Das Leben findet wieder einen Weg - Kritik zu Jurassic World 2: Das gefallene Königreich

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Szenenbild aus Jurassic World 2

Drei Jahre sind nach den Ereignissen auf der Isla Nublar vergangen, die Dinosaurier führen ein ungestörtes Leben auf der Insel. Jedoch wird der Vulkan auf der Insel wieder aktiv und droht, die friedliche Idylle zu zerstören. Die ehemalige Parkmanagerin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) soll mit der Hilfe von Owen (Chris Pratt) eine Expedition dabei unterstützen, die Tiere von der Insel zu retten. Beide ahnen jedoch nicht, dass es dabei nicht unbedingt um das Wohlergehen der Dinosaurier geht …

Zugegeben, die Ausgangssituation zu Jurassic World: Das gefallene Königreich erinnert ein wenig an Vergessene Welt: Jurassic Park. Auch hier setzt die Geschichte nach einem Vorfall im Dinosaurier-Park an. Und dennoch schafft die Fortsetzung zu Jurassic World es, neue Wege einzuschlagen.

"Rettet die Dinos! Die Dinos müssen gerettet werden!"

Neu ist, dass das Wohl der Dinosaurier jetzt auf politischer Ebene diskutiert wird. Immerhin muss gleich zu Beginn der US-Senat darüber entscheiden, ob man die Isla Nublar evakuieren oder der Natur ihren Lauf lassen sollte. Ärgerlich hierbei ist, dass bereits der Anfang der Geschichte eine latent unglaubwürdige charakterliche Entwicklung bei Claire präsentiert. War sie in Teil 1 noch eine gewinnorientierte Geschäftsfrau, ist sie nun eine Dinosaurier-Aktivistin, der das Wohlergehen und die Rettung der Wesen am Herzen liegt. An sich ein schöner Gedanke, jedoch ist diese Entwicklung plötzlich und nicht komplett nachvollziehbar. Aber: Bei Jurassic Park und auch Jurassic World musste das Publikum im Laufe der Jahre öfter mal das Logik-Auge zudrücken … schließlich baut nicht jeder einen Park auf eine Insel, auf der sich ein aktiver Vulkan befindet.

Ebenfalls neu ist, dass Das gefallene Königreich in nicht einmal der Hälfte der Laufzeit einen fast kompletten Film erzählt. Im rasanten Tempo erlebt der Zuschauer, wie es den Dinosauriern ergangen ist, begleitet ihre (vermeintliche) Rettungsaktion und bekommt ein Gefühl davon, wie es ausgesehen haben muss, als sie ausgestorben sind. All dies haut einem der Film in knappen 45 Minuten um die Ohren und lässt so gut wie keine Atempause. Dabei spart Regisseur J. A. Bayona nicht mit bildgewaltigen Momenten. Mal subtil düster in der Eröffungssequenz, die einen wohligen Gruselmoment kreiert. Und dann wiederum fährt er alles auf, was so ein Bilderbuch-Vulkanausbruch für die Leinwand braucht.

Wer nicht lieb ist, kommt zu den Dinos in den Keller!

Jedoch kommt die Geschichte dann mit einer Vollbremsung zum Stehen. Es war nicht die cleverste Entscheidung, den anschließenden Haupthandlungsort von der Insel in ein Herrenhaus zu verlegen. Immerhin ein Herrenhaus mit einem gewaltigen Keller - irgendwo müssen die Dinosaurier schließlich reinpassen. Allerdings wirkt dieser Schauplatzwechsel wie ein Bruch, sowohl im Erzähltempo als auch in der Atmosphäre. Präsentierte der Film vorher noch große Bilder, reduziert sich die zweite Hälfte von Das gefallene Königreich auf klaustrophobisch anmutende Sets, um die nötige Spannung für den Rest der Handlung aufrecht zu erhalten. Dabei bleibt jedoch ein Großteil des bekannten Jurassic-Gefühls auf der Strecke, lediglich die verschiedenen Variationen des bekannten Jurassic-Themas erinnern im Score daran, welchen Film man sich gerade ansieht. Den Dinos bleibt in dem Gewirr um Millionengeschäfte in der zweiten Halbzeit eine reduzierte Nebenrolle, lediglich das Finale geht nochmals in die Vollen.

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Chris Pratt als Owen mit Blue in Jurassic World 2

Es ist der Darstellerriege zu verdanken, dass sich der Film über die gesamte Handlung trägt und spürbare Längen der Geschichte vermeidet. Bryce Dallas Howard ist sichtlich erleichtert darüber, keinen Sprints in High Heels mehr hinlegen zu müssen; Regisseur Bayona hat entsprechend dafür gesorgt, auf die größere Auswahl in Claires Schuhschrank hinzuweisen. Leider ist Howard aber auch anzumerken, dass selbst sie einige Probleme mit der plötzlichen Wandlung von Claire hat. Immer wieder möchte die geschäftstüchtige Parkmanagerin vom Zügel gelassen werden, sodass die emotionalen Momente Claires mitunter aufgesetzt wirken. Hier hat das Drehbuch schlicht nicht genügend Raum für die Figur gelassen.

Routiniert hingegen liefert Chris Pratt das ab, was das Publikum von ihm erwartet. Charmant, witzig, aber auch clever rennt, kämpft und diskutiert er sich durch alles, was sich ihm in den Weg stellt. In den passenden Momenten darf Owen dann seine softere Seite zeigen, sodass die Figur glaubwürdiger wirkt als noch in Teil 1 - die Reduzierung des Machoverhaltens dürfte hier ebenfalls einen großen Anteil haben.

Ganz nebenbei greift Das gefallene Königreich moralischen Fragestellungen auf. Wie weit darf die Genforschung letztendlich gehen? Was für Möglichkeiten haben Gruppierungen mit dem entsprechenden Kapital im Hintergrund? Und sollte ein US-Senat in der Tat darüber entscheiden dürfen, ob gleich mehrere Arten geopfert werden? Allerdings gibt die Geschichte keine abschließende Antwort auf diese Fragen - und sorgt damit für ausreichend Diskussionsstoff nach dem Kinobesuch. Dazu benötigt es auch nicht den kurzen Gastauftritt Jeff Goldblums, um sicherzugehen, dass das Leben einen Weg findet.

Fazit

Jurassic World: Das gefallene Königreich bietet sämtliche Zutaten, die es für einen unterhaltsamen Kinobesuch an einem verregneten Sommertag braucht. Einzelne Bestandteile dieser Mixtur hat das Publikum zwar schon gesehen, dennoch geht die Rechnung der Kurzweil auch für diesen Teil mit der Dinosaurier-Saga auf.

Jurassic World: Das gefallene Königreich - Trailer deutsch/german HD

Jurassic World: Fallen Kingdom - Official Trailer [HD]

Jurassic World: Fallen Kingdom
Originaltitel:
Jurassic World: Fallen Kingdom
Kinostart:
06.06.18
Regie:
J.A. Bayona
Drehbuch:
Derek Connolly, Colin Trevorrow
Darsteller:
Bryce Dallas Howard, Chris Pratt
Chris Pratt und Bryce Dallas Howard müssen sich erneut mit Dinosauriern herumschlagen.

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