Kritik zu Marvels Phase 3 Teil 1: Captain America, Doctor Strange, Thor, Guardians of the Galaxy Vol.2 & Spider-Man

Mit Avengers: Endgame und Spider-Man: Far From Home wurde Phase 3 des Marvel Cinematic Universe in diesem Sommer offiziell abgeschlossen. Seit Juli wissen die Fans zudem, wie Marvels kommende Phase 4 aussehen wird und welche Abenteuer sie in den kommenden zwei Jahren erwarten. Nachdem nun auch das Drama rund um Spider-Man ein Ende gefunden hat, wird es höchste Zeit, einmal auf alle Filme von Phase 3 zurückzublicken und zu überprüfen, wie gut den der dritte Abschnitt des MCU wirklich war. Am Ende packen wir zudem alle Filme in ein Ranking, weil sind wir ehrlich, Sachen in Ranglisten einzuteilen, macht immer Spaß.

Captain America: Civil War

Phase 3 begann direkt mit einem Highlight. Und um das Ranking am Ende direkt schon einmal zu spoilern, Civil War ist für mich nicht nur der beste Film der dritten Phase, sondern der beste Marvel-Film überhaupt. Nach dem doch eher enttäuschenden Age of Ultron ist Civil War in gewisser Weise der Avengers-Film, der eigentlich Phase 2 hätte abschließen sollen. Klar es steht Captain America im Titel, aber niemand kann behaupten, dass Civil War ein typischer Marvel-Solofilm ist.

Genau genommen macht Civil War sogar einiges besser als alle vier Avengers-Filme. So wird dankenswerterweise darauf verzichtet, die Marvel-Helden über zwanzig Minuten gegen eine Horde von CGI-Monstern kämpfen zu lassen. Stattdessen gibt es mit dem Flughafenkampf in Leipzig die unterhaltsamste Actionszene in der Geschichte des MCU, dem dann eine Finale folgt, das angenehm unspektakulär ausfällt und anstatt mit einer Bedrohung der Welt durch seine Emotionalität überzeugen kann.

Gänzlich perfekt ist allerdings auch Civil War nicht. So sollte der Zuschauer den Plan von Zemo nicht zu genau analysieren, da hier im Drehbuch doch arg viel konstruiert wurde, um alles für den Konflikt hinzubiegen. Konstruiert ist auch ein gutes Wort für den ersten Auftritt von Spider-Man, der ebenfalls etwas gewollt wirkt. Dies dürfte aber auch daran gelegen haben, dass der Deal zwischen Sony und Marvel damals sehr kurzfristig zustande kam. Die Sache wäre vermutlich runder gewesen, wenn der erste Spidey-Solofilm vor Civil War entstanden wäre. Letztendlich sind dies aber nur kleine Details, welche das Gesamtwerk, das die Russo-Brüder geschaffen haben, kaum trüben kann.

Doctor Strange

Filme wie Doctor Strange kategorisiere ich für mich mittlerweile als Standard-Marvel-Unterhaltung (oder kurz SMU): Sympathischer und/oder charismatischer Held muss in einem kurzweiligen und humorvollen Abenteuer die Welt retten und dabei einen profillosen Bösewicht stoppen. In der Regel lassen sich die Filme gemütlich wegschauen, wirklich viel hängen bleibt am Ende aber nicht. Nicht umsonst ist die prägendste Erinnerung an die Pressevorführung von Doctor Strange, dass überraschend erstmals ein Trailer zu Guardians of the Galaxy Vol. 2 gezeigt wurde. Da fühlte man sich gleich wieder wie in den 90ern, als Trailer einem im Kino noch überraschen konnten.

Doctor Strange bietet viel von dem, was an Marvel immer gelobt und kritisiert wird. Mit Benedict Cumberbatch holte man sich einen weiteren tollen Darsteller an Bord, auch wenn dieser Rollen wie Strange zugegebenermaßen mittlerweile im Schlaf spielen kann. Im Gegenzug wird Mads Mikkelsen allerdings in einer Schurkenrolle verschwendet, von der viele Marvel-Fans heute vermutlich nicht einmal mehr den Namen nennen könnten (Kaecilius fürs Protokoll).

