DC-Comic-Kritik: Batgirl Megaband 1: Der Sohn des Pinguins (Rebirth)

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Batgirl Rebirth

Barbara Gordon, die Tochter des wohl berühmtesten Commissioners der Comic-Geschichte, ist Batgirl. Für diejenigen, die den Charakter lediglich aus Batman - The Animated Series (BATS) oder dem von vielen sehr bewusst aus ihrem Gedächtnis gelöschten Film Batman & Robin kennen, ist das keine neue beziehungsweise erwähnenswerte Information.

Für diejenigen aber, die sich fleißig durch die unzähligen Panels, in denen in den vergangenen Jahren faszinierende Storys aus dem Bat-Kosmos erzählt worden sind, gekämpft haben, ist dieser Umstand nicht ganz so selbstverständlich. Denn der bekannte Rotschopf saß dank des Jokers zwischenzeitlich auch im Rollstuhl.

Barbara wäre aber nicht Barbara, wenn sie sich davon hätte entmutigen lassen. Als Orakel unterstützte das Computer-Genie fortan vor allem die Bat-Familie und versorgte sie mit entscheidenden Hinweisen, die zu der Überführung des einen oder anderen Superschurken führten.

Ihr unbändiger Kampfgeist und ein experimenteller Eingriff in einer südafrikanischen Klinik sorgten schließlich dafür, dass die Heldin wieder gehen und nach einem sehr harten Training ebenfalls wieder Kostüm und Maske tragen konnte. Viele Abenteuer später ist der jungen Frau nach einer Auszeit von all dem Trubel. Diese verbringt sie auf dem größten Kontinent des Planeten, wirklich ruhig geht es dort allerdings nicht zu. Doch alles andere würde auch nicht zu ihren ersten Schritten im wiedergeborenen DC-Universum passen.

Weit weg von daheim …

In der ersten der beiden in sich abgeschlossenen Geschichten des Megabandes (“Weit weg von daheim“) verschlägt es Barbara - wie gesagt - nach Asien. Relativ schnell trifft sie in der Ferne zufällig auf einen alten Bekannten. Aus einer aufgewärmten Freundschaft wird bald etwas mehr, jedoch ist Gotham Citys Verbrechensbekämpferin Nummer eins zu Recht skeptisch, und so steht diese private Romanze folgerichtig sehr schnell im Zentrum eines neuen Batgirl-Falls.

Dieser unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem, was parallel unter dem Rebirth-Banner erschienen ist, weshalb hier zweifellos ausreichend Potenzial vorhanden ist, um Fans zu spalten:

Eine Protagonistin, die in Japan oder Südkorea für Gerechtigkeit sorgt, agiert im Grunde völlig losgelöst von ihrer vertrauten Umgebung. So wird man beispielsweise nicht nur permanent mit unverbrauchten Schauplätzen, sondern logischerweise ebenfalls mit neuen Antagonisten konfrontiert. Das kann man durchaus als erfrischend empfinden. Und außerdem passt die Grundidee sehr gut zu der Miss Gordon, die Cameron Stewart und Brenden Fletcher in Batgirl - Die neuen Abenteuer in den hippen Gotham-Stadtteil Burnside haben ziehen lassen.

Batgirl Rebirth

Überhaupt muss man sagen, dass Dick Graysons On-Off-Freundin als eine in sich sehr stimmig weiterentwickelte Figur präsentiert wird. Dies liegt darin begründet, dass man in ihrem Fall den inhaltlichen Cut schon vor dem alle DC-Serien betreffenden Restart vollzogen hat. Man könnte fast sagen, dass seitdem zwar nach wie vor Batgirl auf dem Cover steht, aber im Wesentlichen Barbara drinsteckt.

Deshalb ist die Tatsache, dass Autorin Hope Larson dem Privatleben der Urlaubenden beinahe so viel Aufmerksamkeit schenkt wie ihren heldenhaften Aktivitäten, im Prinzip die größte Stärke dieses elf Einzelheftausgaben umfassenden Sammelbandes. Sie gewährt ihren Lesern konsequent Einblick in das Innenleben der angehenden Bibliothekarin. Und da die US-Amerikanerin sich nicht damit begnügt, den Anhängern lediglich einzelne Facetten ihres Charakters zu zeigen, ist es nicht verwunderlich, dass man sehr schnell mit der Studentin und deren Freunden sympathisiert.

…, aber doch nicht so ganz

Während diese Aspekte nun für viele entscheidende Kaufgründe darstellen, stören sich andere genau daran beziehungsweise an den Dingen, die eine solche Schwerpunktsetzung und ein solches Vorgehen mit sich bringen. Der Umstand, dass die Handlung außerhalb Gothams spielt und die Aufwertung von Barbaras Privatleben gehen zwangsläufig auf Kosten der im Bat-Kosmos sonst so typischen düsteren Tonalität und Ernsthaftigkeit.

Dies ändert sich auch nicht nach ihrer Rückkehr nach Burnside in “Der Sohn des Pinguins“. Im Gegenteil: Gerade dieser so angesagte Außenbezirk der Stadt, die unter anderem für das Arkham Asylum bekannt ist, verliert selbst dann nicht an Lässigkeit und Lockerheit, wenn dort Verbrechen begangen werden. Dies hängt selbstverständlich ebenfalls mit den hellen, bunten und manchmal sogar knalligen Farben sowie dem sehr verspielten und im wahrsten Sinne des Wortes Comic-haften Look, für den Rafael Albuquerque und Chris Wildgoose verantwortlich zeichnen, zusammen.

Batgirl Rebirth

Dass die Antagonisten - unter anderem aus den genannten Gründen - einfach nicht so recht bedrohlich wirken wollen, ist ein weiteres Problem. Weder die asiatischen Kampfkunst-Expertinnen in “Weit weg von daheim“ noch Cobblepot Junior in dem nach ihm benannten zweiten Abenteuer empfehlen sich mit diesen Auftritten für einen weiteren Einsatz. Insbesondere für Letzteren ist das bedauerlich, weil der Nachwuchsbösewicht an sich alles mitbringt, um Batgirl & Co. nachhaltig übel mitzuspielen - so viel sei allerdings verraten: Das Ende könnte rückblickend ein vielversprechender Neustart für diese Figur sein.

Fazit

Batgirl Megaband 1 - Der Sohn des Pinguins ist einer der wenigen Rebirth-Auftakt-Bände, der auf ein Betätigen des Reset-Knopfes verzichtet. Trotz eines Wechsels auf dem Regiestuhl fühlt sich das Erzählte nach einer logischen Fortsetzung von Batgirl - Die neuen Abenteuer an.

Wer also daran interessiert ist, viel aus Barbaras Leben zu erfahren und die leichte, von Humor geprägte Grundstimmung der Vorgängerserie mochte, sollte hier zugreifen. Wer jedoch eher ein Fan von Gail Simones Batgirl-Run war, sollte sich lieber bei seinem Comic-Händler des Vertrauens nach Alternativen erkundigen - Spoiler: Er wird im aktuell wirklich extrem guten und abwechslungsreichen DC-Portfolio sicher fündig werden.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

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