Akte X

The Truth is out there - Akte X wird 25 Jahre alt

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Sculler und Mulder spielen Baseball in Folge 6x20 The Unnatural

Am 10. September 1993 war auf dem US-Sender Fox zum ersten Mal der charakteristische Schriftzug von Akte X zu sehen. In der Pilotfolge “Gezeichnet” traf die junge FBI-Agentin Dana Scully (Gillian Anderson) auf ihren Kollegen Fox Mulder (David Duchovny), der die X-Akten bearbeitete. Scully als studierte Medizinerin sollte mit ihrem rational-wissenschaftlichen Denken der Gegenpol zu Mulder sein, der an paranormale Phänomene, UFOs, Außerirdische und Regierungsverschwörungen glaubt.

218 Episoden auf 11 Staffeln erzählen die Geschichten rund um Akte X. Zum 25. Geburtstag der Serie haben wir einige der denkwürdigsten Momente und Folgen herausgesucht.

"Unter Kontrolle" ("Duane Berry") - Staffel 2, Folge 5

Aufgrund von Gillian Andersons Schwangerschaft entschied man sich, den Handlungsbogen für Staffel 2 so umzubauen, dass der Zuschauer nichts davon bemerkte. Als die Schwangerschaft fortgeschritten war, war Scully vornehmlich von der Brust aus aufwärts zu sehen. Zusätzlich bekam Mulder mit Alex Krycek einen neuen Partner an die Seite gestellt - Nicholas Lea ging unter den X-Philes später als “Ratboy” in die Geschichte von Akte X ein. Ohne Krycek gäbe es in der Folge “Unter Kontrolle” jedoch nicht einen Moment, der gerade in der weiblichen Fanbase für zwischenzeitliche Schnappatmung sorgte. Ausgerechnet am Swimmingpool läßt Chris Carter Krycek auf Mulder treffen, wo dieser fleißig seine Bahnen zieht. Als er dem Pool entsteigt, gewährt er einen Blick auf eine knallrote Badehose. Wenn es nach Carter gegangen wäre, hätte Duchovny in dieser Szene Shorts getragen, was der Darsteller für ungeeignet hielt. Kurzerhand griff er zu seiner eigenen Badehose und sorgte damit für einen Moment, der die Anfänge der Serie unvergessen macht.

"Der Hellseher" ("Clyde Bruckman’s Final Repose") - Staffel 3, Folge 4

Bis heute gilt die Folge zu eine der besten, die die Serie zustande gebracht hat. Sowohl Fans als auch Kritik lobten den Gastauftritt von Peter Boyle, der einen Hellseher verkörperte. Allerdings konnte Clyde Bruckman nicht alles vorhersehen, sondern nur die Todesart der Menschen, auf die er traf. Diese Fähigkeit sorgte für einige bittersüße Momente, sparte jedoch auch nicht mit leisem Witz. So durfte Bruckman in Mulders Gegenwart darauf hinweisen, dass es für ihn keinen unwürdigeren Tod als den des autoerotischen Erstickungstods gäbe.

"Andere Wahrheiten" ("Jose Chung’s 'From Outer Space'") - Staffel 3, Folge 20

Gillian Anderson zählt diese Episoden zu einer ihrer Lieblingsfolgen und es fällt nicht schwer, diese Wahl nachzuvollziehen. Gnadenlos nimmt sich die Serie hier aufs Korn, lässt die Figuren out of character agieren und hebt sich dabei mitunter auf die Meta-Ebene. Mulder darf den mulder-untypischten Schrei der gesamten Serie loslassen und verdrückt bei der Befragung eines Diner-Mitarbeiters gefühlt einen kompletten Kuchen. In der deutschen Synchronisation leiht Oliver Rohrbeck, vor allem bekannt als Justus Jonas in Die Drei Fragezeichen, Allan Zinyk seine Stimme.

 

"Mein Wille sei dein Wille" ("Pusher") - Staffel 3, Folge 17

Ein Mensch, der einen durch pure Suggestion zu Handlungen zwingen kann - “Mein Wille sei dein Wille” sorgte in Staffel 3 für Höchstspannung; und zeigte so ganz nebenbei, wie sich das Verhältnis zwischen Scully und Mulder entwickelt hat. Sei es in dem kleinen Moment, in dem Scully an Mulders Schulter eingeschlafen ist - oder im dramatischen Showdown, als Mulder Russisches Roulette mit dem Pusher spielt und erst die Waffe auf sich und schließlich auf Scully richtet.

 

"Blutschande" ("Home") - Staffel 4, Folge 2

Eine Folge, die nicht auf einem paranormalen Phänomen beruht und vermutlich deswegen schlaflose Nächte bereitet. Die Serie traut sich hier, das Thema Inzest aufzugreifen und schlägt mitunter eine für Akte X untypische Gewaltorgie los. Das Haus der Familie Peacock ist ein wahres Horrorhaus, dessen wahrer Horror jedoch nicht die Fallen sind, die im Hause versteckt sind. Gerade das Ende der Episode lässt jeden X-Phile mit einem mulmigen Gefühl zurück.

"Memento Mori" ("Memento Mori") - Staffel 4, Folge 14

Für diese Episode gewann Gillian Anderson den Emmy als beste Darstellerin. Mehr als verdient. Ihre Darstellung der an Krebs erkrankten Scully geht unter die Haut und gehört mit zu den stärksten Leistungen, die Anderson in dieser Rolle gezeigt hat.

"Der große Mutato" ("Post-Modern Prometheus") - Staffel 5, Folge 5

Komplett in schwarzweiß gedreht erzählt die Folge eine Geschichte, die an Frankenstein erinnert. Neben der herrlich erzählten Geschichte selbst ist vor allem das Ende der Episode in Erinnerung geblieben. Der große Mutato, ein großer Fan von Cher, kann sich dank Scully und Mulder ein Konzert von ihr ansehen - und wird von ihr zum Tanz aufgefordert. Da muss Mulder natürlich nachziehen und sorgt damit für einen der schönsten Shipping-Momente der Serie.

"Böses Blut" ("Bad Blood") - Staffel 5, Folge 12

Ist Luke Wilson in dieser Folge nun ein schöner Mann oder nicht? Warum rastet Scully aus, wenn sie einen Bagel mit Frischkäse in der Halbfettstufe bekommt und nicht in der Vollfettstufe? Und was veranlasst Mulder dazu, das Intro von Shaft zu singen? "Böses Blut" gibt eine sehr amüsante Antwort auf die Frage, was passiert, wenn eine Geschichte aus zwei Blickwinkeln erzählt wird.

 

"Dreamland" ("Dreamland") - Staffel 6, Folgen 4 & 5

"Dreamland" erzählt über zwei Episoden eine Geschichte im bekannten Körpertausch-Kniff. Mulder tauscht aufgrund eines mysteriösen Ereignisses in der Area 51 den Körper mit Morris Fletcher, wovon keiner etwas ahnt. Während Fletcher sein Leben als Mulder sichtlich genießt, ist Mulder mit Fletchers Leben nicht wirklich zufrieden. Einen Vorteil hat das Ereignis aber immerhin: Mulder hat nun endlich wieder ein Schlafzimmer und keine Rumpelkammer mehr.

"Montag" ("Monday") - Staffel 6, Folge 14

Es ist Murmeltier-Tag! Scully und Mulder sind in einer Zeitschleife gefangen, von der sie jedoch nichts wissen. Eins ist aber gewiss: Der Montag, den sie erleben, wird immer fürchterlich enden. Carrie Hamilton zeigt als Pam eindringlich, wie sehr eine Zeitschleife zermürben kann.

