Fantastic Four: Kritik zum Comic-Reboot

Die Fantastic Four kehren nach acht Jahren wieder auf die Kinoleinwand zurück. Der Reboot von Regisseur Josh Trank stand allerdings von Anfang an nie unter einem sonderlich guten Stern und wurde immer wieder von schlechter Presse und missgelaunten Comic-Fans begleitet. In der vergangenen Woche startete der Film bereits in den USA und wenn man den bisherigen Kritiken glauben schenken wollte, ist Fantastic Four einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Seit heute können sich auch die deutschen Fans ein Bild von der Comicverfilmung machen.

Die Handlung von Fantastic Four dreht sich um den jungen Reed Richards. Dieser entdeckt bei seinen Arbeiten an einem Teleporter mehr oder weniger zufällig die Möglichkeit, Menschen in eine andere Dimension zu schicken. Daraufhin wird er von Professor Franklin Storm für eine Stelle in der Forschungseinrichtung der Baxter Foundation angeworben. Gemeinsam mit den beiden Kindern des Professors, Susan und Johnny, sowie einem weiteren wissenschaftlichen Genie namens Victor von Doom, soll Reed seine neue Technik nun tatsächlich umsetzen. Der Bau der Maschine gelingt und die Gruppe, ergänzt durch Reeds Kumpel Ben Grimm, reist in eine andere Welt. Der Besuch geht jedoch gehörig in die Hose und bei der Rückkehr aus der anderen Dimension kommt es zu einer Explosion. Reed und die Anderen überleben den Unfall überraschend, haben sich jedoch körperlich verändert und verfügen nun über besondere Fähigkeiten.

Um die Frage gleich zu Beginn der Betrachtung zu beantworten: Nein Fantastic Four ist nicht der schlechteste Film aller Zeiten. Wirklich gut ist er deshalb allerdings auch nicht. Am besten lassen sich die 100 Minuten eigentlich mit "unterer Durchschnitt" beschreiben. Das größte Problem des Films ist, dass er an unglaublich vielen Stellen sein Potenzial nicht einmal im Ansatz ausschöpft. Dabei sind die Voraussetzungen gar nicht mal so übel. Mit Miles Teller, Michael B. Jordan, Kate Mara, Jamie Bell und Toby Kebbell versammelt Fantastic Four einen Cast, der eigentlich Potenzial halt. Mitunter lässt sich auf der Leinwand sogar durchaus erkennen, was hätte werden können. Natürlich muss man in Kauf nehmen, dass die Figuren deutlich von der Comic-Vorlage abweichen. Allerdings ist dies mittlerweile so lange bekannt, dass jeder, der bis jetzt noch nicht darüber hinweggekommen ist, sowieso nicht in den Film gehen sollte.

Während die Anpassungen der Figuren das Eine sind, ist die Team-Dynamik eine ganze andere Sache. Diese entsteht praktisch überhaupt nicht. Dies beginnt schon einmal damit, dass Sue Storm und Ben Grimm sich bis kurz vor Schluss nicht ein einziges Mal auf der Leinwand begegnen. Ähnliches gilt auch für Ben und Johnny, deren gemeinsame Screen-Time sich ebenfalls in Grenzen hält. Dagegen haben Sue und Johnny als Stiefgeschwister zumindest ein paar Szenen zusammen. Wirklich gut gelungen sind die allerdings auch nicht. Problematisch ist dabei besonders, dass man Zuschauer das Gefühl bekommt, dass beide sich kaum mögen. Ein Konflikt zwischen den Geschwistern wäre an sich ja auch kein Problem. Nur gibt es einen solchen eben auch nicht. Sue und Johnny gehen miteinander um, als wären sie Bekannte, die sich auf der Straße zwar grüßen würden, aber nicht unbedingt für einen Plausch stehen bleiben. Reed und Ben haben noch die engste Beziehung der vier Hauptcharaktere, aber auch diese kann nicht überzeugen. Natürlich beinhaltet die Handlung zudem auch wieder, dass Ben seinem Freund und Reed sich selbst die Schuld an Bens Zustand gibt. Diesen Handlungsstrang haben die beiden bisherigen Fantastic-Four-Filme allerdings schon mehr als ausgemolken. Abgesehen davon, dass der Film in diesem Bereich nichts Neues erzählt, gibt es zudem das Problem, dass der Konflikt nie wirklich aufgelöst wird. Irgendwann hört Ben einfach auf, sauer zu sein. Genauso unmotiviert kommt am Ende übrigens auch der Zusammenschluss der Fantastic Four zusammen.

