Kritik zu The After: Vielversprechender Pilot mit Überraschungsmoment

Erst vor zwei Tagen wurde ein erster Clip aus Chris Carters neuem Serienprojekt The After veröffentlich und gab Anlass zu Spekulationen, welche Richtung der Erfinder von Akte X denn bei seiner apokalyptischen Vision einschlagen würde. Die Informationen flossen spärlich und sollten die Spannung bis zum Schluss bewahren. Und auch der Pilot selbst, der gestern bei Amazon dem Publikum vorgestellt wurde, setzt diesen Kurs fort: es bleibt weiterhin mysteriös.


Die Geschichte von The After beginnt mit der Apokalypse, die jedoch im Vergleich zur allgemeinen Vorstellung fast schon ruhig abläuft. Das mag daran liegen, dass die Protagonisten die eigentliche Katastrophe gar nicht hautnah miterleben, sondern nach einem Stromausfall eingesperrt in einer Tiefgarage in Los Angeles sitzen und zunächst einmal in dem Glauben sind, nur sie seien in Gefahr. Als zwei von ihnen dann doch einen Weg nach draußen finden, bietet sich das Bild welches der erfahrene Zuschauer vom filmischen Weltuntergang erwartet: Massenpanik, abstürzende Hubschrauber, Schüsse und Anarchie von anscheinend weltweitem Ausmaß. Bis hierhin hat uns auch der Trailer schon geführt und vielleicht aus gutem Grund nichts weiter verraten.

Auch die Charaktere sind auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich und für manchen Geschmack vielleicht sogar ein bisschen stereotyp. Da ist zunächst Gigi Generau (Louise Monot), die junge Schauspielerin mit französischem Akzent und atemberaubender Modelfigur, die in L.A. für eine Filmrolle vorspricht, während Tochter und Ehemann in New York die Daumen halten. Mit ihr trifft der Zuschauer nach und nach auf sieben völlig fremde Menschen, unter denen D.Love (Aldis Hodge) besonders auffällt. Als flüchtiger Verbrecher, der seine Unschuld beteuert aber gleichzeitig mit der Waffe droht, dürfte er für einige Überraschungen gut sein. Die anderen Charaktere – gespielt von Arielle Kebbel, Sharon Lawrence, Jaina Lee Ortiz, Jamie Kennedy, Andrew Howard und Adrian Pasdar  - sind weitgehend solide gezeichnet und versprechen interessante Entwicklungen und Konflikte im Verlauf der Serie, die sich wohl jedem einzelnen von ihnen noch näher zuwenden wird.

Diese wild zusammengewürfelte Gruppe muss nun angesichts der apokalyptischen Zustände zunächst an ihr Überleben denken und einen Ort finden, an dem dieses möglich ist. Dabei erscheint die Lösung zunächst überraschend einfach, aber wäre sie das wirklich, dann bräuchte man über eine Fortsetzung nicht nachzudenken. Und wie der Trailer, so soll auch diese Darstellung hier nicht mehr verraten, denn der Pilot von The After lässt sich ohne Spoiler wirklich am besten genießen und hält nach einer scheinbar gewöhnlichen Geschichte über den Untergang der Zivilisation dann doch noch einige ungewöhnliche und mysteriöse Überraschungen bereit.

Auch die filmische Umsetzung mutet solide an. Die Kameraführung verzichtet weitgehend auf Experimente und kommt – für manchen vielleicht erfreulich – weitgehend ohne wackelige Handkameras oder eigenwillige Perspektiven aus. Das ist gutes Handwerk, meist schön anzusehen und der Geschichte dienlich, aber nie aufdringlich. Gleiches kann über Musik und Effekte gesagt werden. Auch hier erwarten den Zuschauer kaum Überraschungen und dennoch gelingt es, die Aufmerksamkeit des Publikums einzufangen und eine spannungsgeladene Atmosphäre zu schaffen.

Zugegebenermaßen lässt der Pilot - wie auch der vorhergehende Trailer - noch so viele Fragen offen, dass ein endgültiges Urteil kaum möglich ist. Aber vielleicht ist ja gerade das ein Anreiz, diese Serie fortzuführen, um der Ursache der Katastrophe und den Geheimnissen der Protagonisten auf die Spur zu kommen. Doch ob uns das jemals gelingen wird, liegt zunächst in den Händen der Amazon-Kunden, die nun zur Abstimmung aufgerufen sind. Denn nur wenn der Pilot genügend Zuspruch erhält, wird es The After auch als Serie geben, doch die Reaktionen sind jetzt schon vielversprechend. Wer sich selbst einen Eindruck von „The After“ verschaffen kann, der kann sich den Pilot zur Zeit  bei Amazon.com kostenlos ansehen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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