Sülters IDIC - Vier Erkenntnisse zum Teaser von Star Trek: Discovery

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Sülters IDIC: Vier Erkenntnisse zum Teaser von Star Trek: Discovery

Ein Aufschrei ging in den letzten Tagen durch die Reihen der Trek-Fans. Trudelte doch tatsächlich statt weiterer Hiobsbotschaften ein Teaser zu Star Trek: Discovery ein, der nicht nur aus dem Stand für Gänsehaut sorgte, sondern sogar ein paar Rückschlüsse auf das spätere Produkt zulässt - wenn man denn genau hinschaut. Ein paar dieser Erkenntnisse habe ich für euch zusammengestellt.

Erkenntnis 1: Der Mut der Verzweiflung? CBS greift nach den Trekkies

Eine Frage, die man sich berechtigterweise seit Ende der Neunziger immer wieder stellen durfte, beantwortet der Teaser direkt zu Beginn: Ist es noch schicklich und möglich, ein neues Trek-Produkt auf die bestehende Basis an Trekkies auszurichten? Lange galt diese Frage mit „lieber nicht“ als beantwortet. Als zu kompliziert, abgehoben, übersättigt und zerstritten galten die Nerds aus der Neutralen Zone der SF-Landschaft. Und sogar J. J. Abrams wurde 2009 nicht müde zu erwähnen, dass sein Trek-Reboot für alle zugänglich sei – besonders aber für eben jene, die mit Trek bisher gar nichts zu tun hatten. Zu gering war berechtigterweise das Vertrauen, mit den alten Fans einen Box-Office-Hype generieren zu können.

Doch die Zeiten scheinen sich erneut geändert zu haben. Im ersten wirklichen Teaser zu Star Trek: Discovery geht man direkt in die Vollen: Ein Beginn in nostalgischem Schwarz-Weiß, die Erwähnung von Gene Roddenberry, eine Schreibmaschine, die mit ein wenig Phantasie an die Form der Untertassensektion der Enterprise-D erinnert und eine Galerie aus denkwürdigen Momenten der anderen Trek-Serien. Wer genau hinschaut erkennt auf dem ersten Bild übrigens Majel Barrett Roddenberry alias Number One aus "The Cage" - ein Wink mit dem ganzen Zaun. Außerdem stellt der Teaser klar, dass es bei Star Trek immer um das ging, was uns Menschlich macht. Ein Motiv, das auch Bryan Fuller mehrfach zu Beginn seiner kurzen Amtszeit erwähnte.

Star Trek: Discovery wird diese Tradition nun fortsetzen. Mehr Retro geht nicht. Offenbar sollen also doch die wahren Fans die Kohlen aus dem Feuer holen und die Zuschauerbasis für die neue Serie bilden. Optimistisch? Bestimmt. Ambitioniert? Mit Sicherheit. Zum Scheitern verurteilt? Nicht unbedingt. Charmant? Auf jeden Fall. Den Schreiber dieser Zeilen haben die Produzenten mit ihrem Bauerntrick auf jeden Fall schon abgeholt.

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Screenshot aus dem Teaser zu Star Trek: Discovery

Erkenntnis 2: Die Discovery ist immer noch klobig

Der erste kleine Schnipsel an Bildmaterial hatte 2016 auf der Comic Con (und danach) für Aufruhr gesorgt. Zu schwach waren die Effekte, zu klobig das neue Schiff. Zwar bemühte man sich sofort um Deeskalation und erklärte, man hätte hier unfertige Probesequenzen gezeigt, dennoch hielt sich die Sorge um den Look der Discovery – und somit der ganzen Serie. Hier nun zeigt man uns im Teaser  eine Kamerafahrt vorbei an einer Wand mit Außenansichten der Discovery.

Und was soll man sagen? Das gute Schiff hat sich entweder kaum verändert oder man verkauft uns hier ältere Konzeptzeichnungen als aktuellen Stand. Eventuell aus Kalkül, eventuell aber auch weil man schlichtweg nicht dran gedacht hat, dass die Fans darauf achten würden. Klobig und irgendwie befremdlich ist das neue Schiff somit immer noch – das tut der Vorfreude aber sicher keinen Abbruch. Mit diesem Mix aus Enterprise-E und klingonischen Elementen muss irgendetwas bezweckt werden – warten wir also einfach ab.

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Screenshot aus dem Teaser zu Star Trek: Discovery

Erkenntnis 3: Die Shenzhou ist typisch Eaves

Richtig – es wird nicht richtig klar, um welches Schiff es sich bei den Zeichnungen handelt. Dennoch sollte man annehmen dürfen, dass das zweite hier gezeigte Sternenflottenschiff die USS Shenzhou unter dem Kommando von Michelle Yeohs Captain Georgiou ist.

Das Design ist einem Konzept des legendären Trek-Concept-Artist John Eaves sehr ähnlich: Der USS Mawson. Eaves hat in der Vergangenheit für viele beliebte Designs in Star Trek gesorgt, ist offiziell aber nicht an DSC beteiligt. Die Verantwortlichen von Axanar (der Fan-Serie gegen die CBS zuletzt einen langwierigen Prozess angestrengt hatte) äußerten aber, dass Eaves nach ihrer Kenntnis doch an DSC arbeiten würde. Hier muss man abwarten – das Design der Shenzhou spricht aber in dieser Causa eigentlich Bände. Sicher erinnert das Design auch an die Akira- oder Centaur-Klasse, dennoch ist die Ähnlichkeit mit der Mawson am deutlichsten.

