DC-Comic-Kritik: Justice League 1: Die Auslöschungs-Maschine (Rebirth)

2017 ist das Jahr, in dem die seit Jahrzehnten in Comics oder Zeichentrickserien/-filmen für das Gute kämpfende Liga der Gerechten endgültig im Mainstream ankommen dürfte. Dies liegt in erster Linie an dem fünften DCEU-Projekt mit dem naheliegenden Titel Justice League.

Bezieht man sich nur auf die in diesem Blockbuster mitwirkenden Weltenretter, die seit Langem bekannt sind und in sämtlichen Trailern ebenfalls auftauchen, überrascht in Bezug auf die Team-Zusammenstellung vor allem eine Personalie: Cyborg. Dieser ist nämlich kein klassisches Mitglied der JL wie Batman, Wonder Woman, Aquaman oder Flash. Victor Stone, wie der Neuling mit bürgerlichem Namen heißt, wurde vielmehr erst 2012 im Rahmen des The-New-52-DC-Neustarts “befördert“ und ist daher logischerweise im Vergleich zu seinen legendären Mitstreitern weit weniger populär.

Seit dieser Zeit ist er aber fester Bestandteil dieser außergewöhnlichen Superhelden-Vereinigung - auch nach der Wiedergeburt des DC-Universums. Dies bedeutet, in Justice League 1: Die Auslöschungs-Maschine erlebt der Leser in den Panels eine Power-Truppe, die beinahe mit der aus dem Leinwandableger übereinstimmt. Und nicht nur deshalb wird es höchste Zeit, sich einmal mit deren Rebirth-Auftakt-Abenteuer zu beschäftigen.

Inhalt

Der Liga bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Hat man gerade die eine Bedrohung abgewendet, stehen schon die nächsten beiden vor der Tür: die sogenannten “Vorläufer“ und das “Tilgen“. Was diese vorhaben, woher sie kommen und worum es sich bei ihnen genau handelt, ist nicht ohne Weiteres festzustellen, allerdings scheinen beide etwas miteinander zu tun zu haben.

Eines ist jedoch klar: Um diese unglaublich mächtigen Wesen besiegen oder zumindest von dem Planeten vertreiben zu können, bedarf es wieder eines Mannes aus Stahl.

Starke Solisten,…

Das ganz große Plus dieses Auftaktbandes sind eindeutig die Momente, in denen nur einer oder wenige der Protagonisten im Fokus stehen. Top-Autor Bryan Hitch versteht es sehr gut, die einzelnen Figuren - insbesondere den neuen Superman - so zu positionieren, dass ihr Handeln und ihre Worte Rückschlüsse auf ihren Charakter zulassen. Für Neueinsteiger ist das optimal.

So wirkt die Handlung auch nie zu hektisch - selbst dann nicht, als sich die beiden Lanterns-Neuzugänge Jessica Cruz und Simon Baz den bereits genannten Akteuren anschließen. Keiner verkommt hier zu einem bloßen Stichwortgeber, und bei niemandem hat man das Gefühl, dass sie oder er verzichtbar gewesen wäre.

Großgruppen-Szenen sind die Ausnahme und keinesfalls die Regel. Man spart sich diese tatsächlich für ausgewählte Momente auf und nutzt sie nicht nur für ein Action-Feuerwerk, sondern auch und gerade, um zu zeigen, wie die Helden miteinander umgehen. Dieser Umstand trägt ebenfalls dazu bei, dass man zumindest zu ausgewählten Mitgliedern der Gerechtigkeitsliga eine Verbindung aufbauen kann, die zur Folge hat, dass man mehr über sie erfahren möchte. Somit funktioniert dieser Paperback auch gut als Werbung für die einzelnen neu gestarteten Heftserien - in Deutschland haben bisher lediglich die Cyborg-Sympathisanten keine Alternative zu der Justice-League-Reihe.

…, aber klassische Team-Book-Schwierigkeiten

Dennoch werden sicher nicht wenige zu dem Schluss kommen, dass dieser Titel ebenfalls nicht frei von einigen der gängigsten Team-Book-Probleme ist. So vertragen sich in einem solchen Werk beispielsweise selten die Elemente große Gruppe und große, also gute Geschichte.

In diesem Sammelband, der das Rebirth-Special sowie die Einzelheftausgaben 1-5 enthält, stehen Batman, Wonder Woman & Co. zu keinem Zeitpunkt einem ihrer ikonischen Widersacher gegenüber, sondern stattdessen lediglich drei im Prinzip nicht so recht greifbaren Bedrohungen. Zwei davon agieren quasi wie ein großer Schwarm (die “Ernter“ und das “Tilgen“), und bei der dritten handelt es sich um eine mysteriöse Macht, der es gelingt in die Köpfe unzähliger Menschen einzudringen, um sie anschließend zu manipulieren.

Ob und wie die prominentesten DC-Köpfe im Fall der Fälle auch diesmal letztendlich die Oberhand behalten und die sonderbaren Angreifer besiegen konnten, wird an dieser Stelle nicht verraten. Dies hat einerseits natürlich mit zu starken Spoilern, andererseits allerdings ebenfalls schlicht mit der Tatsache zu tun, dass der Leser bei Weitem nicht alle Informationen erhält, die er eigentlich benötigen würde, um alles zu verstehen, was den Rezipienten auf diesen 148 Seiten präsentiert wird.

Letzteres muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein. Mit ein wenig Fantasie ist es zweifellos möglich, sich ein Szenario auszumalen, in dem die sonderbaren Angriffe auf die Erde miteinander zusammenhängen. Wäre dem am Ende wirklich so, würde der Inhalt dieses Paperbacks ohne jede Frage rückwirkend aufgewertet. Bewertet man jedoch nur das Dargebotene an sich, kann man schon relativ leicht den Eindruck bekommen, als würde schlicht Gefecht auf Gefecht folgen respektive parallel ablaufen und als fehle ein roter Faden.

Dass die, die es zu schlagen gilt, so farblos daherkommen, ist nicht verwunderlich. Ohne die Leser auf ihr Auftauchen vorzubereiten oder ihnen zumindest im Laufe der Handlung etwas mehr über die Motive der etwas anderen Antagonisten zu verraten, wird es neuen und alten Fans gleichermaßen erschwert, ernsthaft Interesse für sie zu entwickeln. Fairerweise muss man diesem Kontext aber auch erwähnen, wie wahnsinnig schwer es ist, in einer Justice-League-Story Gegenspieler optimal in Szene zu setzen.

Erstens kann man nicht jedes Mal auf Darkseid, den mächtigsten DC-Schurken überhaupt, zurückgreifen, zweitens muss man darauf achten, dass das Kräftegleichgewicht zwischen Superhelden und Bösewichten passt und drittens muss man die Solo-Serien der Verlags-Aushängeschilder im Hinterkopf haben, um keine Kontinuitätsfehler herbeizuführen. Deswegen sind Comics, die mehrere Hauptfiguren haben, die mit Abstrichen möglichst alle im Zentrum des Geschehens stehen sollen, auch mit die größte Herausforderung für Autoren.

Fazit

Bryan Hitchs Justice League 1: Die Auslöschungs-Maschine ist sehr kurzweilig geraten und macht insbesondere in der Figurenzeichnung eine Menge richtig. Darüber hinaus sorgt Ausnahmekünstler Tony S. Daniel mitunter für die schönsten Zeichnungen der Rebirth-Start-Phase.

All das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Geschichte an echten Highlights mangelt, die Gegner nur bedingt funktionieren und das eine oder andere erklärende Wort mehr der Gesamtstruktur der Geschichte gutgetan hätte.

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