Kritik zu Die Unglaublichen 2 - Familienchaos mit Superkraft

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Die Unglaublichen 2

Es gibt endlich ein Wiedersehen mit Mr. Incredible (Craig T. Nelson), Elastigirl (Holly Hunter) und ihren Kindern Violetta, Flash und Baby Jack-Jack. Pixar erfindet das Genre mit dem Sequel nicht neu - aber funktioniert Die Unglaublichen 2 nach Jahren der Gewöhnung an Marvel- und DC-Echtzeitfilme noch?

Die Handlung setzt kurz nach dem Ende des ersten Teils ein. Die Familie Parr versucht weiterhin, ein unauffälliges Leben jenseits ihrer Superkräfte zu führen, was ihnen nur leidlich gelingt. Bei einem Kampf gegen einen Superschurken verwüsten die Parrs unglücklicherweise halb Metroville und müssen sich fortan ein neues Zuhause suchen. Sie geraten an die wohlhabenden Geschwister Helen und Winston Deavour (in Original gesprochen von Bob Odenkirk und Catherine Keener), die ihnen eine moderne Heimstatt bieten - sogar inklusive geheimer Superhelden-Höhle.

Die beiden Geschwister wollen mit einer groß angelegten Imagekampagne dafür sorgen, dass Superhelden endlich wieder cool werden. Dafür wird vor allem Mama Helen eingesetzt, die ihre Karriere als Elastigirl vorantreiben kann und als Vorbild für alle Frauen und Mütter vermarktet werden, während Mr. Incredible zuhause die Kinder hüten soll. Dabei hat er glücklicherweise Unterstützung von seinem Kumpel Frozone (Samuel L. Jackson). Doch bald braucht Elastigirl Hilfe, um den Screenslaver zu besiegen, der Menschen unter seinen Bann bringt und sie Verbrechen aller Art begehen lässt.

Ein Herz für Helden

Mit Die Unglaublichen 2 kommt nach knapp 14 Jahren der zweite Teil rund um die Pixar-Superheldenfamilie auf die Leinwand. Brad Bird, der auch im ersten Teil Regie geführt hatte, hat schon vor mehreren Jahren angekündigt, eine Fortsetzung machen zu wollen - nur hatte er lange keine wirkliche Geschichte auf Lager, die er erzählen könnte.

Dass nun, im Zeitalter der Superhelden-Epen, der zweite Teil der Unglaublichen eher überraschend in die Kinos kommt, dürfte die Latte noch einmal höher anlegen. Seien wir ehrlich: So viel Neues gibt es bei einem Superheldenfilm mittlerweile auch nicht mehr zu erzählen. In Anbetracht der zahlreichen teils recht lieblos zusammengeschusterten Fortsetzungen oder Zwischenteile der diversen Superhelden-Realverfilmungen kann Die Unglaublichen 2 dankenswerterweise sowohl Kinder als auch Erwachsene unterhalten.

(Fast) keine Experimente

Die Unglaublichen 2 bietet hier Verlässlichkeit: Man weiß, was man kriegt. Der Film punktet in guter alter Pixar-Manier von der ersten Minute an mit jeder Menge Tempo, Witz und extrem liebevoll ausgearbeiteten Figuren. Die Optik hat sich seit Teil Eins kaum verändert, wirkt aber dank der Comic-Ästhetik glücklicherweise kein Stück veraltet.

Andere Handlungselemente sind jedoch wenig überraschend. Der generische Kampf gegen den Bösewicht, der die Familie wieder zusammenbringt, ist so erwartbar wie die leider nicht sehr trickreiche Auflösung. Genrekenner ahnen die wahre Identität des Superschurken schon meilenweit im Voraus - hier hätte man durchaus etwas fantasievoller heranschreiten können. Zumal Bird als Hauptgrund für die Verzögerung der Fortsetzung angab, gerade der Handlungsstrang des Bösewichts sei der, der ihm am meisten Probleme bereitet habe. Da will man vielleicht lieber nicht wissen, welche Handlungsstränge in der Schublade geblieben sind.

Der Rollentausch von Mutter und Vater bot sich drehbuchtechnisch an, um die Familie ein wenig durcheinanderzuwirbeln - hier greift man auf bewährte Muster zurück, die man so schon allzu oft gesehen hat. Auch die Handlung rund um Jack-Jacks Erzrivalen (dessen Identität hier noch geheim bleiben soll), wirkt streckenweise wie recycelte Slapstick-Entwürfe für frühere Projekte wie Ice Age. Pixar geht hier in der Mitte des Films vielleicht ein wenig zu oft auf Nummer sicher und bietet so eher wenig Neues.

Und doch: Die spaßige Familientherapie funktioniert

Eine Weiterentwicklung gibt es allerdings, durch die die Handlung von Die Unglaublichen 2 enorm aufgewertet wird: Jack-Jacks Superkräfte entfalten sich endlich richtig und bieten so Gelegenheit für einige wunderbar alberne und später entscheidende Szenen. So bekommt Jack-Jack in der Handlung also endlich etwas zu tun, statt nur als niedliche Nebenfigur zu dienen. Pixar hat hier genau auf das richtige Pferd gesetzt und kann - im Gegensatz zum Bösewicht - doch noch überraschen.

Auch die Kritik an den Medien, die mit dem Screenslaver - ja, der Name ist Programm - deutlich herausgearbeitet wird, dürfen sich sowohl Kinder als auch Erwachsene hinter die Ohren schreiben: Als willenlose Ausführungsmaschinen, die wortwörtlich alles tun, was ihnen der Bildschirm befiehlt, will Pixar uns nicht sehen. Stattdessen sollen Werte wie Familie und Zusammenhalt den Kampf gegen die Gleichgültigkeit und die Vereinzelung durch die allgegenwärtigen Screens und Medien gewinnen. Für eine Fortsetzung einer Geschichte, die bereits 14 Jahre auf dem Buckel hat, ist das eine durchaus erfreuliche Botschaft.

Fazit

Mit Die Unglaublichen 2 ist Disneys Pixar-Schmiede den Erwartungen an ein spaßiges Familienabenteuer absolut gerecht geworden. Zwar setzt die Fortsetzung der Unglaublichen ein paar mal zu oft auf Bewährtes und der Bösewicht ist absolut keine Überraschung, doch kann der Film mit liebevoll gestalteten Figuren und der richtigen Menge an Witz und Tempo für unterhaltsame zwei Stunden sorgen.

Die Unglaublichen 2 Poster
Originaltitel:
Incredibles 2
Kinostart:
27.09.18
Regie:
Brad Bird
Drehbuch:
Brad Bird
Darsteller:
Holly Hunter, Craig T. Nelson, Sarah Vowell, Samuel L. Jackson, John Ratzenberger
Knapp 14 Jahre nach dem ersten Teil wartet ein weiteres Kinoabenteuer auf die Superhelden-Familie Parr.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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