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Der Glöckner von Notre Dame: Netflix plant Neuverfilmung mit Idris Elba

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Idris Elba in The Dark Tower

Idris Elba hat großes vor. So überlässt Netflix dem beliebten britischen Schauspieler nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Regie, einen Produzentenplatz und die Entwicklung der Musik für ihr gemeinsames Projekt: Eine Neuverfilmung von Der Glöckckner von Notre Dame.

Dabei soll es sich um eine moderne Interpretation von Victor Hugos Romanvorlage aus dem Jahr 1831 handeln. Michael Mitnick (The Current War) schreibt das Drehbuch. An Elbas Seite stehen die Produzenten Fred Berger (La La Land) und Brian Kavanaugh-Jones (Midnight Special).

Hugos tragische Geschichte über den versteckt lebenden buckeligen Glöckner und der schönen Zigeunerin Esmeralda wurde vielfach für Film, Theaterstücke, Musicals und viele weitere Formen umgesetzt. Am bekanntesten ist die Disney-Version aus den 90er-Jahren, auch wenn diese wie oft bei Disney vom Originalstoff reichlich abweicht.

Für wann eine Veröffentlichung bei Netflix geplant wird, ist noch nicht bekannt.

Netflix gibt niederländische Horrorserie in Auftrag

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Netflix-Logo

Netflix setzt weiter stark auf eigene Serien - und fantastische Inhalte. Diesmal bestellt der Streaminganbieter erstmals aus den Niederlanden eine Eigenproduktion. Noch ist das Projekt namenlos.

Ausgangspunkt der geplanten Horrorserie ist das moderne, liberale Amsterdam. Eine Gruppe niederländischer Studenten genießt die Stadt und ihre Jugend, den Sex, ihren Reichtum und Macht. Doch wie sie feststellen müssen, gibt es Regeln, die man besser nicht bricht. Unbeabsichtigt öffnen sie ein Portal in eine dämonische Welt aus dem 17. Jahrhundert, der Blütezeit der Niederlande.

Pieter Kujipers wurde mit der Entwicklung der Serie beauftragt:

"Hier werden zwei Genre kombiniert: Coming of Age und Horror. Auf subtile Art zeigt die Serie die skrupellose Vergangenheit der Niederlande auf, die uns unseren Reichtum brachte."

Die Dreharbeiten zur ersten Staffel, die aus acht je 30-minütigen Episoden besteht, beginnen noch dieses Jahr. Die Veröffentlichung ist für 2019 angesetzt. 

Haus des Geldes: Netflix überrascht mit Ankündigung von Teil 3

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Haus des Geldes ist einer der Überraschungshits der letzten Monate auf Netflix. Obwohl der spanische Heimatsender Antena 3 eine Fortsetzung verneinte, hat der Streaminganbieter zugegriffen und produziert einen weiteren Teil in Eigenproduktion.

In Spanien feierte die Serie unter dem Titel La Casa de Papel bereits im Mai 2017 Premiere. Die erste Staffel (in diesem Fall Teil genannt) war seit Ende Dezember international über Netflix verfügbar. Die abschließenden 9 Folgen von Teil 2 erschienen am 6. April.

Wie genau die Fortführung inhaltlich aussehen wird - also ob man mit bereits bekannten Darstellern anknüpft oder ein komplett neuer Fall mit neuem Cast übernimmt - ist noch nicht bekannt.

In insgesamt 22 Episoden erzählt Haus des Geldes in zwei Teilen von einem gewieften Überfall auf die nationale Banknotendruckerei Spaniens. Der Professor hat die Aktion sein halbes Leben lang minutiös geplant und sucht ein Team aus spezialisierten Kriminellen zusammen, die nichts mehr zu verlieren haben. 5 Monate lang trainieren sie den Überfall auf einem abgelegenen Landsitz. Wichtige Regel: Niemand darf verletzt werden. Man braucht das Wohlwollen der Bevölkerung. Man klaut von niemanden direkt, sondern druckt sich mehrere Milliarden Euro selbst. Daher ist Zeit gleich Geld. Entsprechend gibt es diverse Ablenkungsmanöver, um die Polizei hinzuhalten und so möglichst lange mit den Geiseln in der Bank bleiben zu können.

Auch dürfen keine realen Namen verwendet werden. Neben dem Mastermind "Der Professor" sind so Tokio, Rio, Berlin, Nairobi, Moskau, Denver, Oslo und Helsinki die Hauptcharaktere. Natürlich kommt es dennoch zu viel Zwischenmenschlichen.

Haus des Geldes begeistert in guter alter Heist-Movie-Manier und erinnert mitunter an Genrefilme wie Ocean's Eleven und Inside Job. Allerdings kombiniert mit eher mauen Momenten, die eher an seichte Vorabendfilme erinnern. Qualitativ also durchwachsen, dennoch wird die Serie von Publikum und Kritikern hoch gelobt.

Netflix hat die neuen Episoden von Haus des Geldes für 2019 angekündigt.

Haus des Geldes [La Casa de Papel] NETFLIX Trailer GERMAN/DEUTSCH

Bella Ciao - La casa de papel (cena)

Anime-Kritik zu A.I.C.O. Incarnation: Aus dem Rollstuhl in den Mech

AICO Titelbild

AICO Titelbild

Als ein bekanntes Gesicht ihr neuer Mitschüler wird, steht die 15-jährige Aiko Tachibana vor Erstaunen von ihrem Platz im Klassenzimmer auf. Ihre Klassenkameraden starren stattdessen sie an, schließlich steht sie gerade zum ersten Mal - die Schülerin ist eigentlich an einen Rollstuhl gebunden. Schon in der Antike galten rätselhafte medizinische Genesungen schnell als Wunder, auch im Japan des Jahres 2035 scheint sich dies nicht geändert zu haben. Doch Aiko, die seltsam ähnlich klingende Protagonistin des neuen Netflix-Anime A.I.C.O. Incarnation, hat schon mehr als ein Wunder erlebt.