"Arkadien" ("Arcadia") - Staffel 6, Folge 15

Mulder und Scully als Vorzeige-Ehepaar? Die Agenten beziehen eine Vorstadt-Idylle, um einer mysteriösen Mordserie auf den Grund zu gehen. Und das Drehbuch schreckt glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt davor zurück, jeden klischeebehafteten Grund für einen Streit unter Ehepaaren zu erzählen. "Toilettensitz. Zweite Warnung!"

"Millennium" ("Millenium") - Staffel 7, Folge 4

Der Moment, auf den viele Shipper gewartet haben. Danke, Scully. Danke, Mulder. Für viele schöne Momente in Akte X. 

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Fox

Akte X: Fox plant keine Staffel 12

Bereits vor der Ausstrahlung von Staffel 11 von Akte X hatte Gillian Anderson angekündigt, dass diese Staffel ihre endgültig letzte als Dana Scully sein würde und diesen Entschluss kurz vor dem Start noch bekräftigt.

Serienschöpfer Chris Carter konnte sich eigentlich nicht vorstellen, ohne seine weibliche Hauptdarstellerin weiterzumachen, hielt sich jedoch nach dem Staffelfinale "Der Kampf IV" ein paar Optionen offen:

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht mehr Akte X geben würde, in irgendeiner Gestalt oder Form. Ich glaube, da sind noch mehr Geschichten zu erzählen und mehr Arten, diese zu erzählen. Ich lasse das mal als gewaltigen Cliffhanger stehen, und Gillian hat angekündigt, dass sie nicht zurückkehren wird. Hardcore-Akte-X-Fans wissen, dass es in dieser Serie nie ein wirkliches Ende gegeben hat."

Im Hinblick auf die Quoten hatte Akte X sowohl in den USA als auch in Deutschland keinen guten Stand. Über den Verlauf der Ausstrahlung büßte die Serie sukzessive an Zuschauern ein. Das Finale auf Pro7 konnte sich nicht gegen den DFB-Pokal behaupten und fuhr die schwächsten Quoten der gesamten Staffel ein.

Dies scheint Grund genug für Fox-CEO Gary Newman zu sein, vorerst keine weitere Staffel in Auftrag zu geben. Dies äußerte er jedenfalls ziemlich eindeutig in einer Telefonkonferenz:

"Es gibt derzeit keine Pläne für eine weitere Staffel."

Quotencheck Deutschland: Akte X sagt extrem leise Servus

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Mulder im Staffelfinale 11 "Der Kampf IV"

Die elfte Staffel von The X-Files als Deutschlandpremiere bei ProSieben ist seit gestern vorbei. Und leider musste die Serie wie auch schon im Heimatland mit großen Quotenproblemen leben. In beiden Ländern wurden sukzessive Zuschauer verloren. Während man auf der anderen Seite des großen Teichs aber zum Finale immerhin nochmal Zuschauer hinzugewinnen konnte, sah es bei uns nun richtiggehend desaströs aus.

Die Episode "Der Kampf IV", die am gestrigen Mittwoch ab 20.15 Uhr zu sehen war, holte gegen den DFB-Pokal nur noch 810.000 Zuschauer ab. 2,9 Prozent Marktanteil und somit nur knapp über 50 Prozent des normalen Senderschnitts sind die traurige Realität für Serie und Sender. In der Zielgruppe waren 550.000 Fans an der Geräten, was zu etwas besseren, aber dennoch bei Weitem nicht ausreichenden 6,5 Prozent Marktanteil führte.

Somit wurde das Finale auch die von den wenigsten Fans gesehene Episode der Staffel in Deutschland.

Die Zukunft der Serie steht derweil ebenfalls noch in den Sternen - wir halten euch selbstverständlich auf dem Laufenden.

Kritik zu Akte X 11.10 - Der Kampf IV

SPOILER

Gillian Anderson hatte bereits im vergangenen Jahr angedeutet, dass nach Staffel 11 Schluss für sie ist und dies Anfang diesen Jahres nochmals bekräftigt. Nach "Der Kampf IV" ist klar, warum sie eine Rückkehr nach derzeitigem Stand ausschließt. Denn Serienschöpfer Chris Carter hat mit dem Finale zu Staffel 11 den Bogen gewaltig überspannt.

Man sollte von Carter eigentlich gewohnt sein, dass der gute Mann unter Torschlusspanik leidet und die entscheidenden Treffer bei Akte X nicht mehr landet. Aber dass es "Der Kampf IV" dann gleich so hart trifft, frustriert.

Dies fängt schon damit an, dass der Heilige Gral alias William die Auftaktsequenzen mit einem lustlosen "Wo komm ich her, wer bin ich und was mache ich?" füllen darf. Nach nicht einmal fünf Minuten klappt mir erstmals das Messer in der Tasche auf, als Carter William die Doppelbeziehung mit den beiden Mädchen in "Ghouli" als "Scherz" bezeichnen lässt. Soso, Herr Carter - zweigleisig fahren ist also nur ein Scherzchen? Echt jetzt? Seit wann hat Akte X so jede Moral über Bord geworfen?

Was dann folgt, ist wenig innovativ. Scully jammert herum, Mulder darf zur Rettung mit Bleifuß durch die Gegend rasen, und die X-Akten werden als Disziplinierungsmaßnahme mal wieder geschlossen. Hatten wir schon. Und zwar besser in Szene gesetzt. An dieser Stelle kann "Der Kampf IV" mich so wenig fesseln, dass ich nebenbei im redaktionsinternen Chat lieber darüber sinniere, was mit Justus, Peter und Bob passiert, wenn Die Drei Fragezeichen nach über 40 Jahren auch mal die High School beendet haben sollten. (Spoiler: Peter überlebt nicht)

I'm just a poor boy. I need no sympathy.

Mulder rast immer noch durch die Gegend, und William ist unverfroren genug, bei seinen Verflossenen aus "Ghouli" zu klingeln, um dort mit viel Fününününü auf seine durchwachsene Situation aufmerksam zu machen. Damit ist es offiziell - William ist unterste Schublade. Oder Alf. Den wollte man auch in ein Labor stecken und pieksen. Als dann immerhin eine Verflossene auf seine Mitleidstour anspringt, habe ich perfiderweise "Teenagerliebe" von Die Ärzte als Ohrwurm. Der Gedanke, dass die Folge zu diesem Zeitpunkt nur noch 19 Minuten dauert, kann mich auch nicht mehr trösten. Zu groß ist mein Frust über diese völlig chaotische Handlung.

Immerhin dürfen Scully und Skinner jetzt auch durch die Gegend rasen. Warum in aller Welt wird den X-Philes dann aber die Reaktion Scullys auf Skinners Enthüllung über Williams wahren Vater verwehrt? War es Carter an dieser Stelle so viel wichtiger, vorher Skinners Handy zu zeigen, damit das Publikum auch weiß: Wenn Kersh emotional textet, benutzt er mindestens zwei Ausrufezeichen oder die Kombination "?!". Was soll das? Scully war jahrelang in dem Glauben, dass William ihr und Mulders Kind ist - und dann bekommt das Publikum ihre Reaktion auf die Wahrheit einfach mal nicht zu sehen?! Mein Emotionslevel hat damit die Stufe Kersh erreicht.

Das wird die Monsterparty!

