Guardians of the Galaxy Vol. 2: Kritik zur Marvel-Fortsetzung

Mit Guardians of the Galaxy gelang James Gunn 2014 einer der besten Filme des Marvel Cinematic Universe. Ohne Druck schuf der Regisseur ein unterhaltsames Weltraumabenteuer, das einfach Spaß machte und obendrein noch mit einem sympathischen Heldenteam punkten konnte. Die Fortsetzung entstand allerdings unter anderen Voraussetzungen. Nach dem Erfolg des ersten Teils musste Guardians of the Galaxy Vol. 2 nun mindestens ebenso gut werden. Der Erwartungsdruck war groß, und nicht nur MCU-Filme wie Avengers: Age of Ultron haben in der Vergangenheit gezeigt, wie dies zu einem Problem werden kann.

Die Handlung von Guardians of the Galaxy Vol. 2 setzt einige Monate nach Teil 1 ein. Die nun in der ganzen Galaxie bekannten Helden haben gerade einen neuen Auftrag erhalten. Für das Volk der genetisch optimierten Sovereign People sollen sie ein Monster töten. Obwohl dies gelingt, bringt Rocket (Bradley Cooper) durch einen Diebstahl die Herrscher des Volkes gegen die Guardians auf, die nun tödliche Rache schwören. Genau in diesem Moment taucht ein Mann namens Ego (Kurt Russell) auf, der behauptet, Peter Quills (Chris Pratt) Vater zu sein.

Diebe, Väter und Schwestern

James Gunn erzählt die Geschichte des Films primär durch drei große Handlungsstränge. Der größte Strang dreht sich um Peter Quill und seine Vater Ego. Dieser nimmt relativ viel Raum im Film ein, ist allerdings auch etwas vorhersehbar. Als Zuschauer wartet man eigentlich nur auf den Moment, in dem alles den Bach runter geht. Der Weg dahin ist allerdings auch nicht langweilig. Selbst wenn man vergleichsweise früh weiß, worauf es wohl hinsteuern wird, bleibt der Unterhaltungswert hoch. Trotzdem hätte etwas weniger Vorhersehbarkeit der Sache nicht geschadet.

Besser geraten ist die Geschichte rund um Rocket. Hier findet das Drehbuch genau die richtige Mischung aus Spaß und Spannung, wobei auch die Ravager ihren Teil beitragen. Interessanterweise erweist sich am Ende Yondu (Michael Rooker) als wichtiger Baustein sowohl in der Geschichte von Rocket als auch der von Peter. Yondu wird nach seinem Auftritt in Teil 1 nun selbst ein Mitglied der Guardians, was im Vorfeld nicht überall auf positive Resonanz stieß. Peters Kindheitsentführer ist für die Handlung allerdings von großer Bedeutung und bringt dem Film eine emotionale Tiefe, die nicht unbedingt zu erwarten war.

Etwas anders sieht die Sache bei Nebula (Karen Gillan) aus. Der Konflikt zwischen ihr und Gamora (Zoe Saldana) ist der dritte größere Handlungsstrang im Film, allerdings auch der schwächste. Dies liegt neben der grundsätzlichen Motivation auch an der Auflösung. Nachdem ersteres schon eher dünn ausfällt, wird der Konflikt am Ende zu einfach gelöst. Irgendwie entsteht dabei das Gefühl, dass Nebula nur im Film ist, damit Gamora etwas zu tun bekommt.

Der Zerstörer, die Neue und das Baby

Im Gegensatz zu Peter, Rocket und Gamora nimmt Drax (Dave Bautista) in Guardians of the Galaxy Vol. 2 vor allem die Rolle des Unterstützers ein. Ob man mit seinen Szenen Spaß hat, hängt stark davon ab, wie witzig man den Charakter findet. Wer über seine häufigen unsensiblen Aussagen lachen kann, der bekommt einiges geboten. Alle anderen könnten dagegen auf den Gedanken kommen, dass der Charakter doch sehr eindimensional und überzeichnet wirkt. Dasselbe gilt in gewisser Weise auch für Mantis (Pom Klementieff). Die Figur ist ein weiterer neuer Guardian, die allerdings nicht so viel zu tun bekommt und auch vom Unterhaltungswert nicht mit den anderen Teammitgliedern mithalten kann.

Entwarnung kann man dagegen bei Baby Groot (Vin Diesel) geben. Aufgrund der hohen Popularität des Charakters bestand durchaus die Gefahr, dass Groot im Film überpräsent ist. Zum Glück setzt James Gunn den Publikumsliebling dosiert ein. Baby Groot hat seine Auftritte, allerdings bleibt die Zahl im Rahmen. Dadurch wirkt die Figur nie nervig und man wird ihrer auch nicht müde.

Alte Stärken

Aufgelockert wird die Geschichte der Guardians wie schon im ersten Teil durch viel Humor und Musiktitel aus den 70ern und 80ern. Der Humor ist dabei ähnlich stark wie in Teil 1. Es gibt viele richtig gute Lacher, allerdings zündet auch nicht jeder Gag. Musikalisch kann der Film nicht ganz an seinen Vorgänger anknüpfen, jedoch ist das Konzept mittlerweile auch nicht mehr so unverbraucht. Dafür gehört der Gag, der die Musik einer möglichen Fortsetzung andeutet, zu einem der besten im ganzen Film.

Für viele dürfte die hohe Gagdichte allein schon ausreichen, gleich noch einmal ins Kino zu gehen. Dies ist allerdings nicht der einzige Grund, dass der Film einen hohen Wiederschauwert hat. James Gunn ist ein Meister der Anspielungen, Easter-Eggs und Cameo-Auftritte. Auch in Guardians of the Galaxy Vol. 2 gibt es so viel zu entdecken, dass wohl selbst die größten Fans beim ersten Anlauf nicht alles mitbekommen werden. Wie viel Spaß dem Regisseur solche Bonbons machen, zeigt sich auch an den fünf Abspannszenen. Diese sind über den gesamten Abspann verteilt, was die Wartezeit auf die letzte Szene viel erträglicher macht. Ein Konzept, das sich zukünftige Marvel-Filme gern abschauen dürfen.

Fazit

Guardians of the Galaxy Vol. 2 macht genauso viel Spaß wie Teil 1. Wer es im ersten Film genossen hat, Zeit mit der sympathischen Heldentruppe zu verbringen, der dürfte auch in der Fortsetzung auf seine Kosten kommen. Die Geschichte punktet dabei nicht nur durch Humor, sondern bietet auch auf emotionaler Ebene eine überraschende Tiefe. Ein dritter Teil darf sich gern anschließen.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 Poster
Originaltitel:
Guardians of the Galaxy Vol. 2
Kinostart:
27.04.2017
Regie:
James Gunn
Drehbuch:
James Gunn
Darsteller:
Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Bradley Cooper, Vin Diesel
Chris Pratt (Star-Lord), Zoe Saldana (Gamora), Dave Bautista (Drax), Bradley Cooper (Rocket) und Vin Diesel (Groot) spielen in Guardians of the Galaxy 2 wieder die Hauptrollen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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