Nostalgie in Serie: DuckTales - Neues aus Entenhausen (1987) (2/3)

Wer den ersten Teil der Reihe noch nachholen möchte, wird hier fündig.

Die reichste Ente der Welt … mit Herz

Zylinder, (gerader) Spazierstock, das blaue Jäckchen, rote Gamaschen, den Zwicker (mit runden Gläsern) auf dem Schnabel sowie der Backenbart, und schon ist alles klar: Die Rede ist selbstverständlich von Dagobert Duck. Und von der Beschreibung kann man ableiten, dass es an dieser Stelle auch wirklich nur um die DuckTales-Version gehen soll - eine Besprechung der auf Carl Barks zurückgehenden bietet sich eher im Zusammenhang mit dem Reboot an.

Für einen Cartoon, der sich an ein junges Publikum richtet, eher ungewöhnlich ist der als Geizkragen dem Publikum vorgestellte Schotte auf den ersten Blick keinesfalls ein typischer Held. In “Das geheimnisvolle Schiff/Don't Give Up the Ship“ nimmt er Tick, Trick und Track, die bislang bei dem nun zur See fahrenden Donald gewohnt haben, zunächst widerwillig bei sich auf. Zu Beginn bekommen die drei beinahe ausschließlich zu hören, was sie alles nicht dürfen.

Man fühlt sich in diesen Momenten - wie bereits erläutert - nicht grundlos an Ebenezer Scrooge erinnert. Dass die Verantwortlichen es nun allerdings innerhalb von nur 22 Minuten mehr als gekonnt hinbekommen haben, aus einem Unsympathen den Sympathieträger schlechthin zu machen, ist sicherlich ein sehr entscheidender Faktor, um den weltweiten Erfolg des Formats zu erklären; und einer, der vor allem an das Ende von Eine Weihnachtserzählung von Charles Dickens erinnert.

Es wird offenkundig, dass dieser Familiensinn Dagobert eigentlich schon immer ausgemacht hat - eine der bewegendsten Episoden behandelt zum Beispiel seine Rückkehr nach Schottland (“Das Geisterschloss/The Curse of Castle McDuck“). Er ist der Erpel mit Herz, der sein gesamtes Vermögen, so sehr er seine Geldbäder auch liebt, sofort aufgeben würde, um seine Liebsten zu retten. Dass der Publikumsliebling, der zunächst Schuhputzer war und irgendwann zum Goldschürfer wurde, ganz klein angefangen und sich jeden Taler seines gigantischen Vermögens hart erarbeitet hat, ist ein weiterer wichtiger Aspekt, um die Faszination, die von der Figur ausgeht, zu verstehen. (Wer es etwas genauer wissen will, sollte sich “Reise in die Vergangenheit/Once Upon a Dime“ anschauen.)

Apropos Goldgräberstimmung: Als der Fantastilliardär eines Abends in seinem Sessel vor dem Kamin sitzend den Kindern von seinen Anfängen am Klondike erzählt, entschließt er sich kurzerhand dazu, nach all den Jahren noch einmal seinen Claim aufzusuchen. Dass “Im Goldrausch/Back to the Klondike“ wahrscheinlich der emotionale Höhepunkt der gesamten Serie darstellt, hängt vor allem mit dem Wiedersehen schlechthin zusammen: Dagobert trifft erneut auf Glitzer-Goldie (Goldie O’Gilt respektive Glittering Goldie), seine große Liebe.

In den USA übernahm Joan Gerber, die Feststimme von Frieda (Mrs. Beakley), die Rolle, während man der toughen Lady in Deutschland eine eigene Synchronsprecherin zugestand. Und wer Andrea Brix einmal gemeinsam mit Hermann Ebeling gehört hat, weiß auch warum. Die Chemie der beiden ist schlicht großartig. Diese nie erloschene Liebe schwingt gefühlt bei jedem ihrer Sätze mit. Als zudem das große Missverständnis, das eine gemeinsame Zukunft dieses vermeintlichen Traumpaares verhindert hat, nach all der Zeit noch aufgeklärt werden kann, dürfte selbst der jüngste Zuschauer hier nicht an Kitsch gedacht, sondern schlicht bedauert haben, dass Dagoberts bessere Hälfte am Ende doch nicht mit nach Entenhausen kommt. So viel sei jedoch verraten:  Der Abschied der beiden voneinander lässt keine Wünsche offen, und es ist keiner für immer.

Sein Abenteuergeist wird im Rahmen des dritten Nostalgie-in-Serie-Teils zu DuckTales - Neues aus Entenhausen im Fokus stehen, weshalb nun lediglich noch auf Dagoberts Anstand beziehungsweise seinen moralischen Kompass eingegangen werden muss. Der reichste Bewohner Entenhausens hält stets Wort, lässt Freunde niemals im Stich, ist immer dazu in der Lage, Fehler einzugestehen und ein harter, aber fairer Verhandlungspartner. Sehr gut sehen kann man das an zwei besonderen Folgen. In “Ente in Orange/Duckman of Aquatraz“ wird Donalds Onkel fälschlicherweise beschuldigt, ein wertvolles Gemälde gestohlen zu haben und daraufhin zu einer Haftstrafe verurteilt. Im Gefängnis resigniert er aber nicht, sondern bleibt optimistisch und freundet sich schließlich sogar mit seinem Zellengenossen an. Dieser wurde, wie sich später herausstellt, ebenfalls Opfer eines Justizirrtums und darf seinen kauzigen Knastkumpel schließlich dafür danken, dass er dessen Freilassung unmittelbar nach der eigenen in die Wege geleitet hat.