Mittlerweile scheint auch David Duchovny zu der Überzeugung gekommen zu sein, dass Carter für das Finale nicht das beste Händchen hatte. Anders ist der Totalausfall seiner schauspielerischen Leistung beim Aufeinandertreffen von William und Mulder nicht zu erklären. Die Umarmung zwischen den beiden fällt großartig hölzern aus und lässt jede Emotion missen. Dafür hat William nun Superkräfte wie Jean Grey. Ein Blick. Ein Gedanke. Und BÄM ist ein Hotelzimmer mit Gedärmkonfetti und Blutspritzern garniert. Ein Traum!

Gnädigerweise kommt der Rest der Episode mit relativ wenig Dialog aus. Die nächsten Szenen bestehen aus grimmigen Blicken, viel abgefeuerten Waffen und vorrangig "Williaaaaaaam"-Rufen von Mulder und Scully. Kurzum: Einer Verfolgungsjagd am Hafen. Und wieder frustriert das Finale.

Denn Carter hält sich beim Bodycount einige Hintertürchen offen. Ist Skinner wirklich tot oder hat er sich so geschickt unter die Autos geworfen, dass er nur toter Mann spielen musste, bis der Krebskandidat seine Waffe genommen hat? Sicher, dass drei Kugeln und Von-Der-Hafenkante-Schubsen ausreichen, um den Krebskandidaten zu töten?

Seeeeeeehr spätes Elternglück

Aber nun gut. Vorerst sind offensichtlich alle tot, die für die letzten Momente Akte X gestört hätten. Und ein X-Phile ist kurz davor, so fassungslos wie Mulder zu sein. Denn einmal hat sich Scully ratzfatz damit abgefunden, dass sie nur eine Gebärmaschine für das Experiment "William" war. All das Geheule aus "Ghouli" ist vergessen, William war ja schließlich kein richtiger Junge, sondern nur die Schöpfung eines Irren. Außerdem ist ja alles in Butter. Denn endlich bekommen Scully und Mulder so ein richtiges Baby. War die Folge 3 "Galgenmännchen" dieser Staffel also doch noch zu was gut. Wer denkt denn schon daran, dass Scully am 23. Februar 1964 geboren wurde? William erwähnt, dass er vor 17 Jahren adoptiert wurde. Laut Serien-Kanon ist William im Jahr 2001 geboren, sodass die Ereignisse von "Der Kampf IV" im Jahr 2018 spielen müssten - damit ist Scully mit jugendlichen 54 Jahren schwanger geworden, und Mulder darf im Alter von 57 Jahren Vaterfreuden entgegenblicken. Nein. Einfach nein.

Und als wäre das alles noch nicht frustrierend und ärgerlich genug gewesen, gehört der allerletzte Moment von Staffel 11 dann William, der wie Wolverine so ziemlich jede Verletzung wegsteckt und aus dem Wasser auftaucht. Zu diesem Zeitpunkt möchte ich mich wie ein trotziges Kind auf den Boden werfen, mit Händen und Füßen trommeln und Chris Carter einiges an den Hals wünschen. Weil er mir mit dieser Episode Akte X vorerst so ziemlich zerstört hat. Danke, Chris Carter. Für nichts.

Fazit

"Der Kampf IV" macht falsch, was man nur falsch machen kann und enttäuscht als Finale völlig. Der Serie wäre zu wünschen gewesen, dass die Folge 4 "Der Mandela-Effekt" als letzte Folge ausgestrahlt worden wäre und damit ein würdiges Finale geliefert hätte. So bleibt Ernüchterung. Und jedes Verständnis für Gillian Anderson, dass sie keine Lust hat, Scully als spät gesegnete Mutter zu spielen. Tschüß, Akte X. Schade, dass du erst einmal einen unwürdigen Abschluss bekommen hast.

Kritik zu Akte X 11.09 - Nichts währt ewig

SPOILER

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Scully liegt im Müll

“Was zur Hölle habe ich da gerade gesehen?” Es kommt nicht oft vor, aber Folge 9 der aktuellen Staffel von Akte X bewog mich dazu, im redaktionsinternen Chat diese Frage zu stellen. Diese Episode hatte es noch während des Abspanns geschafft.

Dass in Akte X mehr als ein paar Blutspritzer zu sehen sind, ist normal. Aber meistens hatte die Serie dann doch irgendwie ihre Gründe dazu. Bei “Nichts währt ewig” fühlt es sich aber anders an. Doch erst mal der Reihe nach.

Bereits der Auftakt der Episode versucht, das Publikum auf eine vermeintlich falsche Fährte zu locken. Zwei Männer in einem Raum, der nicht wirklich der sterilen Umgebung einer Klinik entspricht. Allerdings sind die Männer eindeutig Mediziner. Hurra, Organhandel! Ganz sicher. Aber Moment, wer ist das Mädchen da, das so monoton seine Bibelverse zitiert? Hawkeye, bist du das? Ist das der Grund, warum du in keinem Trailer zu Avengers: Infinity War aufgetaucht bist?

Ein Blutbad später. Scully wird vermutlich doch ins Fegefeuer kommen, immerhin brummt bei der Eucharistie-Feier ihr Handy, sodass sie nach dem Empfang der Hostie nicht betet, sondern lammfromm an Mulders Seite trabt. Tatort. Sofort.

"Willst du mich verarschen, Mulder?"

Und jetzt dürfen Mulder und Scully auch offiziell feststellen, dass sie alt sind. Aber - das Ganze passiert so total gegen den Kanon. Mulder wird altersweitsichtig und benötigt (Trommelwirbel, bitte) eine Brille. Das Internet und insbesondere Tumblr dreht durch, immerhin hat der gute Fox bereits in der Pilotepisode eine Brille getragen, obwohl er nun mit dieser Episode impliziert, dass er bislang auf keine Brille angewiesen war. Da hilft selbst der abgenutzte Witz, dass Männer in der Regel erst nach Wochen bemerken, dass eine Frau beim Friseur gewesen ist, nichts.

Zartbesaitete Gemüter werden mit den folgenden Szenen so ihre Probleme gehabt haben. Denn die Smoothies, die in dieser merkwürdigen Kommune gemixt werden, sind alles andere als vegan. Aber die machen nicht nur schön, sondern halten auch jung - das neue Superfood! Diese Erkenntnis ist jetzt aber nicht sonderlich bahnbrechend, immerhin wissen Vampire das schon länger. Leider macht die Folge auch schnell und nicht wirklich geschickt klar, dass Barbara ein Problem mit dem Älterwerden hat und deswegen steten Organ-Snack-Nachschub braucht. Soll schocken. Verursacht aber irgendwie nur ein gelangweiltes Gähnen, weil “Nichts währt ewig” damit jede Spannung fehlt.

Wenn Mulder Scully nicht riechen kann

So darf noch ein wenig Blut spritzen und an Organen geknabbert werden, bis Mulder und Scully an der Tür klopfen, Scully in einen leeren Aufzugschacht fällt und letztendlich von jahrzehntealtem Müll gerettet wird. Was Mulder das zweite Mal in der Serie zur Feststellung bringt, dass Scully stinkt. Wunderbar. Hat das Drehbuch also noch halbwegs passenden Fanservice reingeklöppelt.