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John Eaves' Design der USS Mawson

Das Design der Shenzhou ist auf jeden Fall – ganz im Gegensatz zur Discovery – typisch Trek und typisch Starfleet und sollte keinerlei Grund zur Kritik bieten dürfen. Wer sich nebenbei fragt, woher der Name des Schiffes kommt: Shenzhou (chinesisch für „magisches Schiff“ bzw. „Götterschiff“) ist der Name für das erste bemannte chinesische Raumschiff und das dahinterstehende Programm der China National Space Administration. Bisher gab es elf Missionen – zuletzt brachte die Shenzhou 11 im Oktober 2016 zwei Astronauten zum Weltraumlabor Tiangong 2. Für 2017 ist eine weitere Mission geplant.

Erkenntnis 4: Von Uniformen & einem merkwürdig gesprungenen Delta

Ob es sich bei der gezeigten blauen Uniform um die Standard-Dienstvariante oder eine Gala-Uniform handelt, können wir freilich nur mutmaßen – rein vom ersten Eindruck würde man vermutlich eher auf die edlere Ausgehversion tippen, es ist aber fraglos auch möglich, dass es sich um das übliche neue Gewand der Crew handelt. Auffällig sind die goldenen Verzierungen, die viel Platz einnehmen und an beiden Seiten sowie mittig eingearbeitet wurden und das – auch hier wieder – geteilte Deltasymbol. Ergänzend kommt eine Art Rang-Pin hinzu, der sich unten am Delta befindet.

Das Delta an sich gab es bei Star Trek: Enterprise noch nicht. In Star Trek war es jedoch ebenfalls schon auf der Front der Uniform vorhanden. Den Rang konnte man bei Star Trek: Enterprise auf der rechten Seite im oberen Bereich anhand von silbernen Streifen erkennen. Bei Star Trek waren es Streifen an Ärmeln auf Höhe der Handgelenke gewesen, ab Star Trek: The Next Generation dann Rang-Pins am Revers. Hier scheint man eine Kombination gewählt und den Rang ins Delta integriert zu haben. Das ist kein Kanonbruch und würde in Rück- und Vorausschau durchaus Sinn ergeben.

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Screenshot aus dem Teaser zu Star Trek: Discovery

Das Zeichen im Delta steht übrigens für Mitarbeiter der Bereiche Engineering oder Security. In Kombination mit der blauen Uniform lässt das auf eine grobe Weiterführung des Stils aus Star Trek: Enterprise schließen. Dort waren die Uniformen alle blau und nur durch eine farbliche Absetzung an der Schulter zu unterscheiden. Diese fehlt hier offenbar oder ist nur nicht zu erkennen. Zum gewählten Bereich würde dann die Farbe Rot gehören – dies wurde sowohl bei Star Trek: Enterprise als auch bei Star Trek so gehandhabt – erst später tauschte man Gold und Rot, wie ab Star Trek: The Next Generation zu sehen ist.

Kommen wir zuletzt noch zum Delta selber. Die Frage, warum es nicht nur im Logo der Serie, sondern auch hier, durchlaufend gesprungen erscheint, konnte noch nicht geklärt werden. Die Vermutung liegt nahe, dass man hier auf irgendetwas hinweisen möchte, was handlungsrelevant ist. In Kombination mit dem Design der Discovery kann man hier durchaus auf Ideen kommen. Dass die Klingonen auch in Sachen Cast eine gewichtige Rolle spielen, ist ja inzwischen anhand von drei konkreten Rollen bekannt – Klingonen auf der Discovery wären jedoch in Sachen Kanon gewagt – Schiffsdesign und Delta könnten aber genau auf so etwas hindeuten. Eine gemeinsame Mission der verfeindeten Mächte? Oder handelt es sich am Ende doch nur um ein optisches Gimmick, das die Sternenflotte (wenn man den Kanon weiterspinnt) später wieder abschaffte. Hier hilft aktuell nur raten und die Phantasie spielen lassen.

Sülters letzte Worte

Schon besser! Endlich kommt so etwas wie Vorfreude auf, endlich darf man das doppelt verschobene und vom Fuller-Abgang gezeichnete neue Trek-Kind auch mal kurz anschauen. Zwar noch in Decken gewickelt und mit etwas Sicherheitsabstand, und doch erzielt dieser kurze Einblick genau den richtigen Effekt: Die Serie wird greifbar, lebendig und real. Der Teaser gefällt zudem mit einem sympathischen Retro-Feeling, einer stimmigen Musikuntermalung und hübschen Details. Für den Moment ist das mehr als man gehofft hatte, erste Bewegtbilder werden aber ebenfalls gerne zeitnah  genommen!

Björn Sülter ist als freier Redakteur unter anderem bei Onlinepublikationen wie Quotenmeter, Serienjunkies und auch Robots & Dragons aktiv. Der Autor und Musiker ist Fachmann in Sachen Star Trek. Seit 20 Jahren schreibt er über das langlebige Franchise.

Für Robots & Dragons wird er exklusiv die Entstehung der neuen Trek-Serie mit seiner Kolumne Sülters IDIC begleiten und sobald die Serie startet auch für ausführliche Kritiken zu den Episoden sorgen. Der Name der Kolumne steht stellvertretend für das, was uns Trekkies auszeichnet: Einen offenen Geist zu behalten und die Vielfalt als etwas Wertvolles zu schätzen. Infinite Diversity in Infinite Combinations.

Björns Homepage und somit viele seiner Artikel und Trek-Rezensionen erreicht ihr unter www.sülterssendepause.de

Star Trek Discovery - Now in Production! | official featurette (2017)

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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