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Netflix bestellt weitere Mystery-Serie

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Netflix hat eine weitere Jugend-Mystery-Serie bestellt. Chris Keyser (Party of Five) soll das noch namenlose Projekt entwickeln und auch die Drehbücher schreiben.

Die Grundhandlung spielt in West Ham, einer idyllischen Kleinstadt in New England. Nachdem sich ein stechender, möglicherweise giftiger, Gestank breit macht, entscheiden die Eltern, ihre Kinder mit einem Bus in Sicherheit zu bringen. Auf mysteriösen Wege tauchen die über 200 Teenager mitten in der Nacht wieder in New Ham auf. Der Gestank ist weg, aber auch ihre Eltern sind verschwunden. Zudem wird jede Straße in und aus dem Dorf auf einmal von einem dichten Wald blockiert. 

Als Regisseur wurde Marc Webb (The Amazing Spider-Man, Limitless) verpflichtet. Die Dreharbeiten sollen im September beginnen. 

Invisible Cities: Netflix bestellt neue brasilianische Serie

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Nach dem Erfolg der dystopischen Serie 3% bestellt Netflix mit Invisible Cities seine zweite Eigenproduktion aus Brasilien. Regisseur Carlos Saldanha soll das Projekt für den Streaminganbieter entwickeln.

Saldanha war bereits zweimal für den Oscar nominiert. Er hat an Animationsfilmen wie Ice Age, Rio und Ferdinand mitgearbeitet.

Die Liebe und Kenntnis der vielfältigen Kultur seines Heimatlandes kann er in der neuen Serie ebenso einbringen wie seine Fähigkeit, insbesondere Natur und Landschaft mit einem ganz eigenen Blickwinkel filmisch umzusetzen.

Invisible Cities führt in die Untergrund-Welt von Brasilien, die von mythischen Kreaturen bewohnt wird. Die Wurzeln liegen tief in alten Legenden und brasilianischer Folklore. Bei Ermittlungen zu einem Mordfall, gerät ein Kriminalbeamter zwischen die Linien im Kampf der zwei Welten.

Der in Brasilien bekannte Schauspieler Marco Pigossi übernimmt die Hauptrolle. Bevor es gegen Ende des Jahres an die Dreharbeiten von Invisible Cities geht, steht aber noch ein anderes Netflix-Projekt für ihn an. Er wird auch bei Tidelands, einem Krimi mit übernatürlichen Elementen, beteiligt sein. In der ersten australische Netflix-Eigenproduktion gibt Pigossi sein Debut als Schauspieler in einer englischsprachigen Produktion.

Weitere Darsteller für Raising Dion, Lovecraft Country und V-Wars

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Netflix und HBO erweitern fleißig die Darstellerriege ihrer neuen Projekte. So gibt es auch Neuigkeiten zu den drei Genre-Projekten Raising Dion, Lovecroft Country und V-Wars.

Jason Ritter (Parenthood, Gravity Falls) übernimmt die männliche Hauptrolle in Raising Dion. Die Serie erzählt die Geschichte eines Superhelden aus der Sicht einer ohne magische Superkräfte ausgestatteten Mutter. Nach dem Tod ihres Mannes zieht Nicole Reese ihren Sohn Dion alleine groß. Zu den Problemen des Alltags kommt hinzu, dass Dion diverse Superkräfte entwickelt. Mit der Hilfe eines guten Freundes (Ritter) will Nicole dem Ursprung dieser Kräfte auf den Grund gehen und muss zugleich Dion vor ausbeuterischen Antagonisten beschützen.

Nach Jonathan Majors und Jurnee Smollett-Bellp verkündet HBO mit Courtney B. Vance (Terminator Genisys), Aunjanue Ellis (The Mentalist) und Elizabeth Debicki (Guardians of the Galaxy) Zuwachs für den Cast von Lovecroft Country.

Dabei handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Matt Ruffs. Held von Lovecraft Country ist Atticus Black, der gemeinsam mit seinem Onkel George und seiner Nichte Letitia auf der Suche nach seinem verschollenen Vater ist. Der Roman spielt in den USA der 50er-Jahre. So haben die Hauptcharaktere nicht nur mit übernatürlichen Monstern, obskuren Sekten und Spukhäusern, sondern auch ständigen rassistischen Vorurteilen und Angriffen zu kämpfen.