In “Arme reiche Ente/Down and Out in Duckburg“ verliert Dagobert alles, was er besitzt. Allzu lange lebt er allerdings nicht unter einer Brücke, weil eine Kämpfernatur eben immer eine Kämpfernatur bleibt und er am Ende der Geschichte sogar noch reicher ist als an deren Anfang; nämlich reicher an Erfahrungen. Und zwar an solchen, die dazu führen, dass er Menschen respektive Tieren, die ihn, obwohl er sie davor nicht gerade freundlich behandelt hat, in der Stunde seiner größten Not nicht haben hängen lassen, völlig uneigennützig etwas Gutes tut.

Von Erzfeinden und Ganoven

Die Liste von Dagobert Ducks Widersachern ist nicht gerade kurz, und das ist gut so! Sie verkörpern nämlich definitiv das so gern zitierte “Salz in der Suppe“, das einen Film oder eine Serie noch besser machen kann.

Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Panzerknacker (Beagle Boys). In DuckTales kommen am häufigsten Karlchen Knack (Big Time Beagle), Burger Knack (Burger Beagle) und Kuno Knack (Bouncer oder Biceps Beagle) vor. Immer wieder versuchen sie es auf unterschiedlichstem Wege, in Dagoberts Geldspeicher einzubrechen und sich an dessen Inhalt zu bereichern. Dies gelingt selten bis nie. Und wenn sie zumindest einmal kurzfristig erfolgreich sind, dann meist nur deshalb, weil sie jemandes Befehle befolgen. Entweder die ihrer Großmutter, der gerissenen Oma Knack (Ma Beagle), oder die anderer Gegenspieler Dagoberts, wie zum Beispiel die der durchtriebenen Hexe Gundel Gaukeley (Magica De Spell).

Ebendiese gehört zweifelsohne zu den absoluten Lieblingscharakteren der Fans. Im Grunde ist jeder ihrer Auftritte ein absolutes Highlight. Da die ersten fünf Episoden in den USA seinerzeit als ein Pilotfilm ausgestrahlt wurden, ist “Gundels Gaukeley/Send the Clones“ eigentlich die erste reguläre Folge der Serie, was auch unterstreicht, wie wichtig die Figur den Verantwortlichen war. Eins haben alle ihre Pläne gemeinsam: Sie sollen die Antagonistin in den Besitz von Dagoberts Glückstaler, Glückskreuzer, Glückszehner oder Taler/Kreuzer Nummer 1 bringen. (Besagte Münze hat viele Namen und Duck-Anhänger haben sich meist für den entschieden, mit dem sie im Laufe ihres Lebens zuerst in Berührung kamen.)

Ebendiesen will Frau Gaukeley nämlich einschmelzen und daraus ein magisches Medaillon formen, das sie zur mächtigsten Hexe des Planeten werden lassen würde - passenderweise lebt sie ja in DuckTales im Vesuv, der hier sogar ihrem Kopf nachempfunden wurde, und in den Comics zumindest am Fuße des berühmten Vulkans. Der Zuschauer erhält im Übrigen sogar einmal (in “Geschäftsgeist/Duck to the Future“) einen Vorgeschmack darauf, wie eine nach Gundels Vorstellung veränderte Zukunft aussehen würde. Dagobert wäre allerdings nicht Dagobert, wenn er die von Inken Sommer (im Original: June Foray) fantastisch vertonte - ihr diabolisches Geächter ist wohl “untoppbar“ - Schurkin nicht egal in welcher Zeitebene in ihre Schranken verweisen würde.

Zu guter Letzt muss natürlich auch Dagoberts ärgsten Widersacher vorgestellt werden: Mac Moneysack (Flintheart Glomgold). Schottenmütze, Schottenrock, Rauschebart, dunkelblauer Mantel, ein Zwicker mit eckigen Gläsern, ein knorriger Spazierstock und ebenfalls rote Gamaschen, die jedoch - im Gegensatz zu denen des Protagonisten - nicht auf einen weißen Farbtupfer verzichten, das ist die zweitreichste Ente der Welt. Ihm ist jedes Mittel recht, um Dagobert zu übertrumpfen und er nimmt ebenfalls gerne die Dienste von Oma Knacks Enkeln in Anspruch. Wie bei Darkwing Duck, wo dem Helden auch sein gespiegeltes Selbst (Fiesoduck/Negaduck) wieder und wieder gegenübersteht, verhält es sich im Prinzip bei DuckTales.

Die beiden Erpel sehen sich ähnlich, ihre Synchronstimmen - insbesondere die deutschen (Klaus Miedel und (nach dessen Ableben) Hans Teuscher (in 3 Episoden) leihen dem Fiesling ihre Stimme) - klingen ähnlich und auch in Sachen Zielstrebigkeit schenken sich die beiden nichts. Der entscheidende Unterschied: Dagobert hat immer seine (erweiterte) Familie an seiner Seite, Moneysack nur Komplizen, denen er meist noch nicht einmal vertraut. Die vielleicht wichtigste Story aus Entenhausen mit dem - wie man in den Comics erfährt - eigentlich aus Südafrika stammenden Enterich ist mutmaßlich “Die Wunderlampe/Master of the Djinni“, weil hier ganz eindeutig er und sein größter Rivale von der ersten bis zur letzten Minute im Zentrum der Handlung stehen. Schließlich triumphiert der Falschspieler nach einem packenden Wettstreit, der die Kontrahenten zeitweise sogar zur Zusammenarbeit gezwungen hatte, kurzzeitig scheinbar über den Großonkel von Tick, Trick und Track, um dann letzten Endes doch feststellen zu müssen, dass Hochmut meist vor dem Fall kommt.

Der finale Teil der Reihe wird ganz im Zeichen der Duck’schen Abenteuer stehen.

Ducktales Opening Theme (German)

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