Kritik zu Rememory: Peter Dinklage in überlanger Black-Mirror-Episode

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Viele kennen Peter Dinklage aus seiner berühmten Rolle als Tyrion Lanister in der erfolgreichen Fantasy-Serie Game of Thrones. Seine Karriere geht aber noch viel weiter zurück und begann eigentlich schon in der fünften Klasse mit einer Adaption des Kinderbuches Der Samthase. Nach seinem Drama-Studium sollte ein langer mühseliger Kampf folgen, um die passenden Rollen zu finden. Die Angebote fielen spärlich aus, und er gründete mit einem Freund seine eigene Theatergruppe, mit der er allerdings nicht die Miete in New York zahlen konnte. Um seine Schauspielkarriere zu subventionieren, musste er sich wie viele andere Schauspieler mit anderen Jobs rumschlagen.

Eine dauerhafte Änderung dieser Situation sollte unter anderem das Independent-Drama Station Agent von 2003 mit sich bringen. Schon hier fiel er durch sein stilles, sensibles und verletzliches Porträt eines einsamen Außenseiters auf, der nur langsam eine Verbindung zu seinen Mitmenschen herstellen kann. Eine Darstellung von Eigenschaften, die sich durch seine gesamte Karriere zieht, seiner Rolle in Game of Throneseine notwendige Tiefe verleiht und auch das Science-Fiction-Drama Rememory weitestgehend vor sich selbst rettet.

Mord und verdrängte Erinnerungen

Samuel Bloom (Peter Dinklage) muss die Folgen eines Traumas überwinden: Er ist Zeuge eines Autounfalls, bei dem sein jüngerer Bruder, ein aspirierender Rockstar, sein Leben lässt. Mehrere Jahre später lebt er ein ruhiges und zurückgezogenes Leben als Modellbauer. Jedoch kommt bald ein erneuter Trauerfall auf ihn zu: Gordon Dunn, ein Professor, der ihn einst vor dem Selbstmord bewahrte, wird tot in seinem Büro aufgefunden. Dunn war der Erfinder einer Maschine, die Erinnerungen aufnehmen und wieder abspielen kann. Viele Umstände deuten darauf hin, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelt.

Bloom schnappt sich die Maschine, um die Menschen in Dunns Umkreis und potenzielle Verdächtige im Mordfall aufzuspüren. Während er die Maschine an sich selbst ausprobiert, muss er jedoch feststellen, dass sich durch eine dauerhafte Nutzung auch ungewollte Nebenwirkungen ergeben. Im Laufe seiner Ermittlungen findet er einen schmierigen Geschäftsmann, eine verschmähte Liebhaberin und einen mental instabilen Patienten Dunns (Anton Yelchin in seiner letzten Rolle), die alle eine Motiv hatten, um einen Mord am erfindungsreichen Professor zu begehen.

Zähes Kriminaldrama mit einem kruden Science-Fiction-Unterbau

Wie in vielen Kriminalfilmen fügen sich die Puzzleteile nur langsam zusammen. In der Regel durchaus üblich in diesem Genre gestaltet sich die Entwicklung im vorliegenden Film relativ zäh. Letztendlich wird der Science-Fiction-Krimi lediglich durch die ansprechenden darstellerischen Leistungen seiner Haupt- und Nebendarsteller interessant wie dem leider viel zu früh verstorbenen Anton Yelchin. Auch wenn der Film und sein Regisseur Mark Palansky gewissermaßen so etwas wie Mut beweisen, indem sie sich Zeit lassen und mit der Kamera auf Gesichtern sowie Emotionen verweilen, damit sich die Geschichte entfalten kann, leiden Spannung und Dramatik massiv unter dieser Vorgehensweise.

Dramen- und Science-Fiction-Elemente, die sich durchaus ambitioniert mit der Verarbeitung von Trauer beschäftigen, können nur wenig überzeugen und ziehen den Anteil der Detektivgeschichte tatsächlich noch weiter nach unten. Der Versuch, etwas Profundes über Freude, Liebe und Verlust zu erzählen, und wie diese Emotionen den Menschen auf fast unerklärliche Weise in seiner Entwicklung prägen, scheitert leider und nimmt sich stellenweise viel zu ernst, ohne dass mit den bekannten Krimi- und Noir-Tropen gespielt wird oder ihnen etwas Neues abzugewinnen.

Hinzu kommen übertrieben ausführliche Expositionen, die den gesamten Film erklären und dem Dialog seine Dynamik nehmen. Dem Zuschauer wird jedenfalls kaum Vertrauen geschenkt, um seine eigenen Rückschlüsse zu ziehen oder sogar mit zu rätseln, sodass die Auflösung letztendlich antiklimaktisch und egal ausfällt. Logiklöcher lassen sich zwar oft in Science-Fiction-Drehbüchern finden, allerdings ist die dem Film zugrundeliegende Wissenschaft so krude zusammengeschustert, dass das gesamte Szenario schlussendlich wenig überzeugend wirkt. Nicht nur gab es eine Black-Mirror-Episode, die sich in der letzten Staffel mit einer ähnlichen Prämisse auf eine interessantere Weise beschäftigte, Rememory wirkt sogar wie eine überlange Episode der Science-Fiction-Anthologie-Serie, deren Prämisse zu lang gestreckt wurde und der es entsprechend an Dringlichkeit fehlt.  

Fazit:

Inhaltlich zwar ambitionierte, aber sehr gestreckt wirkende Spielfilmversion einer Black-Mirror-Episode. Peter Dinklage spielt solide und sensibel wie immer auf. Der Film möchte jedoch zu sehr Drama sein, um eine spannende Detektivgeschichte zu erzählen und hat zu viele Detektiv-Mystery-Elemente, um ein ansprechendes Zukunftsdrama zu sein.

Rememory Trailer deutsch

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