Auch Ian Somerhalder bekommt Gesellschaft. Neben Adrian Holmes stößt auch Peter Outerbridge (The Expanse, Nikita) zur Darstellerriege von V-Wars. Netflix setzt den gleichnamigen Comic von Jonathan Maberry und Alan Robinson als Serie um.

Der Ausbruch eines alten Virus teilt die Menschheit in zwei Lager: Menschen und Vampire. Während manche eine friedliche Lösung suchen, wollen viele Vampire die Macht übernehmen. Die Vampirkriege beginnen.

William Laurin und Glenn Davis (Missing, verzweifelt gesucht / Aftermath) bilden das Showrunner-Team. Brad Turner (Stargate, Stargate Atlantis) ist ausführender Produzent und übernimmt zudem die Regie.

 

Griechische Mythologie modern interpretiert: Netflix bestellt neue Serie Kaos

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Mit The End of the F***ing World gelang Charlie Covell ein starkes Debut bei Netflix. Nun bestellte der Streaminganbieter eine Fantasy-Serie von der Britin: Kaos.

In vorerst zehn einstündigen Episoden sollen bekannte alte griechische Mythen und Sagen neu interpretiert in die Gegenwart geholt werden. Dabei werden Themen wie Gleichberechtigung, Macht und das Leben in der Unterwelt beleuchtet.

Charlie Covell entwickelt und schreibt die Serie selbst. Noch ist nicht bekannt, wer in Kaos zu sehen sein wird oder für wann eine erste Ausstrahlung geplant ist.

Away: Netflix bestellt neue Sci-Fi-Serie

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Geschichten über Reisen zum Mars sind in, da will Netflix natürlich auch mitmischen. Der Streaminganbieter hat mit Away eine weitere Sci-Fi-Serie als Eigenproduktion bestellt.

Inspiriert wurde die Idee vom gleichnamigen Esquire-Artikel von Chris Jones. Im Zentrum steht die erste bemannte Reise zum Mars. Astronautin Emma Green muss für diesen Traum ihren Mann und Tochter auf der Erde zurücklassen, um eine internationale Crew bei dieser gefährlichen, langen Mission zu leiten. Away soll dabei eine Serie sein, die die Themen Hoffnung, Menschlichkeit und warum wir eineinder brauchen, um großartige Ziele zu erreichen, in den Vordergrund stellt.

Andrew Hinderaker (Penny Dreadful, Pure Genius) entwickelt und schreibt die Serie für Netflix.

Der Glöckner von Notre Dame: Netflix plant Neuverfilmung mit Idris Elba

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Idris Elba in The Dark Tower

Idris Elba hat großes vor. So überlässt Netflix dem beliebten britischen Schauspieler nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Regie, einen Produzentenplatz und die Entwicklung der Musik für ihr gemeinsames Projekt: Eine Neuverfilmung von Der Glöckckner von Notre Dame.

Dabei soll es sich um eine moderne Interpretation von Victor Hugos Romanvorlage aus dem Jahr 1831 handeln. Michael Mitnick (The Current War) schreibt das Drehbuch. An Elbas Seite stehen die Produzenten Fred Berger (La La Land) und Brian Kavanaugh-Jones (Midnight Special).

Hugos tragische Geschichte über den versteckt lebenden buckeligen Glöckner und der schönen Zigeunerin Esmeralda wurde vielfach für Film, Theaterstücke, Musicals und viele weitere Formen umgesetzt. Am bekanntesten ist die Disney-Version aus den 90er-Jahren, auch wenn diese wie oft bei Disney vom Originalstoff reichlich abweicht.

Für wann eine Veröffentlichung bei Netflix geplant wird, ist noch nicht bekannt.

Netflix gibt niederländische Horrorserie in Auftrag

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Netflix setzt weiter stark auf eigene Serien - und fantastische Inhalte. Diesmal bestellt der Streaminganbieter erstmals aus den Niederlanden eine Eigenproduktion. Noch ist das Projekt namenlos.

Ausgangspunkt der geplanten Horrorserie ist das moderne, liberale Amsterdam. Eine Gruppe niederländischer Studenten genießt die Stadt und ihre Jugend, den Sex, ihren Reichtum und Macht. Doch wie sie feststellen müssen, gibt es Regeln, die man besser nicht bricht. Unbeabsichtigt öffnen sie ein Portal in eine dämonische Welt aus dem 17. Jahrhundert, der Blütezeit der Niederlande.

