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Zahnloses Vergnügen: Kritik zu Meg

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Meg Horrofilm 2018

Sommerzeit, Badezeit. Gerade bei den derzeitigen Temperaturen zieht es viele an den See oder ans Meer. Da passt Meg doch recht gut in das Sommerloch. In dem Actionstreifen mit Jason Statham rückt demselben ein Riesenhai auf die Pelle, von dem man bisher dachte, dass er ausgestorben sei. Schade nur, dass man sich bei dem munteren Hai-frisst-Mensch-Spielchen so wenig getraut hat. Denn der Thriller kommt ziemlich blutleer daher.

Haialarm unter Wasser

Ein U-Boot steckt fest: Nach einem Angriff von einem riesigen Hai liegt ein Forscher-U-Boot auf dem tiefsten Meeresgrund, die Insassen müssen ums Überleben kämpfen. Der Meeresforscher Dr. Minway Zhang (Winston Chao) holt den erfahrenen Taucher Jonas Taylor (Jason Statham) hinzu, um die Besatzung vor dem sicheren Tod zu retten. Taylor zögert - vor Jahren hatte er schon einmal eine Mannschaft verloren, als ihn der Urzeithai unter Wasser angriff. Doch damals wollte ihm niemand Glauben schenken.

Diesmal soll es anders laufen. Dafür sorgt schon der neugierige Milliardär Jack Morris (Rainn Wilson aus The Office, Super) mit seinem Meereszentrum, der die neue Expedition finanziert und auch selbst an Bord den Forschern über die Schulter schaut. Die neue Crew (unter anderem Cliff Curtis aus Fear the Walking Dead, und Ruby Rose aus John Wick 2, Triple X - Die Rückkehr des Xander Cage und Orange is the New Black) ist tatendurstig. Auch die Tochter Zhangs (Li Bingbing) gehört zum Team. Sie alle haben sich vorgenommen, niemanden auf dem Meeresgrund zurückzulassen. Doch die Mission wird komplizierter als gedacht, denn so ein urzeitlicher Riesenhai lässt sich nicht so einfach töten ...

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Meg

Haps, haps, hurra?

Der Actionthriller Meg basiert auf dem Roman Meg - Die Angst aus der Tiefe von Steve Alten aus dem Jahr 1997. Altens Buch wurde im Windschatten von Monsterthrillern wie Michael Chrichtons Dino Park, das als Jurassic Park verfilmt wurde, zum Erfolg. Eine Kinoversion ließ trotzdem länger auf sich warten. Der Grund dürfte nicht nur die etwas hanebüchene Handlung sein - über diese muss man als Hai-Thriller-Fan ohnehin großzügig hinwegsehen - sondern eher das völlige Fehlen von jeglicher Ironie im Buch.

Meg schlägt für die Kinoadaption andere Wege ein. Der Unterwasser-Spaß will da ansetzen, wo die Hai-Trasher-Reihe Sharknado aufgehört hat. Leider erfüllt der Film nicht ganz die Erwartungen, die seither bedient werden müssen, um das Publikum zufriedenzustellen. Zwar suggerieren sowohl Trailer als auch Poster ein Witzefeuerwerk mit Dauerbeschuss, in Gänze hat Meg jedoch nur einige wenige ironische Spitzen übrig, die sich immer wieder mit einem recht platten Drama abwechseln.

Dabei ist nicht die Handlung das Problem, die zudem noch vom Buch in großen Teilen abweicht. Der sprichwörtliche Haken findet sich eher bei der Zusammenstellung der Figuren. Es sind schlichtweg zu viele Menschen, um die der Zuschauer bangen soll. Dass man einen Großteil davon - unter anderem Taylors Exfrau, die eine ganze Zeit lang schwer verletzt unter Wasser um ihr Leben kämpft - sofort wieder vergisst, sobald sie die Szenerie verlassen, spricht nicht sonderlich für das Drehbuch.

Auch die Effekte sind oft eher mau und wirken günstig eingekauft, außerdem kann Meg das zu Eingang eingeschlagene Tempo in der Mitte kaum halten. Erst zum Ende hin tritt man wieder etwas aufs Gas, um auch den letzten Badegast zu verschrecken. Dies geschieht dann immerhin mit einem furiosen Finale, das durchaus Laune macht.