Zwei Jahre zuvor ist ihre gesamte Familie in einer Forschungseinrichtung umgekommen, Aiko hat nur ihre Fähigkeit zu gehen eingebüßt und ist sonst rätselhafterweise vollkommen unbeschadet. Die nachfolgende Umweltkatastrophe hat einen großen Landstrich Japans mit der sogenannten Substanz verschmutzt, einer intelligenten organischen Masse, die an menschliches Gewebe erinnert. Jeder Zuschauer der Serie merkt schnell: An Aiko Tachibana ist etwas faul. Ein Wunder mag als Setup für einen Protagonisten normal sein, aber gleich zwei? Und wie hieß der Anime noch gleich? Ach ja.

Das Mystery-Kartenhaus

Der Teil der Zuschauerschaft, der sich zu diesem Mysterium zu viele Gedanken macht, kann schon gar nicht mehr gewinnen. Legen wir die Karten auf den Tisch: Eine Serie, die mit einem so offensichtlich komplizierten Namen geradezu hinausschreit, dass der Name der Hauptfigur auch eine Abkürzung darstellt, macht keinen cleveren Ersteindruck. Ja, dieser Sci-Fi-Anime steht und fällt mit seinen Wendungen und Geheimnissen. Und ja: Diese Wendungen werden sehr schnell sehr vorhersehbar. Dem sollten sich eigentlich auch die Drehbuchautoren bewusst gewesen sein, so möchte man jedenfalls glauben. Soll der Anime also auch mit offensichtlichen Twists weiterhin wirken, darf das Kartenhaus der einzelnen Handlungsteile nicht schon beim ersten Blick in sich zusammenstürzen. Das versucht das Studio auch verzweifelt zu realisieren, stellt dabei aber zu viele Fragen und unnatürliche Entwicklungen in den Weg, die den Zuschauer vom Kernproblem ablenken sollen.

AICO Tentakeln

Das fängt schon mit dem weiteren Handlungsablauf, nach dem Wunder im Klassenzimmer an. Aikos neuer Mitschüler überredet sie, ihn auf ein Himmelfahrtskommando in das, mit der Substanz verseuchte, Gebiet zu begleiten. Das normale 15-jährige Mädchen vertraut dem fremden Jungen, den sie nun seit einem halben Tag kennt. Sie glaubt ihm, dass ihre Familie in der Forschungseinrichtung überlebt hat. Sie glaubt ihm auch, dass ihr echter Körper in der besagten Forschungseinrichtung liegt und ihr jetziger Körper aus den gleichen künstlichen Zellen, wie die Substanz besteht. Warum sie mit einem fortschrittlichen Körper dann in einem Rollstuhl saß, fragt sich in der Situation natürlich niemand.

Nach der Vorstellung von künstlichen Zellen in der zweiten Folge scheinen die Autoren vorerst all ihr Pulver verschossen zu haben. Die biologischen Strukturen werden ab sofort benutzt, um alles mögliche zu erklären, was dann noch mehr Fragen über deren Eigenschaften aufwirft. Die Zellen sind beispielsweise in den Exoskeletten des Himmelfahrtskommandos eingebaut, bilden aber auch gleichzeitig die Grundlage für die gefährliche Substanz. Diese scheint mit einer eigenen Intelligenz ausgestattet zu sein, was entgegen aller bisherigen Erklärungen in der Serie steht. Warum kann sich die Biomasse selbstständig ausbreiten? Sind die Zellen dann nicht schon ein Kollektiv aus Organismen geworden? Warum sind die Zellen in den Schutzanzügen anders?

Diese klaffenden Logiklücken in der Wissenschaft um künstliche Zellen in A.I.C.O. Incarnation werden zwar nie geschlossen, aber auch die Begründungen für grundlegende Geschehnisse erfolgt leider erst im Finale. Dazwischen gibt es acht Folgen Action und mehr Handlungen, in denen die dargestellte Welt es nicht schafft, konsistent zu den selbst etablierten Regeln zu bleiben. Die Prämisse für die gestreckten Inhalte wirft, wie gewohnt, viele Fragen auf. Aiko und ihr neuer Mitschüler brechen mit einem Team Söldner in Mechs und anderen futuristischen Gefährten zur Forschungseinrichtung auf, dem Ursprung der Substanz. Dort soll der echte Körper der 15-Jährigen liegen, mit einem künstlichen Gehirn. Um ihr Leben zu retten, wurde nämlich am Tag der Katastrophe ihr echtes Hirn in einen künstlichen Körper transferiert, was wiederum durch einen Fehler in der Prozedur die Substanz ins Leben gerufen hat. Der kluge Plan ihres Mitschülers: Kehrt man zur Einrichtung zurück und macht die Operation rückgängig, verschwindet die Substanz. Einfach so.