Und wo wir gerade bei der Charakterzeichnung sind. Vollkommen gegen den Baum fährt der Film die Figur des Doctor Doom. Zum einen wird wieder jede Menge Potenzial verschenkt und die Rivalität zwischen Reed und Victor, die eigentlich so viel hergibt, auf ein Minimum reduziert. Dazu erfolgt die Verwandlung von Doom mit der Brechstange und man hat das Gefühl, dass der Charakter nur Teil des Films ist, damit irgendwer am Ende die Menschheit bedroht. Dies ist nicht der Doom, der in der Marvel-Comic-Reihe Secret Wars aktuell zur Höchstform aufläuft. Das Schlimmste am Film-Doom ist aber nicht die vergebene Chance auf einen guten Schurken, sondern die Optik. Das starre plastikartige Gesicht sieht einfach nur peinlich aus und wird den Effekten im Jahr 2015 in keiner Weise gerecht. Nach seiner Verwandlung bewegt Doom keinen Muskel mehr im Gesicht. Und wo wir gerade bei Effekten sind. Dies gleiche Urteil lässt sich auch über die Optik des Dings fällen. In manchen Szenen sieht Ben Grimm qualitativ aus wie der Hulk, allerdings nicht die aktuelle, sondern die Ang-Lee-Version von 2003.

Inhaltlich plätschert Fantastic Four über weite Strecken zudem sehr vor sich hin. Die Ursprungsgeschichte der vier Helden nimmt bis zu ihrem ersten Auftreten beinah die Hälfte der gesamten Spielzeit an. Gänzlich uninteressant ist sie aber auch nicht geraten. Überraschend ist dabei die Tatsache, dass die Action im Film gerade im Vergleich zu den Marvel-Studio-Filmen oder aber auch den X-Men, von Man of Steel gar nicht zu reden, sehr stark reduziert wurde. Wirklich in Action erlebt man die vier Haupthelden erst ganz zum Schluss, wobei sich der Showdown vergleichsweise schnell klärt. Trotzdem wirkt das letzte Drittel aber irgendwie überzogen. Während der Film über weite Strecken vergleichsweise geerdet erzählt wird, steht am Ende plötzlich die ganze Welt vor dem Untergang. Wer hier eine nachvollziebare Entwicklung oder Motivation sucht, wird ein weiteres Mal enttäuscht. Hier kommen die Problem der Produktionsgeschichte am deutlichsten zum Ausdruck. Auch offensichtliche Anschlussfehler, wie sie in Fantastic Four in einer Vielzahl zu finden sind, können sich eigentlich nur damit erklären lassen.

Fazit
Fantastic Four ist mit Sicherheit nicht der schlechteste Film aller Zeiten. Vermutlich wird er nicht einmal der schlechteste Film des Jahres. Mehr als magere Durchschnittskost gibt allerdings auch nicht. Ärgerlich ist dabei vor allem, dass durchaus Potenzial vorhanden war. Am Ende bleibt aber nur durchschnittlicher Film, der viele Chancen liegen und den Zuschauer unberührt lässt. Die Menschen, die nach den 100 Minuten sagen, dass sie unbedingt noch weitere Abenteuer der Fantastic Four sehen wollen, dürfte sich stark in der Minderheit. Und dies ist vermutlich der größte Fehler, den sich die Macher des Films vorwerfen lassen müssen. Die Comic-Vorlage hat einfach mehr verdient.

Fantastic Four Poster
Originaltitel:
Fantastic Four
Kinostart:
13.08.15
Regie:
Josh Trank
Drehbuch:
Simon Kinberg, Jeremy Slater
Darsteller:
Miles Teller, Kate Mara, Michael B. Jordan, Jamie Bell, Toby Kebbell, Reg E. Cathey, Tim Blake Nelson
2005 und 2007 gab es zwar bereits zwei mäßig erfolgreiche Kinofilme um Mister Fantastic, die Unsichtbare, die Fackel und das Ding, doch die werden zugunsten eines Reboots ignoriert. Die Neuverfilmung von Jungregisseur Josh Trank (Chronicle - Wozu bist du fähig) geht einer bunten Effektschlacht aus dem Weg und versucht sich als realistätsnahes und düsteres Charakterdrama.

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