Kritik zu Independence Day: Wiederkehr - Bumm-Bumm statt Bla-Bla

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Independence Day: Wiederkehr Teaser-Poster

20 Jahre nach der Invasion durch Außerirdische hat die Menschheit einen technologischen Sprung gemacht: Drohnen und Raumschiffe meistern mühelos die Gravitation, Strahlenwaffen beschützen die Erde aus dem Weltraum heraus, und die Nationen der Welt haben aufgehört, sich zu bekriegen. Stattdessen konzentrieren sie sich auf die Vorbereitungen auf einen zweiten Angriff durch die Aliens. Der kommt auch, allerdings wesentlich härter als gedacht. Das riesige, fünftausend Kilometer (!) große Schiff landet im Atlantischen Ozean und fängt an, den Erdkern anzubohren, um die Menschheit endgültig zu vernichten. Doch die beiden Piloten Dylan Hiller (Jessie T. Usher) und Jake Morrison (Liam Hemsworth) kämpfen mit ihrem Geschwader gegen die Invasoren, am Boden unterstützt durch David Levinson (Jeff Goldblum), den Ex-Präsidenten Thomas Whitmore (Bill Pullman) sowie Dr. Brakish Okun (Brent Spiner), der kurz vor dem Auftauchen des Mutterschiffes aus seinem zwei Jahrzehnte dauernden Koma erwacht.

Lang, Lang ist's her

Man fühlt sich unweigerlich alt, wenn man sich vor Augen hält, dass es tatsächlich 20 Jahre her ist, dass Independence Day in den Kinos lief - und Roland Emmerich nach Stargate den zweiten großen Erfolg bescherte. Eigentlich, so sagte auch Emmerich selbst, hatte er nie wirklich Interesse an einer Fortsetzung. Er wüsste einfach nicht, was man Neues bieten könne, dachte der gebürtige Stuttgarter. Aber anscheinend waren die technischen Fortschritte nach 20 Jahren weit genug, das Drehbuch so gut oder der Scheck so groß, dass die Unabhängigkeit nun ein zweites Mal erkämpft werden muss. Hat sich das lange Warten gelohnt?

Grob gesagt: Wenn man mehr auf Bumm-Bumm als Bla-Bla steht, dann wahrscheinlich schon. Der Film inszeniert seine Action gekonnt und rasant, dabei aber stets nachvollziehbar. Das Ensemble ist bemerkenswert, auch wenn das Fehlen von Will Smith als Captain Steven Hiller unter den bekannten Gesichtern wie Präsident Whitmore und David Levinson sehr auffällt. Hemsworth und Usher spielen ihre neuen Rollen routiniert und glaubhaft, während sich Fans von Brent Spiner über die ausgebaute Rolle des leicht durchgeknallten Dr. Okun aus dem Vorgänger freuen können. Insgesamt bietet der Film eine große Vielzahl an Charakteren, deren Schicksale die Geschichte extrem abwechslungsreich und spannend halten. Dabei ist Independence Day: Wiederkehr für heutige Standards mit knapp zwei Stunden Laufzeit angenehm kurz, sein Vorgänger verlangte noch etwa zweieinhalb Stunden vom Publikum ab. Das hohe Erzähltempo sorgt aber für Abstriche bei den Figuren, dazu jedoch später mehr.

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Brent Spiner in Independence Day: Wiederkehr

Als Film von einem Regisseur, der den Spitznamen Master of Desaster bekommen hat, geizt Independence Day: Wiederkehr natürlich nicht mit visuellem Bombast. So ist die große Zerstörungsszene von London in apokalyptische Farben getaucht und versucht nebenbei, die große Feuerwelle von 1996 zu übertreffen. Statt aber eine Großstadt einfach per Explosionen zu zerstören, lässt der Film zwei Städte sozusagen aufeinander prallen. Das ist ähnlich wie schon die Zerstörungsorgie in 2012 ziemlich beeindruckt inszeniert. Einen derart bleibenden Eindruck wie beim ersten Mal vor 20 Jahren hinterlässt diese Szene allerdings nicht.