Nach Mordor wandern - mit Laserwaffen

Akzeptiert er für eine Sekunde, dass die Operation wirklich eine riesige Umweltkatastrophe rückgängig machen kann, fällt dem Zuschauer schnell auf, warum es in der Mitte der Serie kaum Handlung gibt. Die Abenteuergruppe um Aiko, ihren Mitschüler und die Söldner (die so dünn charakterisiert wurden, dass ihre Namen kaum relevant sind) geht und fährt langsam durch das verseuchte und gefährliche Gebiet zu der besagten Forschungseinrichtung. Hier tritt das klassische Herr-der-Ringe-Problem noch mal verstärkt auf: Warum fliegt die Gruppe nicht nach Mordor? Im futuristischen Japan ist man dafür nicht mal auf Gandalfs Wunder-Adler angewiesen, ein herkömmlicher Helikopter hätte ausgereicht. Geld genug ist da: Das Team nutzt fortschrittliche Laserwaffen und Mechs mit der Bewaffnung einer kleinen Armee.

AICO Kampf

Also liefert die Serie acht Episoden am Stück mittelmäßige Action mit 3D-Robotern gegen 3D-Tentakeln, dazwischen wird gewandert. In der Zeit entsteht nicht einmal annähernd eine Chemie zwischen den Charakteren, die Autoren nutzen Interaktionen lieber, um die Überraschung zur Wendung im Finale zu schwächen. Keine Episode vergeht, in der nicht mit Zaunpfählen gewunken wird. Damit sieht auch jemand, der die Hälfte der Serie verschlafen hat, den nächsten Twist kommen. Ist das Finale dann da, setzt die Serie alles auf ihre ja so plötzliche Wendung. Könnte diese wirklich den Zuschauer mitreißen, wäre sie sogar gut inszeniert. So kommt es einem leider vor, als hätte Rob Stark in Game of Thrones eine ganze Staffel vor der Roten Hochzeit jede Episode erwähnt, dass er hofft, auf seiner Hochzeit würde ihn niemand verraten und alle Anwesenden umbringen.

Zu der Animation und Bildgestaltung muss sich A.I.C.O. Incarnation nicht so viel Kritik gefallen lassen. Die Serie sieht gut aus und die Action kann noch gut unterhalten. Kämpfe mit den Mechs sind Genre-Standardkost, aber dank langer Erfahrung des Studios durchaus ansehnlich. Viele Einstellungen werden für Sequenzen in der Vergangenheit effektiv wiederverwendet und sorgen damit an mancher Stelle immerhin für einen optischen Aha-Effekt. Manchen Zuschauern wird der üppige CGI-Einsatz in den sonst gezeichneten Bildern missfallen, aber hier muss man die Serie nicht für einen Trend in der Industrie kritisieren. Auch mit Netflix-Budget ist die Produktion einer modernen Anime-Serie noch immer sehr aufwendig und geschieht mit vergleichsweise kleinen Teams.

Fazit

A.I.C.O. Incarnation hätte eine etwas generische, aber amüsante Sci-Fi-Serie werden können. Das schlechte Drehbuch verhindert dies leider zu einem großen Teil und macht den Anime, wenn überhaupt, zu mittelmäßigem Popcornkino. Die Action ist zwar ansehnlich, leidet aber unter Repetition. Wer eine kurze, actionreiche Serie sucht, findet zahlreiche, bessere Alternativen. Dieser Anime hätte, wie seine Protagonistin, nicht einmal ein Wunder gebraucht, sondern nur bessere Drehbücher.

A.I.C.O. Incarnation ist im Stream bei Netflix zu sehen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Bones/Netflix

A.I.C.O. -Incarnation- | Teaser [HD] | Netflix

Anime-Kritik zu Die Walkinder: Ein Meer voller Lügen

Die Walkinder Titel

Die Walkinder Titel

Ziellos treibt eine Insel aus Lehm über das Meer, an Bord leben ein paar Hundert Menschen in einer pazifistischen Utopie. Keiner der Bewohner kennt ein anderes Leben, die Insel namens Mud Whale (frei übersetzt: Schlammwal) steuert kein Land an, Isolation wird zur Normalität. In der scheinbaren Utopie der neuen Anime-Serie Die Walkinder auf Netflix herrscht ein vollkommen anderes Selbstverständnis: Selbst das Meer, auf dem die Insel treibt, füllt anstatt auch nur einem Tropfen Wasser lediglich endloser Sand.

In Die Walkinder erschafft das Studio J.C.Staff eine Ghibli-typische Fantasiewelt und füllt selbst eine beige Wüstenlandschaft mit harmonischen Farben. Eine neue Perspektive kriegt die Serie mit einem geschickten Stimmungswechsel. In Feinarbeit wird die anfänglich kindgerechte Illusion von Frieden nach und nach gnadenlos dekonstruiert. Der Zuschauer erkennt aus einer realistischen Perspektive heraus natürlich schnell Ungereimtheiten in der Handlung, neu ist jedoch der Umgang mit diesem beobachtenden Blick.
Noch mehr als Sand sind im Anime nämlich Lügen vorhanden. Die ganze Realität der Protagonisten ist durch Trug und Täuschung bestimmt. So viel sogar, dass der Zuschauer schnell aus dem Blick verliert, wo denn jetzt die wirklich relevante Wahrheit versteckt ist. Wer gedanklich einem Red Herring hinterherjagt, stellt schnell fest, dass es im Sand ja keine Fische geben kann und plötzlich Blut die dominanteste Flüssigkeit auf dem Bildschirm ist, nicht Wasser. So wird aus der Utopie dann doch rasant eine Dystopie.

