10 Jahre Marvel Cinematic Universe: Die Flops des MCU

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Marvels Cinematic Universe wird zehn Jahre alt. Nachdem wir gestern, passend zum 10. Geburtstag des Kinostarts von Iron Man, die Highlights des MCU beleuchtet haben, schauen wir heute etwas kritischer auf die vergangenen Jahre. Die Marvel Studios haben nicht nur Highlights produziert, es gibt auch den einen oder anderen schwächeren Film. Für manche unserer Redakteure bietet sogar der Erfolg des MCU selbst beziehungsweise die Art der Filme und des Filmuniversums Anlass zur Kritik.

Katrin Hemmerling

"Isch will meine Wugel." Das ist so ziemlich das Einzige, was mir von Iron Man 2 in Erinnerung geblieben ist. Ansonsten war der Film für mich ein einziger Wirrwarr ohne klare Linie mit einem angeschlagenen Tony Stark. Ich habe sogar verdrängt, dass Black Widow ihren Auftritt in der Geschichte hatte. Unterm Strich ist Iron Man 2 für mich ein Film, der zu viel verschenkt hat, indem er zu viel Handlung in eine Geschichte packen wollte.

Bei Guardians of the Galaxy war mein erster Gedanke, als ich aus dem Kino gekommen bin, die Frage, warum um diesen Film so ein Hype gemacht worden ist. Zwischendurch hatte er zugegeben seine unterhaltsamen Momente, aber für mich dümpelte er über lange Strecken ziemlich platt daher, ohne mir ein echtes Highlight zu bieten (den tanzenden Chris Pratt klammere ich hier mal aus).

Guardians of the Galaxy hatte mich dann auch so wenig beeindruckt, dass ich die Fortsetzung erst gar nicht im Kino gesehen habe, weil mich der Trailer noch weniger angesprochen hat als der für Teil 1. Ich hab es dann später einmal mit Baby Groot und Co versucht, aber nach der Hälfte konnten mich die Weltraum-Helden immer noch nicht wirklich packen. Vielleicht - wenn mein Zu-Gucken-Stapel übersichtlicher geworden ist - gebe ich der Geschichte eine weitere Chance. So wenn mir der Sinn nach flachem Humor steht. Und ja, die Figuren aus den Guardians waren auch diejenigen, zu denen ich in Infinity War keine wirkliche Bindung aufbauen konnte. Schade. Aber man kann ja nicht immer alles lieben.

Johannes Hahn

MCU? Eher MCSchmuh...
Na, okay, nicht wirklich, auch ich habe Spaß an den Abenteuern der Marvel-Helden. Meistens zumindest. Das liegt daran, dass die Filme oft recht clever geschrieben sind. Aber trotzdem betrachte ich den ganzen Wirbel um das Cinematic Universe mit müder Skepsis.

Denn ich fand den oft überkomplexen Kanon der Comics schon immer eher anstrengend und mit dem MCU wurde dieser Kanon nun auch in die Filmwelt übertragen. Das heißt: Man versteht alles nur dann en détail, wenn man von Anfang an alles mitverfolgt hat. Dazu habe ich weder Zeit noch Geld und ich glaube, dass es vielen anderen ebenso geht. Hinzu kommt, dass Superhelden-Filme mittlerweile alle ein ähnliches Schema haben: Superheld ist erfolgreich, Superheld hat Krise, Bösewicht nutzt Krise (meist ohne wirkliche Motivation) aus, Superheld rauft sich zusammen, es gibt eine blödsinnig-bombastische Kampfszene, Superheld triumphiert (am Ende vielleicht noch mit der Frage: zu welchem Preis?). Danke, been there, done that.

Klar, Ensemble-Filme wie Guardians of the Galaxy oder The Avengers können da noch etwas durch das Zusammenspiel der verschiedenen Charaktere herausreißen. Aber diese Filme sollen gleichzeitig auch allen Fans gerecht werden, was wiederum zu langen Laufzeiten und einer teils überfrachteten Handlung führt. Reiner Fanservice wie die Prügelei auf dem Flughafen in The First Avenger: Civil War wirken auf mich eher wie eine alberne Mein-Superheld-ist-besser-als-deiner-Fantasie, die in pubertären Pausenhofplaudereien besser aufgehoben wäre als im Kino.

