Kritik zum Netflix-Film Spectral - Dem unsichtbaren Gegner auf der Spur

Der Science-Fiction-Film Spectral von Universal und Legendary Pictures wurde eigentlich als Kinofilm konzipiert und sollte im August 2016 anlaufen. Nach dem schlechten Abschneiden der Computerspiel-Verfilmung Warcraft - The Beginning an den US-Kinokassen wurde Spectral aus dem Programm genommen und stand ohne ein Veröffentlichungsdatum da. Netflix sicherte sich im November die Rechte und macht den ehemaligen Kinofilm nun als "Netflix Original" weltweit verfügbar.

Der Wissenschaftler Dr. Clyne (James Badge Dale) ist Erfinder einer hochempfindlichen Verstärkerbrille, die dem Träger das Sehen auf einem breiteren Spektrum ermöglicht. Er wird in das osteuropäische Land Moldava gerufen, wo das US-Militär in einen Bürgerkrieg verwickelt ist, und seine Brille, die bei den Soldaten zum Einsatz kommt, eine Anomalie aufgedeckt hat; scheinbar geisterhafte Wesen, die für das bloße Auge unsichtbar sind.

Anfangs als Tarnvorrichtung einer feindlichen Fraktion abgetan, stellt sich schnell heraus, dass es sich bei den "spektralen Anomalien" um kein natürliches Phänomen handelt. Und es breitet sich aus.

Was sind das für "Geister"?

Angetrieben wird der Film von der zentralen Frage, um was es sich bei diesen geisterhaften Erscheinungen handelt. Wo kommen sie her? Was wollen sie? Dabei wird keine Zeit für großartige Charakterisierung oder weitere Hintergründe verschwendet und das ist eigentlich auch überhaupt nicht schlimm. Denn als Zuschauer interessiert man sich nicht für die Lebensgeschichte der Figuren, sondern versucht, die Puzzleteile selbst zu einer Erklärung zusammenzufügen und das Rätsel zu lösen.

Da verzeiht man auch die teils vorhersehbare Handlung oder die klischeehafte Standard-Darstellung der Figuren, z.B. das übliche Macho-Verhalten der knallharten Soldaten, die sich erst mal über den Wissenschaftler lustig machen.

Die Auflösung kommt allerdings völlig unerwartet schon nach nicht mal zwei Dritteln der Laufzeit und dürfte den einen oder anderen ernüchtert zurücklassen. Ab diesem Punkt fällt der Film in sich zusammen und marschiert auf ein effektgeladenes Actionfinale zu, das zwar nett anzusehen ist, aber ohne das Mystery-Element keinen richtigen Spaß mehr macht.

Schauspielerisch ist Spectral mit James Badge Dale (24), Emily Mortimer (Shutter Island) und Bruce Greenwood (Star Trek Into Darkness) gut besetzt. Die Rollen, die sie spielen, werden dem vorhandenen Talent jedoch nicht gerecht.

Im Gegensatz zum eher minimalistischen Netflix-Film Arq macht Spectral optisch eine ziemlich gute Figur, was den Produktionsumständen zu verdanken ist. Die Effekte aus dem Hause Weta können sich sehen lassen, der Soundtrack von Junkie XL ist stimmungsvoll, jedoch nichts Besonderes.

Fazit

Im Kino hätte man sich womöglich über den Film geärgert. Vor dem Hintergrund, dass Spectral eigentlich ein Kinofilm hätte sein sollen, den man nun direkt auf der heimischen Couch ansehen kann, ist er allerdings ein passables Filmvergnügen. Eine interessante Prämisse verliert sich leider in einer unbefriedigenden Auflösung.

Laufzeit: 107 min, Regie: Nic Mathieu, Drehbuch: Ian Fried, John Gatins & George Nolfi, mit James Badge Dale, Emily Mortimer, Bruce Greenwood.
Seit 9. Dezember 2016 bei Netflix verfügbar.

Spectral | Official Trailer [HD] | Netflix

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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