DC-Comic-Kritik: Green Lanterns 1: Planet des Zorns (Rebirth)

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Green Lantern Rebirth

Die Green Lanterns gehören zu den mächtigsten DC-Helden überhaupt, und doch ist es bisher nicht gelungen, ihnen zu dem ganz großen internationalen Durchbruch zu verhelfen. Versucht man zu ergründen, warum dem so ist, landet man relativ schnell bei dem Blockbuster aus dem Jahre 2011 mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle.

Green Lantern hatte definitiv seine Schwächen, aber er war auch bei Weitem nicht so schlecht, wie es im Nachhinein nun gerne dargestellt wird – außerdem wäre ohne ihn Deadpool sicher um einige gute Gags ärmer.

Die Beringten sind einfach ein dankbares Opfer, da es nur verhältnismäßig wenige Fans weltweit gibt, die hätten herausarbeiten können, weshalb das Corps viel mehr Potenzial hat, als in besagten 114 Minuten zu sehen ist.

Dass ein solcher Kinofehlstart korrigiert werden kann, hat vor wenigen Jahren Daredevil bewiesen. Während der Abendfüller von 2003 Ben Affleck viele schlaflose Nächte bereitet haben dürfte, erfreut sich die gleichnamige Netflix-Serie großer Beliebtheit.

Es ist also nie zu spät für zweite Chancen – wenn vielleicht auch zunächst nur in Comic-Form. Die Laternen erhalten beachtlicherweise sogar deren zwei: Hal Jordan und das Green Lantern Corps sowie Green Lanters.

Der erste Sammelband der zweiten Heftserie steht im Zentrum dieser Besprechung, und wer weiß? Vielleicht ist im Falle dieser außergewöhnlichen Weltenretter die Wiedergeburt auch gleichzeitig der erste Schritt hin zu einem erfolgreichen zweiten Kinoversuch 2020.

Inhalt

Die beiden neuesten Ringträger Jessica Cruz und Simon Baz erhalten von dem legendären Hal Jordan höchstpersönlich den Befehl, von nun an als Team die Erde zu beschützen. Nichts Ungewöhnliches für Helden, jedoch etwas problematisch, wenn diese sich zunächst so gar nicht zu verstehen scheinen.

Zu allem Überfluss bekommt es das Duo dann auch direkt mit den Red Lanterns zu tun. Keine dankbare Aufgabe für zwei Neulinge, aber eine, der sie sich dennoch - ohne zu zögern - stellen.

Geerdet auf der Erde

Der Großteil dieser 100 Seiten dreht sich eindeutig um die beiden Hauptcharaktere. Das klingt auf den ersten Blick jetzt nicht nach einer Sensation, erwähnenswert ist dieser Umstand allerdings durchaus, und zwar aus folgendem Grund:

Der Leser erfährt, ohne dass es auch nur einmal explizit angesprochen wird, dass sich die Protagonisten eigentlich sehr ähnlich sind. Beide lieben ihre Familie, beide sind stur, und beide sind jetzt vor allem Mitglieder des Corps.

Der letzte Punkt rückt jedoch trotz diverser offizieller Einsätze irgendwie in den Hintergrund. Das, woran sich der Rezipient nach dem letzten Panel maßgeblich erinnern wird, dürfte mit ziemlicher Sicherheit etwas anderes sein.

Autor Sam Humphries betont sehr stark die menschliche Seite seiner Protagonisten, und damit automatisch auch das, was sie letztendlich zu Lanterns hat werden lassen: die Tatsache, dass beide ihre größte Angst überwunden haben.

Green Lantern Rebirth

Gegen den Zorn

Es ist nämlich wichtig, zu wissen, dass bei den Laternen nicht nur energiegeladene Ringe und Farben, sondern eben auch Gefühle eine große Rolle spielen. Zweifellos ist es so, dass die größte Aufgabe für einen Writer, der sich mit den Grün-Schwarzen beschäftigt, darin besteht, diese emotionale Komponente nicht zu kitschig oder pathetisch wirken zu lassen.

Humphries, der das Auftakt-Special gemeinsam mit Geoff Johns schrieb, ist es recht gut gelungen, dass sich das Ganze die Waage hält. Denn eins ist ebenfalls klar: Ein wenig Pathos gehört bei den Green Lanterns beinahe zum guten Ton. (Wer einmal den von der versammelten Mannschaft vorgetragenen Eid gehört hat, weiß, was hier gemeint ist.)

Für die Red Lanterns wiederum ist nichts wichtiger, als für viele zornige und wütende Gesichter zu sorgen. Das Aufeinandertreffen der verschiedenfarbigen Ringträger fällt aber unter dem Strich etwas unspektakulär aus…

Weniger ist nicht immer mehr

… und steht damit sinnbildlich für das Hauptproblem dieses ersten Paperbacks. Diesem fehlt es nämlich tatsächlich an einem echten Highlight.

Green Lanterns 1 liest sich flüssig, das Zusammenspiel respektive die Kabbeleien von Cruz und Baz sind unterhaltsam, und die Feinde haben die richtige Kragenweite.

Außerdem sehen die Zeichnungen, die unter anderem auf Robson Rocha und Ethan Van Sciver zurückgehen, ausgesprochen gut aus.

Ein eindeutiger Wow-Moment oder wenigstens eine echte Spannungskurve ist allerdings nicht auszumachen. Daraus resultiert dann auch logischerweise der spürbar fehlende Drive.

Dass Sam Humphries so viel Wert darauf gelegt hat, sein neues Team angemessen einzuführen, ist völlig in Ordnung; nur hätte er eben parallel dazu die sich anbahnende Bedrohung durch die Red Lanterns etwas mehr betonen müssen.

Gegenspieler dieser Kategorie dürfen nie einfach plötzlich da sein, wenn man den Anspruch hat, eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Der Weg und das Ziel müssen in einem solchen Fall das Ziel sein, und nicht nur der Weg.

Green Lantern Rebirth

Fazit

Das Special und die ersten drei Einzelheftausgaben, die hier zusammengefasst besprochen wurden, deuten das große Potenzial der Green Lanterns an, schöpfen es jedoch noch nicht aus.

Insbesondere das Ende gibt aber berechtigten Grund zur Hoffnung, dass diese Reihe noch an Fahrt aufnehmen und sich in eine sehr interessante Richtung entwickeln kann.

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