Absolut ärgerlich ist, dass die Schlussszene, die für sich allein stark ist, im Kontext dieser Episode aber deplatziert wirkt. Schlurfte vorher noch ein Arzt mit einem menschlichen Reserveakku durch das Bild und gab Barbara inmitten des Essengemetzels eine Gesangsdarbietung, verschlägt es Mulder und Scully zum Schluss wieder in die Kirche. An einen stillen Ort, der dem einen oder anderen ein paar Erkenntnisse gebracht hat. Löblich ist, dass das Drehbuch hier darauf bedacht ist, die gegensätzlichen Meinungen der beiden, was den Gottesglauben betrifft, deutlich zu machen. Ebenfalls löblich ist, dass beide Agenten sich auf etwas einzuschwören scheinen - schließlich steht der große Showdown für das Staffelfinale bevor.

Weniger löblich ist, dass diese Finale damit aber aus heiterem Himmel kommt, da nichts darauf hindeutet, dass “Nichts währt ewig” die vorletzte Folge von Staffel 11 war. Somit verpufft die Wirkung der Schlussszene an dieser Stelle, und das tut einfach weh. Denn die aktuelle Staffel hat nicht viel von diesen leisen, aber sehr vertrauten Momenten bereit gehalten. Umso trauriger ist es, dass der eigentlich schönste Moment in eine Folge geschrieben wurde, die auf Blutspritzen um des vermeintlichen Schockeffekt willens gesetzt hat. Los, Mulder, zünd eine Kerze an. Dann kann auch ich Amen sagen …

Fazit

“Nichts währt ewig” ist eine Episode, die Akte X in dieser Form gerade vor einem Staffelfinale nicht verdient hat. Die Folge möchte schocken, ist aber so vorhersehbar, dass die Schockeffekte ihre Wirkung verfehlen und damit wie gewollt und nicht gekonnt wirken. Noch dazu hat die Prämisse nicht genug Substanz, um über eine komplette Episode zu unterhalten. Bleibt zu hoffen, dass das Staffelfinale einige Schüppchen drauflegt.

Kritik zu Akte X 11.08 - Das Tor zur Hölle

SPOILER

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Mr. Chuckleteeth in Akte X

Am Mittwoch wird die finale Folge der Staffel 11 von Akte X auf ProSieben ausgestrahlt. Zum Countdown gibts jeden Tag eine Kritik bis zum Finale.

Düster wird es in den X-Akten. Mit Folge Nummer 8 der aktuellen Staffel öffnet sich “Das Tor zur Hölle”. Was spannend klingt und anfangs auch wunderbar gruselig daher kommt, entpuppt sich aber mit fortlaufender Dauer der Episode als zu viel Salz im Hexenkessel.

Der Auftakt der Episode ist noch vielversprechend, wenngleich das Drehbuch und die Ausstattung offensichtlich nicht umhin gekommen sind, kräftig in die Stephen-King-Kiste zu greifen. Ein kleiner Junge in einem gelben Regenmantel, der ins Spiel vertieft ist, bevor er auf grausame Weise von einem Wesen getötet wird - ist das noch der kleine Andrew in den Wäldern von Conneticut oder schon der kleine George Denbrough, der eine Begegnung mit Pennywise, dem tanzenden Clown hat?

Warum solche Ereignisse sofort Mulder und Scully auf den Plan rufen, präsentieren die beiden Agenten dann auch mit einer neuen Begründung, die man so zuvor auch noch nie gehört hat: Das FBI übernimmt die Ermittlungen, wenn es einen Angehörigen eines Polizisten erwischt hat. Aha. Auf so etwas mussten X-Philes dann auch elf Staffeln warten.

Das stressige Leben eines Fünfjährigen

Da aber weder Scully noch Mulder an Clowns mit regelmäßig wiederkehrendem Heißhunger auf kleine Kinder glauben, überbieten sie sich erst einmal mit ihren Theorien. Für Scully ist klar, dass der Angriff auf Andrew vorher genau geplant war. Immerhin muss der Mörder, der auf gar keinen Fall jünger als 19 und älter als 42 Jahre alt sein kann, den Tagesablauf eines Fünfjährigen beobachtet haben, um den geeigneten Moment abzupassen, um den Kleinen in den Wald zu locken. Zwar ist es bekannt, dass US-Ermittler versuchen, einen Täter vom Alter her einzuschränken, jedoch bleibt bei einer eigentlich so intelligenten Frau wie Scully doch ein kleiner Beigeschmack. Was ist, wenn der Täter 43 Jahre gewesen wäre? Hätte sie dann versagt? Und wie gefüllt kann der Tag eines fünf Jahren alten Jungen sein, damit man ihn über einen längeren Zeitraum verfolgen muss, um den optimalen Zeitpunkt abwarten zu können. Echt jetzt?

Mulder hingegen meint, seine Hausaufgaben leidlich gemacht zu haben. Hexen. Schwarze Magie. Höllenhunde. Von denen Scully nicht einmal weiß, was sie sein sollen. Und mit ihrer Rückfrage, was genau ein Höllenhund ist, doch Kopfschütteln verursacht. Anscheinend hat die gute Dana damit unter einem Stein gelebt, wenn es um bekannte Mythologien geht. Kann sie dann eigentlich noch Mulders Homie sein?

Mr. Chuckleteeth, won't you play with me?

Allerdings kommt “Das Tor zur Hölle” wunderbar gruselig für diejenigen daher, die einen gehörigen Respekt vor Puppen haben. Mr. Chuckleteeth ist prädestiniert dafür, Alpträume zu bescheren, und das liegt bestimmt nicht an dem nervigen Lied, das sich so unnachgiebig ins Gehirn bohrt. Noch beeindruckender sind allerdings die Bibbletiggles - eine perfide Mischung aus Alien-Gesicht und den Teletubbies. Ein nettes Detail ist hier, wie die kleine Emily fast wie ein Zombie vor dem Fernseher hängt und ihre komplette Aufmerksamkeit auf die Bibbletiggles konzentriert. Da braucht es nicht einmal den Kommentar von Emilys Mutter, um darauf hinzuweisen, dass die heutigen Kids eher vor einem Monitor hängen, als lieber draußen zu spielen.

Das kurze Aufeinandertreffen von Mulder und Emily sorgt dann aber auch für einen wunderbar leisen, fast unauffälligen Moment. Als die beiden Agenten neben Emilys Leiche knien, streicht Mulder flüchtig über die Jacke, mit der das Kind gnädigerweise abgedeckt ist. So bekommt der eigentlich sehr grausige Moment etwas Tröstliches und die Gewissheit, dass solche Fälle auch für einen gestandenen FBI-Agenten nicht zur Routine gehören.

Dann jedoch verliert die Folge ihren Kurs und begibt sich auf Abwege, die unnötig sind. Wenn Kinder ermordet werden, kann es nur ein Pädophiler sein. Also geht die Treibjagd auf einen - wie sich schließlich herausstellt - Unschuldigen los; einem Polizisten dabei zuzusehen, wie er auf eine am Boden liegende Person einprügelt und ihr schließlich in den Kopf schießt … nicht die cleverste Entscheidung. Zwar ist klar, dass dieser Polizist in erster Linie ein trauernder Vater ist, jedoch gab es in den letzten Monaten mehr als eine Meldung über vorschnell handelnde US-Polizisten in der Presse.

Vorschnelle Sch(l)üsse

Denn auch ohne diesen Exkurs ist klar, dass die Folge den Finger in die Wunde legen möchte, wenn es um vorschnelle Schlüsse geht. Da genügt Mulder, der erklärt, wie es zur Hexenverfolgung gekommen ist, sodass nicht erst plakativ noch mehr Blut fließen muss, um es dem Zuschauer begreiflich zu machen.