Viel hat sich seit damals verändert

Dafür gibt sich der Film mehr Mühe, eine eigene Mythologie zu entwickeln. Die wirkt zwar etwas aufgesetzt, könnte sich aber als durchaus fahrtüchtiges Vehikel für den dritten Teil erweisen. Und der kommt, das wird durch das Ende schon angedeutet, mit ziemlicher Sicherheit. Denn obwohl Independece Day: Wiederkehr auf dem US-Markt nicht ganz den Gewinnerwartungen entsprach, wird der internationale Umsatz wohl genug abwerfen, um Teil drei zu rechtfertigen. Bleibt nur abzuwarten, was Emmerich dann Neues zu erzählen hat.

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Bill Pullman in Independence Day 2

Es ist die Krux jeder Fortsetzung, dass sie sich mit den Vorgängern messen lassen muss. Besonder bei Independence Day: Wiederkehr fällt aber auf, dass er nicht die gleiche Faszination entfaltet wie beim Debütfilm vor 20 Jahren. Das liegt zum einen an der routinierten und klischeebeladenen Erzählung, zum anderen an dem hohen Tempo, mit dem der Film durch seine Handlung hastet. Denn durch die Fülle an Charakteren hat das Publikum kaum Zeit, eine Beziehung zu den verschiedenen Personen aufzubauen. Dadurch wirken selbst die Helden wie Abziehbilder, deren Motivationen nur erahnt, aber nie nachvollzogen werden können. Dylan Hiller ist beispielsweise der große Held, allerdings weiß man nie, was er dafür getan hat. Hiller liegt zudem im Streit mit seinem früheren Piloten-Kollegen Morrison. Was genau zwischen den beiden vorgefallen ist, geht aber in der Hektik der Handlung unter. Und warum Morrison der Verlobte von Präsidententochter Whitmore ist, was die beiden aneinander finden und weshalb Morrison auch nur ansatzweise sympathisch sein soll, erfahren die Zuschauer ebenfalls nicht.

Früher war alles besser

Das führt dazu, dass die Charaktere und die menschlichen Schicksale dem Zuschauer am Ende letztlich egal sind. Während im ersten Teil die einzelnen Figuren schließlich über sich selbst hinauswuchsen, haben sie im zweiten Teil entweder zu kurze Auftritte oder sind bereits als Held etabliert - und genießen damit quasi Unsterblichkeitsstatus. Natürlich gibt es auch bei Independence Day: Wiederkehr noble Selbstaufopferung, aber die sieht man, wie auch die meisten Handlungswendungen, schon von weitem kommen. Insgesamt versteht es der Film zwar, sein Erzähltempo hoch zu halten und somit keine Längen zu bieten, erkauft sich dies aber mit uninteressanten Charakteren, die keine Bindung ermöglichen. So verpasst Independence Day: Wiederkehr die Chance, wirklich Eindruck beim Publikum zu hinterlassen.

Fazit

Independence Day: Wiederkehr ist ein effektgeladener, gekonnt erzählter Action-Blockbuster, der vor allem für Fans des Vorgängers viele kleine Wiedersehen, aber auch Überraschungen bereithält. Wer episches Popcorn-Kino mag, bekommt eine ordentliche Packung Action, Zerstörung und Drama geliefert. Ohne große Längen, allerdings auch ohne große Höhepunkte bietet der Film zwei Stunden Spaß. Enttäuschend sind die flachen Charaktere, die den Film letztlich nur knapp über das Mittelmaß hinausheben.

Independence Day: Wiederkehr Teaser-Poster
Originaltitel:
Independence Day: Resurgence
Kinostart:
14.07.16
Regie:
Roland Emmerich
Drehbuch:
Carter Blanchard, Dean Devlin, Roland Emmerich
Darsteller:
Jessie Usher, Jeff Goldblum, Liam Hemsworth, Vivica A. Fox, Bill Pullman, Brent Spiner
Zwanzig Jahre nach den Geschehnissen des ersten Alienangriffs wird die Erde erneut aus dem All bedroht.

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