Thor 2: Interview mit Regisseur Alan Taylor und Kevin Feige

SPOILER

Produzent Louis D'Esposito, Tom Hiddleston, Regisseur Alan Taylor, Natalie Portman, Chris Hemsworth und Produzent Kevin Feige.

Produzent Louis D'Esposito (von links), Tom Hiddleston, Alan Taylor, Natalie Portman, Chris Hemsworth und Kevin Feige.

Die Stars und Macher von Thor: The Dark World sind vor Kurzem zur Premiere des Films nach Deutschland gekommen und Susanne von Robots-and-Dragons hat die Gelegenheit genutzt, mit ihnen über das neueste Werk aus dem Marvel-Universum zu unterhalten. Für die, die es nicht wissen, Produzent Kevin Feige ist gleichzeitig Herr über das gesamte Marvel-Filmuniversum und Alan Taylor ist der Regisseur des Streifens, der sich seine Sporen bei Game Of Thrones verdient hat.

Achtung - im Text verbirgt sich ein dicker Spoiler, der noch einmal gekennzeichnet ist. Wer vorab nichts wissen will, sollte diese Frage überspringen. Außerdem legen wir euch noch die Filmkritik von Cornelia Stegemann ans Herz.

Was war die größte Herausforderung, diese Geschichte zu erzählen?

Alan Taylor: Es gab unendlich viele Herausforderungen, was soll ich nur auswählen? Ich denke, die Geschichte und die Charaktere weiterzuführen. Ich musste erst einmal auf die Geschichte hören. Die Charaktere wurden im ersten Film so gut von Ken Branagh auf den Weg gebracht, dass wir uns wirklich Gedanken um sie machen. Dann war es eine Herausforderung, zu überlegen, welches neue Territorium sie glaubhafterweise als Nächstes erobern würden. Wir haben Glück, dass wir diese Schatzkiste haben und das Chris [Hemsworth], der Thor spielt, und Tom [Hiddleston], der Loki spielt alles getan haben, worum wir sie gebeten haben. Letzten Endes mussten wir diese Beziehung nur so weit vorantreiben, wie wir konnten.

Tom Hiddleston und Chris Hemsworth

Ich denke, viele haben gelesen, dass Joss Whedon beim Script Hand angelegt hat. Alan und Kevin, könnt ihr uns verraten, welche Szenen das waren?

Feige: Das wurde etwas übertrieben. Wir arbeiten auf Age Of Ultron, den nächsten Avengers-Film hin, darum halten wir Joss über alles auf dem Laufenden, damit er weiß, wo die Charaktere stehen, die er in Avengers zurückbekommt. Aber natürlich hat er auch ein enormes Talent, wenn er also einen Vorschlag oder einen Rat bei einer frühen Version des Scripts beisteuern will, hören wir uns das natürlich an.
Ich habe einige Leute sagen hören, dass der Humor in
The Dark Kingdom so gut wäre, die dann fragten, ob das alles auf Joss Whedons Einfluss zurückzuführen wäre – so ist es aber nicht. Die Szene, die mir einfällt ist die mit Loki und Thor auf dem Boot. Joss hat einige dieser Textzeilen vorgeschlagen.

Taylor: Genau, die Szene und die, in der Thor und Jane sich zum ersten Mal wiedersehen. In beiden Fällen standen die Szenen bereits im Script und Marvel hat halt Zugang zu unglaublichen Menschen. Er [Joss] kam, ist die Szenen einmal durchgegangen und ist wie ein echter Superheld wieder ausgeflogen. So habe ich diesen Moment beschrieben und es ist wohl viral gegangen, weil ich die Worte „Joss“ „Whedon“ benutzt habe (lacht).

Ihr habt bei diesem Film mehr auf die visuellen Aspekte geachtet, als Branagh, oder?

Taylor: Ja, das stimmt. Einen Look zu entwickeln, der über die Geschichte und die Charaktere, hinausgeht, ist mir sehr wichtig. Vielleicht liegt es daran, dass ich einige Zeit in einer schmutzigen Fantasiewelt (lacht) namens Game Of Thrones verbracht habe und mir das deswegen noch im Blut lag. Ich denke, wir haben die Chance ergriffen um Asgard und Vanaheim und all diese anderen Reiche so darzustellen, dass sie sich sehr real anfühlen. Marvel schien darauf offensichtlich bei dieser Art Geschichte auch Lust zu haben. Kevin [Feige], vielleicht gibst du uns noch eine Rechtfertigung dafür, dass die Welt im ersten Film etwas sauberer ausgesehen hat und nun etwas schmutziger geworden ist.

