The Long Night - Kritik zu Game of Thrones 8.03

SPOILER

Die Schlacht um Winterfell ist endlich gekommen. In der dritten Episode von Staffel 8 stellt sich die Armee der Menschen dem Nachtkönig in einem verzweifelten Kampf um das Überleben. Im Vorfeld als die größte Schlacht von Game of Thrones angepriesen, liefert "The Long Night" 80 Minuten pure Spannung, actionreiche Unterhaltung, überraschend ruhige Momente aber auch einige nicht nachvollziehbare Entscheidungen.

Ein Überraschungsgast

Trotz der Tatsache, dass die Armee der Toten am Ende der letzten Episode vor den Toren Winterfells angekommen ist, benötigt "The Long Night" gute zehn Minuten, bis die Schlacht tatsächlich beginnt. Einer der Gründe dafür ist die Rückkehr von Melisandre, die sich die Sache natürlich nicht entgehen lässt. Für alle, die sich gefragt haben, wo die Priesterin eigentlich steckt, gibt es nun die Antwort. Anscheinend war sie immer noch in der Gegend und hat auf den Moment gewartet, ab dem die Kämpfer rund um Winterfell einfach keine Möglichkeit mehr haben, ihre Hilfe abzulehnen.

Gleich zu Beginn ist Melisandre für eines der optischen Highlights der Folge verantwortlich. Das Entzünden der Schwerter sorgt direkt für Gänsehaut, auch wenn es sich am Ende als vollkommen nutzlos erweist. Deutlich wichtiger sind dagegen ihre beiden folgenden Auftritte. So verschafft sich nicht nur der Armee in Winterfell eine dringend notwendige Atempause, sie gibt Arya auch eine wichtige Motivationsrede. Den Zuschauern geht es vermutlich in vielen Fällen ähnlich wie Ser Davos, so wichtig die Hilfe ist, vergeben hat man Melisandre für Shireen nicht. Doch erledigt sich das Thema am Ende quasi von selbst, wobei es erneut Ser Davos ist, der den letzten Moment (inklusive ihres Geheimnisses) der Frau sieht, die sein Leben so sehr beeinflusst hat.

80 Minuten Hochspannung

Mit dem Angriff der Dothraki beginnt der Kampf rund um Winterfell und dieser lässt einem praktisch keine ruhige Minute. Regisseur Miguel Sapochnik, der auch schon für die Schlacht der Bastarde verantwortlich war, schafft es, dass der Puls sich fast die gesamte Laufzeit der Folge im beinah ungesunden Bereich bewegt. Immer wieder macht er den Zuschauern Hoffnung auf ein gutes Ende, um dann einen deprimierenden Rückschlag folgen zu lassen. Die Dothraki haben Feuerschwerter – die Dothraki sind nicht mehr – die Drachen greifen ein – ein Schneesturm wirft alles über den Haufen – Melisandre sichert den Rückzug – die Armee der Toten durchbricht die Feuerbarriere – Jon hat den Nachtkönig gestellt – dieser erschafft eine noch größere Armee. Es geht geht ständig hin und her.

Game of Thrones Staffel 8.03

Interessant ist auch, dass Sapochnik das Chaos einer solchen Schlacht perfekt einfängt. Vor allem als die Mauern von Winterfell fallen, haben nicht nur die Kämpfer schließlich vollkommen den Überblick verloren. Keiner weiß mehr so wirklich, wer noch lebt und vor allem wer zu den Guten oder Bösen gehört. Es geht nur noch um das nackte Überleben, was einfach extrem wirkunsvoll inszeniert wurde. Dabei spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass die Sichtverhältnisse nur bedingt gut sind. Als Zuschauer wünscht man sich mitunter ebenso wie die Kämpfer einen etwas klareren Blick auf die Geschehnisse. Hier muss man allerdings festhalten, dass das Nachtsetting deutlich mehr Tricksereien und damit Kostenersparnisse erlaubt. So gut Game of Thrones ist, mit einem Blockbuster-Budget war "The Long Night" leider nicht ausgestattet.

Die ruhigen Momente

Trotz der Action und der extremen Spannung bietet die Episode auch ein paar ruhige und vor allem sehr schöne Momente. Besonders Tyrion und Sansa haben mehrere tolle Szenen miteinander und nicht nur Tyrion stellt sich die Frage, was aus den beiden hätte werden können.

Auch für Theon gibt es trotz bevorstehender Schlacht die Möglichkeit, sich noch einmal bei Bran zu entschuldigen. Diese Szene ist ebenfalls schön inszeniert, vor allem in Kombination mit dem Ende des Greyjoy. Theons Reise der Wiedergutmachung endet in Winterfell und, was noch wichtiger ist, Bran sagt tatsächlich ein paar nette Dinge. Vor allem die letzten Worte, die er an seinen Leibwächter richtet, sind mittlerweile schon fast uncharakteristisch freundlich für den letzten lebenden Sohn von Ned Stark und gerade deshalb aber auch der perfekte Abschied für Theon.

