Kritik zu Tomb Raider – Papa ante Portas

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Alicia Vikander Tomb Raider

Lara Croft (Alicia Vikander) könnte das Erbe ihres reichen Vaters antreten, stattdessen verdient sie lieber unabhängig ihr Geld als Essenslieferantin. Als sie in einem Versteck ihres verschollenen Vaters (Dominic West) Hinweise auf dessen Verbleib findet, macht sie sich auf eigene Faust auf die Suche nach ihm. Auf einer Insel nahe Japan angekommen findet Lara dort nicht nur eine seltsame Organisation, sondern auch den Grund dafür, warum ihr Vater sein Geheimnis unbedingt bewahren wollte.

Im Jahr 2013 wagte sich Square Enix an das Reboot einer der wahrscheinlich bekanntesten Videospielfiguren der letzten Jahrzehnte: Lara Croft. Nach ihrem Debüt 1996 im Videospiel Tomb Raider zierte sie bald unter anderem Magazin-Cover und ein Musikvideo der besten Band der Welt, Die Ärzte. Die Spiele unterdessen ließen mehr und mehr an Qualität nach. Die Serie schlief ein wenig ein, bevor sie 2013 wiederbelebt wurde. Diesmal war Lara Croft nicht mehr die taffe Archäologin, die sie in den Spielen verkörperte. Das Spiel Tomb Raider (2013) zeigte Lara stattdessen als verwundbaren Menschen, kaum dem Mädchenalter entwachsen, doch bereits vor harte Proben und Entscheidungen gestellt.

Einen ähnlichen Weg schlägt auch der Film ein. Er zeigt Lara weniger verletzlich, aber von Anfang an mit großem Ehrgeiz, einer Portion Sturheit und eigenem Kopf. Überhaupt nimmt der Film zwar Anleihen am Spiel, speziell in Bezug auf die grobe Story, doch erzählt er im Kern eine fundamental andere Geschichte: Nämlich Laras Suche nach ihrem Vater.

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Alicia Vikander Tomb Raider

Abenteuer mit den üblichen Lücken

In angenehmen Tempo schlägt Tomb Raider eine Brücke zwischen Charakterisierung und Action, konzentriert sich aber im zweiten Teil vornehmlich auf den Abenteuer-Aspekt des Films sowie den Kampf gegen die geheimnisvolle Organisation, welche die Insel ebenfalls erforscht. Eine ganzer Nebenhandlungsstrang wird ab diesem Moment mehr oder weniger abgesägt – zwar war dieser nicht sonderlich wichtig, aber man hat das Gefühl, das wäre auch eleganter gegangen. Ansonsten führt Tomb Raider zwar mit ordentlich Tempo, aber durchaus angenehm durch die Handlung.

Die bleibt allerdings nicht ohne die bei Abenteuerfilmen üblichen Handlungslücken: Wieso hat Lara die Lösung für die Rätsel im richtigen Moment parat? Wie installieren sich reiche Industriemagnaten Geheimverstecke auf ihrem Grundstück? Und warum werden Fallen in Grüften immer über Trittschalter ausgelöst? Wer über solche und ähnliche Fragen hinwegschauen kann, fühlt sich in bestimmten Momenten des Films angenehm an Indiana-Jones-Filme (die guten) erinnert.

Die Hauptfigur wird von Alicia Vikander dabei glaubwürdig dargestellt: Lara wirkt menschlicher als die stellenweise comic-haft überzeichnete Version von Angelina Jolie, was allerdings auch dem Drehbuch geschuldet ist, welches der Hauptfigur genug Raum zur Charakterisierung lässt. Allerdings nervt Laras Fixierung auf ihren Vater bisweilen, und man wünscht sich beinahe, dass er nicht ständig in ihrer Erinnerung auftaucht. So verwässert der Film seine an sich spannende Geschichte mit einem bisweilen aufgesetzten Vaterkomplex der Hauptfigur. Auch stört der manchmal arge Druck auf die Klischee-Tube.

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Alicia Vikander Tomb Raider

Schön trotz Computer

Neben einer zum Glück nur stellenweise durchwachsenen Handlung bietet Tomb Raider solide Technik: Nur selten wurde sehr offensichtlich CGI eingesetzt, die Effekte wirken die meiste Zeit organisch. Lediglich manchmal reißt einen der allzu offensichtliche Einsatz von Greenscreen aus dem Action-Geschehen heraus. Diese Momente sind aber meist kurz.

Angesichts einer darbenden Leere des Genres der Abenteuerfilme ist Tomb Raider eine willkommene Abwechslung. Der Vergleich mit dem umtriebigen, Fedora bewehrten Archäologen drängt sich beim Film an vielen Stellen auf (Vaterkomplex!), hängt aber Lara Croft seit ihrem ersten Auftritt nach. Insofern ist es erfreulich, dass es mit Tomb Raider neuen und sogar unterhaltsamen Stoff für Fans von Grüften, Flüchen und Mythen gibt.

Fazit

Tomb Raider ist ein die meiste Zeit unterhaltsamer Abenteuerfilm, von denen es ruhig mehr geben könnte. Wer über manche Schnitzer hinwegsehen kann, hat Spaß mit einer gut aufgelegten Alicia Vikander, die Lara Croft überraschend viel Profil verleiht. Fans des Spiels bekommen bekannte Momente serviert, insgesamt aber eine neue Geschichte präsentiert.

TOMB RAIDER - Official Trailer #2 Deutsch HD German (2018)

Tomb Raider - Official Trailer #2 - Warner Bros. UK

Tomb Raider Poster
Originaltitel:
Tomb Raider
Kinostart:
15.03.18
Regie:
Roar Uthaug
Drehbuch:
Geneva Robertson-Dworet
Darsteller:
Alicia Vikander, Dominic West, Walton Goggins, Daniel Wu, Nick Frost, Kristin Scott Thomas
Ein cineastischer Neustart um die Abenteuer der Archäologin Lara Croft.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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