Dass dann im Endeffekt wirklich Schwarze Magie für die Ereignisse verantwortlich ist, ist ärgerlich und zeigt, dass Akte X nicht wirklich firm ist, wenn es um Übernatürliches geht. Obwohl man beide Serien nicht direkt vergleichen kann, drängt sich hier der Gedanke an Supernatural auf. Auch in dieser Serie haben Menschen öfter zur Schwarzen Magie gegriffen - aus welchen Gründen auch immer. Jedoch hat Supernatural diese Ereignisse behutsamer gelöst und nicht in den letzten Minuten einer Episode den Bodycount gekünstelt in die Höhe getrieben.

Akte X hat für diese Episode jedoch den Weg gewählt, am Ende alles abzuschlachten und zu verbrennen, was geht. Nochmal schnell jemanden einen Höllenhund an die Kehle gehetzt und die betrogene Ehefrau, die für die Ereignisse verantwortlich ist, in Flammen aufgehen lassen. Das alles mag nicht so recht zu Akte X passen und hinterlässt für eine düster-nette Folge einen faden Beigeschmack.

Fazit

“Das Tor zur Hölle” wäre die perfekt düstere Monster-Of-The-Week-Folge gewesen, wenn das Drehbuch nicht zig Handlungsstränge aufgegriffen und sich letztendlich darin verrannt hätte. So wird die Episode zum Ende hin unnötig hektisch und vor allem schludrig, was die geschickte Auflösung angeht, denn es bleiben einige Fragen offen. Schade.

Kritik zu Akte X 11.07 - Rm9sbG93ZXJz

SPOILER

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Mulder und Scully in Rm9sbG93ZXJz

Ein futuristisch angehauchtes Restaurant. Beinah menschenleer. Bis auf Mulder und Scully, die offensichtlich so etwas wie eine Date-Night haben. Beide versuchen mehr oder wenig erfolgreich, ihr Essen zu bestellen. Und kommunizieren nonverbal - wenn sie nicht gerade an einem technischen Gerät hängen, das den Alltag vermeintlich leichter gestalten soll.

Bereits der Auftakt zu “Rm9sbG93ZXJz” macht deutlich, dass X-Philes von dieser Episode mal wieder etwas anderes erwarten dürfen. Der Dialog ist in den ersten Minuten nicht existent, lediglich eine Computerstimme ist zu vernehmen. Dennoch liegt ein hoher Anteil an nonverbaler Kommunikation über der Szene. Mit wenigen Gesten und amüsant eingesetzter Mimik beweisen David Duchovny und Gillian Anderson, dass sie ein jahrelang eingespieltes Team sind, das sich notfalls auch blind versteht. Wer Mulder und Scully shippt, wird an dieser Folge seine helle Freude haben.

Hey, Siri. Du neugieriges, kleines Etwas!

Und wer die Verschwörungstheorien von Akte X präferiert, wird mit “Rm9sbG93ZXJz” bestimmt einige Paranoia, die es in unseren schönen, neuen Welt gibt, bestätigt bekommen. Denn wer hatte nicht schon mal das Gefühl, dass einen das eigene Smartphone bestens kennt? Oder sind es alles nur Zufälle, dass man auf Facebook auf einmal Beiträge zu Dingen vorgeschlagen bekommt, über die man erst neulich mit jemandem geredet hat, ohne sie jedoch jemals gegooglet zu haben? Sicher, dass das Smartphone nicht vielleicht doch jedes unserer Gespräche belauscht und sich Daten daraus zieht?

“Rm9sbG93ZXJz” spielt gekonnt mit dem Aspekt der Technologien, die immer weiter in unsere Privatsphäre eindringen. In diesem Szenario regeln Mulder und Scully ihr Leben allein über Technik. Sei es das Bezahlen der Restaurantrechnung, die Steuerung des Eigenheims oder das Bestellen eines autonom fahrenden Taxis. Auf den ersten Blick erscheint das unglaublich bequem. Akte X legt jedoch hier den Finger in die Wunde und zeigt auf, welche Gefahren die überhand nehmende Technologien in sich bergen können.

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So bekommt Mulder die ehrenvolle Aufgabe, sich mit einer endlos erscheinenden Warteschleife am Telefon abzumühen, um seine Kreditkarte sperren zu lassen. Und wer kennt es nicht, dass einem irgendwann die Nerven durchgehen wollen, weil man doch eigentlich nur mit einem Menschen sprechen und keine computergenerierte Sprachauswahlmenüs bedienen möchte. Ganz nebenbei belagern ihn noch Drohnen jeglicher Bauart - und lösen dabei unangenehme Erinnerungen an Hitchcocks Die Vögel aus.

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Mulder und Scully in Rm9sbG93ZXJz

Verwunderlich hingegen ist, dass Scully offensichtlich doch ein eigenes Heim bezogen hat, schließlich sprach sie einige Folgen zuvor noch von “our home”. Ihr Zuhause ist zudem auch noch hochtechnisiert. Das mag nicht so recht zur traditionsbewussten Dana passen, dient aber der Geschichte von “Rm9sbG93ZXJz”. Denn Scully hat ein Smarthome, dessen Steuerung weniger komfortabel ist, als es den Anschein hat. Zu allem Übel beginnt auch das Smarthome, Scully nach dem misslungenen Date mit Mulder zu terrorisieren. Dies gestaltet sich zum Teil sehr amüsant, präsentiert aber mitunter Flachwitze, die nicht sein müssen. Ein Roomba, der mal eben Scully kleinen Helfer für einsame Momente unter dem Bett hervor schiebt, mag für den pubertären Humor funktionieren, wirkt jedoch fehl am Platz. Passender wirkt dabei das Taxi, das seinen Christine-Moment hat. Geht doch.

Außerdem bietet die Folge einigen Fanservice. Wieder einmal darf man sich die Frage stellen, warum Scullys Heim immer so viel gemütlicher und schöner wirkt als das von Mulder. Das Passwort für Scullys Smarthome lautet “Queequeg” - diesen Namen trug der Hund, den sie in Staffel 3 hatte. “Rm9sbG93ZXJz” bedeutet im Base64 “Followers”, während das Restaurant Forowa heißt, was übersetzt “Follower” bedeutet. Das Schlagwort The Truth is out there wurde für diese Episode ebenfalls angeglichen auf “VGhlIFRydXRoIGlzIE91dCBUaGVyZQ=".

Trinkgeld. Gib ihnen einfach das Trinkgeld!

Völlig ärgerlich ist hingegen die Tatsache, dass bereits mit dem Auftakt im Restaurant klar ist, warum die Technik nach und nach aggressiver wird. Wie ein Stoppschild taucht permanent die Push-Mitteilung auf Mulders Handy nach dem noch zu gebenden Trinkgeld auf, damit auch der Letzte am Ende verstanden hat, dass nur ein Trinkgeld den Maschinen-Wahnsinn stoppen kann. Das hätte man etwas diskreter lösen können - so bleibt “Rm9sbG93ZXJz” wenig spannend, da die Auflösung nicht überraschend kommt.

Dennoch ist “Rm9sbG93ZXJz” nicht langweilig, weil beide Darsteller sichtlich Spaß daran haben, ihre Figuren in einem AU-anmutenden Umfeld agieren zu lassen und sich mit einigen Teilen der Geschichte (“Bitte bewerten Sie unseren Artikel!”) an ihr eigenes Leben erinnert gefühlt haben. So gestaltet sich die Episode zwar vorhersehbar, aber unterhaltsam kurzweilig.