Wenn Kinder zu Kämpfern werden

Mit einem Blick in den Alltag auf dem Mud Whale beginnt Die Walkinder langsam. Die auf dem Sandmeer treibende Insel erinnert an ein Kreuzfahrtschiff aus Lehm und beherbergt eine ähnliche Zahl an Passagieren. Die Bevölkerung steckt in einem feudalen Leben fest, das von Ernte und Regen bestimmt wird. Nahrungsknappheit ist auf der dürren Seefahrt schließlich immer eine Gefahr. Der Zuschauer muss kein Verständnis von Demografie haben, um schnell einen kuriosen Altersdurchschnitt zu erkennen. Der schwimmende Schauplatz beherbergt überdurchschnittlich viele Kinder und junge Erwachsene.

Der vierzehnjährige Protagonist Chakuro gilt somit als einigermaßen reif und ist schon in das Berufsleben eingestiegen. Als Archivar überwacht er Aufzeichnungen aller Einwohner des Schiffs und weiß somit bestens Bescheid über die Gründe des Altersdurchschnitts - so glaubt er jedenfalls. Ein Großteil der Menschen auf dem Mud Whale verfügen über magische Fähigkeiten, mit denen sie etwa Objekte levitieren lassen können. Der Preis ist ein früher Tod: Kaum ein junger Magier erreicht die Dreißig.

Die Walkinder - Protagonisten

So präsentiert die Serie auch gleich am Anfang eine interessante Kultur: Da der Tod alltäglich ist, gibt es einen anderen Umgang mit dem Thema. Auf der Beerdigung, natürlich ohne Erde und mit viel Sand, sollen selbst kleine Kinder nicht weinen. Das klappt natürlich nicht immer, aber es herrscht keine bedrückende Stimmung - die Einwohner des Mud Whale leben herzlich und mit Freude.

Natürlich hält diese Harmonie dank einer Entdeckung von Chakuro nicht lange an und wird mit einem emotionalen Vorschlaghammer zerschmettert. Eines Tages macht die Bevölkerung eine kuriose Entdeckung: Eine andere Insel driftet in der Ferne. Das Team um Chakuro und Freunde macht sich sofort auf, um das neue Land auszukundschaften, ehe es unerreichbar ist. Der Nachwuchsschreiberling entdeckt dabei die gleichaltrige Lykos, die ihn erschöpft mit ihrer Magie angreifen will. Nachdem sie sich beruhigt hat, bringen die Abenteurer das Mädchen auf den Mud Whale.

Lykos scheint zwar überrascht von dem kleinen Paradies, wirkt jedoch entfremdet von den frühen Toden der Bewohner - obwohl ihr, nach dem Wissen von Chakuro, mit eigenen Fähigkeiten auch ein Ableben Ende Zwanzig droht. Der verschwiegene Ältestenrat ist schockiert von der Anwesenheit des Mädchens, und Chakuro gerät gegen den Willen der Erwachsenen an geheimes Wissen. Lykos ist eine Apátheia, eine Kämpferin des mysteriösen Imperiums, die ihre Emotionen verloren hat. Natürlich lassen die kriegerischen Kameraden von Lykos nicht lange auf sich warten. Die pazifistischen Kinder des Mud Whale stehen erstmals in seiner langen Geschichte vor einem gewalttätigen Konflikt.

Die Walkinder - Malerei

Viel Vorgeschichte und wenige Konsequenzen

Schon nach wenigen Folgen ist der wahre Charakter der Anime-Serie erkennbar. Der Sonnenschein über dem Mud Whale verschwindet hinter einem nicht gerade subtilen Schleier aus Gewalt. Der mysteriöse Aspekt von Die Walkinder bleibt aber durch die gesamte Handlung erhalten und setzt sich mit der Aufdeckung eines umfangreichen Lügenkonstrukts von der Konkurrenz ab. Gegen Ende manifestieren sich dann die Schwächen eines Drehbuchs, das gleichzeitig brutal, ruhig und geheimnisvoll ist. Es bleibt wenig Zeit, um mit dem aufgedeckten Wissen Szenarien zu konstruieren, und mit der Einführung von neuen Charakteren im Finale endet der Anime mit vielen Fragen. Eine zweite Staffel ist nicht bestätigt, und so wirkt die Serie unvollendet wie ein Prequel, das einer größeren Geschichte den Weg ebnen soll.

Auch muss der Zuschauer schnell hinnehmen, dass Die Walkinder sich in nur zwölf Folgen wenig Zeit nimmt, Charaktere zu entwickeln. Dabei bilden die Hauptcharaktere mit dem ruhigen Chakuro, der emotionslosen Lykos und dem eiskalten Ouni eine interessante Dreiecksbeziehung. Die verschiedenartigen Figuren können fast so etwas wie eine Chemie aufbauen, doch das charmante Zusammenspiel endet immer wieder schnell als Vehikel, um den Plot voranzubringen. So bleibt es dann doch bei vorhersehbaren Rollen, wenn Chakuro Lykos spielerisch beibringt, Emotionen zu verstehen. Weniger überraschend sind somit natürlich auch die eindimensionalen Nebencharaktere. Davon gibt es viele, aber offensichtlich nicht genug, sodass das Studio entschied, im Finale noch ganz neue Fraktionen einzuführen. Ein wenig nachvollziehbarer Schachzug, der den Zuschauer mit vielen Fragen zurücklässt.

