Der Hobbit - Rezension Blu-ray Standard Version

Es scheint fast so, als sei eine Tolkien-Verfilmung ohne Peter Jackson einfach nicht möglich.Nach jahrelangen Querelen um Lizenzen, Finanzen und allerlei anderem Gedöns ist Der Herr der Ringe-Regisseur auch bei der Vorgängertrilogie zum großen Ring-Epos auf dem Regiestuhl gelandet. Mit Der Hobbit - Eine unerwartete Reise ist nun seine Version von Tolkiens Gesichte über Hobbit Bilbo und die Reise der Zwerge als pompöse Verfilmungen zu sehen. Doch nicht nur vor der Kamera gibt es ein Wiedersehen mit altbekannten Gesichtern, auch hinter der Kamera hat Jackson viele Akteuere zusammengetrommelt, die schon bei seiner epochalen Herr der Ringe-Trilogie mit an Bord waren. Die Kinofassung des ersten Teils dieser neuen Trilogie ist nun auf DVD, Blu-ray (2D & 3D) sowie in diversen Digitalformaten erschienen. Wir haben uns das Doppel-BD-Paket für unser Hobbit-Special genauer angesehen.

Der Inhalt des Hobbit-Romans und seine Funktion als Wegbereiter für Tolkiens Der Herr der Ringe dürfte weiträumig bekannt sein: Im ruhigen Hobbingen lebt der genügsame Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman, Sherlock) sein beseeltes Leben völlig fern von Abenteuern und Aufregungen. So wie es sich für einen ordentlichen Hobbit geziemt. Auf der Suche nach einem Meisterdieb richtet sich der Blick des Zauberers Gandalf (Ian McKellen, Der Herr der Ringe-Trilogie) ausgerechnet auf Hobbingen, wo er Bilbo für ein gefährliches Abenteuer auswählt. Als kurz darauf 13 Zwerge auf der Matte stehen, wird der folgende Abend das Leben des Halblings für immer verändern: Schon in Kürze befindet er sich auf dem Rücken eines Ponys, lernt Elben, Orcs und den listigen Gollum kennen und fürchten. Denn Bilbo begleitet auf Gandalfs Drängen hin die Zwergenbande, die ihr einstiges Zuhause unter dem Berg Erebor zurückerobern will, das vom Drachen Smaug besetzt ist. Inmitten dieser aufregenden Reise wird Bilbo einen Fund machen, der Jahre später das Schicksal Mittelerdes entscheidend prägen wird....

Die langerwartete cineastische und sogar dreidimensionale Rückkehr nach Tolkiens Mittelerde ist von Publikum und Kritikern mit gemischten Reaktionen aufgenommen worden. Wo auf der einen Seite viele 3D-Effekte und gestochen scharfe HFR-Bilder das technisch einwandfreie Kinoerlebnis verfeinerten, wurde andererseits Kritik am Inhalt laut: Einigen erschien die Handlung der Buchvorlage zu sehr gestreckt, aufgeblasen und für nunmehr drei Filme als zu dünn bemessen. Andere erfreuten sich an der Tatsache, dass Mitterde sein cineastisches Revival erfährt und somit das Franchise mit drei neuen Filmen und dem damit einhergehenden Merchandise-Zirkus bis weit über das Jahresende 2014 und dem damit verbundenen Kinostart vom finalen Teil am Leben halten wird.

Gerade weil - auch entgegen der Vorlage - viele bekannte Figuren aus der Ring-Trilogie eingebaut wurden, sticht vor allem das Gefühl des Nachhause-Kommens heraus. Endlich wieder Mittelerde auf der großen Kinoleinwand und nun auch als Nachschub fürs heimische Wohnzimmerkino. Viele freuen sich schlichtweg, ihre Helden wieder auf großer Leinwand erleben zu dürfen, wobei sich vor allem Anhänger der Literaturvorlagen an den zahlreichen Veränderungen stören.

Wie ein Wiedersehen mit alten Klassenkameraden mutet das Film-Comeback von Gandalf, Saruman, Galadriel oder Elrond an. Die "Neulinge" Radagast und der weiße Orc Azog finden sich, zumindest zur Filmstory passend, implementiert. Eine der stärksten Szenen des Films ist das Zusammentreffen von Gandalf, Elrond, Galadriel und Saruman in Bruchtal. Der wissende Zuschauer wird die Figuren und deren Funktionen für die nachfolgenden Ereignisse einordnen können. Gerade deshalb versprüht die Szene mächtig viel Charme und dient auch als Verbindungsglied beider Trilogien. Schwach, weil aufgebläht und narrativ nur wenig ertragreiches Effekte-Kino, welches sich auf den Schauwerten der Bilder ausruht, ist das Aufeinandertreffen der Zwerge mit den Orcs im Inneren des Nebelgebirges sowie die kurzzeitige Gefangennahme von Bilbo und Zwerge durch die drei vollkommen dösig dargestellten Trolle geraten. Beide Szenen dienen als Beispiel für völlig zu lang geratene Sequenzen, die nicht zuletzt weil sie nur wenig mit der Vorlage zu tun haben, für viel Kritik sorgten.

