Kritik zu Yakuza: Kiwami - Alles auf Anfang

Die japanische Yakuza-Videospielreihe kommt im Westen gerade gut an. Anfang diesen Jahres erschien das Prequel Yakuza 0 hierzulande, nun können Neueinsteiger mit dem Remake des ersten Teils, Yakuza: Kiwami, die Geschichte weiter verfolgen.

“Kiwami“ heißt, frei übersetzt, “Extrem“. Diese Bezeichnung trifft die Art, wie das Spiel in jeder Facette neu aufgelegt wurde, perfekt. Die 12-Jahre-alte Grafik wurde in neuer Engine vollkommen überarbeitet, zwischen dem Kampfspiel von 2005 und Kiwami liegen Welten.

Auch sonst wurde kein Stein auf dem anderen gelassen. Zwischensequenzen sind überarbeitet oder sogar völlig neu hinzugefügt worden, das Kampfsystem wurde dem des Prequels angeglichen, und viele neue Nebenmissionen und Charaktere wurden in der Welt versteckt.

Einigen Puristen wird das sicherlich nicht gefallen, das sollte sich aber aufgrund der vergleichsweise geringen Spielerzahlen des Originals im Westen kaum bemerkbar machen. Wirklich interessant hingegen dürfte für jeden Spieler das Erleben des alten Settings in der heutigen Zeit sein. Damals hip und am Zahn der Zeit, reißt es jetzt niemanden mehr vom Hocker, wenn Protagonist Kiryu Kazuma ein fesches Klapphandy bestaunt und herausfindet, wie man denn eine SMS (für die jüngeren Leser: Ein altertümliches WhatsApp) sendet.

Yakuza Fight

Mehr Mord, mehr Verrat und ein Waisenkind

Das Spiel setzt ein paar Jahre nach dem Ende von Yakuza 0 an. Kiryu Kazuma und sein bester Freund Akira Nishikiyama sind in der Hierarchie ihres Klans aufgestiegen und kontrollieren, zusammen mit anderen Familien, Kamurocho. Kamurocho ist ein detailgetreuer Nachbau von Kabukicho, einem Rotlichtviertel von Tokio, was berüchtigt für seine Kontrolle durch die Yakuza ist.

Eines Tages dreht das Oberhaupt ihrer Familie durch und entführt ihre Jugendliebe Yumi. Er hat die Schmach durch die beiden am Ende des letzten Teils nie verarbeiten können. Nishikiyama eilt zur Rettung und erschießt verzweifelt den eigenen Boss. Kiryu, der kurz darauf an den Tatort kommt, nimmt die Schuld auf sich, um seine Freunde zu retten. Er wird verhaftet und landet für zehn Jahre im Gefängnis - die Polizei nimmt die Streitigkeiten innerhalb der Yakuza nicht wirklich ernst.

Ein Zeitsprung bringt das Spiel in die damalige Gegenwart. Es ist 2005 - irgendwo in Europa ist eine Frau Kanzlerin geworden und bald fliegt der Mensch zum Mars, ganz bestimmt. Aus dem Gefängnis entlassen, wird Kiryu von seinem Klan aus der Yakuza verbannt. Gleichzeitig verschwinden 10 Milliarden Yen aus der Schatzkammer des Yakuza-Patriarchen. Mit der gesamten Unterwelt von Tokio im Nacken macht sich Kiryu auf die Suche nach seiner Jugendliebe, die ebenfalls vom Erdboden verschwunden ist.

Per Zufall trifft er auf Haruka, ein Waisenmädchen auf der Suche nach ihrer Tante, die natürlich auch Yumi heißt. Kiryu muss sich nun an das Leben außerhalb vom Knast gewöhnen, merken, dass er nicht mehr so hipp ist, wie er mal war, und neue Verbündete suchen. Gar nicht so einfach, wenn zufällig überall Yakuza ermordet werden und ein mysteriöser Geheimdienst hinter der kleinen Haruka her ist.

Yakuza Majima

Eine Perle aufpoliert

Yakuza: Kiwami ist ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen Remake und Remaster. So ist das ursprüngliche Spiel zu alt, um einfach Texturen aufzuwerten, die einzige Option war ein komplettes Remake. Die Entwickler mussten für die Neuauflage die gesamte Spiel-Engine austauschen und Gegenstände sowie Charaktere neu modellieren. Damit sieht Kiwami zeitgemäß aus, gerade bei der Gegenüberstellung mit dem Ur-Yakuza ist der Unterschied dramatisch sichtbar.

Weiterhin wurden beim Kampfsystem auch die Stile und Animationen aus Yakuza 0 übernommen, das Gefühl der alten Schlägereien bleibt aber trotzdem erhalten. Im Laufe des Spiels lernt Kiryu durch verschiedene Begebenheiten neue Tricks, der somit konstante Lernprozess passt perfekt zum frisch freigelassenen Kiryu, der in der freien und für ihn neuen Welt dazulernen muss.

Auch an Haupt- und Nebengeschichten haben die Entwickler vorsichtig geschraubt. Neue Zwischensequenzen arbeiten den Antagonisten besser aus als noch im Original. Auch der verrückte Yakuza Goro Majima aus dem Prequel kriegt mehr Zeit im Rampenlicht. Mit der neuen Funktion “Majima ist überall“ lauert die Figur dem Spieler überall in der Stadt auf und verwickelt ihn aus dem Nichts in Kämpfe.

Fazit

Yakuza: Kiwami ist ein eindrucksvolles Remake, was den Ton des Originals beibehält und den Spielfluss, ohne deplatziert zu wirken, gleichzeitig modernisiert. Das Spiel mag mit etwa 25 Stunden etwas kürzer sein als andere Teile der Reihe, kann jedoch mit einem Kampfpreis von 35 Euro trumpfen. Ein ungewöhnlicher Schritt für einen vergleichsweise großen Produktionswert, aber Kiwami heißt schließlich Extrem.

Yakuza: Kiwami ist für die Playstation 4 erhältlich.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Sega

Yakuza Kiwami Launch Trailer | PS4

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