Jessica Jones: Spoilerfreie Kritik zur 1. Staffelhälfte der neuen Marvel-Serie

Im April diesen Jahres starteten Marvel und Netflix mit Daredevil einen neuen Ableger des so beliebten Cinematic Universe, der sich so gar nicht wie die bisherigen Filme und Serien anfühlte. Ähnlich wie seiner Zeit Iron Man stellt Daredevil jedoch nur den Start für gleich mehrerer Serien da, welche aber deutlich düsterer und erwachsener daher kommen sollen. Mit Jessica Jones setzen Marvel und Netflix heute diesen Weg konsequent fort, wobei die Serie durchaus große Fußstapfen zu füllen hat. Nach den ersten sechs Episoden kann man dies jedoch getrost als gelungen bezeichnen.

Jessica Jones arbeitet als Privatdetektivin im New Yorker Stadtteil Hells Kitchen. Ihre Fälle umfassen in der Regel das Fotografieren von Ehebrechern und das Ausliefern von Klagen an Personen, der eher gefährlichen Art. Für Letzteres ist sie aufgrund ihrer Fähigkeiten besonders gut geeignet. So hatte Jessica Jones in ihrer Jugend einen Unfall, durch den sie einige übermenschliche Fähigkeiten entwickeln konnte. Der neueste Fall der Detektivin hat jedoch zunächst einmal nichts mit Ehebrechern zu tun. Jessica Jones wird mit der Suche nach einem verschwunden Mädchen beauftragt. Bei ihren Ermittlungen stellt sie jedoch bald fest, dass ein eigentlich tot geglaubter Feind aus ihrer Vergangenheit involviert sein muss. Der Mann mit dem Namen Kilgrave hat schon einmal Jessicas Leben zur Hölle gemacht und scheint dies nun erneut zu planen.

Marvel-Zuschauer, die Daredevil nicht kennen und erstmals einen Blick auf Jessica Jones werfen, dürften sich verwundert die Augen reiben. Spaßige Action und witzige Sprüche sind bei der Netflix-Serie Fehlanzeige. Stattdessen wird den Zuschauern eine zynische Heldin präsentiert, die so gar keine Gemeinsamkeiten mit Iron Man oder Captain America hat. Jessica Jones geht in vielen Fällen sogar noch einen Schritt weiter als Daredevil und präsentiert eine noch düstere Geschichte. Dabei fährt die Serie auch den Action-Anteil gehörig zurück. Während in Daredevil lange Kampfszenen praktisch zu jeder Folge gehörten, geht es in Jessica Jones weniger actionreich zu. Trotzdem gibt es natürlich auch in den ersten sechs Folgen ein paar handgreifliche Auseinandersetzungen. Diese sind jedoch geerdeter inszeniert und nehmen auch weniger Zeit in Anspruch. Im Gegenzug gibt sich die Serie allerdings erheblich freizügiger. Auch wenn es keine explizite Nacktheit in den Folgen zu sehen gibt, Bettszenen sind trotzdem in einem deutlich höheren Anteil vertreten als in allen bisherigen Marvel-Produktionen.

Ebenfalls interessant ist der Ansatz, den die Macher bei der Wahl des Schurken wählen. Kilgrave ist aufgrund seiner Fähigkeiten eine vollkommen andere Bedrohung als beispielsweise Kingpin Wilson Fisk. Der Brite nimmt sich von den Menschen um ihn herum einfach, was er möchte und dabei spielt es keine Rolle, dass er sie praktisch dabei foltert. Durch diese Tatsache und die Vergangenheit mit Jessica Jones erfolgt die Auseinandersetzung der beiden auf einer vollkommen anderen, viel persönlicheren Ebene als die zwischen Daredevil und dem Kingpin. Während Daredevil eher der heldenhafter Kämpfer in der Nacht war, ist Jessica Jones eine Detektivin auf einer Fährte. Dies zeigt sich auch im generellen Grundton der Serie, der einen Hauch von Film Noir hat.

Getragen wird die spannende Handlung dabei durch einen Cast, bei dem Marvel wieder einmal einen Glücksgriff gelungen ist. Krysten Ritter konnte bei der Bekanntgabe des Castings vielleicht nicht jeden Fan überzeugen, spätestens nach 10 Minuten sollten jegliche Bedenken der Vergangenheit angehören. Dazu lernen die Zuschauer mit Mike Colter als Luke Cage bereits den nächsten Helden kennen, der schon bald in einer eigenen Netflix-Serie zu sehen sein wird. Colter erweist sich ebenso wie Ritter als toller Castinggriff und man darf sich jetzt schon auf dessen Serie freuen. David Tennant kann sich als Kilgrave ebenfalls gegenüber vielen anderen Marvel-Schurken profilieren. Auch wenn er nicht ganz an Vincent D’Onofrios Kingpin herankommt, gehört Kilgrave schon jetzt zu den besseren Gegenspielern im Marvel-Universum. Der weitere Cast steht den drei übernatürlichen Figuren in Qualität ebenfalls in Nichts nach. Carrie-Anne Moss und Rachael Taylor bekommen dabei noch am meisten Zeit auf dem Bildschirm und wissen beide in ihren Rollen zu gefallen. Erwähnt werden sollte zudem noch Erin Moriarty. Die Darstellerin hat als Hope zwar nicht die größte Rolle, sorgt mit ihrer schauspielerischen Leistung in den ersten Folgen aber für den einen oder anderen richtig starken Moment.

Fazit
Jessica Jones setzt den eingeschlagenen Weg von Daredevil konsequent fort und bringt ein weiteres düsteres Kapitel in Marvels sonst eher bunten Film- und Serienwelt. Mit einem exzellenten Cast und einer spannenden Geschichte ist der Start in den ersten sechs Folgen definitiv geglückt. Wer schon mit Daredevil gut unterhalten wurde, kann ohne Probleme auch Jessica Jones einschalten. In unserer nicht mehr spoilerfreien Kritik zur 2. Staffelhälfte erfahrt ihr, ob die Serie das Niveau in den verbleibenden 7 Folgen halten kann.

Jessica Jones Promoposter

Originaltitel: Marvel's Jessica Jones (2015)
Erstveröffentlichung am
20.11.2015 bei Netflix
Darsteller:
Krysten Ritter, Mike Colter, Rachael Taylo, Carrie-Anne Moss, David Tennant
Produzenten: Melissa Rosenberg, Liz Friedman, Allie Goss, Kris Henigman, Cindy Holland, Alan Fine, Stan Lee, Joe Quesada, Dan Buckley, Jim Chory, Jeph Loeb, Melissa Rosenberg
Staffeln: 3+
Anzahl der Episoden: 26+

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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