Auf der anderen Seite sorgen spannende, monumentale Szenen voller Abenteuergeist und Herr der Ringe-Mystik vor atemberaubenden Neuseeland-Panoramen für feuchte Augen. Wenn die Zwerge, kurz bevor sie nach Bruchtal gelangen, auf die Wargreiter treffen, bringt das altbekannte Kino-Gefühle zurück. Natürlich ist daran auch der absolut gelungene Soundtrack von Howard Shore nicht ganz unbeteiligt, der bekannte Melodien aufgreift aber es nicht verpasst, für eigenständige und neue Stücke mitsamt dem eingängigen Ohruwrm-Charakter zu sorgen, der schon seine Herr der Ringe-Kompositionen unverwechselbar gestaltete. Darüber hinaus sorgen Szenenbild, Ausstattung und Kostüme sowie das tolle Spiel aller Darsteller für Enthusiasmus. Bei diesen Szenen fühlt sich der ausgehungerte Mittelerde-Fan wohl und zehrt von dem Dargebotenen.

Wenn Bilbo den Zwergen seine Unterstützung zusagt, nachdem sie aus dem Nebelgebirge entkommen sind und bevor Azok angreift, ist dies ein gutes Beispiel für den bewegenden und mitreissenden Ton, den Peter Jackson trotz aller Ablenkungen und seiner Vernarrtheit in die HFR- und 3D-Technik zumindest stellenweise nicht vergisst. Der Geist der Geschichte ist - wenn auch verfremdet und in die Länge gezogen - an vielen Stellen spürbar. Und nicht nur mit der Gemeinschaft aus Zwergen und Bilbo sind die Parallelen zu den Gefährten gegeben. Viele Szenen reißen den Zuschauer mit und fachen die Freude auf die zwei noch ausstehenden Kino-Blockbuster an. Da verzeiht man gerne den ein oder anderen unübersehbaren Lapsus oder die ausufernde künstlerische Freiheit.

Die Doppel-BD von Warner Home Entertainment kommt mit dem Film als digitale Kopie: Der Käufer kann sich über den Onlinedienst flixster.com den Hobbit auf sein Apple oder Android - sowie weitere diverse andere - Endgerät via Eingabe des beigefügten Codes herunterladen. Blu-ray Disc 1 beinhaltet den Hauptfilm in bestechender technischer Qualität. Vor allem das Bild (1080p High Definition) weiß zu begeistern. Glasklar, kontrastreich sowie farblich bestens abgestimmt präsentiert sie den Streifen optimal. Vor allem die Panorama-Landschaftsaufnahmen leben vom Detailreichtum, aber auch markante Szenen wie die Sequenz in Bruchtal oder der finale Kampf der Zwerge gegen Azogs Orcs kommen richtig gut rüber. Sowohl die deutsche Tonspur als auch die englische Originalfassung kommen im Format DTS-HD Master Audio 7.1 NF (sowie Spanisch als DD5.1), dazu sind deutsche, englische und zahlreiche weitere Untertitel optional einblendbar. Bei der englischen OV fällt die gute Dialogverständlichkeit auf. Generell ist der Ton gut abgemischt und bringt in vielen Szenen die Heimkinoboxen ordentlich auf Trapp.

Blu-ray Disc 2 beinhaltet die Extras: Hier sind zehn Videoblogs im Angebot, die Einblicke hinter die Kulissen erlauben. Peter Jackon himself erklärt in den 10 bis 15 Minuten langen Clips diverse Produktionsaspekte. Beginnend beim Drehstart, weiter über die Locations, die 3D Technik bis hin zur Weltpremiere in Wellington reichen die eingängigen Clips. Weil dieses Material bereits zum Kinorelease im Netz zu sehen war, bietet diese Blu-ray leider kaum neues Material. Dafür bringen die Extras zumindest die umfangreiche Laufzeit von mehr als 100 Minuten auf die Uhr. Außer den Videoblogs sind diverse Kino- und Gametrailer sowie das Feature Neuseeland: Heimat von Mittelerde zu sehen. Dieses zeigt fantastische Naturkulissen Neuseelands und wie diese durch die Filmemacher in Orte von Mittelerde verwandelt werden. O-Töne der Darsteller und Produktionsmitglieder untermalen die Aufnahmen vom aufwändigen Kulissenbau bis hin zum fertigen Filmset. Die Extras sind übrigens englischsprachig, deutsche und englische Untertitel sind wahlweise einblendbar. Auch wenn diese BD der Kinofassung technisch durchaus überzeugt, ein paar nette Clips aber kaum neues Bonusmaterial zeigt, bleibt das Warten auf die Extended Edition, die wohl im Dezember kommt. Bis dahin ist der Kinocut trotz mancher Schwächen ein guter Zeitvertreib, der es in jedem Fall schafft, Mittelerde endlich wieder lebendig werden zu lassen.

 

Der Hobbit Eine unerwartete Reise Filmposter
Originaltitel:
The Hobbit: An Unexpected Journey
Kinostart:
13.12.12
Laufzeit:
163 min
Regie:
Peter Jackson
Drehbuch:
Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Darsteller:
Martin Freeman, Ian McKellen, Lee Pace, Hugo Weaving, Luke Evans, Richard Armitage, Andy Serkis
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise ist der erste Teil der Filmtrilogie, die die Vorgeschichte zu "Der Herr der Ringe" erzählt. Zauberer Gandalf hat den ahnungslosen Bilbo Beutlin ausgewählt, um als Meisterdieb 13 Zwerge auf einer epischen Mission zu begleiten: Sie wollen das an Drache Smaug verlorene Zwergenreich Erebor zurückerobern.

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