Pieter Kujipers wurde mit der Entwicklung der Serie beauftragt:

"Hier werden zwei Genre kombiniert: Coming of Age und Horror. Auf subtile Art zeigt die Serie die skrupellose Vergangenheit der Niederlande auf, die uns unseren Reichtum brachte."

Die Dreharbeiten zur ersten Staffel, die aus acht je 30-minütigen Episoden besteht, beginnen noch dieses Jahr. Die Veröffentlichung ist für 2019 angesetzt. 

Haus des Geldes: Netflix überrascht mit Ankündigung von Teil 3

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Haus des Geldes ist einer der Überraschungshits der letzten Monate auf Netflix. Obwohl der spanische Heimatsender Antena 3 eine Fortsetzung verneinte, hat der Streaminganbieter zugegriffen und produziert einen weiteren Teil in Eigenproduktion.

In Spanien feierte die Serie unter dem Titel La Casa de Papel bereits im Mai 2017 Premiere. Die erste Staffel (in diesem Fall Teil genannt) war seit Ende Dezember international über Netflix verfügbar. Die abschließenden 9 Folgen von Teil 2 erschienen am 6. April.

Wie genau die Fortführung inhaltlich aussehen wird - also ob man mit bereits bekannten Darstellern anknüpft oder ein komplett neuer Fall mit neuem Cast übernimmt - ist noch nicht bekannt.

In insgesamt 22 Episoden erzählt Haus des Geldes in zwei Teilen von einem gewieften Überfall auf die nationale Banknotendruckerei Spaniens. Der Professor hat die Aktion sein halbes Leben lang minutiös geplant und sucht ein Team aus spezialisierten Kriminellen zusammen, die nichts mehr zu verlieren haben. 5 Monate lang trainieren sie den Überfall auf einem abgelegenen Landsitz. Wichtige Regel: Niemand darf verletzt werden. Man braucht das Wohlwollen der Bevölkerung. Man klaut von niemanden direkt, sondern druckt sich mehrere Milliarden Euro selbst. Daher ist Zeit gleich Geld. Entsprechend gibt es diverse Ablenkungsmanöver, um die Polizei hinzuhalten und so möglichst lange mit den Geiseln in der Bank bleiben zu können.

Auch dürfen keine realen Namen verwendet werden. Neben dem Mastermind "Der Professor" sind so Tokio, Rio, Berlin, Nairobi, Moskau, Denver, Oslo und Helsinki die Hauptcharaktere. Natürlich kommt es dennoch zu viel Zwischenmenschlichen.

Haus des Geldes begeistert in guter alter Heist-Movie-Manier und erinnert mitunter an Genrefilme wie Ocean's Eleven und Inside Job. Allerdings kombiniert mit eher mauen Momenten, die eher an seichte Vorabendfilme erinnern. Qualitativ also durchwachsen, dennoch wird die Serie von Publikum und Kritikern hoch gelobt.

Netflix hat die neuen Episoden von Haus des Geldes für 2019 angekündigt.

Haus des Geldes [La Casa de Papel] NETFLIX Trailer GERMAN/DEUTSCH

Bella Ciao - La casa de papel (cena)

Anime-Kritik zu A.I.C.O. Incarnation: Aus dem Rollstuhl in den Mech

AICO Titelbild

AICO Titelbild

Als ein bekanntes Gesicht ihr neuer Mitschüler wird, steht die 15-jährige Aiko Tachibana vor Erstaunen von ihrem Platz im Klassenzimmer auf. Ihre Klassenkameraden starren stattdessen sie an, schließlich steht sie gerade zum ersten Mal - die Schülerin ist eigentlich an einen Rollstuhl gebunden. Schon in der Antike galten rätselhafte medizinische Genesungen schnell als Wunder, auch im Japan des Jahres 2035 scheint sich dies nicht geändert zu haben. Doch Aiko, die seltsam ähnlich klingende Protagonistin des neuen Netflix-Anime A.I.C.O. Incarnation, hat schon mehr als ein Wunder erlebt.

