Riker), Brent Spiner (Data), LeVar Burton (Georgie LaForge), Michael Dorn (Worf), Gates McFadden (Dr. Bevery Crusher), Marina Sirtis (Deanna Troi), Wil Wheaton (Wesley Crusher, Staffel 1-4), Denise Crosby (Tasha Yar, Staffel 1), Diana Muldaur (Katherine Pulaski, Staffel 2)
Produzenten: Gene Roddenberry, Rick Berman
Staffeln: 7
Anzahl der Episoden: 178


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