Für alle Mulder-Scully-Shipper präsentiert das Ende der Folge außerdem noch ordentlich etwas fürs Herz. Da braucht es nur Scully, die sanft ihre Hand auf die von Mulder legt, damit er sein Handy beiseite legt und seine Aufmerksamkeit auf sie konzentriert. Wirkt auf den ersten Moment etwas kitschig, funktioniert aber vor dem Hintergrund dessen, was beide in all den Jahren gemeinsam durchgemacht haben.

Fazit

“Rm9sbG93ZXJz” ist eine mäßig spannende, aber höchst unterhaltsame Episode, die aufzeigt, wie sehr die Technik unser Leben bestimmt, was nicht immer ganz unbedenklich ist. Der leise Moment zwischen Mulder und Scully am Ende rundet die Entwicklung der beiden positiv ab und bestätigt, dass sie sich immer noch mit wenigen Worten verstehen. So Akte X, wie Akte X eben nur sein kann.

Kritik zu Akte X 11.06 - Kätzchen

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Haley Joel Osment in Akte X

Als die Macher von Akte X im vergangenen Jahr ankündigten, dass Haley Joel Osment eine Gastrolle in der Serie übernehmen würde, hielt man sich mit Details bedeckt. Lediglich die Tatsache, dass die Episode Walter Skinner sowie sein jüngeres Ich im Fokus haben würde, war bekannt. Darsteller Mitch Pileggi hatte vorab immerhin verraten, dass X-Philes einiges über Skinners Vergangenheit erfahren werden - wer er sei, woher er käme und warum er zu dem geworden ist, was er ist.

Somit dürfte eine entsprechende Erwartungshaltung an “Kitten” (“Kätzchen”) gerechtfertigt sein. Erfüllt die Episode diese Erwartung? Nun, um Reggie aus Folge 4 “The Lost Art of the Forehead Sweat” (Der Mandela-Effek”) zu zitieren: Meh.

Ein Highlight dieser Folge ist definitiv Haley Joel Osment, der hier in einer Doppelrolle agiert und beweist, warum er schon als kleiner Junge so eindrucksvoll tote Menschen sehen konnte. Hier sehen wir ihn einmal als John “Kitten” James, der zusammen mit Walter Skinner im Vietnam-Krieg im Einsatz war. Schnell ist klar - Kitten zeigt bereits im Kriegseinsatz Züge einer posttraumatischen Belastungsstörung. Osment verkörpert diese Rolle gekonnt und übertreibt dabei nicht. Zu sehen ist ein Soldat, der darum kämpft, nicht völlig den Verstand zu verlieren, dabei jedoch bereits auf dem Weg in den Wahnsinn ist.

Ich sehe Haley doppelt

Im Gegensatz dazu steht die Rolle des Davey James, dem Sohn von Kitten. Er führt ein Einsiederleben am Rande von Mud Lick und wirkt auf den ersten Blick wie ein vernünftiger Junge. Allerdings sind wir bei Akte X. Und halten im Hinterkopf, dass auf dem ersten Blick selten etwas so ist, wie es den Anschein hat.

Denn das Drehbuch schlägt in der Handlung einige Haken, sodass der Fokus fehlt. Angekündigt als Geschichte um den jungen Walter Skinner hält das Drehbuch anfangs noch den Kurs. Der Einstieg mit der Kriegssituation ist bedrückend und beklemmend und hätte als Grundlage dafür dienen können, welch Auswirkung der Einsatz in Vietnam auf Skinner hatte. Passend dazu ist nach dem Intro ein Krieg niemals vorbei (“A War is never over”). Warum er aber nie vorbei ist - dazu bedarf es einiger unnötiger Kurven.

Der kleine Abzweig in Richtung “Wie lebt ein Walter Skinner eigentlich und warum ist er immer noch Assistant Director” ist recht nett, hätte aber nicht unbedingt sein müssen. Bereits seit den Anfängen der Serie ist bekannt, dass Skinner mittlerweile offensichtlich allein lebt, sodass die Verwunderung von Scully und Mulder ob der mangelnden Dekoration in der Wohnung Skinners sowie der fehlenden persönlichen Note doch eher irritiert. Schließlich hat man den Assistant Director jetzt nicht unbedingt als plüschigen, deko-verliebten Typen kennengelernt, der viel Wert auf ein gemütliches Zuhause legt. Und Scully und Mulder ein schlechtes Gewissen zu machen, weil sie der Grund dafür sein sollen, dass Skinners Karriere nicht so durchstartet - das mag nicht so recht zu den Agenten passen. Schließlich haben sie für diese Erkenntnis dann mal eben über zwanzig Jahre gebraucht.

Das Kätzchen an der Grenze

Etwas über zwanzig Jahre hat es auch gebraucht, bis nun bildlich gezeigt wurde, wie Skinner einen zehn Jahre alten vietnamesischen Jungen getötet hat. In der Folge 8 “One Breath” (“An der Grenze”) von Staffel 2 erzählt er einem sichtlich geschockten Mulder davon, wie er sich für die Army verpflichtete und durch diese Tat seinen Glauben verlor. Diesen Aspekt greift “Kitten” auf und bleibt damit dem Serien-Kanon treu.

Interessanter gestaltet sich ebenfalls der Ansatz, dass die Soldaten Opfer von Giftgas-Attacken waren, um ihr Bewusstsein kontrollieren zu können. Mulder erwähnt sogar die real existierenden Experimente MKULTRA, die aus dem ebenfalls von ihm erwähnten Project Bluebird hervorgegangen sind. Leider verkommt diese Akte-X-tpyische Idee doch eher zum Nebenhandlungsstrang und wird erst in einem kryptischen Schlussmoment passend eingebunden: Wieder einmal schürt die Serie bekannte Paranoia, ob die Verschwörungstheorien, die im Rahmen der Handlung geäußert werden, nicht vielleicht doch wahr sind. Denn die Wahrheit liegt ja bekanntlich irgendwo da draußen.

Fazit

“Kitten” ist eine solide Folge, die durch die darstellerische Leistung von Haley Joel Osment heraussticht, jedoch leider nicht den weiteren Hintergrund von Walter Skinner beleuchtet - immerhin greift die Episode viele bekannte Fakten auf, ohne diese wesentlich zu erweitern. Allerdings können X-Philes der Beziehung zwischen Mulder und Scully und Skinner nun gelassener entgegenblicken; und das hat ja auch was Gutes.

Kritik zu Akte X 11.05 - Ghouli

SPOILER

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Mulder und Scully in Ghouli

Tiefe Nacht auf einem Schrottkahn. Schnitt. Zwei jugendliche, bewaffnete Mädchen befinden sich an verschiedenen Plätzen auf dem Schiff, rennen scheinbar suchend umher und rufen nach einem oder einer Ghouli. Schnitt. Ihre Wege kreuzen sich unerwartet, als ein Mädchen durch die Decke kracht. Schnitt. Merkwürdiges, nicht näher zu identifizierendes Wesen. Schnitt. Wildes Handgemenge mit Messern. Schnitt. Intro.

Was im Auftakt noch wie eine handelsübliche Monster-of-the-Week-Folge von Akte X wirkt, entpuppt sich relativ schnell als getarnte Mythologie-Folge der Serie. Um den Zuschauer jedoch möglichst lange an der Nase herumzuführen, ist "Ghouli" die erste Mythologie-Folge der neuen Staffeln, die nicht den Namen "My Struggle" ("Der Kampf") trägt. Der Titel ist allerdings nicht das Einzige, mit dem das Publikum an der Nase herumgeführt wird.

