Nostalgie in Serie: DuckTales - Neues aus Entenhausen (1987) (3/3)

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Ducktales

Wer den ersten oder zweiten Teil der Reihe nachholen möchte, wird hier beziehungsweise hier fündig.

(Fast) Alles ist möglich…

Kommen wir nun endlich auf die “Tales“ der Familie Duck, also auf die Geschichten oder - etwas treffender formuliert - auf die Abenteuer dieser außergewöhnlichen Enten zu sprechen.

Was diese von all den anderen in den USA unter Disney-Afternoon-Cartoons bekannten Formaten wie Disneys Gummibärenbande oder Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew, aber eigentlich auch von fast allen Zeichentrickserien unterscheidet, ist die Tatsache, dass gefühlt (fast) alles in einer Episode passieren kann. Das Wort Willkür kommt einem in diesem Zusammenhang allerdings nie in den Sinn.

Das durch den Zeichenstil, die Schauplätze und die wiederkehrenden Figuren quasi dauerpräsente Gefühl der Vertrautheit ist ein Faktor hierfür. Ein anderer ist schlicht und ergreifend, dass DuckTales vom Entdecker- und Abenteuergeist lebt. Und dieser kann sich eben auf ganz unterschiedliche Weise zeigen und ist nicht an ein bestimmtes Setting gebunden.

Was bei Krimis der Fall der Woche ist, könnte man bei Dagobert & Co. als das Thema der Woche bezeichnen. So tauchen die Protagonisten beispielsweise einmal in die Welt der Wikinger (“Die Wikinger kommen/Maid of the Myth“) ein, von der danach ebenso wenig erneut die Rede ist wie von Australien, wohin sie es ebenfalls kurzzeitig verschlägt (“Ufos über Australien/Back out in the Outback“) - einer der real existierenden Orte, der in dem Kosmos erwähnt wird.

Bei einer etwas genaueren Betrachtung stellt man jedoch fest, dass es diverse Folgen gibt, die man zusammenfassen könnte, weil sie unter einem gemeinsamen Banner firmieren. Die beiden bedeutendsten Großkomplexe sind wohl “Mythen, Sagen und Legenden“ sowie “Zeitreisen, Technik und Weltraum“. Alleine daran kann man sehen, dass die gebotene inhaltliche Bandbreite enorm ist.

Zu Ersterem zählen mit “Auf Odysseus‘ Spuren/Home Sweet Homer“, “Das Goldene Vlies/The Golden Fleecing“ und “Die Harfe von Troja/Raiders of the Lost Harp“ beispielsweise drei Episoden, die auf kreative Weise die griechische Mythologie in das Duck´sche Universum holen. Und zu Letzterem gehören mit “Die Zeitwanne/Sir Gyro de Gearloose“ oder "Geschäftsgeist/Duck to the Future“ zum Beispiel zwei 25-Minüter, die beide den Sprung durch die Zeit behandeln (einmal den in die Vergangenheit und einmal in die Zukunft), aber darüber hinaus kaum Parallelen aufweisen.

Außerdem bestimmen die Schurken oft die Struktur der einzelnen Folgen. So drehen sich die, in denen Dagobert auf seinen Erzrivalen Mac Moneysack trifft (etwa in “Papier-Blüten-Träume/Ducky Mountain High“), meist um einen wie auch immer gearteten Wettstreit des Duos. Die, in denen Gundel Gaukeley den Ducks das Leben schwer macht (etwa in “Schattenspiele/Magica’s Shadow War“), handeln hingegen in der Regel davon, dass die Hexe mithilfe eines magischen Tricks an Dagoberts Glückskreuzer kommen will, von dem sie sich nach dessen Einschmelzung unbegrenzte Macht verspricht.

DuckTales - Neues aus Entenhausen erinnert daher so gesehen an die recht bekannten Schokoladeneier mit Überraschungsinhalt - die Serie garantiert aber quasi eine Figur. Denn selbst die wenigen Geschichten, in denen die reichste Ente der Welt eine untergeordnete oder gar keine Rolle spielt (“Superdoof/Superdoo!“ oder "Ein Bruchpilot spielt 007/Double-o-Duck"), sind im Serien-internen Vergleich möglicherweise etwas weniger spektakulär, würden bei vielen anderen Cartoons jedoch definitiv in den Top-10 zu finden sein.

…- insbesondere in Mehrteilern

Eine gesonderte Würdigung verdienen zweifelsohne die Mehrteiler. In den USA wurden nahezu alle bei ihrer Erstausstrahlung am Stück in Spielfilmlänge gesendet, weshalb dort auch alle übergeordnete Titel bekommen haben, die wir der Übersichtlichkeit halber nachfolgend auch verwenden werden.

Schon der Serienauftakt fällt in diese Kategorie, wobei er noch eine weitere Besonderheit aufweist. Dieser Fünfteiler beginnt mit einer Doppelfolge, die auch für sich stehen kann. Überhaupt zeichnet es nahezu alle DuckTales-Mehrteiler-Episoden aus, dass man den einen mehr, den anderen weniger anmerkt, dass sie Teil eines größeren Ganzen sind, aber dennoch immer auch ohne Kontext funktionieren.