Zwei Jahre zuvor ist ihre gesamte Familie in einer Forschungseinrichtung umgekommen, Aiko hat nur ihre Fähigkeit zu gehen eingebüßt und ist sonst rätselhafterweise vollkommen unbeschadet. Die nachfolgende Umweltkatastrophe hat einen großen Landstrich Japans mit der sogenannten Substanz verschmutzt, einer intelligenten organischen Masse, die an menschliches Gewebe erinnert. Jeder Zuschauer der Serie merkt schnell: An Aiko Tachibana ist etwas faul. Ein Wunder mag als Setup für einen Protagonisten normal sein, aber gleich zwei? Und wie hieß der Anime noch gleich? Ach ja.

Das Mystery-Kartenhaus

Der Teil der Zuschauerschaft, der sich zu diesem Mysterium zu viele Gedanken macht, kann schon gar nicht mehr gewinnen. Legen wir die Karten auf den Tisch: Eine Serie, die mit einem so offensichtlich komplizierten Namen geradezu hinausschreit, dass der Name der Hauptfigur auch eine Abkürzung darstellt, macht keinen cleveren Ersteindruck. Ja, dieser Sci-Fi-Anime steht und fällt mit seinen Wendungen und Geheimnissen. Und ja: Diese Wendungen werden sehr schnell sehr vorhersehbar. Dem sollten sich eigentlich auch die Drehbuchautoren bewusst gewesen sein, so möchte man jedenfalls glauben. Soll der Anime also auch mit offensichtlichen Twists weiterhin wirken, darf das Kartenhaus der einzelnen Handlungsteile nicht schon beim ersten Blick in sich zusammenstürzen. Das versucht das Studio auch verzweifelt zu realisieren, stellt dabei aber zu viele Fragen und unnatürliche Entwicklungen in den Weg, die den Zuschauer vom Kernproblem ablenken sollen.

AICO Tentakeln

Das fängt schon mit dem weiteren Handlungsablauf, nach dem Wunder im Klassenzimmer an. Aikos neuer Mitschüler überredet sie, ihn auf ein Himmelfahrtskommando in das, mit der Substanz verseuchte, Gebiet zu begleiten. Das normale 15-jährige Mädchen vertraut dem fremden Jungen, den sie nun seit einem halben Tag kennt. Sie glaubt ihm, dass ihre Familie in der Forschungseinrichtung überlebt hat. Sie glaubt ihm auch, dass ihr echter Körper in der besagten Forschungseinrichtung liegt und ihr jetziger Körper aus den gleichen künstlichen Zellen, wie die Substanz besteht. Warum sie mit einem fortschrittlichen Körper dann in einem Rollstuhl saß, fragt sich in der Situation natürlich niemand.

Nach der Vorstellung von künstlichen Zellen in der zweiten Folge scheinen die Autoren vorerst all ihr Pulver verschossen zu haben. Die biologischen Strukturen werden ab sofort benutzt, um alles mögliche zu erklären, was dann noch mehr Fragen über deren Eigenschaften aufwirft. Die Zellen sind beispielsweise in den Exoskeletten des Himmelfahrtskommandos eingebaut, bilden aber auch gleichzeitig die Grundlage für die gefährliche Substanz. Diese scheint mit einer eigenen Intelligenz ausgestattet zu sein, was entgegen aller bisherigen Erklärungen in der Serie steht. Warum kann sich die Biomasse selbstständig ausbreiten? Sind die Zellen dann nicht schon ein Kollektiv aus Organismen geworden? Warum sind die Zellen in den Schutzanzügen anders?

Diese klaffenden Logiklücken in der Wissenschaft um künstliche Zellen in A.I.C.O. Incarnation werden zwar nie geschlossen, aber auch die Begründungen für grundlegende Geschehnisse erfolgt leider erst im Finale. Dazwischen gibt es acht Folgen Action und mehr Handlungen, in denen die dargestellte Welt es nicht schafft, konsistent zu den selbst etablierten Regeln zu bleiben. Die Prämisse für die gestreckten Inhalte wirft, wie gewohnt, viele Fragen auf. Aiko und ihr neuer Mitschüler brechen mit einem Team Söldner in Mechs und anderen futuristischen Gefährten zur Forschungseinrichtung auf, dem Ursprung der Substanz. Dort soll der echte Körper der 15-Jährigen liegen, mit einem künstlichen Gehirn. Um ihr Leben zu retten, wurde nämlich am Tag der Katastrophe ihr echtes Hirn in einen künstlichen Körper transferiert, was wiederum durch einen Fehler in der Prozedur die Substanz ins Leben gerufen hat. Der kluge Plan ihres Mitschülers: Kehrt man zur Einrichtung zurück und macht die Operation rückgängig, verschwindet die Substanz. Einfach so.