Ein Plan fällt auseinander

Obwohl "The Long Night" mit seiner Spannung und seiner Action komplett überzeugen kann, ein paar Probleme hat die Episode doch, die sich am ehesten mit unnachvollziehbaren Entscheidungen der Figuren beschreiben lassen. Schon in der letzten Kritik haben wir angesprochen, dass der Schlachtplan der Armee, nett ausgedrückt, sehr lückenhaft ist. Und am Ende muss man festhalten, dass der Kampf tatsächlich nicht aufgrund überlegener oder auch nur ansatzweiser durchdachter Taktik gewonnen wurde. Schon in der Schlacht der Bastarde wurde angesprochen, dass es eine extrem dumme Idee ist, mit einer unterlegenen Armee einen Kavallerieangriff zu starten. Das hätte damals auch beinah zum Ende von Jon Snow geführt.

Was wurde daraus gelernt? Absolut nichts, denn der Kampf gegen den Nachtkönig wird exakt auf dieselbe Art und Weise eröffnet. Für den langfristigen Konflikt ist das durchaus nachvollziehbar, denn so bekommen die Autoren die Dothraki noch vor dem Kampf mit Cersei vom Schachbrett, aber wirklich Sinn machte dies nicht. Auch Ghost bei der Sache mitmachen zu lassen, erscheint mehr als fragwürdig. Das Schicksal des Wolfes blieb am Ende aber zumindest offen.

Der Tod der Dothraki sorgt dafür, dass Daenerys den ohnehin schon nicht sonderlich komplexen Plan über den Haufen wirft. Auch hier werden Erinnerungen an Die Schlacht der Bastarde wach. Damals war es Jon, der aufgrund seiner Emotionen alle Pläne in den Wind schlug. In der Folge regieren Chaos und Improvisation, bis der Nachtkönig seine Trumpfkarte zieht und eine neue Armee aus dem Boden stampft.

An der Stelle wird den Figuren der Serie dann auch etwas klar, was viele Zuschauer vermutlich schon letzte Woche vorhergesehen haben. Frauen und Kinder an einem Ort voller Toter zu verstecken, wenn der Anführer der gegnerischen Armee Tote beschwören kann, ist ebenfalls eine sehr dumme Idee. Immerhin kommen die Menschen in der Krypta noch relativ glimpflich davon.

Game of Thrones Staffel 8.03

Wen hat's erwischt?

Über die Jahre hat sich Game of Thrones den Ruf erworben, eine Serie zu sein, die beliebte Figuren regelmäßig über die Klinge springen lässt. Besonders in den letzten beiden Staffeln ging der Blutdurst der Autoren aber etwas zurück, was viele Fans jedoch nicht davon abhielt, das Schlimmste für ihre Lieblingsfiguren zu befürchten. Am Ende lässt sich festhalten, dass die Opferzahl der Schlacht um Winterfell zwar extrem hoch ist, von den wichtigsten Figuren aber erstaunlich viele überleben.

Der namenhafteste Tod dürfte neben Theons Ableben sicherlich der von Ser Jorah sein, der ähnlich wie Theon aber ein würdiges Ende bekommt. Jorah ist seit Jahren in Daenerys verliebt, und wenn er sich einen Tod hätte wünschen dürfen, dann sicherlich diesen. Ansonsten erwischt es mit Dolorous Edd, Lyanna Mormont und Beric Dondarrion einige Nebencharaktere, von denen der Verlust der jungen Lyanna viele Zuschauer vermutlich noch am härtesten trifft. Dafür durfte Lady Mormont aber zumindest noch einen Riesen ins Jenseits befördern.

"The Long Night" bedeutet zudem das Ende für den Nachtkönig. Dieses war zu erwarten, der Weg dahin ist aber mehr als befriedigend. Der Kampf auf den Drachen und der Flammenangriff von Drogo gehören zu den Highlights der Folge. Dass am Ende Arya den finalen Stich setzt, macht für die Figur durchaus Sinn, auch weil es nicht total vorhersehbar war. Zudem ist ihr Angriff extrem cool in Szene gesetzt.

Auch zuvor darf Arya mehrfach zeigen, was sie drauf hat und steht doch beinah selbst vor dem Ende. Die Szene in der Bibliothek wirkt allerdings etwas deplatziert. Mitten im Schlachtgetümmel gibt es plötzlich diesen Moment des stillen Horrors, der sehr gewollt scheint. Auch die Tatsache, dass die Untoten auf einmal sehr bedacht vorgehen und nicht wild durch den Raum rennen, will nicht so recht passend. Dass dann auch noch Melisandre aus dem Nichts auftaucht, macht es nicht unbedingt realistischer. Im Gesamtwerk ist dies aber nur ein kleiner Minuspunkt.

Fazit

"The Long Night" ist das actionreiche Highlight der 8. Staffel von Game of Thrones, das man sich erhofft hatte. Die Schlacht ist ungemein spannend inszeniert, bietet viele Momente, bei denen der bei denen der Puls desöfteren in die Höhe schnellt und endet mit einem befriedigenden Tod des Nachtkönigs. Rein logisch ist nicht immer alles perfekt, aber das lässt sich durchaus verschmerzen.

Game of Thrones Logo

Originaltitel: Game of Thrones (2011-2019)
Basiert auf der Fantasy-Reihe Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin
Erstaustrahlung am 17.04.2011
Darsteller: Peter Dinklage (Tyrion Lennister), Lena Headey (Cersei Lennister), Emilia Clarke (Daenerys Targaryen), Kit Harington (Jon Snow), Sophie Turner (Sansa Stark), Maisie Williams (Arya Stark), Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lennister)
Produzenten: David Benioff, D. B. Weiss, Carolyn Strauss, Frank Doelger, Bernadette Caulfield
Staffeln: 8
Anzahl der Episoden: 73


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