Kevin Feige: Natürlich haben wir beim ersten Film auch auf die visuellen Aspekte geachtet. Der ursprüngliche Produktionsdesigner Bo Welch hat den Look von Asgard, den Bifröst und Heimdalls Observatorium geschaffen. Wir wollten die Geschichte auf das Level der Straße hinunterbrechen. Wo leben die Menschen, wo gehen sie hin, um etwas zu trinken und zu feiern? Und ja, im ersten Film, als wir Asgard zum ersten Mal besuchen, war alles für die Krönung gesäubert und zurechtgemacht worden. Nun ist einige Zeit vergangen und alles ist etwas verwohnter.

Alan TaylorAlan, hast du ein bisschen von Game Of Thones nach Asgard gebracht?

Taylor: Vielleicht unterbewusst. Ich wollte gerne in Island drehen, so wie wir das bei Game Of Thrones gemacht haben. Ich wollte gerne so viel wie möglich an Originalschauplätzen mit echten Sets arbeiten, das war eine bewusste Entscheidung, aber das habe ich bei Game Of Thrones so gelernt. Natürlich läuft da unterbewusst etwas ab. Beide Welten sind offensichtlich so andersartig. Die Grundaufgabe ist, ein Fantasiereich einer gewissen Größe zu nehmen und sie zugänglich und glaubwürdig zu machen und dich glauben zu machen, dass du mit ihr ein vertrautes Verhältnis hast. Das kann man so ungefähr vergleichen. Aber diese Welt ist viel lustiger (lacht)

[Achtung Spoiler!!!]

Nun, da du Game Of Thrones erwähnt hast, muss ich nach einer Gemeinsamkeit fragen. In der Begräbnisszene wurde ein Boot mit einem Pfeil in Brand gesetzt – war das einer Referenz an die Serie?

(lacht) Nun, es gibt ein paar Sachen, die gleichzeitig passiert sind. Das war in unserem Fall wirklich nur eine Verbeugung vor der historischen Mythologie, Wikingerritualen und keltischer, germanischer und nordischer Symbolik. Das war eine wunderschöne Sache. Als wir erst einmal wussten, dass wir jemand Wichtiges umbringen würden, war es schön, ein echtes Begräbnis zeigen zu können. Game Of Thrones hat letzten Endes in der gleichzeitig gedrehten Staffel das Gleiche gemacht, was ich nicht wusste. Dann gibt es ja auch noch die Parallele mit abgehackten Körperteilen (lacht).

Eine Frage an Kevin: Wie ist es, das Marvel-Filmuniversum zu gestalten und dann auch noch die neue TV-Serie einzubinden? Das hat noch niemand vorher getan.

Feige: Die Filme miteinander zu verknüpfen, das machen wir inzwischen ein paar Jahre. Wir haben ein eng verbundenes Netz in den Marvel-Studios und unter den Produzenten und ausführenden Produzenten ein sehr gut funktionierendes System geschaffen. Die TV-Division ist neu bei Marvel und Agents of S.H.I.E.L.D. ist ihr erstes Projekt. Dabei werden auch Stichworte aus den Filmen aufgenommen. Die Serie ist so entwickelt, dass sie für sich selbst stehen kann und eigene Geschichten erzählt, aber gelegentlich wird, weil beides in derselben Welt spielt, in den Filmen etwas passieren, das sich auch in der Serie niederschlägt. Wir arbeiten daran, irgendwann auch ein paar andere Charaktere auf den Bildschirm zu bringen.

Die Produzenten Louis D'Esposito (links) und Kevin Feige

Leitet Thor 2 die Fortsetzung von The Avengers ein?

Feige: Ja, genauso wie Iron Man 3. Thor hat – ohne diejenigen, die den Film noch nicht gesehen habe zu Spoilern – am Ende von The Dark Kingdom eine wichtige Entscheidung getroffen. Das wird beeinflussen, wo wir ihn am Anfang von Avengers 2 treffen. Für Tony Stark ist es das Gleiche. Der Film, der die meiste Verbindung zu allem hat und primäre Brücke zwischen Avengers und Avengers 2 fungieren wird Captain America: Return Of The First Avenger, der im nächsten Jahr herauskommt.

Du hast an einer ausgezeichneten Fernsehserie gearbeitet, Alan. Glaubst du, dass das Fernsehen heutzutage besser geeignet ist, große, mythologische Geschichten zu erzählen?