Nach Mordor wandern - mit Laserwaffen

Akzeptiert er für eine Sekunde, dass die Operation wirklich eine riesige Umweltkatastrophe rückgängig machen kann, fällt dem Zuschauer schnell auf, warum es in der Mitte der Serie kaum Handlung gibt. Die Abenteuergruppe um Aiko, ihren Mitschüler und die Söldner (die so dünn charakterisiert wurden, dass ihre Namen kaum relevant sind) geht und fährt langsam durch das verseuchte und gefährliche Gebiet zu der besagten Forschungseinrichtung. Hier tritt das klassische Herr-der-Ringe-Problem noch mal verstärkt auf: Warum fliegt die Gruppe nicht nach Mordor? Im futuristischen Japan ist man dafür nicht mal auf Gandalfs Wunder-Adler angewiesen, ein herkömmlicher Helikopter hätte ausgereicht. Geld genug ist da: Das Team nutzt fortschrittliche Laserwaffen und Mechs mit der Bewaffnung einer kleinen Armee.

AICO Kampf

Also liefert die Serie acht Episoden am Stück mittelmäßige Action mit 3D-Robotern gegen 3D-Tentakeln, dazwischen wird gewandert. In der Zeit entsteht nicht einmal annähernd eine Chemie zwischen den Charakteren, die Autoren nutzen Interaktionen lieber, um die Überraschung zur Wendung im Finale zu schwächen. Keine Episode vergeht, in der nicht mit Zaunpfählen gewunken wird. Damit sieht auch jemand, der die Hälfte der Serie verschlafen hat, den nächsten Twist kommen. Ist das Finale dann da, setzt die Serie alles auf ihre ja so plötzliche Wendung. Könnte diese wirklich den Zuschauer mitreißen, wäre sie sogar gut inszeniert. So kommt es einem leider vor, als hätte Rob Stark in Game of Thrones eine ganze Staffel vor der Roten Hochzeit jede Episode erwähnt, dass er hofft, auf seiner Hochzeit würde ihn niemand verraten und alle Anwesenden umbringen.

Zu der Animation und Bildgestaltung muss sich A.I.C.O. Incarnation nicht so viel Kritik gefallen lassen. Die Serie sieht gut aus und die Action kann noch gut unterhalten. Kämpfe mit den Mechs sind Genre-Standardkost, aber dank langer Erfahrung des Studios durchaus ansehnlich. Viele Einstellungen werden für Sequenzen in der Vergangenheit effektiv wiederverwendet und sorgen damit an mancher Stelle immerhin für einen optischen Aha-Effekt. Manchen Zuschauern wird der üppige CGI-Einsatz in den sonst gezeichneten Bildern missfallen, aber hier muss man die Serie nicht für einen Trend in der Industrie kritisieren. Auch mit Netflix-Budget ist die Produktion einer modernen Anime-Serie noch immer sehr aufwendig und geschieht mit vergleichsweise kleinen Teams.

Fazit

A.I.C.O. Incarnation hätte eine etwas generische, aber amüsante Sci-Fi-Serie werden können. Das schlechte Drehbuch verhindert dies leider zu einem großen Teil und macht den Anime, wenn überhaupt, zu mittelmäßigem Popcornkino. Die Action ist zwar ansehnlich, leidet aber unter Repetition. Wer eine kurze, actionreiche Serie sucht, findet zahlreiche, bessere Alternativen. Dieser Anime hätte, wie seine Protagonistin, nicht einmal ein Wunder gebraucht, sondern nur bessere Drehbücher.

