Jessica Jones: Kritik zur 2. Staffelhälfte der Marvel-Serie

SPOILER

Seit Freitag ist die 13-teilige erste Staffel der neuen Marvel-Serie Jessica Jones auf Netflix verfügbar. Die Kritik zur ersten Staffelhälfte gab es bereits am Freitag und sie fiel sehr positiv auf. Nach dem Anschauen aller 13 Folgen lässt sich feststellen, dass auch die zweite Hälfte der Staffel das angefangene Niveau halten kann. Vor allem David Tennant wurde im Laufe der Serie immer stärker.

ACHTUNG SPOILER!
Neben der düsteren Handlung sind es definitiv die Schurken, welche die beiden Netflix-Serien so sehr von dem bisher Bekannten aus dem Marvel Cinematic Universe unterscheiden. Dabei schafft es Jessica Jones mit Kilgrave einen Gegenspieler zu präsentieren, der vollkommen anders ist als Daredevils Kingpin, ohne deswegen jedoch weniger interessant zu sein. David Tennant spielt Kilgrave dabei mitunter wie ein verzogenes Kind, das einfach nicht versteht, wie jemand überhaupt leben kann, ohne anderen Menschen seinen Willen aufzuzwängen. Gleichzeitig macht die Tatsache, dass Jessica jedoch eine Ausnahme darstellt, diese auch so besonders und begehrenswert für ihn. Dumm nur, dass Jessica Jones ihn am liebsten tot sehen will. Die wiederholten Aufeinandertreffen der beiden Figuren in der Mitte Staffel gehören deshalb definitiv zu den Höhepunkten der Serie.

Auf der anderen Seite muss man aber auch festhalten, dass der Konflikt zwischen Jessica und Kilgrave nicht so wirklich Potenzial für 13 Episoden bietet. Da die Serie nun aber quasi als ein zusammenhängender Film aufgebaut ist, schlägt man immer wieder ein eher gemächliches Erzähltempo an. Letztendlich hätte sich die Geschichte auch locker in der Hälfte der Zeit erzählen lassen. Dafür sind die Macher am Ende jedoch sehr konsequent. Während bei Wilson Fisk aka Kingpin durchaus Potenzial vorhanden ist, um den Charakter zurückzubringen, scheint man als Zuschauer bei Kilgrave alle Facetten der Figur zum Ende der Staffel zu kennen. Aus diesem Grund geht das Ende des Schurken auf diese Weise durchaus in Ordnung, auch wenn man fortan wohl auf David Tennant im Marvel-Universum verzichten muss.

Ein weiterer kleiner Negativpunkt, welche ebenfalls der langsamen Erzählstruktur geschuldet ist, ist der eine oder andere nervige Charakter beziehungsweise ein paar langweilige Nebengeschichten. Letzteres stellen zum Beispiel die Ehestreitigkeiten zwischen Anwältin Jeri Hogarth und deren Noch-Ehefrau Wendy da. So richtig will hier der Funke nie überspringen, lediglich das Ende ist ziemlich gut inszeniert. Noch schlimmer ist jedoch der Charakter Robyn, eine Nachbarin von Jessica Jones, die in der Handlung der zweiten Staffelhälfte zunehmend Raum einnimmt. Diese Rolle wurde unglaublich nervig angelegt und nicht wenige Zuschauer dürften schon aufgestöhnt haben, bevor Robyn bei ihren Auftritten überhaupt den Mund aufgemacht hat. Besonders komisch wirkt eine Szene, in der es ihr gelingt, eine Gruppe von Kilgrave-geschädigten Menschen gegen Jessica Jones aufzustacheln. Wirklich glaubhaft erklärt wird dabei nicht, warum irgendwer überhaupt auf ihre Meinung hören sollte, geschweige denn sich zu einem körperlichen Angriff überreden lässt.

Die angesprochenen Punkte sind jedoch meckern auf sehr hohem Niveau. Krysten Ritter in der Rolle der Jessica Jones zuzuschauen, bleibt trotzdem eine richtig unterhaltsame Sache. Eventuell wäre noch die eine oder andere Überschneidung mit Daredevil nett gewesen. Schließlich wohnen beide im selben Stadtteil, da kann man schon einmal von einem Typen in Teufelskleidung, der nachts Verbrecher bekämpft, gehört haben. Der Auftritt von Rosario Dawson schlägt aber eine nette Brücke, vor allem weil sie auch gleich Luke Cage kennenlernt. Dessen Rückkehr am Ende sorgt für einen tollen Rahmen um die gesamte Geschichte und bringt einen richtig gut gelungenen Schlagabtausch zwischen ihm und Jessica. Dieser stellt schon beinah das finale Aufeinandertreffen zwischen der Hauptheldin und Kilgrave in den Schatten. So kann der finale Kampf zwar durchaus überzeugen, ganz mithalten kann er mit den beiden Episoden davor aber nicht.

Fazit
Jessica Jones startet stark und kann die Anfangsqualität später mühelos halten. Nach Daredevil gelingt Marvel damit erneut ein richtig guter Serienstart auf Netflix. Kleine Schönheitsfehler können das Gesamtbild kaum drüben und man kann sich jetzt schon freuen, wenn Jessica Jones in The Defenders nicht nur erneut auf Luke Cage, sondern auch auf Daredevil treffen wird. Eine zweite Staffel der Solo-Serie wäre zudem ebenfalls nicht verkehrt.

Jessica Jones Promoposter

Originaltitel: Marvel's Jessica Jones (2015)
Erstveröffentlichung am
20.11.2015 bei Netflix
Darsteller:
Krysten Ritter, Mike Colter, Rachael Taylo, Carrie-Anne Moss, David Tennant
Produzenten: Melissa Rosenberg, Liz Friedman, Allie Goss, Kris Henigman, Cindy Holland, Alan Fine, Stan Lee, Joe Quesada, Dan Buckley, Jim Chory, Jeph Loeb, Melissa Rosenberg
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 26+

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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