Kritik zu Akte X 11.09 - Nichts währt ewig

SPOILER

akte-x-scully-muell.jpg

Scully liegt im Müll

“Was zur Hölle habe ich da gerade gesehen?” Es kommt nicht oft vor, aber Folge 9 der aktuellen Staffel von Akte X bewog mich dazu, im redaktionsinternen Chat diese Frage zu stellen. Diese Episode hatte es noch während des Abspanns geschafft.

Dass in Akte X mehr als ein paar Blutspritzer zu sehen sind, ist normal. Aber meistens hatte die Serie dann doch irgendwie ihre Gründe dazu. Bei “Nichts währt ewig” fühlt es sich aber anders an. Doch erst mal der Reihe nach.

Bereits der Auftakt der Episode versucht, das Publikum auf eine vermeintlich falsche Fährte zu locken. Zwei Männer in einem Raum, der nicht wirklich der sterilen Umgebung einer Klinik entspricht. Allerdings sind die Männer eindeutig Mediziner. Hurra, Organhandel! Ganz sicher. Aber Moment, wer ist das Mädchen da, das so monoton seine Bibelverse zitiert? Hawkeye, bist du das? Ist das der Grund, warum du in keinem Trailer zu Avengers: Infinity War aufgetaucht bist?

Ein Blutbad später. Scully wird vermutlich doch ins Fegefeuer kommen, immerhin brummt bei der Eucharistie-Feier ihr Handy, sodass sie nach dem Empfang der Hostie nicht betet, sondern lammfromm an Mulders Seite trabt. Tatort. Sofort.

"Willst du mich verarschen, Mulder?"

Und jetzt dürfen Mulder und Scully auch offiziell feststellen, dass sie alt sind. Aber - das Ganze passiert so total gegen den Kanon. Mulder wird altersweitsichtig und benötigt (Trommelwirbel, bitte) eine Brille. Das Internet und insbesondere Tumblr dreht durch, immerhin hat der gute Fox bereits in der Pilotepisode eine Brille getragen, obwohl er nun mit dieser Episode impliziert, dass er bislang auf keine Brille angewiesen war. Da hilft selbst der abgenutzte Witz, dass Männer in der Regel erst nach Wochen bemerken, dass eine Frau beim Friseur gewesen ist, nichts.

Zartbesaitete Gemüter werden mit den folgenden Szenen so ihre Probleme gehabt haben. Denn die Smoothies, die in dieser merkwürdigen Kommune gemixt werden, sind alles andere als vegan. Aber die machen nicht nur schön, sondern halten auch jung - das neue Superfood! Diese Erkenntnis ist jetzt aber nicht sonderlich bahnbrechend, immerhin wissen Vampire das schon länger. Leider macht die Folge auch schnell und nicht wirklich geschickt klar, dass Barbara ein Problem mit dem Älterwerden hat und deswegen steten Organ-Snack-Nachschub braucht. Soll schocken. Verursacht aber irgendwie nur ein gelangweiltes Gähnen, weil “Nichts währt ewig” damit jede Spannung fehlt.

Wenn Mulder Scully nicht riechen kann

So darf noch ein wenig Blut spritzen und an Organen geknabbert werden, bis Mulder und Scully an der Tür klopfen, Scully in einen leeren Aufzugschacht fällt und letztendlich von jahrzehntealtem Müll gerettet wird. Was Mulder das zweite Mal in der Serie zur Feststellung bringt, dass Scully stinkt. Wunderbar. Hat das Drehbuch also noch halbwegs passenden Fanservice reingeklöppelt.

Absolut ärgerlich ist, dass die Schlussszene, die für sich allein stark ist, im Kontext dieser Episode aber deplatziert wirkt. Schlurfte vorher noch ein Arzt mit einem menschlichen Reserveakku durch das Bild und gab Barbara inmitten des Essengemetzels eine Gesangsdarbietung, verschlägt es Mulder und Scully zum Schluss wieder in die Kirche. An einen stillen Ort, der dem einen oder anderen ein paar Erkenntnisse gebracht hat. Löblich ist, dass das Drehbuch hier darauf bedacht ist, die gegensätzlichen Meinungen der beiden, was den Gottesglauben betrifft, deutlich zu machen. Ebenfalls löblich ist, dass beide Agenten sich auf etwas einzuschwören scheinen - schließlich steht der große Showdown für das Staffelfinale bevor.

Weniger löblich ist, dass diese Finale damit aber aus heiterem Himmel kommt, da nichts darauf hindeutet, dass “Nichts währt ewig” die vorletzte Folge von Staffel 11 war. Somit verpufft die Wirkung der Schlussszene an dieser Stelle, und das tut einfach weh. Denn die aktuelle Staffel hat nicht viel von diesen leisen, aber sehr vertrauten Momenten bereit gehalten. Umso trauriger ist es, dass der eigentlich schönste Moment in eine Folge geschrieben wurde, die auf Blutspritzen um des vermeintlichen Schockeffekt willens gesetzt hat. Los, Mulder, zünd eine Kerze an. Dann kann auch ich Amen sagen …

Fazit

“Nichts währt ewig” ist eine Episode, die Akte X in dieser Form gerade vor einem Staffelfinale nicht verdient hat. Die Folge möchte schocken, ist aber so vorhersehbar, dass die Schockeffekte ihre Wirkung verfehlen und damit wie gewollt und nicht gekonnt wirken. Noch dazu hat die Prämisse nicht genug Substanz, um über eine komplette Episode zu unterhalten. Bleibt zu hoffen, dass das Staffelfinale einige Schüppchen drauflegt.

Akte X: Der Film
Originaltitel:
X-Files: The Movie
Kinostart:
19.06.98
Laufzeit:
121 min
Regie:
Rob Bowman
Drehbuch:
Chris Carter, Frank Spotnitz
Darsteller:
David Duchovny, Gillian Anderson, Mitch Pileggi, William B. Davies, Martin Landau
Schwarze Blut, das aus der töten Kreatur austritt, sammelt sich und kriecht am Körper des Wilden hinauf.

Regeln für Kommentare:

1. Seid nett zueinander.
2. Bleibt beim Thema.
3. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

Beiträge von Spammern und Stänkerern werden gelöscht.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren.
Ein Konto zu erstellen ist einfach und unkompliziert. Hier geht's zur Anmeldung.