The Walking Dead 8.08: Kritik des Midseason-Finales

SPOILER

Mit einer Folge in Überlänge verabschiedet sich The Walking Dead in die Winterpause. Das Midseason-Finale beendet allerdings leider nicht wie erhofft den vor sich hin dümpelnden Negan-Konflikt.

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Die Serienschreiber haben es sich insbesondere in den vergangenen beiden Staffeln nicht leichter gemacht. Es kamen zahlreiche neue Figuren und Handlungsorte hinzu. Dass man diesen dann nicht vollends gerecht werden kann, ist für viele ein Hauptkritikpunkt.

Entsprechend sind die starken Folgen der achten Staffel bisher vor allem die, in denen auf einen Charakter mit wenig Figuren drum herum der Fokus gelegt wird. Im Midseason-Finale kommt jedoch noch einmal jeder zum Zug, was auf der einen Seite reichlich gehetzt, auf der anderen Seite komplett überflüssig wirkt.

Dass ein Großteil der Folge in Dunkelheit und/oder Vernebelung spielt, hilft nicht gerade. sich bei den ruppig-sprunghaften Schnitten von Ort zu Ort oder auch zu Rückblicks-Szenen zu orientieren. Kaum lässt man sich auf die Geschehnisse einer Gruppierung ein, wird diese schon wieder in der Luft hängen gelassen und woanders weitergemacht.

Es ist fraglich, ob man an dieser Stelle - oder überhaupt - wirklich sehen muss, wie Aaron und Enid auf dem Weg zur Ocean Side sind. Auch an der ein oder anderen Szene hätte man kürzen - oder sie komplett weglassen - können, so dass die Überlänge der Episode eher unnötig erscheint.

We survived somehow

Andererseits hätte man andere Dinge durchaus gerne zeigen oder auch nur etwas verständlicher ausführen können. Während eben noch die von Zombies eingekesselten Survivor im Sanctuary gut mit sowohl den Untoten als auch inneren Konflikten zu kämpfen haben, sind sie nicht nur Off-Screen ihrem Schicksal entkommen, sondern auch gleich mit voller Stärke zurück.

Man befindet sich im Prinzip abermals an einer Stelle, an der wir gefühlt schon zigmal waren: Ein überaus von sich überzeugter Negan steht bedrohlich mit seinen Mannen vor den Toren Alexandrias und ist auch ansonsten sofort wieder beeindruckend gut organisiert sowie voll ausgestattet.

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Nachdem sich die vorherige Episode hauptsächlich rund um Eugene im Sanctuary und wie die Saviors aus ihrer misslichen Lage entkommen könnten drehte, wäre es schön gewesen, das Ergebnis der Überlegungen nun auch wirklich zu sehen.

So positionieren sich die Savior direkt strategisch an allen wichtigen Orten: Simon soll Hilltop, die weiterhin hauptsächlich Lebensmittel produzieren sollen, zurück in die Spur bringen während Gavin sich ums Kingdom kümmert. Beim Herzstück Alexandria lässt es Negan sich natürlich nicht nehmen, selbst die erneute Übernahme vorzunehmen.

Standortbestimmung

Wie erwähnt springt die Folge zwischen den verschiedenen Orten und Charakteren recht abrupt hin und her. Zusammengenommen sind die Geschehnisse an sich jedoch recht übersichtlich.

Jadis und ihre Schrottplatz-Gang sind nur noch wenige Sekunden relevant. Sobald der Beschuss im Sanctuary beginnt, ergreifen sie die Flucht. Das macht die Aktion von Rick, alleine bei ihnen aufzutauchen, um sie davon zu überzeugen, sich ihm anzuschließen, erst recht fragwürdig. Andrew Lincoln hätte man sicher auch an anderer Stelle nackt kämpfen lassen können, wenn man das nun unbedingt haben wollte.

Daryl, Tara, Rosita und Michonne sind zurück in Alexandria und kümmern sich mit Carl um die Flucht aus Alexandria. Nebenbei erledigen sie noch einen Trupp Savior, den Dwight in eine Falle gelockt hat. Dies ist wohl vor allem wichtig, damit Daryl endlich seine Flügel-Lederweste zurück bekommt.