Denn obwohl eigentlich klar ist, dass es sich bei dem Jungen nur um William handeln kann, wartet man dennoch auf den "Haha! Reingelegt!"-Moment. Sollte es die Macher von Akte X wirklich wagen, nach Jahren William wieder ein Gesicht zu geben? Ihn sogar zumindest auf seine leibliche Mutter treffen lassen? Schließlich hat sich die Serie darauf verlegt, aus William den großen Unbekannten zu machen, der immer aus der Schublade gezogen wird, wenn es gerade passt. Zum Beispiel, um die verletzliche Seite von Scully zu zeigen. Oder die Motivation von Mulder und Scully zu verdeutlichen - überspitzt gesagt ist William das neue 42.

Der Junge aus der Schublade

Vielleicht liegt darin auch der Grund, dass "Ghouli" nicht so recht zünden mag. Die Folge ist unrund und hätte etwas mehr Feinschliff verdient. Zugegeben, jeder X-Phile war sich eigentlich spätestens mit der Nennung des Namens Jackson Van De Kamp sicher, dass es sich bei dem Jungen nur um Scullys Sohn handeln konnte. Aber anstatt relativ schnell klare Verhältnisse zu machen, eiert das Drehbuch herum, bis Mulder schließlich bestätigt, dass die Nicht-Leiche William ist. Immerhin hat das Buch damit für einen schönen Moment zwischen Mulder und Skinner gesorgt, der zeigt, dass Skinner nicht alles egal ist und er aufrichtig betroffen ist, dass William zu den Testpersonen zum Thema Alien-Hybrid gehört. Warum aber die Entscheidung gefallen ist, nicht klarzustellen, ob Mulder auch seine DNA mit der Williams abgeglichen hat, ist ärgerlich.

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Mulder und Skinner auf der Chimera in Ghouli

So hätte man nämlich David Duchovny den erstaunlich rational agierenden Mulder eher abgekauft. Mit dem Auftakt von Staffel 11 ist bekannt, dass Mulder nicht der leibliche Vater ist und zum Großteil erweckt "Ghouli" den Eindruck, als wüsste er dies auch. Zwar gab es im Verlauf der Serie mehr als einmal Momente, in denen Mulder einen kühlen Kopf behalten hat, wenn Scully plötzlich jede Ratio hat missen lassen - aber etwas mehr Emotionen wären an dieser Stelle wünschenswert gewesen. Mulder in Tränen hätte es zwar nicht gebraucht, aber ein paar subtile Andeutungen auf sein Gefühlsleben hätten die Sache runder gemacht.

Wo bei Mulder die Emotionen fehlen, darf Gillian Anderson für Scully einmal die komplette Palette bedienen. Vielen dürfte der Moment, in dem Scully sich bei Williams Leiche für das, was war, entschuldigt, unter die Haut gehen. Aber einige dürften auch ein Problem mit genau dieser Szene haben - denn an dieser Stelle war sie einfach zu viel des Guten. Man kann noch so viel in die Waagschale werfen und das Argument "Mutter" noch verdoppeln - es wirkt letztlich doch zu dick aufgetragen, der Moment hätte leiser unter Umständen stärker gewirkt als so mit dem Holzhammer präsentiert. Die Serie war es nimmermüde, William als Scullys Achillesferse zu darzustellen, sodass es jeder mittlerweile locker verstanden hat und nicht noch so plakativ sehen müsste.

"Aus dem Hintergrund müsste das Drehbuch schießen!" - Verpasste Chancen

Nicht nachvollziehbar ist auch, wie "Ghouli" gekonnt Bögen zu anderen Episoden schlägt, aber offensichtliche Chancen verpasst. Auf dem Weg zum Tatort zitiert Mulder den sogenannten "schlafenden Propheten" Edgar Cayce: "Dreams are today's answers to tomorrow's question." Damit gibt es einen ziemlich holprigen Bezug auf das Thema der Schlafparalyse und den Visionen. Eleganter wäre es aber gewesen, hätte Mulder sich selbst aus der Folge "Aubrey" ("Böse geboren") von Staffel 2 zitiert: "I've often felt that dreams are answers to questions we haven't yet figured out how to ask." Dafür war der Bogen auf die vorangegangene Episode "The Lost Art of the Forehead Sweat" ("Der Mandela-Effek") mit dem Bezug auf Mulder in einem Paralleluniversum elegant und passend amüsant.

Ebenso amüsant gestaltet sich der kleine Throwback mit der Sequenz in Skinners Büro. Wie unzählige Male in der Serie gezeigt, telefoniert er mit Mulder, während sich im anschließenden Schnitt zeigt, dass der Krebskandidat während des Gesprächs anwesend war - hier hat man es sich nicht nehmen lassen, wieder erst das Profil und das Entzünden einer Morley zu zeigen, bevor der Krebskandidat einen Kommentar zu Telefonat abgibt.

Den elegantesten Kniff nimmt man zuerst gar nicht war. Der fleißige Poster auf der Seite Ghouli.net (die man hier in alle Ruhe durchlesen kann) nennt sich "Rever" und entpuppt sich letztendlich als William. Er hat seinen Usernamen nicht ganz zufällig gewählt: rêver ist das französische Wort für träumen.

"Ghouli" hebt sich seinen stärksten Moment aber für den Schluss auf und beweist, dass eine leise Herangehensweise die wohl bessere Entscheidung gewesen wäre. Als Mulder und Scully auf dem Überwachungsvideo erkennen, dass es William war, der da mit Scully gesprochen hat, legt Mulder ihr schweigend die Hände auf die Schultern, um ihr Halt zu geben. Ebenso schweigend greift Scully nach Mulders Hand. Unterlegt ist die Szene mit dem Dialog des Zusammentreffens. Und sorgt damit in wenigen Sekunden für Emotionen, die "Ghouli" in der gesamten Folge nicht geschafft hat ...

Fazit

Ruhe. Eine große Portion mehr Ruhe wäre notwendig gewesen, um aus "Ghouli" eine herausragende Folge zu machen. So springt die Episode teils unnötig in der Atmosphäre umher und versucht, zu viel in eine Folge Akte X zu packen. Der starke Schlussmoment rettet die eher unrunde Episode und stimmt versöhnlich.

Kritik zu Akte X 11.04 - Der Mandela-Effekt

SPOILER

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Mulder nach seiner Jagd auf Bigfoot

Hach. Wer hätte gedacht, dass eine Kritik zu einer Folge Akte X eigentlich mit einem Wort erledigt wäre? Drei Folgen hat es gedauert, bis die Serie mit “The Lost Art of the Forehead Sweat” (Der Mandela-Effek”) eine Episode abliefert, wie es sie seit “Jose Chung's From Outer Space” (“Andere Wahrheiten”) nicht mehr gegeben hat - Akte X hat endlich wieder den Mut, Meta-Ebenen zu beschreiten und sich selbst ordentlich auf die Schippe zu nehmen. Hach!

Das Drehbuch zu “Der Mandela-Effekt” schrieb Darin Morgan, aus dessen Feder Fan-Favoriten wie “Humbug” (“Der Zirkus”), “Clyde Bruckman's Final Repose” (“Der Hellseher”), “War of the Coprophages” (“Krieg der Koprophagen”) und eben auch “Jose Chung's From Outer Space” stammen. Für die vierte Folge der aktuellen Staffel 11 fungierte Morgan auch als Regisseur - und er wird dem Anspruch, den die X-Philes an ihn haben, locker gerecht.