Zum Glück beweisen die Macher an anderer Stelle ein glückliches Händchen. So steht und fällt die Inszenierung eines Anime natürlich auch mit den visuellen Stilmitteln. Hier darf und soll man sich an Ghibli-Filme erinnern: Kleine Details und träumerische Landschaften sind malerisch umgesetzt. Dieser Stil hält sich fast durchgängig auf einem hohen Niveau und setzt sowohl Harmonie als auch den schrecken des Krieges hervorragend in Szene. An vielen Stellen werden analoge Kunstformen wie Aquarell und Öl auf Leinwand gekonnt eingesetzt. Die Künstler von J.C. Staff wissen sehr wohl, dass sie ihr Handwerk beherrschen und scheuen nicht davor zurück, Experimente und Stilbrüche einzugehen, und diese dem Betrachter direkt vor die Nase zu halten.

Fazit

Die Walkinder ist eine interessante Genremischung, die mit malerischem Zeichenstil und neuen Ansätzen überzeugen kann. Wer von Themen wie Emotionen oder Utopien auch nur ansatzweise unterhalten wird, darf den Anime nicht verpassen. Leider bleibt der unbefriedigende Nachgeschmack, gerade einen überlangen Prolog gesehen zu haben, der womöglich nie einen Nachfolger erhält.

Die Walkinder ist im Stream bei Netflix zu sehen. 

zusätzlicher Bildnachweis: 
© J.C.Staff/Netflix

Die Walkinder PV - Japanisch

The Innocents: Der erste Teaser zu Netflix' übernatürlichen Serie

Die Geschichte der beiden Liebenden Romeo und Julia gehört nicht nur zu den bekanntesten der Welt, sondern wohl auch zu den am häufigsten adaptierten, sodass Shakespeares' Tragödie bereits für etliche Verfilmungen herhalten musste. Im Jahr 2018 wagt nun auch Netflix diesen Schritt und präsentiert mit The Innocents eine übernatürlich Variante des Stoffes.

June und Harry sind unsterblich ineinander verliebt, was jedoch bei ihren strengen Eltern auf wenig Gegenliebe stößt. Damit sie jedoch beim jeweils anderen sein können, entscheiden sie sich, von Zuhause auszureißen und woanders von vorne zu beginnen. Zumindest sollen sie das denken. Denn schon bald merken sie, dass nichts so ist, wie es scheint: Verborgene Geheimnisse stellen ihre Liebe auf eine Probe, während eine ungewöhnliche Gabe alles noch mehr zu verkomplizieren scheint.

Viel mehr geben die ersten bewegten Bilder zur Serie noch nicht preis. Netflix macht ebenfalls noch ein kleines Geheimnis um die Serie. Die Hauptrollend  übernehmen dabei Sorcha Groundsell (Clique) und Percelle Ascott (Wizards vs. Aliens), während Guy Pearce (Alien: Covenant) als Halvorson zu sehen sein wird.

Die Idee zur Serie lieferten dabei Hania Elkington und Simon Duric, der bisher vor allem als Storyboard Artist bei bekannten Produktion wie The Crow oder Star Wars: Das Erwachen der Macht gearbeitet hat. Für die Regie zeigen sich hingegen Jamie Donoughue, die bereits bei der BBC-Netflix-Produktion The Last Kingdom mit an Bord war, und Farren Blackburn (The Defenders) verantwortlich.

Die Dreharbeiten werden in Großbritannien und Norwegen stattfinden, während der genaue Start von The Innocents auf Netflix noch nicht bekannt ist.

The Innocents | Announcement [HD] | Netflix

The Ritual: Trailer zum neuen Horror-Streifen von Netflix

Es sollte eine schöne Gruppenreise für den kleinen Freundeskreis sein, doch die Wanderung in der skandinavischen Wildnis wird in The Ritual zu einem Horrortrip. Netflix hat einen ersten Trailer zum Horrorfilm von David Bruckner (Southbound) veröffentlicht. 

Die einstigen Studienfreunde sehen sich nur noch selten, so kommt die gemeinsam geplante Abenteuerreise Richtung Arktis in die skandinavische Wildnis genau richtig. Doch die Spannungen untereinander steigen, als man merkt, dass man nicht mehr all zu viel gemeinsam hat. Besonders Luke, der einzige der noch Single ist, wird zunehmend unzufriedener. Zudem sind sie nicht sonderlich erfahren und unzureichend für eine derartige Wildniswanderung gerüstet. Eine Abkürzung durch einen Wald soll Erleichterung bringen - doch dieser entpuppt sich als alter Sagenwald voll schrecklicher Gefahren.

Der Film basiert auf dem Roman "Im tiefen Wald" von Adam Nevill, den Joe Barton (Humans) als Drehbuch umsetzte. Die Regie übernahm David Bruckner. 

In den Hauptrollen sind Rafe Spall (The Big Short, Prometheus), Robert James-Collier (Downton Abbey), Arsher Ali (Line of Duty) und Sam Troughton (Alien vs. Predator) zu sehen.

Die kanadisch-britische Produktion lief in Kanada, Irland und Großbritannien bereits im Oktober im Kino. Netflix hat die internationalen Rechte und zeigt The Ritual als Netflix Original. Ein Datum ab wann der Film verfügbar ist wurde noch nicht genannt. 

The Ritual | Official Trailer [HD] | Netflix

Anime-Kritik zu Godzilla: Planet der Monster - Die Echse trampelt zu Netflix

Godzilla: Monster Planet full

Godzilla: Monster Planet full

Seit dem ersten Godzilla-Film von 1954 ist die Riesenbestie in vielen verschiedenen Darstellungen auf der Leinwand gelandet. Vom Schauspieler im Kostüm über CGI bis hin zu Motion Capture sind viele verschiedene Verfahren zum Einsatz gekommen. Hollywood traute sich zuletzt 2014 an den Stoff und ebnete damit weiteren Kaiju-Filmen aus dem sogenannten MonsterVerse von Legendary Pictures den Weg. Im vergangenen Jahr hat der 29. Film der Reihe aus dem Land der aufgehenden Sonne, Shin Godzilla, die menschlichen und bürokratischen Aspekte im Kampf gegen Godzilla in den Vordergrund gestellt.

