Kritik zu Ralph reichts 2 - Chaos im Netz: Do not read the comments!

Bei Wreck-it-Ralph (John C. Reilly) (in der deutschen Fassung: Randale-Ralph, gesprochen von Christian Ulmen) und seiner besten Freundin Vanellope (Sarah Silverman beziehungsweise Anna Fischer) läuft in der Welt der Arcade-Games eigentlich alles wie geschmiert. Ralph geht täglich seinem Job als Donkey-Kong-Alias nach, während Vanellope ihren Wagen durch das Automatenspiel Sugar Crush lenkt. Doch eines Tages bricht der Lenker vom Automatenspiel ab, und Sugar Crush und somit auch Vanellopes Zukunft stehen vor dem Aus - es sei denn, man besorgt ein neues Lenkrad. Die Antwort lautet: Internet.

Die beiden machen sich also auf zu eBay, denn die Arcadehalle wurde mittlerweile auch ans Netz angeschlossen. Bei einer Auktion ersteigern sie tatsächlich das gesuchte Ersatzteil - allerdings vollkommen überteuert. Und Geld hat eine Spielfigur sowieso nicht. Also muss dies möglichst schnell herangeschafft werden. Die Suche nach der nötigen Finanzierung lässt sie tiefer in die Welt des Netzes hineinschauen. Zwischen viralen Kampagnen, Memes, Likes, Pop-Ups und betrügerischen Angeboten müssen sie einen Weg finden, um das Lenkrad doch noch rechtzeitig zu bezahlen. Während Ralph auf die Suche geht, findet Vanellope auch in der Online-Welt ein Rennfahrer-Spiel, in dem sie sich schnell etabliert. Und bald muss sie sich die Frage stellen: Will sie überhaupt zurück? Und was wird aus Ralph?

Ralph im Internet: Memes, Likes und Klassik-Games

Mit Chaos im Netz kommt nach sieben Jahren die Fortsetzung zu Ralph reichts (2012). Zunächst gibt es, wie zu erwarten, temporeichen Anspielungen und Rückblicken auf die Spiele-Welt. Hier dürfte die führende Debatte der Kampf von Online-Gaming gegen klassische Konsolen sein. Doch Chaos im Netz macht dankenswerterweise einen Schritt darüber hinaus.

Der Film greift neben den charmanten Retro-Momenten aus der Spielewelt auch die Debatte auf, die bei Kindern und Jugendlichen heute den Alltag bestimmen dürfte: Welche Neuheiten und Ablenkungen gibt es im Netz? Auf was muss man aufpassen? Ist das Internet mehr als eine große Ablenkungs- und Spielemaschine?

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Spätestens in dem Moment, als Ralph die Kommentar-Ecke entdeckt und viele Trolle und Hater-Meinungen zu lesen bekommt, wird klar: Der Film will nicht nur eine Fortsetzung mit neuen Mitteln sein, sondern ist auch ein Lehrstück über die Gesellschaft und den Umgang miteinander. Auch die immer wieder aufploppenden Werbe-Botschafter sind zunächst unterhaltsam, zehren aber nach einer Weile ganz gewaltig an den Nerven - wie im Internet halt. Wie Memes und Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren, wird hier zwar nicht in voller Gänze erklärt, aber für einen Kinderfilm wird dieses Thema dann doch überraschend tiefgehend betrachtet.

Internet als Lernplattform: Mit Disney und Games gegen Eindimensionalität

Dass Ralph und Vanellope eine besondere Freundschaft verbindet, kennen Zuschauer bereits aus dem ersten Teil. Auch bei Chaos im Netz dürfen sie wieder mehr als nur eindimensional sein. Ralph mag zwar etwas grobschlächtig sein, hält jedoch mit seinen väterlichen Gefühlen gegenüber Vanellope nicht hinter dem Berg. Die Rennfahrerin durchlebt dafür einen Glitch, der sie emotional instabil macht. Und schließlich wird mit Shank (Gal Gadot im Original) auch noch eine starke Frauenfigur im Online-Spiel Slaughter Race (der Name ist Programm) eingeführt, die von Vanellope bewundert wird.

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Als besonderes Schmankerl darf dann auch die Szene gelten, in der Vanellope auf die verschiedenen Disney-Prinzessinnen trifft: Hier haben die Drehbuchschreiber offenbar bei Twitter-Debatten um selbstbestimmte Hauptfiguren und diversen Veralberungen von YouTube und Co. gut aufgepasst, sodass die Szene auch im Nachhinein noch für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Dass sich Disney (die hier als Internet-Kanal namens OhMyDisney auftreten) eine derartige Selbstironie zutraut, ist nach Tiefschlägen wie Emoji - Der Film eine echte Freude. Hier wird weitergeführt, was mit Die Unglaublichen 2 bereits angedeutet wurde. Disney ist sich der teilweise auftauchenden Eindimensionalität seiner Figuren durchaus bewusst und scheint hier langsam, aber tiefgreifend umzudenken. Und das alles in einem eigentlich simpel gestrickten Kinderfilm - Disney, du machst dich.

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Zum Schluss noch ein wenig Lob für die Ästhetik: Chaos im Netz kommt, wie bei den Unglaublichen, auch in der Fortsetzung in einem ähnlichen Look daher wie sein Vorgänger. Die Action und die verschiedenen Spielewelten sehen gut aus wie eh und je. Spaß machen auch die vielen kleinen Geschehnisse im Hintergrund, Schilder und Anspielungen, die vor allem in der Internet-Welt zahlreich auftauchen. Wenn in wenigen Monaten die DVD in den Regalen liegt (oder der Stream auf diversen Portalen), wird es sicherlich viele Zuschauer geben, die hier auf Pause drücken, um jede Beschriftung lesen zu können. So mögen wir das!

Fazit

Chaos im Netz bietet keine ganz großen Überraschungen. Die Handlung ist eher ein wenig zerpflückt. Dennoch passen die vielen kleinen Anspielungen und Nebenhandlungen in einen Film, der sich mit dem Thema Aufmerksamkeit und Internet auseinandersetzt, recht gut hinein. Disney verzichtet auf die ganz große Ironiekeule, verteilt aber mit schöner Regelmäßigkeit kleine Spitzen, an denen vor allem Erwachsene ihre Freude haben dürften. Als bunte Nachmittagsunterhaltung mit Schwung dürfte Chaos im Netz durchaus ein Erfolg werden.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Disney
Webcrashers Ralph reichts 2 Poster
Originaltitel:
Ralph Breaks the Internet: Wreck-It Ralph 2
Kinostart:
24.01.19
Regie:
Rich Moore, Phil Johnston
Drehbuch:
Phil Johnston, Pamela Ribbon
Darsteller:
John C. Reilly, Sarah Silverman, Jack McBrayer, Jane Lynch, Alan Tudyk, Ana Ortiz, Jodi Benson, James Corden, Taraji P. Henson
Bei der Fortsetzung von Ralph reichts verschlägt es Vanellope und Ralph in das Internet.

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