Abschied von Sam Neill

Der neuseeländische Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Winzer Sam Neill ist am Montag, dem 13. Juli, im Alter von 78 Jahren in Sydney verstorben. Laut seiner Familie, die die Nachricht über seinen Instagram-Account bekannt gab, war sein Ableben nicht vorhersehbar:

"Der Verlust kam plötzlich und unerwartet, doch es tröstet uns, dass Sam krebsfrei blieb. Die Familie möchte dem Personal des St. Vincent’s Private Hospitals ihren tiefsten Dank für die hervorragende Betreuung aussprechen."

In seiner über fünf Jahrzehnte andauernden Karriere spielte er Hauptrollen in Independent-Filmen und Blockbustern. Er galt als internationaler Star und als einer der vielseitigsten Schauspieler seiner Generation.

Nigel John Dermot "Sam" Neill wurde am 14. September 1947 in Omagh, Nordirland, geboren und besaß dank seiner Familie bereits bei der Geburt drei offizielle Staatsbürgerschaften: Neuseeland, Irland und das Vereinigte Königreich.

1954 zog seine Familie nach Neuseeland und ließ sich in Cashmere nieder. Allerdings blieben sie nicht lange in dem Christchurch-Vorort, sondern zogen in die Heimatstadt seines Vaters, Dunedin, wo die Kinder in den Ferien noch frei herumlaufen konnten. In der Schule nannte er sich fortan "Sam", da es mehrere Jungs mit dem Namen Nigel gab. Zudem verriet er in einem Interview, dass der Name für einen neuseeländischen Spielplatz nicht geeignet sei.

Was seine berufliche Zukunft anging, war er damals noch unsicher und entschied sich, nicht wie sein Vater zum Militär oder in das Familienunternehmen seines Großvaters, einen Weinhandel, einzusteigen. Er erwog zwar ein Jurastudium, fiel jedoch im ersten Jahr in allen vier Modulen durch.

Wie so viele vor ihm sammelte Sam seine ersten Erfahrungen mit den darstellenden Künsten während seines Studiums an der Universität von Canterbury. Für die Inszenierung Marat/Sade von Mervyn Thompson sprang er schließlich für einen ausgefallenen Schauspieler ein. Das Stück wurde im Downstage Theatre aufgeführt und Sam wurde so zum festen Bestandteil der Stadtkultur. Er beschrieb diese Zeit als die schönste seines Lebens.

Anschließend wechselte er an die Victoria University of Wellington, um seinen Bachelor of Arts abzuschließen. Auch dort wirkte er bei Universitätsproduktionen mit, unter anderem unter der Regie des Science-Fiction-Autors Phillip Mann. Schließlich wurde er professioneller Schauspieler am Downstage Theatre und verdiente 25 Dollar pro Woche, zuzüglich der Essensreste aus der Küche, die er nach dem Abendessen des Publikums erhielt.

Seinen ersten Auftritt vor der Kamera hatte er schließlich 1971 in dem neuseeländischen Fernsehfilm The City of No. Es folgten weitere Auftritte in ähnlichen Produktionen. Daneben schrieb Neill auch selbst Drehbücher für Kurzfilme und inszenierte diese. Seinen Durchbruch in seiner neuseeländischen Heimat schaffte er schließlich 1977 mit dem Action-Thriller Schlafende Hunde (Sleeping Dogs), der auch im Ausland ein breites Publikum ansprach.

Schließlich ging er nach Australien und übernahm erstmals eine Serienrolle, genauer gesagt eine Gastrolle in der Seifenoper Die Sullivans. Nach einigen australischen Filmen, die eher weniger Beachtung fanden, folgte 1981 schließlich seine erste große internationale Rolle: Der erwachsene Damien Thorn, der Sohn des Teufels und Antichrist, in Barbara’s Baby – Omen III.  Im selben Jahr übernahm er auch die Hauptrolle in Andrzej Żuławskis Kultfilm Possession.

Mit Ivanhoe wurde Neill in Schweden zu einer lokalen Berühmtheit. Der Fernsehfilm wird seit seiner Erstausstrahlung am 31. Dezember 1982 immer zum Neujahrstag ausgestrahlt. Danach galt er lange als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Roger Moore in der Rolle des James Bond, unterlag jedoch Timothy Dalton.

Es folgten schließlich weitere Hauptrollen in Filmen wie Das Blut der Anderen mit Jodie Foster, Ein Schrei in der Dunkelheit mit Meryl Streep und Todesstille mit Nicole Kidman. Mit seiner Rolle in der Tom-Clancy-Verfilmung Jagd auf Roter Oktober wuchs seine internationale Bekanntheit weiter. Es folgten die mehrfach Oscar-prämierte Produktion Das Piano, John Carpenters Jagd auf einen Unsichtbaren und Steven Spielbergs Jurassic Park. Die Rolle des Paläontologen Dr. Alan Grant übernahm er auch 2001 in Jurassic Park III sowie zuletzt in Jurassic World: Ein neues Zeitalter und sämtlichen Videospielen zur Reihe. 

Er hatte weitere einprägsame Auftritte und Rollen in Filmen wie Die Mächte des Wahnsinns, Event Horizon – Am Rande des Universums, Der Pferdeflüsterer, der Fernsehserie Merlin und deren Fortsetzung Merlin 2 – Der letzte Zauberer sowie in Der 200 Jahre Mann. Mit Thor: Tag der Entscheidung und der Fortsetzung Thor: Love and Thunder wurde Neill auch Teil des Marvel Cinematic Universe. Mit der im März 2027 erscheinenden Fortsetzung Godzilla x Kong: Supernova wird er hingegen nochmals posthum auf der Leinwand zu sehen sein.

Auf der kleinen Leinwand war er hingegen in Serien wie The TudorsAlcatrazPeaky Blinders – Gangs of BirminghamApples Never Fall und zuletzt in der Netflix-Serie Untamed zu sehen.

Während der Dreharbeiten zu Omen III lernte er schließlich die Schauspielerin Lisa Harrow kennen. Mit ihr hat er einen Sohn. 1989 heiratete er die Maskenbildnerin Noriko Watanabe, mit der er eine Tochter hat. Zudem adoptierte er ihre Tochter aus erster Ehe. 2017 trennte sich das Paar, woraufhin Neill mehrere Jahre mit der australischen Journalistin Laura Tingle liiert war. Mit Anfang 20 war Neill bereits zum ersten Mal Vater geworden, hatte seinen Sohn jedoch zur Adoption freigegeben. 1994 fanden sie schließlich wieder zusammen. Zuletzt hatte er acht Enkelkinder.

Neben der Schauspielerei war sein Weingut Two Paddocks seine zweite Leidenschaft. Er bezeichnete es zwar als sehr zeit- und geldintensiv, die Arbeit sei jedoch umso befriedigender gewesen. Er teilte seine Erlebnisse gerne in den sozialen Medien und benannte seine Nutztiere nach Kollegen aus der Filmbranche. Unter anderem besaß er ein Huhn namens Meryl Streep und eine Kuh namens Helena Bonham Carter.

Im Zuge seiner Autobiografie Hab ich dir das je erzählt? gab er bekannt, dass bei ihm ein Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert worden war und er sich seit März 2022 einer Chemotherapie unterzog. Zuletzt berichtete er im April dieses Jahres, dass die Chemotherapie nicht mehr anschlägt und er an einer klinischen Studie teilnimmt. Diese war erfolgreich, sodass er bis zu seinem Tod krebsfrei war. Als Todesursache wurde zwischenzeitlich von Neils Familie eine schwere Lungenentzündung bestätigt.

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