Nun versuchen sich die japanischen Studios Toho Animation und Polygon Pictures auf Netflix an einem Anime. Godzilla: Planet der Monster heißt der erste Film, geplant ist eine Trilogie, die auf CGI-Animationen setzt. Das mag zwar für viele Fans nicht an einen Menschen im Kostüm herankommen, doch das Studio hat unter anderem mit Ajin: Demi-Human schon sein Können in dem Bereich unter Beweis gestellt.

Damit auch die Handlung nicht auf der Strecke bleibt, hat man sich mit Gen Urobochi (bekannt durch Madoka Magica, Fate/Zero und Psycho-Pass) Japans gefragtesten Anime-Drehbuchautor ins Boot geholt. Der Autor ist bekannt für dramatische Handlungen und plötzliche Wendungen, wird aber dafür kritisiert, Themen zu wiederholen sowie Charaktere sehr einseitig darzustellen. Da es sich bei diesem Godzilla-Film nun aber um einen sehr klaren Antagonisten dreht, kann man diese Sorgen aber fürs Erste ignorieren.

Godzilla: Monster Planet Rücken

Ein verlorener Kampf und die neue Hoffnung

Der erste Anime der Reihe fängt weder in Japan noch New York an: Stattdessen ist die Erde nach Jahrzehnten des Krieges gegen Kaiju verloren. 2048 geben die letzten Überlebenden auf und fliehen mit einem Raumschiff. Die Menschen beginnen eine 20 Jahre lange Reise zum Planeten Tau Ceti e, ein Himmelskörper, der wirklich existieren könnte, nur um bei der Ankunft festzustellen, dass dieser in der Zwischenzeit vollkommen unbewohnbar geworden ist.

Das Leben auf dem Raumschiff beginnt, sich zu verschlimmern, dies macht sich auch an den klinisch weißen Raumanzügen bemerkbar, die inzwischen zerkratzt und schmutzig sind. Waschen ist nicht möglich, das überlebensnotwendige Wasser muss rationiert werden. Der junge Haruo spricht das Offensichtliche aus: Eine Rückkehr zur Erde ist der einzig sinnvolle nächste Zug. Angetrieben wird er dabei von seiner persönlichen Vendetta gegen Godzilla, denn natürlich ist das wichtiger als das Überleben der menschlichen Rasse.

Nachdem das Schiff also wieder zuhause angekommen ist, bemerken die Flüchtigen mit großem Entsetzen, dass für sie zwar nur ein paar Jahrzehnte verstrichen sind, die Erde aber ganze 20.000 Jahre ohne Menschen hinter sich hat. Schuld daran sind bestimmt sehr relevante astrophysische Probleme, aber dafür gibt es ja Christopher Nolans Interstellar - dieser Film geht nur 89 Minuten und schließlich muss noch gegen eine Riesenbestie gekämpft werden!

Godzilla: Monster Planet Kopf

Raumschiffe gegen Godzilla - was kann schon schiefgehen?

Die geringe Spielzeit ist das größte Problem von Godzilla: Planet der Monster und sorgt an vielen Stellen für Ärgernisse, die unter weniger Zeitdruck wahrscheinlich so nicht aufgetreten wären. Die meisten Nebencharaktere sind uninteressant und zwischenmenschliche Beziehungen bleiben irgendwo zwischen militärischem Jargon und Kämpfen zurück. Diese Tatsache kombiniert mit all den identischen weißen Raumanzügen führt zu wenig emotionaler Wirkung, wenn ein Mensch im Kampf gegen Godzilla dramatisch stirbt.

Fairerweise sind in einem Kaiju-Film natürlich die Actionsequenzen wesentlich wichtiger als Charaktere. Studio Polygon Pictures beweist: Godzilla funktioniert als Anime. Nachdem die Handlung förmlich in den dritten Akt gesprintet ist, kommen die Augen vor grandios inszenierten Kampfszenen kaum mehr mit. Mit Sci-Fi-Militärgerät, was dank tollen 3D-Modellen stets stimmig wirkt, wird allen Monstern auf der Erdoberfläche eingeheizt.

Ja, die Filmemacher hetzen schnell zur entscheidenden Konfrontation mit Godzilla und wollen auch noch das Setup für das Sequel schaffen, was das Ende ein wenig unbefriedigend macht. Aber auf dem Weg dahin beweisen die Regisseure handwerkliches Geschick mit einem schönen Farbenspiel und aufregenden Einstellungen, die nur die besondere Prämisse und das Medium ermöglichen.

Fazit

Godzilla: Planet der Monster schafft es erfolgreich, den Grundstein für eine neue Trilogie zu legen und liefert den Beweis, dass ein Godzilla-Anime überfällig war. Man muss kein Fan sein, um den Film zu mögen: Die Handlung ist einfach gestrickt und verlangt keinerlei Durchhaltevermögen wie ein Shin Godzilla. Die kurze Spielzeit von 89 Minuten bringt zwar einige Probleme mit sich, dafür gibt es einiges zu sehen. Alleine als Vorbereitung für das Sequel mit Mecha Godzilla, was im Mai erscheinen soll, ist der Film lohnenswert.

