Kritik zu Gotham 4.07: A Day in the Narrows

SPOILER

Das organisierte Verbrechen in Gotham hat einen weiteren Gegenspieler bekommen. Nachdem mehr und mehr Polizisten ein Auge zudrücken, hat ein gewisser Professor Pyg sich als Ziel gesetzt, Gothams Polizeikorruption Einhalt zu gebieten. Gordon und Bullock sind ihm auf die Spur gekommen, konnten ihn aber bislang nicht fassen.

You're one of the good ones, Jim

Pyg lässt sich von seiner Beinahe-Festnahme nicht sonderlich beeindrucken und schlägt in der aktuellen Episode direkt wieder zu. Diesmal ist das GCPD allerdings darauf vorbereitet, denn Captain Bullock hat den Pinguin um Hilfe gebeten, der die Cops nun mit seinen Handlangern unterstützt.

Daraus ergeben sich sehr seltsame Szenarien, da die Befragungsmethoden eines Detective Gordon sich etwas von denen eines Auftragskillers unterscheiden. Man könnte sich hier natürlich auch fragen, wieso Gordon den Headhunter nicht sofort festgenommen hat, als dieser von seinem Signature-Move, nach einem Kopfschuss immer noch ein zweites Mal zu schießen, erzählt hat. Aber das ist eben Gotham, da sollte man so einiges nicht weiter hinterfragen, wenn man Spaß an der Serie behalten will.

So war auch der vermeintliche Showdown im verlassenen Gerichtsgebäude zwar sehr gut inszeniert, aber auch sehr konstruiert. Bullock hätte doch auf Gordon hören müssen, als er die Ich-bitte-dich-als-Freund-mir-zu-vertrauen-Karte ausgespielt hat. Oder wenigstens wirklich erst Cobblepots Leute hinein schicken, um sie im Falle einer Falle als Puffer zu haben. Aber nein, stattdessen rennt er vorne weg und gibt sogar den Schuss auf das Pyg-Double ab.

Man kann sich jetzt darüber ärgern, wie unlogisch das alles ist und wie die Charaktere besser hätten handeln müssen. Oder man nimmt es einfach hin und genießt, worauf die Schreiber eigentlich hinaus wollten: Nämlich den Keil, der immer weiter zwischen Harvey und Jim getrieben wird. Es ist spannend zu sehen, wie die beiden quasi gezwungen werden, sich ihrer bereits geschehenen Entfremdung zu stellen, um (hoffentlich) wieder auf einen Nenner zu kommen.

He knows you, he just doesn’t care

Nach kurzer Pause ist nun auch Bruce Wayne wieder dabei. Er kämpft damit, dass er nach dem Mord an Ra’s Al Ghul keine Reue empfindet und weigert sich, das Wayne Manor zu verlassen. Bei einer Gala trifft er auf eine alte Schulkameradin und willigt ein, den Abend mit ihr zu verbringen.

Es folgen ein Treffen mit weiteren ehemaligen Mitschülern und ein erster Einblick in Bruce’ Leben als Playboy, das wir aus diversen Comics gut kennen. Was er in der dritten Episode der Staffel während der Auktion bereits gespielt hat, lebt er nun vollends aus und berauscht sich an Alkohol, lauter Musik und der Macht, sich alles kaufen zu können, was er will.

Die Szene, in der er den Club kauft und Brant die Sonnenbrille abnimmt, war zwar verdammt cool, aber auch mindestens genauso billig. Auch hier sollte man sich einfach auf das Gesehene einlassen und gar nicht weiter drüber nachdenken, sondern einfach genießen. Obwohl Bruce natürlich auch noch relativ jung ist und die abgedroschenen Klischees für ihn vielleicht gar nicht so abgedroschen sind? Aber vielleicht ist das aber auch nur Augenwischerei meinerseits.

Auf jeden Fall wurde sein Umgang mit den Folgen des Ra’s-al-Ghul-Vorfalls sehr schön (über)inszeniert und der Zuschauerschaft verdeutlicht, dass er dabei ist, sich zu verändern. Da die Staffel den Beinamen “A Dark Knight” trägt, lässt sich ein Stück weit erahnen, wo die Reise hingehen dürfte.

Drei Engel für Gotham

Nachdem Ra’s verschwunden ist, hat Barbara den Plan, ihren bisherigen Plan zu revidieren und etwas anderes zu versuchen. Selina und Tabitha sind allerdings anderer Meinung und wollen ihre Quellen weiterhin nutzen, um Geld aus den Überfällen zu gewinnen, die sie mit ihrem Waffenverkauf ermöglichen.

Selina macht sich daher allein auf die Socken, wird aber mehr oder weniger entdeckt und muss, oh Wunder, Tabitha um Hilfe rufen. Mit ihrer Hilfe würde ihr zwar die Flucht gelingen, aber glücklicherweise taucht die Dritte im Bunde rechtzeitig auf, um beiden den Allerwertesten zu retten. Sie macht dabei zwar aus einem Robin-Hood-haften Diebstahl von Dieben einen lupenreinen Raubmord, aber da es sich um eine Bikergang handelt, ist das wohl nicht der Rede wert. Nun ja.

Ihr Auftritt ist dabei ähnlich überzogen wie der von Bruce, passt aber grundsätzlich ganz gut zur vorherrschenden Atmosphäre. Bei ihrem gemeinsamen Abgang wirken Babs, Tabs und Selina dann auch wie standesgemäße Actionheldinnen, die nach getaner Arbeit der Kamera entgegen schlendern, während im Hintergrund die Überbleibsel ihrer geschlagenen Schlacht zu sehen sind.

In aller Kürze

Wenn sich die letzte Episode wie ein Buddymovie angefühlt hat, haben wir mit “A Day in the Narrows” das billig-kitschige Action-Pendant dazu bekommen. Die Episode trieft geradezu vor Klischees und schmissigen Einzeilern. Eigentlich sollte man eine Serie dafür verteufeln, aber Gotham schafft es irgendwie, dabei trotzdem noch cool zu wirken und vor allem, die Geschichte effektiv voran zu bringen. Bis auf eine unnötig brutale Szene gibt es eigentlich nichts an der Episode auszusetzen, wenn man von den üblichen Punkten absieht. Aber als Zuschauer von mittlerweile mehr als 70 Episoden achtet man da ohnehin nicht mehr so sehr darauf. Die gelegentlichen Schlenker in den comichaft überzogenen Kitsch tun der Serie doch eigentlich ganz gut, oder?

Gotham

Originaltitel: Gotham (2014)
Erstaustrahlung am 22.09.2014
Darsteller: Ben McKenzie (James Gordon), Donal Logue (Harvey Bullock), David Mazouz (Bruce Wayne), Robin Lord Taylor ( Oswald Cobblepot), Erin Richards (Barbara Kean), Sean Pertwee (Alfred Pennyworth), Camren Bicondova (Selina "Cat" Kyle), Cory Michael Smith (Edward Nygma), Jada Pinkett Smith (Fish Mooney)
Produzenten: Bruno Heller, Danny Cannon, John Stephens, Ben Edlund
Staffeln: 4+
Anzahl der Episoden: 84+


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