Kritik zu Ready or not – Auf die Plätze, fertig, tot

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Ready or Not Film Still 1

Das hatte sich Grace (Samara Weaving) anders vorgestellt: Ihre Hochzeitsnacht wollte sie mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Alex Le Domas (Mark O‘Brien) verbringen, stattdessen hockt sie aber in einem Speiseaufzug. Denn laut Familientradition soll Grace mit den versammelten Familienmitgliedern ein Spiel spielen. Es ist Graces Pech, dass sie „Verstecken“ gezogen hat, denn nun macht sich die Familie, abgesehen von ihrem Ehemann, mit allen möglichen Waffen auf die Jagd nach ihr, um sie in einem dunklen Ritual zu opfern.

Das deutsche Urheberrecht hat viele sinnvolle Bestimmungen, ein paar fragwürdige und dann diese eine, die dem deutschen Filmverleih manchmal Kopfzerbrechen bereitet: Die Paragraphen §5 und §15 des deutschen Markengesetzes bestimmen, dass ein in Deutschland erscheinender Titel, beispielsweise von einem Film, eindeutig unterscheidbar sein muss. So kommen manchmal etwas ungelenk wirkende Filmtitel zustande, so auch in diesem Fall: Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot.

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Ready or Not Film Still 1

In den USA heißt der Film schlicht Ready or Not, aber da es unter anderem bereits einen Film, zwei TV-Serien sowie ein Buch mit diesem Titel, von den unzähligen Liedern und deren Covern abgesehen, gibt, muss da noch ein Nebensatz her. Leider verdirbt die etwas dümmlich wirkende Wendung „Auf die Plätze, fertig, tot“ ein bisschen die Lust auf einen ansonsten durchaus unterhaltsamen Horror-Komödien-Thriller. Denn statt den Film interessant wirken zu lassen, erinnert dieser Titelzusatz eher an die 1970er und 1980er Jahre, als alle Filme, die irgendwas mit Phantastik zu tun hatten, reißerische Titel wie „Jahr 2022 … die überleben wollen“ (Soylent Green) oder „Verdammt, die Zombies kommen“ (The Return of the Living Dead) trugen.

Aber zurück zu Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (da müssen wir jetzt alle gemeinsam durch): Was sich von der Inhaltsangabe her nach einem klassischen Menschenjagd-Film anhört, entpuppt sich eher als eine bisweilen tiefschwarze Komödie, die dank guter Inszenierung auch Spannung aufbauen kann. Und das ist gut so: Denn würde der Film Graces Flucht vor den angeheirateten Verwandten nicht mit dieser gewissen Leichtigkeit erzählen, würde sich Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot wohl kaum vom Rest der sommerlichen Horror-Thriller abheben, die um diese Zeit so heraus kommen.

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Ready or Not Film Still 1

Denn viel mehr bleibt nicht zu sagen, als: Die Inszenierung ist solide, das Schauspiel in den wichtigen Szenen emotional genug, um mitzuziehen, ansonsten neigt es aber zum Overacting, was aber den grotesken Grundton des Films unterstützt. Die Musik funktioniert in einer heroischen Szene gut, fällt aber sonst nicht weiter auf. Natürlich gibt es wie in Horrorfilmen oft kleinere Handlungsschwächen, die aber aufgrund der flotten Erzählung übersehen werden können. Denn nach knapp 90 Minuten ist der Spaß schon vorbei.

Was bleibt, ist der schwarze Humor, den Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot erst nach und nach offenbart. Denn anfangs gibt man sich betont ernst, was aber spätestens nach dem Auftauchen so mancher überzeichneter Verwandten wie Tante Helene (Nicky Guadagni) oder die unter Drogen stehende Schwägerin Emilie (Melani Scrofano) mit ihrem etwas planlosen Mann Fitch (Kristian Bruun) nachlässt. Spätestens nach dem Tod des ersten Dienstmädchens (die es auch sonst anscheinend nicht leicht haben im Hause der Le Domas) und der schockierten, aber pragmatischen Reaktion der Hochzeitsgesellschaft ist klar: Zu ernst sollte man das alles hier nicht nehmen.

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Ready or Not Film Still 1

Es bleibt zu hoffen, dass trotz des dümmlichen Titels genug Leute den Film besuchen, um Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot zu einem kleinen Erfolg für das Team werden zu lassen. Verdient hätten sie es.

Fazit: 

Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot ist eine angenehm kurzweilige Unterhaltung und damit eine willkommene Abwechslung gegenüber den hochernsten Horrorfilmen, die sich selbst zu wichtig nehmen. Fans von schwarzem Humor sei der Besuch empfohlen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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