Godzilla: Planet der Monster ist ab heute im Stream bei Netflix zu sehen. 

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Toho Company/Polygon Pictures

『GODZILLA 怪獣惑星』Netflixで1月17日(水)全世界同時配信決定!

Anime-Kritik zu Devilman Crybaby: Sex, Dämonen und Rock 'n' Roll

In den 70er Jahren, als in Amerika die originalen Planet-der-Affen-Filme auf der großen Leinwand zu sehen waren, gab es in Japan ein Eklat, der für das Medium Anime prägend sein sollte. Manga-Zeichner Go Nagai fiel mit einer ungewöhnlich krassen Gewaltdarstellung in seinem neuen Manga Devilman auf. Der 1972 folgende Anime war wesentlich zahmer und konnte nie die dunkle Atmosphäre der Vorlage einfangen, gilt jedoch heute als Klassiker.

Beinahe ein halbes Jahrhundert später erscheint eine Neuauflage unter dem Namen Devilman Crybaby. Heute fühlt sich durch ein paar Blutfontänen niemand mehr angegriffen, weswegen man das Budget für eine treue Adaption des Manga nutzen konnte. Doch Devilman wäre nicht Devilman, wenn es nicht auch 46 Jahre später noch polarisieren könnte.

Kult-Regisseur Masaaki Yuasa entschied sich mit der Unterstützung von Netflix aber nicht nur für eine Umsetzung der grotesken Gewaltorgien, gerade hier im Westen wird dem Zuschauer schnell eine explizite, oft ausufernde Darstellung von Nacktheit und Sex auffallen. Das schockiert vor allem Nutzer, die mit japanischen Serien weniger vertraut sind. Ein Anime gilt bei vielen noch immer als Medium für Kinder und Jugendliche, hier sollte schnell die Altersfreigabe ab 16 Jahren in die Augen springen, eine sogar noch relativ gnädig ausfallende Bewertung.

Devilman Crybaby Demon

Zeitlos, mitreißend und erschreckend relevant

Doch bevor Blut und Gedärme an alle Wände Japans gespritzt werden und sämtliche Putzkräfte überfordern, geht die Geschichte langsam und friedlicher los. Der 16-jährige Akira ist ein normaler Schüler, geradezu unauffällig. Seine einzige besondere Eigenschaft ist ein gutes Herz, weswegen er häufig weint, wenn anderen etwas Schlimmes widerfährt. Wer jetzt schon genau aufgepasst hat, erkennt im Titel der Serie Ähnlichkeiten: Richtig, Akira ist das angesprochene Crybaby (eine Heulsuse).

Sein gleichaltriger Freund Ryo taucht eines Tages mit Pelzmantel, Sportwagen und Maschinenpistole aus dem Nichts wieder auf. Er ist anders als Akira: Blond, gutaussehend, intelligent, reich und vollkommen empathielos. Weil die Beziehung der beiden etwas mehr als platonisch ist und Waffen im urbanen Japan von Devilman Crybaby, was eher einem dystopischen Amerika gleicht, keine Seltenheit sind, steigt Akira natürlich in Ryos Wagen.

Frisch von einer Forschungsreise in Südamerika zurück, ist Ryo besessen von der Idee, Dämonen mischen sich unter das normale Volk, töten auf Orgien und geheimen Drogenparties Feiernde und übernehmen deren Körper. Prompt wird eine solche Veranstaltung aufgesucht, um Beweise zu finden. Nach diversen Exzessen mit oberkörperfreien Damen zeigen sich die Dämonen natürlich prompt, um die besagten Gäste wortwörtlich von ihrem Oberkörper zu befreien.

Soll heißen im nächsten Moment fliegen Torsos und etliche weitere Gliedmaßen durch die Luft, während intoxikierte Tanzende langsam verstehen, dass die Gewalt keine “Vision” ist. Ryo schafft es, den schockierten Akira mit einem Dämon zu fusionieren, der danach aber noch, wenigstens charakterlich, ein Mensch bleibt. Die Heulsuse wird also zum Dämonenmann oder eben Devilman mit allen Vorzügen wie übermenschlichen Kräften.

Devilman Crybaby als eine treue Adaption des Manga zu bezeichnen, mag für viele schon nach der ersten Folge absurd klingen. Regisseur Masaaki Yuasa hat das Werk an vielen Stellen verändert, aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen muss die Geschichte in zehn Folgen mit jeweils 24 Minuten Spielzeit passen. Das funktioniert hervorragend, da Yuasa diese augenscheinliche Schwäche der Umsetzung für sich genutzt hat.

Erzählte Zeit ist ein wichtiger Punkt in Devilman Crybaby. Anfangs braucht jede Minute lange, um Geschehnisse zu bebildern, wenige Stunden, danach Tage vergehen. Doch nachdem die Dämonen auftauchen, verändert sich nicht nur der Körper des Protagonisten Akira. Die Gewalt nimmt zu, die Welt verändert sich ins Groteske. Wochen vergehen in einzelnen Episoden, bald Monate, wenn nicht sogar mehr. Alle Aspekte der Erzählung sind perfide getaktet, das Skript läuft anders ab als in der Vorlage, jedoch passend zum Medium.