Den endgültigen Bärendienst hat Marvel mit seinem Cinematic Universe aber dem Medium Film selbst erwiesen: Denn alle einigermaßen groß budgetierten Filme müssen heute Nachfolger produzieren, am besten gleich ein Filmuniversum begründen. Wie das scheitert, sieht man an den DC-Filmen und an Flops wie Die Mumie (welcher das Dark Universe begründen sollte). Selbst Godzilla wird, nachträglich (!), zu einem Teil eines Cinematic Universe. Das ist Filmemachen mit der Brechstange.

Muss das wirklich sein? Können wir nicht einfach mal einen Film haben, der in sich abgeschlossen ist? Der einfach eine gute Geschichte erzählt, ohne sich eine Hintertür offen zu lassen, ohne ein "Tentpole" zu sein, der gleichzeitig noch zwei, drei Filme mittragen muss?

Zugegeben: Marvel gibt ein sehr gutes Beispiel, wie man ein Filmuniversum aufbaut und sie sind zurecht damit erfolgreich. Aber können wir jetzt bitte mal mit der Kanon-Masturbation aufhören und schöne, spannende, coole, witzige, intelligente und/oder emotionale Geschichten erzählen?

Danke. Rant ist vorbei.

Hannes Könitzer

Im Falle von Marvel muss man festhalten, dass selbst die schlechten Filme in der Regel immer noch in gewisser Weise unterhaltsam sind. In meinem Falle fällt beispielsweise Thor: The Dark Kingdom in die Flop-Kategorie, einfach weil von dem Film absolut nichts hängen geblieben ist. Thor und Loki laufen irgendwie durch die Gegend und müssen den wohl schwächsten der Marvel-Schurken (was etwas heißen will) davon abhalten, irgendwie mal wieder die Welt zu zerstören. Nicht umsonst wagte man mit Thor: Tag der Entscheidung einen Neuanfang.

Age of Ultron hatte den Nachteil gegenüber The Avengers, dass die Erwartungshaltung einfach unglaublich hoch war. Und generell macht der Film viele Dinge richtig und punktet vor allem bei den zwischenmenschlichen Szenen. In Hinblick auf eine gute Geschichte bleibt Age of Ultron aber vieles schuldig. Allein die Tatsache, dass der Finalkämpfe praktisch eine Kopie von Avengers war, machte deutlich, wie viel Potenzial hier verschenkt wurde.

Anne Jerratsch

Superheldenfilme? Gähn! Okay, ich gestehe: Ich bin Nichtcomicleser (außer das Gesamtwerk von Carl Barks, aber hier verschone man mich bitte mit einer animierten oder gar dreidimensionalen Version), und ich fühle mich bedrängt vom MCU-Hype.

Was im Jahr 2002 mit Tobey Maguires Spider-Man noch nett anzusehen war, hat mittlerweile absurde Ausmaße angenommen. Dabei sperre ich mich nicht einmal gegen einzelne Filme: Die Spidey-Varianten oder Thor haben durchaus Spaß gemacht und mit Iron Man würde ich jederzeit einen heben gehen.

Alles schön und gut. Aber im Grunde bin ich da ganz bei meinem Kollegen Johannes: Es. Ist. Einfach. Zuviel. Zuviel kleine Anspielungen, zu viele Verwicklungen (im Ernstfall kämpfen doch sowieso nur die Guten gegen die Bösen, oder?), zu viele halbwichtige Figuren, die laut Vertrag eine bestimmte Anzahl Filme füllen müssen und deswegen in die Handlung gequetscht werden, und vor allem: zu viele Schauspieler, die durch die MCU-Verpflichtung keine Zeit für kleine, originäre Projekte haben.

