Toy Story: Alles hört auf kein Kommando – Kritik zum Animationsfilm

Steckt Pixar in der kreativen Sackgasse? Darüber wird schon seit einer Weile öffentlich spekuliert. Denn insbesondere in den letzten Jahren waren es mit Cars 3, Findet Dory, Die Unbesiegbaren 2 und nun Toy Story: Alles hört auf kein Kommando Fortsetzungen, mit denen die Animationsschmiede die Kinos bevölkerte. Pixar, schlauer Fuchs, wie das Studio oftmals sein kann, hat diese Wahrnehmung selbstverständlich bereits mitbekommen und eine Kurskorrektur vorgenommen. Ein paar neue Titel zusammen mit groben Inhalten und Konzepten hat man bereits angekündigt, die darauf hindeuten, dass zukünftig vollkommen neue Figuren und Welten entdeckt werden sollen.

 Bis dahin müssen sich die großen und kleinen Zuschauer jedoch zunächst mit der vierten und … eventuell … wahrscheinlich … letzten Fortsetzung der Spielzeug-Saga zufrieden geben. Die Reihe, mit der das nun berühmte Studio seine großen Erfolge im Langspielfilm-Format begründete, kam vor 24 Jahren in die Kinos und eine ganze Kindergeneration hat seitdem bereits seine diversen Spielzeuge irgendwo zurückgelassen, weitergegeben, verkauft oder dem Müll überlassen, um den Weg ins Erwachsenenalter zu beschreiten.

Veränderung, Weiterentwicklung, Loslassen des Alten und der Beginn des Neuen sind zentrale Themen der Animationsreihe. Sie sind universell anwendbar, Eltern wie Kinder können sich mit ihnen identifizieren, und gerade deswegen sind sie so zeitlos und erfolgreich, weil sich jeder irgendwann, irgendwie, irgendwo diesen Wahrheiten stellen muss. Das gilt nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für Pixar selbst, nirgendwo gelingt das jedoch so bittersüß und spaßig wie bei den Toy-Story-Filmen. Das gilt auch für den vierten Film der Reihe, der nun in die Kinos kommt.

Roadtrip mit einer Spielzeug-Gabel

Nachdem Andy seinen Spielzeug-Cowboy Woody und seine Spielzeugfreunde an die kleine Bonnie weitergegeben hat, ist für den Sheriff nichts mehr so, wie es war: Woody ist nicht mehr das Lieblingsspielzeug innerhalb der Kinderzimmer-Hierarchie und verbringt mehr Zeit im Schrank als bei den Abenteuern, die sich Bonnie ausdenkt. Trotzdem versucht er, weiterhin ein gutes, zuverlässiges und treu ergiebiges Spielzeug für seine Besitzerin zu sein: Als Bonnie höchst nervös ihren ersten Probetag im Kindergarten bestreiten muss, versteckt er sich eigenmächtig in ihrem Rucksack, um ihr den Tag zu erleichtern. Im Kindergarten angekommen, schafft es Bonnie jedoch relativ schnell, sich selbst zu beschäftigen. Sie bastelt sich ihr eigenes Spielzeug aus einer Plastikgabel, dem sie den Namen Forky gibt.

 Mit einem frischgebackenen Bewusstsein ausgestattet, fühlt sich Forky jedoch gar nicht mit seiner neuen Rolle wohl und möchte am liebsten in den kuscheligen Müll zurückkehren, wo er hergekommen ist. Das Problem ist jedoch, dass er von Bonnie zum neuen Lieblingsspielzeug auserkoren wurde. Folglich macht es sich Woody zur Aufgabe, das Plastikbesteck vor seinen schlimmsten Instinkten zu beschützen und ihn auf seinem Weg zu einem vollwertigen Spielzeug zu begleiten. Das gestaltet sich umso schwieriger, als sich Bonnie mit Ihren Eltern auf eine Reise mit dem Wohnmobil begibt. Forky entkommt Woodys wachsamen Augen jedoch und muss bald vor ganz neuen Gefahren gerettet werden. Gut dass Woody eine alte Freundin namens Bo Beep wiederfindet, die schon lange zuvor den Haushalt von Andys Familie verlassen hat und jetzt als unabhängiges Spielzeug unterwegs ist.

Altbekanntes mit neuen Ideen und Gags gefüllt

 Ein neues Spielzeug, das die typischen Spielzeug-Wege erlernen muss, ist nicht unbedingt neu. Tatsächlich erinnern viele Plot-Elemente von Toy Story: Alles hört auf kein Kommando nicht nur an den ersten, sondern auch an alle weiteren Filme der Reihe. War es damals noch der technisch aufgemotzte Buzz Lightyear, der sich bewusst werden musste, dass er kein wahrhaftiger Weltraumheld ist, ist es heute eine Plastikgabel, die sich für Müll hält und sich vom selbigen fernhalten muss. Das Publikum muss letztendlich entscheiden, ob es sich bei dem neuen Film um eine Hommage, eine Parodie, welche die Ursprungsidee re- beziehungsweise dekonstruiert oder um ein Zeichen schierer Einfallslosigkeit handelt. Oder vielleicht alles zusammen.

Aber auch innerhalb dieses eng geschnürten Story-Korsetts bemühen sich die Drehbuchautoren Andrew Stanton und Stephanie Folsom und Regisseur Josh Cooley, dem Zuschauer frische Ideen und Gags zu bieten. Neben der Gabel in der Identitätskrise namens Forky sind es alte Figuren wie Bo Beep, die in den früheren Filmen bestenfalls eine Nebenrolle spielte, hier aber eine wesentlich größere Rolle einnehmen darf. Hinzu kommen außerdem das Plüschtier-Duo Ducky und Bunny, deren Tendenz, teuflisch und vor allem für die jeweilige Situation viel zu überzogene Pläne auszuhecken, zu den besten Running-Gags des Films gehört. Ein Stunt-Spielzeug namens Duke Caboom (im Original passenderweise von Keanu Reeves gesprochen), der damit zurechtkommen muss, dass er nicht soweit mit seinem Stunt-Motorrad springen kann, wie in der Werbung angegeben. Ein Gag, den wohl jeder Spielzeug-Käufer nachvollziehen kann.

Wie man es von Pixars besten Arbeiten kennt, schafft es das Studio allgemein und der vorliegende Film spezifisch wieder einmal, alle Altersgruppen humoristisch und thematisch anzusprechen, ohne die eigene kindliche Unschuld und Emotionalität zu kompromittieren. Weiterhin geschieht dies wieder einmal technisch auf höchstem Niveau. Mit der Toy-Story-Reihe konnte das Studio schließlich immer seinen aktuellen technischen Stand beweisen. Das trifft auch auf den aktuellsten Film zu.

Fazit:

Die seelenbehafteten Spielzeuge sind auch bei ihrer dritten Wiederkehr ein sehr großer Spaß, auch wenn bekannte emotionale Aspekte angesprochen werden. Technisch perfekt inszeniert Regisseur Josh Cooley einen rasanten Abenteuerspaß mit einer großen Gagdichte, die allerdings niemanden überfordert. Neue Figuren werden gekonnt eingeführt, während man von alten Bekannten herzergreifend Abschied nimmt … mit höchster Wahrscheinlichkeit … ganz sicher … vielleicht.

A TOY STORY: ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO - Teaser Trailer (deutsch | german) | Disney•Pixar HD

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.