Jessica Jones: Kritik zum Auftakt der 2. Staffel

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Jessica Jones Staffel 2

Als im November 2015 die erste Staffel von Jessica Jones erschien, war die Marvel-Welt auf Netflix noch heil. Nach Daredevil hatte die Zusammenarbeit des Streaming-Anbieters mit dem Filmstudio die zweite Erfolgsserie hervorgebracht, und es schien, als würde Marvel auch auf Netflix von Erfolg zu Erfolg eilen. Mit Luke Cage und Iron Fist war das Line-up für die Team-Serie The Defenders dann komplett, nur leider konnten die beiden Solo-Serien nicht mehr an die Qualität von Daredevil und Jessica Jones anknüpfen. Und auch das große Zusammentreffen der vier Helden in The Defenders blieb etwas hinter den Erwartungen zurück. Nun ist Jessica Jones mit ihren zweiten Solo-Abenteuer zurück, und es stellt sich die Frage, ob die Macher an die starke erste Staffel anknüpfen können.

Die Suche nach Antworten

Nach den Geschehnissen in der 1. Staffel wird Jessica Jones (Krysten Ritter) immer noch mit ihrer neu gewonnenen Popularität konfrontiert. Während viele Menschen in New York sie für eine Heldin halten, sehen andere sie eher als Mörderin. Besonders Letzteres setzt ihr zu, schließlich kann sie nicht abstreiten, dass sie Killgrave tatsächlich getötet hat. Um sich mit diesen Gefühlen möglichst wenig auseinandersetzen zu müssen, widmet sich Jessica vor allem Aufträgen, die sie relativ kalt lassen. Dies ändert sich jedoch eines Tages, als ein Klient vor ihren Augen getötet wird.

Es stellt sich schon bald heraus, dass der Ermordete nicht nur die Hilfe der Privatermittlerin gebraucht hätte, er steht auch mit ihrer Vergangenheit in Verbindung. Durch seinen Tod kommen Jessica und ihre Freundin Trish (Rachael Taylor) dem Unternehmen auf die Spur, das hinter Jessicas Kräften stecken könnte. Allerdings gibt es eine unbekannte Person, welche die Geheimnisse des Unternehmens mit allen Mitteln hüten möchte und dazu auch über Leichen geht.

Im Vorfeld des Staffelstarts stellte Netflix Pressevertretern die ersten fünf Episoden zur Verfügung. Leider zeigen diese zunächst einmal einen recht holprigen Start. Dass Netflix-Serien im Allgemeinen und Marvel-Serien im Besonderen gern einmal mit Tempo-Problemen zu kämpfen haben, ist keine Neuigkeit. Oft hat man das Gefühl, dass die Handlung für die Laufzeit der Serie gestreckt wird, was zu der einen oder anderen Länge führt. Im Falle der 2. Staffel von Jessica Jones kann man nur hoffen, dass diese Längen sich alle am Anfang wiederfinden. Ganz im Gegensatz zur 2. Staffel von Daredevil beispielsweise, wo man in den ersten vier Folgen mit einem hohen Tempo begann, entwickelt sich der Plot nur sehr langsam, und die Handlung plätschert zunächst vor sich hin. Erst ab Episode 4 nimmt die Geschichte so langsam an Fahrt auf.

Jessica Jones Staffel 2

Bekannte und neue Gesichter

Auch wenn die Handlung nicht ganz das Spannungslevel von Staffel 1 erreicht, die bekannten Charaktere funktionieren immer noch sehr gut. Neben Jessica bekommen auch Trish und Malcolm etwas mehr Zeit eingeräumt, was zumindest für etwas Abwechslung sorgt, vor allem wenn die Figuren miteinander interagieren. Etwas losgelöst wirkt dagegen zunächst die Geschichte von Jeri Hogarth. Die Anwältin wird mit einer ALS-Diagnose konfrontiert und verbringt die ersten Episoden damit, dies zu verarbeiten. Das Ganze ist allerdings etwas zäh, was vor allem auch daran liegt, dass die Hogarth-Szenen die Haupthandlung unterbrechen und kaum etwas zum Plot beitragen.

