Kein Klamauk: Kritik zur Pilotepisode von The Orville

Die Vermarktung von The Orville ließ im Vorlauf eher auf eine Sci-Fi-Comedy oder Parodie beliebter Serien schließen. Schnell wird in der Pilotepisode "Old Wounds" klar, dass Seth MacFarlane nicht nur der Sinn nach Klamauk steht. Ab der ersten Szene spürt man die Liebe zum Genre.

Darum geht es

Im 25. Jahrhundert ist die Erde Teil einer Union aus mehreren Planeten mit einer fortschrittlichen, überwiegend friedlichen Bevölkerung und einer Flotte von 3000 Raumschiffen.

Obwohl ein schwieriges Jahr hinter Ed Mercer (Seth MacFarlane) liegt, bekommt er das Kommando über die U.S.S. Orville, einem Mittelklasse-Raumschiff zur Erkundung fremder Galaxien, übertragen. Die Besatzung besteht sowohl aus Menschen als auch aus Aliens.

An Bord kann Mercer sich auf seinen alten Freund Gordon Malloy (Scott Grimes) verlassen. Dieser ist zwar auch wegen Fehlverhalten in der Vergangenheit in Ungnade gefallen und vom aktiven Dienst zu Bürojobs zwangsversetzt, ist jedoch ein legendärer Raumschiffpilot. Weniger begeistert ist Mercer davon, dass ihm als Erster Offizier mangels Alternative ausgerechnet seine Ex-Frau (Adrianne Palicki) an die Seite gestellt wird.

Der erste Auftrag soll eigentlich ein routinemäßiger Versorgungsflug zu einer Wissenschaftskolonie sein. Dort angekommen entpuppt es sich als eine Mission höchster Geheimhaltung und die Orville befindet sich schnell in ihrem ersten Kampfeinsatz.

Überzeugende Charaktere

Bei Ed Mercer handelt es sich nicht um jemanden, der irgendwie zufällig an das Kommando eines Raumschiffes gelangt. Seit seiner Jugend hat er hart dafür trainiert und studiert und galt lange als überragender Top-Kandidat. Dies hat sich erst geändert, als er seine Frau Kelly Grayson beim Fremdgehen mit einem blauhäutigen Alien ertappt, was ihn völlig aus der Bahn geworfen hat.

Erfreulicherweise ist diese persönliche Vorgeschichte von Grayson und Mercer zwar natürlich Thema, man merkt aber dennoch den Respekt füreinander und die Professionalität, die beide in ihren Positionen als Kapitän und Erster Offizier haben. Zudem harmonieren MacFarlane und Palicki sichtlich, und ihr Schlagabtausch, auch mit dem befreundeten Steuermann Malloy, kann gerne noch etwas weitergehen.

Auch der Rest der Brückencrew überzeugt schnell durch harmonisches Zusammenspiel und macht dadurch Lust auf mehr:
Dr. Claire Finn (Penny Johnson Jerald), die trotz reichhaltiger Erfahrung den Einsatz als Ärztin auf kleineren Schiffen mit junger Besatzung stimulierender findet als die große Karriere in der Planetaren Union.
Zweiter Offizier Commander Bortus (Peter Macon) ist ein Moclan, eine eingeschlechtliche Spezies, mit eher rationalen, analytischen Denken und noch wenig Kenntnis über menschliche Sprichwörter und Sarkasmus.

Alara Kitan (Halston Sage) ist trotz ihres jungen Alters und wenig Erfahrung die Sicherheitschefin. Als eine von wenigen Xelayans, die sich bei der Union verpflichten, hat sie einen schnelleren Karriereweg. Aufgrund hoher Anziehungskraft ihres Heimatplaneten entwickeln Xelayans übermenschliche Stärke.
Malloy steht als zweiter Steuermann John LaMarr (J. Lee) zur Seite, der zwar gut in seinem Job ist, es aber gerne lockerer angehen lässt.

Und dann wäre da noch Isaac (Mark Jackson) von Kaylon, auf dem eine Maschinen-Gesellschaft herrscht, die alle biologischen Lebensformen für minderwertig hält. Isaac ist quasi Teil eines Austauschprogramms und hat die Gelegenheit aus Forschungsinteresse angenommen.

Weniger Galaxy Quest, mehr Star Trek

Auch wenn Fox bei der Vermarktung das Augenmerk eher auf den Comedy-Aspekt lenkte, sprach MacFarlane bereits im Vorhinein davon, dass deutlich mehr in The Orville steckt.Dies wird in der Pilotepisode ab der ersten Minute deutlich.

Während die Eingangsszene mit dem Flug durch die futuristische Häuserlandschaft noch das Jetsons-Theme pfeifen lässt, erinnern viele andere Elemente, nicht nur die Uniformen, eher an Star Trek und wissen zu gefallen.

Noch mit einem Schmunzeln bei einer Holodeck-Szene, in der sich Malloy mit einem von ihm freundlich programmierten Oger einen Schwertkampf liefert - doch bei den ersten Schritten des Kapitäns auf seine Brücke und spätestens beim Verlassen des Schiffes vom Trockendock regen sich sicherlich die warmen Gefühle bei den meisten Sci-Fi-Fans.

An Spezialeffekten und liebevoll ausgearbeiteten Raumschiffen sowie interessanten anderen Spezies wurde nicht gespart. Erfreulich, dass sich auch der Plot durchaus ernst nimmt und die eingeführten Krill als Gegner keine Witzfiguren sind. Humor ist dennoch reichlich vorhanden, fügt sich aber überwiegend natürlich ins Geschehen ein.

Fazit

Der Pilot lässt vermuten, dass die Serie das Genre nicht neu erfindet, überzeugt aber durch Stilsicherheit und zurückhaltenden, passenden Witz. Ein wenig wirkt es, als habe Seth MacFarlane ursprünglich gerne eine Star-Trek-Serie machen wollen, wurde aber nicht gelassen - und nun gibt es eben The Orville.

Die erste Staffel besteht aus insgesamt dreizehn Episoden. Den Auftakt inszenierte Jon Favreau (Disney's Jungle Book). Bei weiteren Folgen übernehmen unter anderem Brannon Braga (Produzent diverser Star-Trek-Serien), Robert Duncan McNeill (Star Trek: Voyager) und Jonathan Frakes (Star Trek: The Next Generation) die Regie.

In den USA läuft The Orville immer sonntags bei Fox. Wann und wo es die Serie nach Deutschland schafft, ist uns noch nicht bekannt.

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