Taylor: Das ist eine Frage, die ich mir auch immer wieder stelle, weil ich ständig zwischen Film und TV hin und hergewechselt bin. Fast jede Welt, die man sich aussucht, wird schnell kompliziert. Groß? (lacht) Ob man große Geschichten besser im Fernsehen erzählen kann? Manchmal ja und manchmal nein. Das Fernsehen ist toll, weil man eine gewisse Dauer hat und eine Geschichte über eine bestimmte Zeit verteilt erzählen kann. Man kann tiefer in die Charaktere einsteigen, sie bekommen unterschiedliche Schichten, auch sekundäre Charaktere. In diesem Sinne ist TV fantastisch und groß. Ein Teil von mir genießt beim Regieführen diese Art der Darstellung und es ist toll, große Sachen zu machen. Wenn die Produktion groß wird und die Welt groß wird, dann wird auch der Bildschirm groß. Für Regisseure ist es heutzutage wohl ideal, sich daran zu gewöhnen, zwischen beiden Medien hin und herzuwechseln, um die Freude die du beim Fernsehen hast erleben kannst und ebenso beim Film. Soderbergh macht jetzt TV, Ang Lee hat für einen Pilotfilm unterschrieben.

Alan Taylor mit Jaimie Alexander (Sif) am Set.

Alan, du scheinst von historischen Projekten fasziniert zu sein, gibt es dafür einen Grund?

Ich glaube, dass das wahrscheinlich die Schuld meiner Mutter ist. Sie ist mit uns nach Italien gezogen, als ich noch sehr jung war. Sie hat uns durch alle möglichen Kirchen geschleppt, um uns die Bilder anzusehen, weil sie das studiert hat. Ich habe auch ziemlich lange Geschichte studiert. Ich bin auch mal nach Deutschland gekommen und zwar nach Murnau, südlich von München, um beim Goethe-Institut Deutsch zu lernen.

Du bist doch auch mit einer Deutschen verheiratet?

Taylor: Da sieht man mal, wie weit ich bereit bin, zu gehen (lacht).

Hast du einen Lieblingssatz auf Deutsch?

Taylor: Jaaaa....

Können wir den hören?

Taylor: Vielleicht. Aber um erst einmal die Frage zu beantworten, ich habe erst auf einen Ph.D. hingearbeitet und bin dann auf die NYU gewechselt, um Film zu studieren. Darum fühle ich mich zu Projekten wie Deadwood, Rome oder Game Of Thrones hingezogen. Ich finde es toll, wenn ich zusammenfügen kann, was zu einem glaubwürdigen, historischen Reich wird. Jetzt fühle ich mich wie eine Eintagsfliege, ich kann nur einen Satz auf Deutsch sagen.

Lass hören.

Taylor: Ähhh. Nie habe ich ein Mädchen so geliebt wie dich.

Gut gemacht!

Taylor: Jetzt werde ich rot.

Nach dem Abspann gibt es ja noch zwei Szenen.

Taylor: Ja, das hat Marvel schon so gemacht, als ich dazugestoßen bin. Ich finde es toll, es ist so, als ob man auf den Hinterhof geht und etwas ausgräbt. Da die Filme immer komplizierter werden, bleiben nur die übrig, die gewillt sind, zu warten.

Feige: Die Szene, die einen Hinweis auf weitere Filme gibt, kommt sehr schnell im Abspann. Die Szene ganz am Ende ist nur so zum Spaß.

Taylor: Die letzte Einstellung ist eine meiner Liebsten im ganzen Film (lacht). Das haben wir sehr spät angefügt und ich finde sie sehr sehr schön.

Loki guckt mal wieder listig

Werden wir jemals einen Loki-Film sehen?

Feige: Viele haben angefangen, danach zu fragen. Ich liebe das, weil es zeigt, dass die Leute wirklich gut finden, was wir und Hiddleston mit Loki gemacht haben. Wir haben schon eine Idee, wo wir mit ihm hinwollen, aber Loki-Storys sind die besten Thor-Storys und umgekehrt. Wenn wir ihn daraus herauslösen, könnte es sein, dass wir ihm die Grundlage entziehen, auf deren Basis ihn viele Fans so sehr lieben. Aber wir denken mit Sicherheit darüber nach.

Vielen Dank für das Gespräch!

Premierenfotos: Copyright Uwe Geisler für Future Image

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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