Weitere Elemente, die man als abweichend vom Manga ansehen könnte, sind eine Metaebene, die die alte Serie in der neuen integriert, und den Tausch von Antikriegs-Thematiken gegen Kritik an Homo- und Xenophobie sowie Rassismus. Diese Änderungen passen aber wiederum perfekt in das abgebildete Japan. Wie erwähnt, erinnert es an eine Dystopie eines urbanen Amerikas. Drogen, Waffen und Slums sind weit verbreitet, Gangs regieren die Straße. Hier hat das Produktionsteam sogar bekannte japanische Rapper an Bord geholt, das Ergebnis kann sich, wie der Rest des brillanten Soundtracks, hören lassen.

Devilman Crybaby Men

Oldschool, aber gleichzeitig erfrischend

Nachdem jeder Zuschauer anfangs von den hochbrutalen und geradezu absurden Kampfszenen abgeschreckt worden ist, steht die Frage im Raum, wie man diese einordnen soll. Natürlich ist es immer wieder erstaunlich und lehrreich, wie viel Blut denn in so einen winzigen menschlichen Körper hineinpasst und herausgepresst werden kann, aber ist die Gewalt in Devilman Crybaby ein Selbstzweck?

Man könnte dies einfach dem Stil und Aufbau des Produktionsteams zuschreiben. Die Bilder und Animationen sind ganz anders als bei vergleichbaren, modernen Anime-Serien. Monochrome Sequenzen sind perfekt auf dramatische Szenen im Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation abgestimmt. Malerische Szenen mit schwachen Outlines und hervorgehobenen Arm- und Beinbewegungen charakterisieren und grenzen Menschen von Dämonen ab. Yuasa ließ sogar einzelne Animatoren die gesamten Schlüsselframes einer ganzen Episode zeichnen. Damit hatte Devilman Crybaby eine wesentlich größere kreative Freiheit als besagte moderne Produktionen.

Ob die Gewalt eine spezifische Entscheidung von ihm gewesen ist, beantwortet der Regisseur schließlich in einem Interview. Die explizite Darstellung sei wichtig für die Botschaft von Manga-Zeichner Nagai, so Yuasa. Diese Botschaft sei auch heute noch genauso relevant, weshalb die getreue Darstellung sich lohne. Ohne der Handlung viel vorwegzunehmen, spielt Yuasa auf eine Verschiebung der Gewalttaten von Dämonen auf Menschen an. Zerteilen anfangs noch ausschließlich Dämonen Haut, Muskeln und Knochen, so zeigt sich die gnadenlose Brutalität der Menschen schnell. Das funktioniert und sorgt für einer schauerlichen zweiten und dritten Akt, die eben wesentlich mehr bieten als Körperflüssigkeiten und nackte Haut.

Fazit

Devilman Crybaby ist erschreckend, hypnotisch und nachdenklich. Hervorragend ausgearbeitete Animationen machen die Serie in ihren hitzigen und ruhigen Momenten zu einem Augenschmaus, auch für Cineasten. Der Anime ist außerdem etwas für Zuschauer, die sonst nichts mit dem Medium zutun haben oder alte Füchse, die sich die Trickfilme des vergangenen Jahrhunderts zurückwünschen. Aber bitte nur die abgebrühtesten Teenager (und Eltern) mitschauen lassen. Der Soundtrack wird noch lange in Erinnerung bleiben, zusammen mit Szenen, die schon The End of Evangelion inspiriert haben.

Alle zehn Episoden von Devilman Crybaby gibt es im Stream bei Netflix zu sehen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

DEVILMAN crybaby | Trailer [HD] | Netflix

Verschlungen, genossen, zusammen gesehen: Das Netflix-Jahr 2017

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Netflix ist aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken. Täglich konsumieren über 109 Millionen Mitglieder aus 190 Ländern mehr als 125 Millionen Stunden Filme und TV-Serien über die Streamingplattform. Für 2017 hat Netflix sich die Sehgewohnheiten etwas genauer angesehen und präsentiert auch der Öffentlichkeit einige Statistiken, wenn auch ohne allzu viele konkrete Zahlen zu nennen.

Zum täglichen Leben gehört Netflix vor allem in Mexico, doch auch in der Antarktis gibt man "Netflix & Chill" eine ganz eigene Bedeutung - zumindest bei einer Person ist dort die Serie Shameless sehr beliebt. Dafür sah ein deutsches Mitglied während des Jahres 340 Mal Ocean's Eleven - ob das schon als Training für ein mögliches Superverbrechen gilt?


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Auf Basis der Daten vom 1. November 2016 bis 1. November 2017 wurden jeweils die zehn Serien ausgemacht, die wahlweise genossen oder verschlungen wurden. Als genossen gilt, wenn eine Serie pro Tag weniger als zwei Stunden gesehen wurde. Entsprechend hat man mit über zwei Stunden eine Serie eher verschlungen.

Mit diesen Serien ging man es in Deutschland eher gemächlich an:


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Bei diesen wiederum konnten wir uns nicht zügeln:


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Gemeinsam ist es doch noch am schönsten, oder? Manche Serien und Filme sieht man am liebsten mit einem festen Freundeskreis oder der Familie. Die Favoriten dafür waren im Jahr 2017:


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Doch wie in manchen Beziehungsgeflechten möglich, kann es passieren, dass man hintergangen wird. Bei folgenden Serien hielt es mindestens einer nicht aus und sah alleine weiter. Die Daten stammen von einer Umfrage unter 60.000 Netflix-Mitgliedern, die vom 24.-30. Oktober getätigt wurde. 


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Bei der großen Auswahl an Anbietern und Serien müssen sich viele ihre Medienzeit gut einteilen. Schon längst ist es unmöglich, auch nur ansatzweise alles zu sehen. Auf was freut ihr euch 2018 besonders?

zusätzlicher Bildnachweis: 
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