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Profit vs. Hai

Vor wenigen Tagen hatte Regisseur Jon Turteltaub in einem Interview erklärt, wie die aktuelle Schnittversion von Meg zustande kam. Hierbei war der Produktionsfirma augenscheinlich wichtiger, auch Minderjährige ins Kino zu locken (Meg ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben), statt auf noch mehr unterhaltsam-blutige Effekte zu setzen.

Leider tut diese Entscheidung dem Film gar nicht gut. Denn der groß angekündigte Megalodon ist nur recht selten in Gänze zu sehen und agiert noch viel seltener mit den Forschern. Wirklich blutig wird es daher kaum. Wer sich auf einen därmezerfleischenden Schocker mit viel bösem Witz gefreut hat, bekommt bei Meg zu großen Teilen nur einen lauwarmen Aufguß aus schalem Brackwasser.

Jason Statham kann bei der ganzen Hai-Chose noch am Besten glänzen - er liefert die eine oder andere ikonische Szene genau so sicher ab wie kleine Nebenhandlungen, die er knarzig mit einem Spruch kommentiert. An seine alte Leistung in Actionkomödien wie Crank kommt er dennoch nicht ganz heran. Auch Rainn Wilson macht seine Sache recht gut. Als leicht nerviger Laie bestimmt er vor allem zu Beginn das Tempo des Films und kann viele für viele Lacher sorgen.

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Reich mir die Flosse, Genosse: Nebendarsteller und Machart

Neben diesen gut getakteten Figuren hat Turteltaub jedoch jede Menge klischeebeladene Nebenfiguren eingebaut, die schlichtweg unnötig sind. Die toughe Hackerin Jaxx Herd, die vom Model Ruby Rose dargestellt wird, sowie Jessica McNamee, die die Exfrau Stathams spielt oder Shuya Sophia, die in der Rolle der kleinen Meiying den Niedlichkeitsfaktor bedienen soll, wirken leider oft extrem hölzern und funktional, nach einer Weile nerven sie zudem ganz gewaltig. Und auch Li Bingbing als potentielle Knutschpartnerin Stathams hat mit diesem so gut wie keine Chemie, dank derer man wenigstens um das Überleben dieser beiden bangen könnte.

Noch dazu geht die Filmmusik, die sich in gefährlichen Momenten ganz eindeutig bei seinem großen Vorbild Der Weiße Hai bedient, irgendwann gehörig auf den Wecker. So schwellen jedes Mal nach einer erfolgreichen Rettungsaktion vor dem hungrigen Hai die Geigen derart elegisch an, dass man schon den Showdown kommen hört, um dann kurz darauf mal wieder in eine bedrohliche Stimmung zu kippen. Zwischen den beiden Themen springt der Soundtrack immer wieder munter hin und her -  jedoch nutzt der aufdringliche Score nie genug die Möglichkeit, um mit den Erwartungen der altbekannten Muster zu brechen.

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Weder Fisch noch Fleisch

Meg will auf der Leinwand und bei den Fans sehr viel richtig machen, traut sich selbst aber kaum, mal etwas mehr über die Stränge zu schlagen. Nur in einigen wenigen Szenen ahnt man, welche Wendung der Film hätte nehmen können, hätte man die vielen blutigen Szenen im fertigen Film belassen und auf das PG-13-Rating verzichtet.

Leider ist dies nicht der Fall. So kann der Zuschauer jedoch nur ein recht lauwarmes Projekt begutachten, das sich nicht entscheiden kann, ob es den Hai-Horror in alter Spielberg-Manier mit entsprechendem Ernst darstellen möchte, oder - und das ist wohl tatsächlich viel schwieriger - mit einem nötigen Witz über den ikonischen Szenen mit dem Monster stehen möchte, um dem Zuschauer möglichst viel Spaß zu bereiten. Meg ist hier aber weder Fisch noch Fleisch, weder Sushi noch Filet.

Fazit

Meg ist zwar ein ziemlich großes Stück Monster, aber leider doch kein monstermäßig guter Film. Für einen DVD-Abend sicherlich absolut in Ordnung, im Kino muss man den Riesenhai allerdings nicht unbedingt bewundern.

Aus der Filmwelt
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