Das war's also: Kritik zum Staffelfinale von Akte X

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Akte X Episode 10.06 "My Struggle II"

Kurzkritik: Enttäuschendes und frustrierendes Ende einer insgesamt durchwachsenen Staffel.

Ab jetzt wird bis zum Ende der Folge durchgespoilert.

Der Titel "My Struggle II" macht bereits deutlich, dass das Staffelfinale die Handlungsfäden des Pilotfilms aufgreift. Nach einem kurzen "Was bisher geschah"-Segment, das uns an alles Wissenswerte erinnert, erklärt Autor und Regisseur Chris Carter in einem seiner berüchtigten Monologe noch einmal, worum es in Akte X eigentlich geht. In  "My Struggle" fiel die undankbare Aufgabe Mulder zu, dieses Mal muss Scully die Handlung aus ihrer Sicht schildern. Nicht nur, dass die Folge damit schon in den ersten zwei Minuten auf Güterzug-fährt-an-Bahnübergang-neben-Grundschule-vorbei-Geschwindigkeit abbremst, die meisten Informationen sind auch noch völlig unnötig. Man kann die Folge ohne diesen Monolog mühelos verstehen - also zumindest die verständlichen Teile. Von denen gibt es leider nicht so viele.

Mulders Handlungsstrang wirft dabei die meisten Rätsel auf. Mulder, jemand, neben dem Edward Snowden so vertrauensselig wie Forrest Gump wirkt, lässt seinen Laptop eingeschaltet auf dem Schreibtisch stehen? Und hat auf dem Desktop ein Programm, mit dem sein Handy jederzeit auffindbar ist? Und wieso ist der Laptop überhaupt an, wenn Mulder selbst doch Zuhause ist - wo er sein muss, damit der nächste Teil, der keinen Sinn ergibt, eingeleitet werden kann. Der Krebskandidat will ihn nämlich zu sich einladen, um ihm einen Platz in der neuen Welt anzubieten. Wie macht er das? Indem er einen Schläger losschickt, der während eines dank schneller gedrehter Einstellungen leicht peinlich wirkenden Kampf dann auch prompt versucht, Mulder zu erschießen und zu erwürgen. Mit dem Personal ist das eben so eine Sache...

Wenigstens scheint er Mulder aber off-screen zu verraten, wo sich der Krebskandidat aufhält, denn zu Anfang der Folge ist Mulder bereits auf dem Weg zu ihm. Warum geht er nicht ans Telefon, als Scully ihn anruft? Warum schaltet er sein Handy nicht aus, obwohl er doch wissen muss, dass das Programm auf seinem komplett ungesicherten Laptop seinen Standort verraten wird? Was will er überhaupt beim Krebskandidat? Und warum scheint diese weltumfassende Verschwörung nur aus ihm zu bestehen? Wo sind alle anderen? In Kingsman: The Secret Service veranstalteten die Verschwörer wenigstens eine Riesenparty, um den Untergang der Welt zu feiern. In Akte-X sitzt der Krebskandidat im Halbdunkel herum und faselt etwas über den Klimawandel, während Mulder vor sich hinkränkelt und nicht so recht zu wissen scheint, was in der Szene von ihm erwartet wird.

Scully hat kaum mehr Glück. Sie und die immer noch verkrampft und zickig wirkende Agent Einstein kämpfen gegen einen Virus, der das Immunsystem abschaltet und vor dem nur außerirdische DNA schützt, eben die, die Scully in sich trägt. Leider versucht Carter zu erklären, wie genau das funktioniert, was a) kein Schwein versteht und b) völlig egal ist. The Walking Dead erklärt auch nicht, weshalb die Zombies nicht von Maden und Fliegen gefressen werden, trotzdem wirkt die Welt glaubwürdig.

Glaubwürdig ist die Welt von "My Struggle II" nicht. Figuren handeln ohne jede Eigenmotivation (so tritt Annabeth Gish als Monica Reyes nur auf, um Exposition zu liefern und Mulders Weigerung, das Angebot des Krebskandidaten anzunehmen, edler wirken zu lassen) und der Weltuntergang bleibt wegen der wenigen Außenaufnahmen seltsam abstrakt. Der einsame Plünderer, der sich von Scully mit einem Satz das Plündern verbieten lässt, wirkt dann auch ungewollt komisch - aber in dieser weitgehend humor- und spannungsfreien Dreiviertelstunde ist selbst ein unbeabsichtigter Witz willkommen.

Und das bringt uns zum Hauptproblem der Folge: Warum nur hat Carter Mulder und Scully voneinander getrennt? Das Zusammenspiel der beiden war die große Stärke der Staffel. Es hat sie durch alle Höhen und Tiefen getragen und einen oft genug über Handlungsschwächen mit einem großzügigen "Ach, passt schon" hinwegsehen lassen. Mulder und Scully haben Akte X Charme und Menschlichkeit verliehen. Ihnen einen gemeinsamen Abschluss zu verwehren und stattdessen den Zuschauer auf einem üblen Cliffhanger sitzen zu lassen, ist frustrierend, enttäuschend und billig. Egal, ob es weitere Folgen geben wird oder nicht, sie und wir hatten etwas Besseres verdient.

Akte X: Der Film
Originaltitel:
X-Files: The Movie
Kinostart:
19.06.98
Laufzeit:
121 min
Regie:
Rob Bowman
Drehbuch:
Chris Carter, Frank Spotnitz
Darsteller:
David Duchovny, Gillian Anderson, Mitch Pileggi, William B. Davies, Martin Landau
Schwarze Blut, das aus der töten Kreatur austritt, sammelt sich und kriecht am Körper des Wilden hinauf.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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