Bereits die Eröffnungssequenz vor dem Intro erinnert in wesentlichen Zügen an Mulder, wie er in einer legendären Szene während “Jose Chung's From Outer Space” ein Stück Sweet Potatoe Pie nach dem anderen in einem Diner ordert und mit jedem neuen Stückchen Pie eine weitere Frage an den Mann hinter der Theke stellt. Hier ist es nun ein Mann, der offensichtlich glaubt, übergeschnappt zu sein, bis er feststellen muss, dass er dies nicht: Er ist wirklich ein Marsianer mit gleich vier Armen und Händen, die er sich nacheinander vor Entsetzen an den Kopf schlagen kann, als er realisiert, dass seine Befürchtungen Realität sind. Schnitt. Intro. Und die Folge fühlt sich bereits nach wenigen Minuten nach einem lang ersehnten Highlight hat.

Komm an meine Brust, Akte X. Ich habe dich so vermisst!

Und was für ein Highlight sie geworden ist. Morgan spart nicht mit zahlreichen Anspielungen auf die Aspekte, die jeder Fan von Akte X im Laufe der Jahre so lieb gewonnen hat. Auf einmal ist da wieder ein X an Mulders Fenster geklebt. Früher ein Zeichen dafür, dass Mulder Kontakt mit seinem Informanten X aufnehmen wollte. Nun möchte jemand Kontakt mit Mulder aufnehmen - und dieser jemand isst zufällig auch noch gerne Sonnenblumenkerne. Wie einst Mulder. Hach!

Allerdings ist “Der Mandela-Effekt” nicht als reiner Fan-Service mit einem riesigen Korb voller Ostereier zu verstehen. Morgan hat es mit dieser Folge brillant verstanden, die Präsidentschaft von dem Mann mit der merkwürdigen Frisur und dem Hang zu unverständlichen, trotzigen Tweets gewaltig aufs Korn zu nehmen. So kokkettiert Dr. Sie damit, dass er es gerade noch so geschafft hat, einen Platz als Zuschauer bei der Vereidigung Trumps zu bekommen - zur Not muss man eben hoch hinaus klettern, um noch einen Blick auf den neuen Präsidenten erhaschen zu können. Es kann ja nicht angehen, dass niemand sehen möchte, wie das Unmögliche Wirklichkeit wird - alles Lüge!

Bing Bing Bong Bong Bang Bang

Für den Fall, dass nicht alle die diversen Anspielungen auf Trump verstanden haben, ist Morgan mit der Schlusssequenz dann auf Nummer sicher gegangen. Der Darsteller, der als Elvis-Alien agiert, hat die Gestik des Vorbilds genauestens studiert und untermalt seine telepathische Rede mit den für Trump so typischen Handbewegungen. Das Elvis-Alien redet von einer Mauer, die gebaut werden soll - selbstverständlich nur zum Schutz! Es benutzt Twitter! Und damit so gar keinen Zweifel aufkommen, dass Trump gemeint ist, kehrt Elvis-Alien mit Bing Bing Bong Bong Bang Bang in sein Raumschiff zurück. Hach!

“Der Mandela-Effekt” hat jedoch auch gleich zwei ernste Kerne. Einerseits rechnet Morgan mit der aktuellen Situation ab, die Fake News und die vermeintliche Lügenpresse betrifft. Dies bettet er geschickt in die Geschichte um Foxy und Sculls alias Mulder und Scully ein, die anscheinend vergessen haben, dass sie einmal einen Partner namens Reggie hatten. Hier kommt auch der deutschsprachige Titel der Episode ins Spiel. Der Mandela-Effekt ist zwar wissenschaftlich nicht bewiesen, jedoch soll der Begriff das Phänomen beschreiben, wenn gleich mehrere Menschen gleichzeitig eine falsche Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis haben. Beispiel gefällig neben dem bekannten “Oh, ich dachte, Nelson Mandela wäre bereits im Gefängnis gestorben!”? Viele sind der Ansicht, dass Tom Hanks als Forrest Gump im gleichnamigen Film “Life is like a box of chocolates” sagt. In Wirklichkeit soll es aber “Life was like a box of chocolates” heißen.

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Mulder, Scully und Reggie in Lost Art of The Forehead Sweat

Mandela oder Mengele? Egal: Paralleluniversum!

Wenn es aber nach Reggie geht, gibt es den Mandela-Effekt nicht. Sondern eher den Mengele-Effekt; und das Ziel dieses Zwecks ist ganz einfach: Wenn eine Behörde oder ein Unternehmen einen unverzeihlichen Fehler gemacht hat, werden gezielt falsche Fakten erschaffen, um den Schaden vom Verursacher abzuwenden. Mehr Akte X geht für so eine Theorie eigentlich nicht. Geht es aber nach Mulder, wäre die Antwort auf Reggies Problem ganz einfach: Paralleluniversum. In einer herausragenden Szene kabbeln sich die Beteiligten darum, welche Theorie für Reggies Situation nun die korrekte ist. Hier stimmt einfach alles. Der Dialog. Das Timing. Die Leistung der Darsteller. Und wer hätte gedacht, dass David Duchovny einmal aus vollem Herzen “I’m Fox freaking Mulder, you punks!” brüllen darf? Hach!

Andererseits weist Morgan behutsam darauf hin, dass manche Kindheits-Erinnerung lieber eine Erinnerung bleiben sollte, weil man dazu neigt, im Rückblick romantisch zu verklären. So ist es dann auch Scully, die rational für sich beschließt, dass sie mit einem Löffel der Bigfoot-Nachspeise vermutlich nicht das Gefühl zurückholen kann, das sie hatte, wenn ihre Mutter den Nachtisch zubereitet hat. Mehr Scully geht in so einem Moment nicht.

Das Killerkätzchen macht den Autoren kalt

Ganz nebenbei hebt Morgan die Episode mit der Sequenz, in denen Reggie von den gemeinsamen Abenteuern mit seinen FBI-Partnern Foxy und Sculls erzählt, auf die Meta-Ebene. Gezeigt werden Szenen aus der Pilotfolge, “Tooms” (“Ein neues Nest”), “Home” (“Blutschande”), “Unusual Suspects” (“Die unüblichen Verdächtigen”), “Clyde Bruckman's Final Repose” (“Der Hellseher”) und “Teso Dos Bichos” (“Der Fluch” - hier schlägt Morgan zudem geschickt den Bogen zu den Killerkatzen) mit Reggie als dritten Agenten. Reggie wäre demnach auch derjenige gewesen, der in “Small Potatoes” (“Ein unbedeutender Niemand”) Eddie Van Blundht erschossen hätte - und damit hat Darin Morgan sich mal eben selbst getötet. Schließlich hatte er in Staffel 4 die Rolle des Eddie übernommen.

Gibt es nach all der Lobhudelei denn auch etwas zu bemängeln? Definitiv ja. Das Sahnehäubchen dieser Episode wäre gewesen, wenn das Buch “All the Answers”, das Elvis-Alien an Mulder übergibt, damit die Aliens ihre Ruhe vor den Menschen haben, nur aus einer Seite bestanden hätte. Mit der Aufschrift “42” … ansonsten wäre “Der Mandela-Effekt” wohl auch eine würdige allerletzte Folge Akte X gewesen.

Fazit

“Der Mandela-Effekt” ist ein Fest für alle langjährigen X-Philes und wird sich einen Platz in der ewigen Bestenliste sichern. Liebevoll verpackte Anspielungen treffen auf einen wahren, kritischen Kern der Geschichte, die von einem blendend aufgelegten Ensemble präsentiert wird. Sehr viel mehr Akte X geht fast nicht.

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