Maggie gibt sich scheinbar unterwürfig, nachdem Savior Simon ihren Begleiter Neal erschossen hat. Doch zurück im Hilltop demonstriert sie ihrerseits Härte, exekutiert einen der gefangenen Savior und hinterlässt eine deutliche Nachricht an Negan. Sie will alles dafür tun, dass im Zweifel Hilltop die letzte Bastion des Widerstands ist.

Gut übrigens, dass sie den Namen des Begleiters noch einmal explizit genannt haben, auch wenn ich dennoch nicht so recht weiß, wer das nun eigentlich genau war. So beliebt Jesus sein mag, gerade deswegen wäre er ein deutlich naheliegendes Opfer gewesen. Aber dass länger niemand von Bedeutung mehr stirbt und stattdessen Randfigur XY aus dem Hintergrund dran glauben muss, ist ein weiteres Problem der letzten Staffeln.

Jerry und Carol nehmen ihre Pflicht ernst und machen sich als einzige verbliebene Kämpfer aus dem Kingdom auf zum vereinbarten Treffpunkt am Sanctuary - gerade rechtzeitig, um Rick vor den Scharfschützen zu retten. Im Verlauf kehrt Carol zum Kingdom zurück, wo Ezekiel aus seiner Lethargie gerissen wird, als die Savior die Siedlung stürmen. Es gelingt ihm nicht nur, sich versteckt zu halten, sondern mit einer Explosion auch für genug Ablenkung zu sorgen, um seinem Volk eine Chance zur Flucht zu ermöglichen.

Die eingesetzte mittelalterlich anmutende Musik, die einsetzt, als Ezekiel mit einem Schulbus die Savior-Versammlung aufmischt und seinen Leuten zur Hilfe kommt, sorgt für ein Schmunzeln. Letztlich ist er bereit, sich selbst für das Wohl anderer zu opfern. Der König ist zurück. Doch auch Morgan hat es zurück zum Kingdom gezogen und es ist abzusehen, dass uns mit seiner Hilfe Ezekiel noch etwas erhalten bleibt.

Die Handlung rund um Eugene aus der letzten Episode wird noch einmal aufgegriffen. Er kämpft weiter mit seinem Gewissen, das er nach wie vor in Alkohol zu ertränken versucht. Letztlich kann er sich dazu durchringen und Gabriel eine Fluchtmöglichkeit mit Dr. Carson bieten.

Ob es wirklich nötig ist, dass man in dem ohnehin schon vorhandenen Wirrwarr noch Aarons und Enids fragwürdige Mission nach Ocean Side einbaut, bleibt abzuwarten. Dies müsste in der weiteren Staffel schon noch deutlich weiter ausgebaut werden, damit man die Szenen nicht als leider gänzlich verschwendete Screentime sieht.

Caaaaaarl

Klarer Lichtblick und Fokus der Episode ist Carl. In Rückblicken sieht man, wie er seinen Vater konfrontiert und deutlich mehr fordert, als bloße Rache und Überlebenskampf. Hoffnung ist nötig, und dafür muss man an Größeres glauben: Dass ein Zusammenleben möglich ist, dass die Gewalt aufhören und man nur so etwas Neues von Bedeutung aufbauen kann.

Ebenso klar konfrontiert er Negan. Zum einen, um Zeit zu schinden, damit die verbliebenen Alexandrianer fliehen können - zum anderen nimmt man ihm seine Überzeugung aber tatsächlich ab. Er möchte nicht sterben, wäre aber bereit dazu, wenn dies endlich den Konflikt beenden würde. Seine ehrliche Frage "Is this really who you wanted to be?" beeindruckt nicht nur Negan, sondern auch mich als Zuschauer.

Atmosphärisch und musikalisch setzt man seine Verwirrtheit im Trubel rund um ein nach und nach explodierendes (warum auch immer) Alexandria mit einhergehenden Ohrenklingeln und durch die Gegend stolpern sehr gut in Szene. Es sind diese Momente, die einen daran erinnern, was man an der Serie so sehr vermisst.