Klar, wer beim MCU mitmacht, hat die Lizenz zum Gelddrucken, und so ganz kann man den Stars den verständlichen Wunsch nach Kontinuität nicht absprechen. Aber mich überfordert das alles. Ich möchte mich nicht erst durch 15 Filme gucken müssen, um den aktuellen Konflikt zwischen der Bucky, Black Widow und Thor zu kapieren. Das MCU ist aber auch leider nicht die Lindenstraße, in die man einfach jederzeit einsteigen kann. Stattdessen schafft das MCU es bei mir, die Handlung beim Verlassen des Kinos direkt wieder auszulöschen. Kurzum: Aahh!

Meinetwegen könnt ihr gerne weitermachen mit den Helden, unterhaltsam ist es ja. Aber lasst noch ein paar Leute für interessante Storys übrig. Ginge das?

Tobias Maibaum

Iron Man 2, Thor 2, Guardians of the Galaxy 2 - die Sequels im MCU haben mich häufig enttäuscht. Doch an den zweiten Avengers-Film kommt so schnell keiner ran: Avengers: Age of Ultron ist zweifellos ein Desaster. Die Probleme, die viele Superhelden in einem Film mit sich bringen, hat dieser Streifen gleich alle. Man könnte ihn fast schon als den Suicide Squad von Marvel bezeichnen.

Age of Ultron ist ein einziges, verwirrendes Durcheinander von Setups zu anderen Filmen, und Nebenhandlungen und Interaktionen des Superheldenteams. Sämtliche Chemie zwischen den Charakteren aus dem Prequel scheint plötzlich wie weggeblasen, die Kämpfe im Team wirken holprig und können sich nicht annähernd mit dem echten Konflikt in Civil War messen. Die privaten Momente der Protagonisten sind oft an der Grenze zur Peinlichkeit und münden in viel zu langen Szenen mit Hawkeyes Familie. Als wäre das nicht genug, gibt es natürlich noch Ultron, den schlechtesten Bösewicht in dem Universum – und das soll schon was heißen.

Florian Rinke

Thor: The Dark Kingdom war für die Verhältnisse des Marvel Cinematic Universes ein schwacher Film. Da mich aber auch sein Vorgänger nicht restlos überzeugt hatte, war die schlechte Fortsetzung zu verschmerzen. So richtig enttäuscht hat mich hingegen Guardians of the Galaxy Vol. 2.

Wirklich mies war die Fortsetzung von Marvels Weltraumhelden nicht, was vor allen an dem Handlungsstrang rund um Rocket und Yondu lag. Die beiden konnten aber nicht alle Schwächen des Films überspielen. Die Geschichte auf dem Planeten Ego zog sich in die Länge – was man vielleicht nicht so bemerkt hätte, wenn Guardians of the Galaxy Vol. 2 sich auf die Qualität seines Vorgängers besonnen hätte – dem Humor. Aber die Witze funktionieren in der Fortsetzung nicht wirklich gut. Es gibt zwar ein paar lustige Gags, aber die Ironie fehlt. Im ersten Teil ist es James Gunn wesentlich besser gelungen, sich über das Genre und seine Konventionen lustig zu machen.

Stefan Turiak

Doctor Strange hat mir beim zweiten Sehen tatsächlich besser gefallen als beim ersten Mal, aber ist immer noch ziemlich vergesslich. Cumberbatch spielt ein Genie, das auch ein Arschloch ist... also jede Benedict-Cumberbatch-Rolle. Gleichzeitig hat er aber nicht den Charme eines Robert Downey Jr., um die ganze Arroganz wieder abzufedern. Nach eineinhalb Stunden ist er besser bei dem ganzen Hokus-Pokus-Kram als alle, die schon ihr ganzes Leben dafür trainiert haben, und in der letzten halben Stunde darf er gegen einen Bildschirmschoner kämpfen. Immerhin bietet das Finale eine recht clevere Abweichung vom sonstigen Explosionsallerlei. Aber es wird nicht nur eine Rachel McAdams, sondern auch noch ein Michael Stuhlbarg verschwendet.

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