“Treasure of the Golden Suns, Teil 1-5“ hat so ziemlich alles zu bieten, was Fanherzen höherschlagen lässt und ist gleichzeitig auch das Abenteuer, das man jedem empfehlen sollte, der verstehen will, was diesen Klassiker auszeichnet.

Es beginnt damit, dass Tick, Trick und Track bei Dagobert einziehen und beide Seiten nach einigen Startschwierigkeiten feststellen, dass sie eigentlich ein sehr gutes Team sind. Die Kinder sind es auch, die ihrem Großonkel den entscheidenden Hinweis in Sachen erste gemeinsame Schatzsuche liefern. Tatsächlich endet das Zwischenfinale nämlich mit einem ersten sehr “goldigen“ Fund der Ducks, der sich allerdings nur als Vorbote eines viel größeren herausstellt.

Ihr Gegenspieler hat zwar nur diesen einen, äußerst ausgedehnten Auftritt, schafft es jedoch trotzdem, so nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen, dass wohl jeder Anhänger des Formats sofort sein Bild vor Augen hat, wenn der Name El Capitan fällt. Dieser arbeitet im Übrigen zunächst mit den Panzerknackern und danach ebenfalls mit Mac Moneysack zusammen, bevor er es alleine mit den Ducks aufnimmt, was in einem fulminanten (Inka-)Tempel-Showdown mündet.

Dagegen steht in dem Vierteiler, der im Original “Catch as Cash Can, Teil 1-4“ heißt wie auch in dem ersten Fünferpack, der den Auftakt der zweiten Staffel markiert (“Time is Money, Teil 1-5“), das Duell mit der zweitreichsten Ente der Welt über allem. Im ersten Fall dürfte der Mehrheit die gigantische Waage in Erinnerung geblieben sein, auf der Dagobert und Moneysack ihr gesamtes Vermögen platzieren sollten, um ein für alle Mal zu klären, wer mehr “Rücklagen“ hat - das Geld wird dabei eher auf unkonventionelle Weise in die Wüste transportiert und einige Zwischenstopps, die die Reisegruppe einlegt, sind definitiv alles andere als gewöhnlich.

Im zweiteren reisen die Ducks in der Zeit zurück, um zu verhindern, dass sich der in den USA als Flintheart Glomgold bekannte Intrigant durch eine List ein riesiges Diamantenvorkommen sichert und landen dabei versehentlich in der Steinzeit. Dort begegnet ihnen die Höhlenente Bubba, die Dagolart, wie er seinen Entdecker liebevoll nennt, in die Gegenwart begleitet.

Die nächsten fünf zusammenhängenden Episoden tragen nicht umsonst den Namen “Super Ducktales, Teil 1-5“, da hier nach dem prähistorischen ein superheldenhafter Neuzugang im großen Stile eingeführt wird: Die Krach-Bum-Ente, ein absoluter Fanliebling, der wie auch Quack in Darkwing Duck mit von der Partie ist, dort allerdings Dingsbums-Duck genannt wird. Ursprünglich sollte er im Übrigen Roboduck heißen, was auch sein an ein R erinnerndes Logo erklärt. Letztlich kennt man das Alter Ego von Dagoberts neuem Buchhalter Fenton Crackshell jedoch in weiten Teilen der Welt als Gizmoduck.

Dieser soll den Geldspeicher bewachen, was ihm zunächst auch einigermaßen gelingt, bis die Panzerknacker mittels einer Fernbedienung die Kontrolle über ihn übernehmen. Und selbst als die Gangstertruppe kein Thema mehr ist, hat der sympathische Schrottplatzbewohner Crackshell alle Hände damit zu tun, die Fantastillarden seines Arbeitgebers nicht im Weltraum zu verlieren.

Zu guter Letzt wäre da noch “The Golden Goose, Teil 1-2“, der Zweiteiler aus Staffel 3, mit dem das Format endet. Interessanterweise kommt es in diesem Doppelpack zu einem Wiedersehen mit dem nur aus dem Spielfilm DuckTales: Der Film - Jäger der verlorenen Lampe/DuckTales the Movie: Treasure of the Lost Lamp bekannten Langfinger und Betrüger Dijon, der recht schnell feststellen darf, dass sich das Märchen von der Goldenen Gans in der Entenhausener Realität etwas anders entwickelt als gedacht.

Wenn man sich nun abschließend noch einmal bewusst macht, dass hier bislang lediglich ein Bruchteil dessen, besprochen werden konnte, was diese Zeichentrickserie ausmacht, fällt es einem sehr leicht, sich auf den nächsten Rerun oder das Reboot zu freuen. Aber eines ist hoffentlich klar geworden: DuckTales, das bedeutet Herz, Abenteuer, Spannung, Familie, verborgene Schätze, Vertrautheit, tolle Bösewichte und vor allem jede Menge Abwechslungsreichtum, und das ist für einen Cartoon alles außer selbstverständlich.

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