Kritik zu Die Insel der besonderen Kinder - Besonders unauffällig

Der 16-jährige Jake (Asa Butterfield) ist geschockt vom Tod seines Großvaters, der unter mysteriösen Umständen gestorben ist. Um dieses Unglück zu verarbeiten, begibt er sich mit seinem Vater (Chris O'Dowd) auf eine kleine Insel vor Wales. Dorthin hatte Jakes Großvater Briefe geschickt, und der Junge will herausfinden, was es mit den mysteriösen Fotos auf sich hat, die ihm sein Großvater zeigte. Auf der Insel stößt Jake auf eine Gruppe besonderer Kinder und ihre Pflegemutter Frau Peregrine (Eva Green). Gemeinsam versuchen sie, die Kinder vor bösen Monstern zu beschützen.

Der Tim-Burton-Faktor

Es gibt kaum Regisseure in Hollywood, die einen wirklich eigenen, visuellen Stil pflegen. Terry Gilliam gehört dazu, David Fincher auch und natürlich Tim Burton. Der war in letzter Zeit ungewohnt produktiv, mit der Regie beziehungsweise Produktion der Alice-im-Wunderland-Filme und eher experimentell-absurden Filme wie Big Eyes oder Dark Shadows. Mit Die Insel der besonderen Kinder legt Burton nun eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ransom Riggs aus dem Jahr 2011 mit skurrilen Figuren und Bildern vor, in denen man Burtons individuelle Handschrift lesen kann.

Der Film beginnt mit einer von Burton gewohnten, mysteriösen Stimmung, die gekonnt Spannung aufbaut. Allerdings verbringt er zuviel Zeit damit, Figuren wie Jakes Familie aufzubauen, die im Verlauf der Handlung jedoch keine Konsequenz haben. Dafür lernen wir die besonderen Kinder näher kennen, bis auf die Jugendlichen Enoch, Emma und Olive bleibt die Kindergruppe von Frau Peregrine aber insgesamt recht blass.

Ab dem Moment der Begegnung mit Frau Peregrine und ihren Kindern wandelt sich Die Insel der besonderen Kinder von einem Mystery-Streifen hin zu einem bodenständigen Fantasy-Abenteuerfilm. Das gelingt auch ganz gut, und der Übergang wirkt in keinem Moment störend. Lediglich die mysteriösen Elemente gehen verloren, was dem Ganzen etwas an Spannung nimmt.

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Szenenbild aus Die Insel der besonderen Kinder

Besondere Kinder als Dekoration

Auffallend ist allerdings, dass der von Tim Burton gewohnte Skurrilitäts-Faktor ziemlich zurückgefahren ist. Das heißt: Die Besonderen Kinder bleiben zwar "speziell", aber insgesamt wenig schillernd und wirken im Verlauf beinahe nur als Hintergrund-Dekoration für die wirklich wichtigen Protagonisten: Jake, Emma und Frau Peregrine sind die entscheidenden Akteure. Vor allem auf Jake und seine aufblühende Romanze mit Emma verwendet der Film viel Zeit. Nur: So richtig wird nicht deutlich, warum die Funken zwischen den beiden sprühen, außer, dass es vom Drehbuch so gewollt ist.

Eine kleine Überraschung bietet der Auftritt von Samuel L. Jackson, den man bisher in einem Burton-Film nicht vermutet hätte. Seine Figur des Mister Barron wurde extra für den Film erfunden und in die Geschichte integriert - leider fällt das vor allem am Ende auf. Mister Barron wirkt etwas aufgesetzt und scheint vor allem keinen anderen Zweck zu haben als einfach "Der Böse" zu sein - da wird das Talent von Samuel L. Jackson ein wenig verschwendet.

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Die Insel der besonderen Kinder - Szenenbild mit Eva Green

Konstruierter Abschluss

Überhaupt wirkt das ganze Finale ein wenig konstruiert - gerade so, als sollten noch einmal alle Kinder ihre besonderen Kräfte in den Vordergrund stellen können. Leider funktioniert das nicht sehr gut, da das Ganze künstlich anmutet und die Bösewichte mit ein wenig Grips die Kinder einfach hätten überwältigen können. Zudem werden am Ende einige Handlungsbögen nicht zufriedenstellend aufgelöst, was die gesamte Geschichte ein wenig in Frage stellt und - trotz eines Happy Ends - wenig Befriedigung bietet.

Über alle Zweifel erhaben ist allerdings die schauspielerische Leistung der Beteiligten, allen voran von Eva Green. Sie schafft es, der Frau Peregrine genug Tiefe zu verleihen, obwohl sie vergleichsweise wenig Raum in der Handlung einnimmt. Besonders der Spagat zwischen mütterlicher Zuneigung zu ihren Kindern und gleichzeitig fast bürokratischer Strenge trägt viel zur Tiefe des Charakters bei - so viel, dass es beinahe schade ist, so wenig von der Pfeife rauchenden Frau Peregrine zu sehen.

Fazit

Tim Burtons individueller Stil und sein Hang zur Skurrilität sind insgesamt etwas zurückgehalten - das nimmt dem Film leider sein Alleinstellungsmerkmal. So ist Die Insel der besonderen Kinder zwar ein unterhaltsamer, an manchen Stellen auch spannender Fantasy-Abenteuerfilm, allerdings geht er im Film- und Serienangebot der letzten Monate unter und wirkt insgesamt ziemlich unauffällig. Der Film hat nichts, was das Publikum vom Hocker haut, sondern liefert in erster Linie solides Unterhaltungshandwerk.

DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER | Trailer #2 HD | Deutsch / German

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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