Kritik zu Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – Lummerland forever

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Cast von Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Eines Tages wird ein Paket auf der kleinen Insel Lummerland abgegeben. Dort drin befindet sich ein Kind, das nach kurzer Beratung der vier Inselbewohner Jim genannt wird. Von Frau Waas (Annette Frier) behütet, wächst Jim (Solomon Gordon) zusammen mit Herr Ärmel (Christoph Maria Herbst), Lukas dem Lokomotivführer (Henning Baum) und König Alfons, dem Viertelvorzwölften (Uwe Ochsenknecht) auf. Doch als Jim immer größer wird, wird die kleine Insel immer enger. Jim und Lukas beschließen, ihr Glück woanders zu suchen und dem Geheimnis von Jims Herkunft auf den Grund zu gehen.

Oh weh! Mit einem solchen Seufzer mag bei der einen oder dem anderen das Herz in die Tiefe geplumpst sein, als angekündigt wurde, dass es eine Realverfilmung von Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer gibt. Und dann auch noch aus Deutschland, das sonst ja nur romantische Til-Schweiger-Komödien hinbekommt, Artsy-Fartsy-Art-House-Depri-Kino oder wahlweise irgendwas mit Nazis oder der Stasi. Muss man die geliebte Version der Augsburger Puppenkiste wirklich neu erzählen? Reicht nicht die DVD-Ausgabe dieses fernsehhistorisch wichtigen Werks?

Generation Puppenkiste

Zumal die Geschichte von Michael Ende, wie auch seine Werke Momo oder Die unendliche Geschichte, ganze Generationen von Zuschauern in diesem Land geprägt haben. Aber schon der Trailer beruhigt ein wenig: Alle Beteiligten haben sich Mühe gegeben, so nah wie möglich an der Vorlage zu bleiben und vor allem mit viel Herz zu inszenieren. Das ist auch gelungen, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer weiß zu überzeugen.

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Jim Knopf Still

Das fängt mit der visuellen Gestaltung an: Der Film malt seine Welt in bunten Bildern. Lummerland und Mandala wirken angenehm farbenfroh und strahlend, die Drachenstadt düster bedrohlich. Besonders Mandala, mit seinen bisweilen skurrilen Einwohnern bietet viele Schauwerte, ohne das Publikum völlig mit Computerbildern zu überladen. Zwar ist der Einsatz von Greenscreen und dergleichen manchmal sehr deutlich, und an manchen Szenen hätte man definitiv noch etwas an den Pixeln feilen können – insgesamt aber kann sich Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer mit internationalen Produktionen messen.

Auch die Schauspieler überzeugen: Henning Baum spielt Lukas bärbeißig, aber gutherzig und kommt damit der Vorlage sehr nahe. Wenn Lukas trotz seiner entspannten Art dann doch einmal zulangen muss, fühlen sich ältere Zuschauer angenehm an Bud Spencer erinnert. Solomon Gordons Jim ist pfiffig, und das Zusammenspiel mit Lukas klappt gut. Es fällt lediglich auf, dass Jims Stimme nachsynchronisiert wurde, was den Gesamteindruck trübt. Herbst, Frier und Ochsenknecht haben relativ kurze Auftritte, und man fragt sich, ob man deren Gage nicht in andere Sachen hätte stecken können.

Neue Bilder, alte Handlung

Für Erwachsene ist der Humor bisweilen etwas kindlich-albern und die Figurenzeichnung vielleicht etwas platt, aber insgesamt macht es Spaß, den Figuren zuzusehen. Allerdings will so richtig keine Spannung aufkommen, was vielleicht ein individuelles Problem ist. Denn wer die Marionetten-Version der Augsburger Puppenkiste kennt, der ist mit der Handlung von Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer vertraut und bekommt leider nichts Neues geboten.

Jim Knopf Still

So bleibt insgesamt die Frage, für welches Publikum der Film gedreht wurde: Für Kinder, die eine moderne Version der Geschichte erzählt bekommen möchten? Für Erwachsene, die keine DVD-Ausgabe der Augsburger Puppenkiste zu Hause haben? Denn in Sachen wie der Musik, der Erzählstruktur und der Charakterzeichnung orientiert sich Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer sehr eng an der Puppenkiste, fast so, als wolle man eine Neufassung dieser erzählen, nur ohne lästige Marionetten-Fäden. Immerhin zeigt der Film aber, dass Deutschland tatsächlich mehr drauf hat, als Til-Schweiger-Rom-Coms und Nazi-Dramen.

Fazit

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer ist ein von der Ausstattung und technischen Durchführung her hochkarätig produziertes, modernes Märchen. In bunten und unterhaltsamen Bildern erzählt es eine bekannte Geschichte, ohne jedoch wirklich eigene Akzente in der Inszenierung zu setzen. Für Eltern, die ihren Kindern den Buchklassiker näher bringen möchten, ohne auf eine mittlerweile über vierzig Jahre alte Fernsehsendung zurückzugreifen, eignet sich der Film durchaus.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Warner Bros Entertainment

JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER - Trailer #3 Deutsch HD German (2018)

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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