Zwischendurch taucht Rick in Alexandria auf, doch in seinem Haus findet er nicht seine Familie, sondern Negan vor. Nach kurzem Kampf mit Lucille kann Rick entkommen, wird von Michonne aufgegriffen und in die Kanalisation gebracht, wo sich die verbliebenen Bewohner Alexandrias verstecken. Inklusive Judith und einem arg geschwächten Carl, der eine Bisswunde präsentiert. Diese scheint er sich jedoch bereits beim Kampf mit den Zombies rund um Saddiq vor einigen Episoden zugezogen zu haben.

Carls Schicksal ist noch offen, am Ende des Midseason-Finales ist er noch am Leben.Wenn man bedenkt, dass Caaaaaarl einst als recht nervig empfunden wurde, wäre sein Ableben zwar nicht komplett unerwartet, aber dennoch ein tiefer Einschnitt für die Serie. Neben Rick ist er der einzige, der seit der ersten Episode komplett im Hauptcast dabei ist.

Über die letzten Jahre sah man nicht nur eine enorme Entwicklung von Carl, sondern auch das Heranwachsen von Chandler Riggs. Mit 11 Jahren wurde er für die Serie verpflichtet, mittlerweile ist er 18 Jahre alt. Nach aktuellen Berichten scheidet er nicht auf eigenen Wunsch aus der Serie aus, sondern war selber von der Nachricht überrascht.

Heißt das also, er stirbt wirklich oder gibt es nicht doch noch einen Dreh? Auf die Antwort muss man sich bis Februar gedulden, dann geht The Walking Dead mit der zweiten Hälfte von Staffel 8 weiter.

Fazit

Leider bringt das Midseason-Finale nicht die erhoffte Klarheit oder zumindest großen Knall für die Serie. Die Probleme der vergangenen beiden Staffeln schleppen sich weiter mit durch: Zu viele Charaktere und Handlungsorte bei zu vielen unklaren Aktionen, die oft nicht nachvollziehbar sind.

Dennoch ist eine gewisse Spannung vorhanden und es gibt genug Lichtblicke, um sich von der Episode unterhalten zu lassen. Eine Überlänge wäre jedoch nicht nötig gewesen. So hat man viel Zeit, um trotzdem nicht auf den Punkt zu kommen und bis auf wenige Ausnahmen schafft man keine tiefere Bindung zu den Charakteren.

Der komplette Plot rund um Negan scheint mittlerweile zu verfranzt und gegen die Wand gefahren, weswegen der Wunsch bestand, dass der Konflikt in dieser Episode enden würde. Aber es heißt weiter durchhalten.

Noch habe ich einen Rest Hoffnung, dass die Serie die Kurve bekommt und irgendwann zu einem vernünftigen Ende findet. Natürlich könnte man, wie es einige einstige Fans taten, einfach aufhören zu gucken. Doch dafür hängen viele ja doch zu sehr an ihrer einstigen Lieblingsserie und das verbliebene Interesse zu länger bekannten Charakteren.

THE WALKING DEAD 8x09 Midseason Premiere Promo [HD] Andrew Lincoln, Norman Reedus

The Walking Dead Staffel 6

Originaltitel: The Walking Dead (seit 2010)
Erstaustrahlung am
31.10.2010 bei AMC / 11. Mai 2012 bei RTL1
Darsteller:
Andrew Lincoln (Rick Grimes), Norman Reedus (Daryl), Lauren Cohan (Maggie), Chandler Riggs (Carl), Melissa McBride (Carol), Steven Yeun (Glenn), Laurie Holden (Andrea), Danai Gurira (Michonne), Sonequa Martin-Green (Sasha), Jon Bernthal (Shane), Sarah Wayne Callies (Lori), Jeffrey DeMunn (Dale), Michael Rooker (Merle), David Morrissey (Govenor), Scott Wilson (Hershel), Michael Cudlitz (Abraham), Emily Kinney (Beth), Chad L. Coleman (Tyrese), Lennie James (Morgan), Jeffrey Dean Morgan (Negan), Alanna Masterson (Tara), Josh McDermitt (Eugene), Christian Serratos (Rosita)
Produzenten: Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman, Charles H. Eglee, Glen Mazzara, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Tom Luse, Frank Darabont
Basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman
Entwickelt von Frank Darabont
Staffeln: 7+
Anzahl der Episoden: 97+

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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