I am Mother: Kritik zum Science-Fiction-Drama

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I am Mother

Neue, unverbrauchte Science-Fiction-Stoffe, die nicht an ein großes Franchise gekoppelt sind, haben es dieser Tage nicht unbedingt leicht, einen Platz im Kino oder ein Publikum zu finden. Viele dieser Filme landen häufig bei einem der vielen VOD-Anbieter oder werden direkt von Netflix produziert, meistens leider mit einer nur halb zu Ende gedachten Prämisse. Der von Regisseur Grant Sputore inszenierte I am Mother scheint so etwas wie eine Ausnahme zu sein: Ein Science-Fiction-Kammerspiel, das neben Rose Byrne (die allerdings nur in der Originalversion eine Sprechrolle hat) und der zweifachen Oscar-Preisträgerin Hilary Swank keine berühmten Gesichter beziehungsweise Stimmen zu bieten hat. Zudem lastet die meiste Verantwortung auf den Schultern der noch jungen Newcomerin Clara Rugaar und einer durchaus spannenden Ausgangssituation.   

In einer nicht näher definierten Zukunft wurde fast alles Leben an der Erdoberfläche durch ein unbekanntes Ereignis ausgelöscht. In einem hochmodernen Luftschutzbunker, in dem zahlreiche Embryonen gelagert werden, züchtet ein Roboter ein junges Mädchen in einer Petri-Schale heran. Der Roboter, der sich schlicht und ergreifend Mutter nennt, kümmert sich durchaus liebevoll um das Mädchen, dem er den ebenso einfachen Namen Tochter verleiht. Mutter stellt Tochter nicht nur alle wichtigen und notwendigen Nahrungsmittel zur Verfügung, sondern sorgt auch für intellektuelle Stimulation und bietet zumindest eine programmiert-mitfühlende, wenn auch kühle und metallische Schulter zum Ausweinen. Das könnte sich allerdings ändern, als Tochter das Teenager-Alter erreicht (nun gespielt von Clara Rugaar) und immer häufiger ihr eingrenzendes Bunkerleben hinterfragt. Diese Fragen werden umso drängender, als plötzlich eine unbekannte Frau (Hilary Swank) an die Tür des Bunkers klopft. 

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I am Mother

Regisseur Grant Sputore und Autor Michael Lord Green, auf deren Idee das Drehbuch und letztendlich auch der Film basiert, erschaffen ein durchaus interessantes Szenario und stellen immerhin ansatzweise reizvolle Fragen: Auch wenn ein Roboter einem Kind von Nahrung, Bildung bis hin zur psychologischen Hilfe alles bietet, was es benötigt, reicht das für einen heranwachsenden Menschen? Oder benötigt ein Kind beziehungsweise junger Erwachsener menschliche Gesellschaft, Miteinander, Wärme und authentische Emotionen, die oftmals auch schmerzlich und widersprüchlich sein können, sowie einer kühlen rationalen Programmierung widersprechen? Sind unsere niederen und manchmal auch selbstzerstörerischen Instinkte genauso ein Teil des Menschseins wie unsere guten Seiten? Oder lassen sie sich durch einen perfekt programmierten Roboter einfach weg erziehen?

Bestenfalls werden diese Fragen, die schon das Ausgangsszenario aufwirft, oberflächlich behandelt, schlimmstenfalls werden sie einem leider sehr viel oberflächlicheren und nur leidlich spannenden Spannungsbogen geopfert. Sputore und Green versuchen, diese Geschichte mit zahlreichen Story-Wendungen und vermeintlich schockierenden Eröffnungen zu würzen, die der geneigte Science-Fiction-Fan lange im Voraus erahnt.

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I am Mother

Schauspielerisch kann durchaus einiges aufgewertet werden: Die Newcomerin Clara Rugaard präsentiert souverän fast das gesamte emotionale Gewicht auf der Leinwand, die sie größtenteils mit einem Roboter teilt. Auch wenn Hilary Swanks Rolle und deren Paranoia schnell recht zweidimensionale Züge annehmen, überzeugt die Oscar-Preisträgerin mühelos. Über die Grenzen dieser Rolle reicht sie allerdings selten hinaus. Rose Byrne, beziehungsweise ihre deutsche Synchronstimme wirken empathisch und gefühlvoll genug, sodass eine emotionale Bindung zwischen Mutter und Tochter durchaus glaubhaft wirken. Auch effekt-technisch gibt es kaum Ansatzpunkte für Beschwerden: Die Bewegungsabläufe des Roboters können überzeugen und wirken bedrohlich, wenn sie bedrohlich wirken sollen. Nur im letzten Drittel stößt das offensichtlich kleine Effektbudget an seine Grenzen.        

Fazit: 

I am Mother ist ein kleines, gelegentlich spannendes Endzeit-Kammerspiel. Die überzeugenden Darstellerinnen können leider nicht kompensieren, dass das volle Potenzial und die Implikationen des Szenarios nicht vollkommen ausgeschöpft werden. Ein Science-Fiction-Thriller mit kleinem Budget, der sich ins Kino verirrt hat und gern mehr sein und gerne über seine Genre-Grenzen hinauswachsen möchte. Den Machern scheint allerdings schnell die Inspiration dafür auszugehen.

I AM MOTHER | Official Trailer | Netflix

I AM MOTHER | Trailer | Deutsch | Offiziell | Kinostart 22. August 2019

I Am Mother
Originaltitel:
I Am Mother
Kinostart:
22.08.19
Laufzeit:
115 min
Regie:
Grant Sputore
Drehbuch:
Michael Lloyd Green
Darsteller:
Hilary Swank, Clara Rugaard, Luke Hawker, Tahlia Sturzaker
Ein junges Mädchen, das in einem Bunker von einem Roboter aufgezogen wird, muss sich einer neuen Realität stellen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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