A.I.C.O. Incarnation ist im Stream bei Netflix zu sehen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Bones/Netflix

A.I.C.O. -Incarnation- | Teaser [HD] | Netflix

Anime-Kritik zu Die Walkinder: Ein Meer voller Lügen

Die Walkinder Titel

Die Walkinder Titel

Ziellos treibt eine Insel aus Lehm über das Meer, an Bord leben ein paar Hundert Menschen in einer pazifistischen Utopie. Keiner der Bewohner kennt ein anderes Leben, die Insel namens Mud Whale (frei übersetzt: Schlammwal) steuert kein Land an, Isolation wird zur Normalität. In der scheinbaren Utopie der neuen Anime-Serie Die Walkinder auf Netflix herrscht ein vollkommen anderes Selbstverständnis: Selbst das Meer, auf dem die Insel treibt, füllt anstatt auch nur einem Tropfen Wasser lediglich endloser Sand.

In Die Walkinder erschafft das Studio J.C.Staff eine Ghibli-typische Fantasiewelt und füllt selbst eine beige Wüstenlandschaft mit harmonischen Farben. Eine neue Perspektive kriegt die Serie mit einem geschickten Stimmungswechsel. In Feinarbeit wird die anfänglich kindgerechte Illusion von Frieden nach und nach gnadenlos dekonstruiert. Der Zuschauer erkennt aus einer realistischen Perspektive heraus natürlich schnell Ungereimtheiten in der Handlung, neu ist jedoch der Umgang mit diesem beobachtenden Blick.
Noch mehr als Sand sind im Anime nämlich Lügen vorhanden. Die ganze Realität der Protagonisten ist durch Trug und Täuschung bestimmt. So viel sogar, dass der Zuschauer schnell aus dem Blick verliert, wo denn jetzt die wirklich relevante Wahrheit versteckt ist. Wer gedanklich einem Red Herring hinterherjagt, stellt schnell fest, dass es im Sand ja keine Fische geben kann und plötzlich Blut die dominanteste Flüssigkeit auf dem Bildschirm ist, nicht Wasser. So wird aus der Utopie dann doch rasant eine Dystopie.

Wenn Kinder zu Kämpfern werden

Mit einem Blick in den Alltag auf dem Mud Whale beginnt Die Walkinder langsam. Die auf dem Sandmeer treibende Insel erinnert an ein Kreuzfahrtschiff aus Lehm und beherbergt eine ähnliche Zahl an Passagieren. Die Bevölkerung steckt in einem feudalen Leben fest, das von Ernte und Regen bestimmt wird. Nahrungsknappheit ist auf der dürren Seefahrt schließlich immer eine Gefahr. Der Zuschauer muss kein Verständnis von Demografie haben, um schnell einen kuriosen Altersdurchschnitt zu erkennen. Der schwimmende Schauplatz beherbergt überdurchschnittlich viele Kinder und junge Erwachsene.

Der vierzehnjährige Protagonist Chakuro gilt somit als einigermaßen reif und ist schon in das Berufsleben eingestiegen. Als Archivar überwacht er Aufzeichnungen aller Einwohner des Schiffs und weiß somit bestens Bescheid über die Gründe des Altersdurchschnitts - so glaubt er jedenfalls. Ein Großteil der Menschen auf dem Mud Whale verfügen über magische Fähigkeiten, mit denen sie etwa Objekte levitieren lassen können. Der Preis ist ein früher Tod: Kaum ein junger Magier erreicht die Dreißig.

Die Walkinder - Protagonisten

So präsentiert die Serie auch gleich am Anfang eine interessante Kultur: Da der Tod alltäglich ist, gibt es einen anderen Umgang mit dem Thema. Auf der Beerdigung, natürlich ohne Erde und mit viel Sand, sollen selbst kleine Kinder nicht weinen. Das klappt natürlich nicht immer, aber es herrscht keine bedrückende Stimmung - die Einwohner des Mud Whale leben herzlich und mit Freude.

Natürlich hält diese Harmonie dank einer Entdeckung von Chakuro nicht lange an und wird mit einem emotionalen Vorschlaghammer zerschmettert. Eines Tages macht die Bevölkerung eine kuriose Entdeckung: Eine andere Insel driftet in der Ferne. Das Team um Chakuro und Freunde macht sich sofort auf, um das neue Land auszukundschaften, ehe es unerreichbar ist. Der Nachwuchsschreiberling entdeckt dabei die gleichaltrige Lykos, die ihn erschöpft mit ihrer Magie angreifen will. Nachdem sie sich beruhigt hat, bringen die Abenteurer das Mädchen auf den Mud Whale.