Etwas unspektakulär sind auch die neuen Charaktere geraten. Da wäre zum einen J.R. Ramirez als Oscar, Jessicas neuer Nachbar. Dieser ist von den Fähigkeiten der Privatdetektivin erst einmal alles andere als begeistert, allerdings ändert er seine Meinung dann doch sehr schnell. Etwas anders sieht die Sache bei Pryce Cheng (Terry Chen) aus, der Jessica zunächst für sein Unternehmen verpflichten möchte. Nach einem eher unschönen Zusammentreffen nimmt er von diesem Plan aber schnell Abstand. Der dritte neue Mann im Bunde ist Hal Ozsan, der den neuen Freund von Trish spielt. Von den drei Genannten ist die letztgenannte Figur noch am interessantesten geraten. Letztendlich hinterlassen aber alle drei in den ersten fünf Folgen keinen herausragenden Eindruck.

Kein Kilgrave-Ersatz in Sicht

Dass David Tennants Kilgrave eines der Highlights der 1. Staffel von Jessica Jones war, dürfte niemand in Abrede stellen. Kilgrave ist neben Loki und dem Kingpin in Daredevil sicherlich der beste Gegenspieler in Marvels Cinematic Universe. Wie wichtig die Figur für Jessica Jones war, wird auch in Staffel 2 deutlich. Die Abwesenheit eines starken Gegenspielers ist eine spürbare Schwäche in den ersten Folgen. Auch wenn man mit Janet McTeers geheimnisvollem neuen Charakter versucht hat, einen Ersatz zu schaffen, wird Kilgrave schmerzlich vermisst. Seine im Vorfeld angekündigte Rückkehr lässt hoffentlich nicht zu lange auf sich warten. In den ersten Folgen sind zunächst keine Anzeichen zu erkennen.

Jessica Jones Staffel 2

Gemeinsames Universum oder nicht?

Ebenfalls auffällig ist, wie die Autoren anscheinend alle Geschehnisse, die nicht in der ersten Staffel stattgefunden haben, ignorieren. Das gemeinsame Marvel-Universum war schon immer ein zweischneidiges Schwert. Während nicht wenige Fans sich möglichst viele Verbindungen wünschen, haben andere Zuschauer keine Lust darauf, sich jede Serie anschauen zu müssen. Im Falle von Jessica Jones scheint man vor allem auf letztere Zielgruppe zu hören. Wenn man es nicht genauer wüsste, könnte man denken, dass The Defenders für Jessica nie stattgefunden hat. Es wird praktisch mit keinem Wort erwähnt. Zwar gibt es einmal einen kurzen Cameo, dieser hat jedoch keine Auswirkungen und wirkt wie schlechter Fanservice. Natürlich sollte Jessica Jones für sich stehen und nicht nur aus Referenzen auf andere Serien und Filme bestehen, es stellt sich aber schon die Frage, was genau ein gemeinsames Universum bringt, wenn man einfach alles abgesehen von der eigenen Serie ausblendet und so tut, als wären bestimmte Dinge nicht passiert.

Fazit

Die 2. Staffel von Jessica Jones startet schwächer als der Vorgänger. Ein eher gemächliches Erzähltempo und das Fehlen von Kilgrave machen sich doch deutlich bemerkbar. Die bekannten Figuren erweisen sich zunächst als Hauptgrund, die Serie weiter zu verfolgen. Mit zunehmendem Verlauf scheint die Geschichte aber an Fahrt aufzunehmen, und man kann nur hoffen, dass die Steigerung anhält.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Marvel/ Netflix
Jessica Jones Promoposter

Originaltitel: Marvel's Jessica Jones (2015)
Erstveröffentlichung am
20.11.2015 bei Netflix
Darsteller:
Krysten Ritter, Mike Colter, Rachael Taylo, Carrie-Anne Moss, David Tennant
Produzenten: Melissa Rosenberg, Liz Friedman, Allie Goss, Kris Henigman, Cindy Holland, Alan Fine, Stan Lee, Joe Quesada, Dan Buckley, Jim Chory, Jeph Loeb, Melissa Rosenberg
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 26+

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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