Lieblose Neuauflage - Kritik zu Das Kalte Herz

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Frederick Lau und Henriette Confurius in Das Kalte Herz

Der mittellose Köhler Peter (Frederick Lau) sucht aus Liebe zu Lisbeth (Henriette Confurius), der schönen Glasmacher-Tochter, einen Weg zum Reichtum. In seiner Verzweiflung lässt er sich auf einen Pakt mit dem Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu) ein, der ihm anstelle seines Herzens einen Stein in die Brust setzt.

Mit Das Kalte Herz macht sich erneut ein deutscher Fantasyfilm auf, um im Kino erfolgreich zu werden. Das geht nicht immer gut, wie die letzten Versuche bewiesen haben. Woran liegt es? An der mangelnden Fantasy-Begeisterung der Kinogänger? An der Tatsache, dass es sich um eine deutsche Produktion handelt? Schließlich werden diese eher in der Regel mit Til-Schweiger-und-oder-Matthias-Schweighöfer-Komödien in Verbindung gebracht. Oder daran, dass sich der Film aufgrund der Umsetzung einfach mal nicht für den Kinobesuch lohnt?

In diesem Fall ist letzteres der Grund. Das Kalte Herz basiert auf dem gleichnamigen Märchen von Wilhelm Hauff und wurde für die Kinoversion frei adaptiert. Der Stoff bietet eigentlich die Grundlage für eine märchenhafte Verfilmung mit gesellschaftskritischem Unterton. Dazu kann sich die Besetzungsliste durchaus sehen lassen. Woran krankt es nun?

Manchmal ist doch alles schwarz und weiß

In erster Linie daran, dass der Film sich verzettelt. Lang und breit wird der Zuschauer darüber aufgeklärt, wie schlimm es war, zu Peters Zeiten ein Köhler im Schwarzwald zu sein. Ganz unten in der gesellschaftlichen Hackordung sieht er keine Chance, aus dieser Position heraus zu kommen. Umso schlimmer, wenn man dann sein Herz an die schöne Glasmacher-Tochter verliert und weiß, dass daraus nichts werden kann. Damit auch der Letzte den Unterschied im gesellschaftlichen Status erkennt, ist die Welt um Peter passend in dunklen Grautönen gehalten, während die Szenen um Lisbeth in warme Farben getaucht sind. Lisbeth trägt passenderweise ein unschuldiges Weiß...

So dauert es auch lange, bis Das Kalte Herz Fahrt aufnimmt und zum Kern der Handlung kommt. Als Sonntagskind hat Peter drei Wünsche beim Glasmännchen (Milan Peschel) frei. Da Peter jedoch nicht der Hellste ist, äußert er drei Wünsche, die nicht durchdacht sind - symptomatisch für den Film. Der Holländer-Michel tritt schließlich in Aktion, als Peter merkt, dass seine Wünsche nicht zur Ruhm und Reichtum genügt haben. Was dann mit ihm passiert und was passieren muss, damit er wieder zur Besinnung kommt... nun, dies wird eher hektisch im letzten Drittel des Films abgehandelt und sorgt aufgrund einiger Logikfehler für manch Stirnrunzeln. Hier hätte man den Beginn etwas zügiger erzählen können, da gerade der Anfang zum Teil schlicht langweilt.

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David Schütter in Das Kalte Herz

Blackout bei den Darstellern

Krankt es noch an etwas anderem? Können vielversprechende Darsteller wie Milan Peschel (What a Man, Rubbeldiekatz), Moritz Bleibtreu (Lola rennt, Das Experiment) und Frederick Lau (Oh Boy, Victoria) wirklich schlecht abliefern? Sie können. Leider. Peschel experimentiert mit seiner Rolle des Glasmännchens zu sehr und geht mit seiner Interpretation schnell auf die Nerven. Bleibtreu ist anzusehen, dass auch ihn das Drehbuch gerade zum Ende hin nicht vollends überzeugt hat. Auf den Schultern von Lau liegt schließlich der Löwenanteil der Verantwortung. Anscheinend ist er unter dieser Verantwortung zusammengebrochen, anders ist seine Darstellung nicht zu erklären. Den gewandelten, herzlosen Peter mag man ihm so gar nicht abkaufen, ebenso wenig den einfachen Köhlerjungen - gerade der Wandel seiner Figur ist erschreckend eindimensional. Der einzige Lichtblick an dieser Stelle ist David Schütter (Unsere Zeit ist jetzt), der es schafft, den inneren Konflikt seiner Figur Bastian auch darzustellen. Ihm bleibt zu wünschen, dass er nicht vollends auf den Schweiger-Schweighöfer-Zug aufspringt; das Können zu mehr hat er definitiv.

Fazit

Auch Das Kalte Herz ist leider nicht dazu geeignet, die Skeptiker von der Qualität des deutschen Films zu überzeugen. Dazu fehlt dem Film trotz eigentlich beeindruckender Darstellerriege und gut gewählten Locations das gewisse Etwas. Als Notnagel für einen etwaigen Babysitter-Dienst kommt er wegen der berechtigten Altersfreigabe ab 12 Jahren auch nicht in Frage. Für die jüngeren Zuschauer ist der Film in der Tat zu düster. Allerding bleibt zu bezweifeln, ob sich das ältere Publikum für misslungene deutsche Fantasy entscheidet, wenn in Kürze die nächsten Blockbuster vor der Tür stehen.

Das kalte Herz | Offizieller Trailer | Ab 20. Oktober 2016 im Kino

Das kalte Herz Poster
Kinostart:
20.10.16
Laufzeit:
119 min
Regie:
Johannes Naber
Drehbuch:
Christian Zipperle, Johannes Naber, Steffen Reuter, Andreas Marschall
Darsteller:
Frederick Lau (Peter Munk), Henriette Confurius (Lisbeth), Moritz Bleibtreu (Holländer-Michel), Milan Peschel (Glasmännchen), David Schütter (Bastian), Roeland Wiesnekker (Etzel), Sebastian Blomberg (Löbl), André M. Hennicke (Jakob)
Der mittellose Peter sucht aus Liebe zu der aus gutem Hause stammenden Lisbeth nach einem Weg, um selbst reich zu werden.

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