Lykos scheint zwar überrascht von dem kleinen Paradies, wirkt jedoch entfremdet von den frühen Toden der Bewohner - obwohl ihr, nach dem Wissen von Chakuro, mit eigenen Fähigkeiten auch ein Ableben Ende Zwanzig droht. Der verschwiegene Ältestenrat ist schockiert von der Anwesenheit des Mädchens, und Chakuro gerät gegen den Willen der Erwachsenen an geheimes Wissen. Lykos ist eine Apátheia, eine Kämpferin des mysteriösen Imperiums, die ihre Emotionen verloren hat. Natürlich lassen die kriegerischen Kameraden von Lykos nicht lange auf sich warten. Die pazifistischen Kinder des Mud Whale stehen erstmals in seiner langen Geschichte vor einem gewalttätigen Konflikt.

Die Walkinder - Malerei

Viel Vorgeschichte und wenige Konsequenzen

Schon nach wenigen Folgen ist der wahre Charakter der Anime-Serie erkennbar. Der Sonnenschein über dem Mud Whale verschwindet hinter einem nicht gerade subtilen Schleier aus Gewalt. Der mysteriöse Aspekt von Die Walkinder bleibt aber durch die gesamte Handlung erhalten und setzt sich mit der Aufdeckung eines umfangreichen Lügenkonstrukts von der Konkurrenz ab. Gegen Ende manifestieren sich dann die Schwächen eines Drehbuchs, das gleichzeitig brutal, ruhig und geheimnisvoll ist. Es bleibt wenig Zeit, um mit dem aufgedeckten Wissen Szenarien zu konstruieren, und mit der Einführung von neuen Charakteren im Finale endet der Anime mit vielen Fragen. Eine zweite Staffel ist nicht bestätigt, und so wirkt die Serie unvollendet wie ein Prequel, das einer größeren Geschichte den Weg ebnen soll.

Auch muss der Zuschauer schnell hinnehmen, dass Die Walkinder sich in nur zwölf Folgen wenig Zeit nimmt, Charaktere zu entwickeln. Dabei bilden die Hauptcharaktere mit dem ruhigen Chakuro, der emotionslosen Lykos und dem eiskalten Ouni eine interessante Dreiecksbeziehung. Die verschiedenartigen Figuren können fast so etwas wie eine Chemie aufbauen, doch das charmante Zusammenspiel endet immer wieder schnell als Vehikel, um den Plot voranzubringen. So bleibt es dann doch bei vorhersehbaren Rollen, wenn Chakuro Lykos spielerisch beibringt, Emotionen zu verstehen. Weniger überraschend sind somit natürlich auch die eindimensionalen Nebencharaktere. Davon gibt es viele, aber offensichtlich nicht genug, sodass das Studio entschied, im Finale noch ganz neue Fraktionen einzuführen. Ein wenig nachvollziehbarer Schachzug, der den Zuschauer mit vielen Fragen zurücklässt.

Zum Glück beweisen die Macher an anderer Stelle ein glückliches Händchen. So steht und fällt die Inszenierung eines Anime natürlich auch mit den visuellen Stilmitteln. Hier darf und soll man sich an Ghibli-Filme erinnern: Kleine Details und träumerische Landschaften sind malerisch umgesetzt. Dieser Stil hält sich fast durchgängig auf einem hohen Niveau und setzt sowohl Harmonie als auch den schrecken des Krieges hervorragend in Szene. An vielen Stellen werden analoge Kunstformen wie Aquarell und Öl auf Leinwand gekonnt eingesetzt. Die Künstler von J.C. Staff wissen sehr wohl, dass sie ihr Handwerk beherrschen und scheuen nicht davor zurück, Experimente und Stilbrüche einzugehen, und diese dem Betrachter direkt vor die Nase zu halten.

Fazit

Die Walkinder ist eine interessante Genremischung, die mit malerischem Zeichenstil und neuen Ansätzen überzeugen kann. Wer von Themen wie Emotionen oder Utopien auch nur ansatzweise unterhalten wird, darf den Anime nicht verpassen. Leider bleibt der unbefriedigende Nachgeschmack, gerade einen überlangen Prolog gesehen zu haben, der womöglich nie einen Nachfolger erhält.

Die Walkinder ist im Stream bei Netflix zu sehen. 

zusätzlicher Bildnachweis: 
© J.C.Staff/Netflix

Die Walkinder PV - Japanisch

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