Der Plot selbst um eine gesichtslose Bedrohung aus einer dunklen Dimension gewinnt ebenfalls keinen Originalitätspreis. Dafür ist die finale Auseinandersetzung zwischen Strange und Dormammus sehr spaßig geraten und bietet zumindest mal etwas anderes. Die Effekte in Doctor Strange sind ebenfalls eine Erwähnung wert. Auch wenn die Optik an Inception erinnert, sehen die sich bewegenden Häuserwände trotzdem beeindruckend aus. Allerdings reicht dies nicht, um Doctor Strange aus dem Mittelmaß herauszuholen.

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Guardians of the Galaxy war der Überraschungserfolg in Marvels Phase 2 und neben Captain America: Winter Soldier sicherlich der beste Film des zweiten Abschnitts. Die Fortsetzung hatte nun allerdings mit einem Problem zu kämpfen, dass der erste Teil nicht kannte: Es gab eine Erwartungshaltung. An dieser gemessen muss man sagen, dass der zweite Teil nicht ganz mithalten kann. Trotzdem gelingt es Regisseur James Gunn, viele Stärken von Guardians of the Galaxy wieder zum Vorschein zu bringen. Vor allem das Team an sich funktioniert weiterhin und das Zusammenspiel der Figuren macht irgendwie immer Spaß.

Auch lässt sich festhalten, dass Guardians of the Galaxy Vol. 2 im Vergleich zu anderen zweiten Marvel-Teilen deutlich weniger abfällt. Abgesehen von Captain America 2 war bis zu diesem Zeitpunkt praktisch jede Marvel-Fortsetzung deutlich schwächer als der erste Film. Selbst Avengers: Age of Ultron konnte diesem Fluch nicht entgehen. Guardians of the Galaxy Vol. 2 macht hier vieles besser, auch wenn es am Ende nicht ganz für das oberste Marvel-Regal reicht. Ich bin allerdings aus dem Kino gekommen und hatte sofort Lust auf weitere Abenteuer und hätte mir einen Teil 3 direkt am nächsten Tag anschauen können. Das gelingt ansonsten eigentlich nur den Avengers-Filmen.

Spider-Man: Homecoming

Nach seinem ersten Auftritt in Civil War war es im Sommer 2017 an der Zeit für das erste Soloabenteuer von Spider-Man im MCU, und das kann als richtig gelungen bezeichnet werden. In gewohnter Marvel-Manier überzeugen sowohl der neue Spinnenheld als auch der Cast um ihn herum, was sich dieses Mal sogar auf den Gegenspieler Adrian Toomes ausweiten lässt. Der von Michael Keaton gespielte Charakter gehört definitiv zu den besseren Marvel-Schurken auf der Leinwand. Vor allem die Szene, in der Peter und Liz von Toomes zum Schulball gefahren werden, ist ein Highlight des Films und beweist, dass die besten Szenen in einer Comicverfilmung nicht notwendigerweise immer Explosionen und jede Menge CGI beinhalten müssen.

Darüber hinaus ist es eine angenehme Abwechslung, dass in Homecoming einmal nicht das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht. Es wird eine kleinere Geschichte erzählt, die aber trotzdem mitzureißen versteht. Leider wird dieser Ansatz in den Marvel-Solofilmen zu selten verfolgt. Oft muss auch in den Einzelfilmen unbedingt die Welt oder zumindest eine ganze Stadt gerettet werden, was mit der Zeit etwas ermüdend ist. Spider-Man: Homecoming zeigt, dass die Notwendigkeit dafür gar nicht besteht. Dummerweise legten Marvel und Sony diesen Ansatz schon bei Spider-Man: Far from Home wieder zu den Akten, aber dazu später mehr.

Thor: Tag der Entscheidung

Das dritte Soloabenteuer von Thor ist einer der Marvel-Filme, an denen sich die Geister scheiden. Für mich persönlich ist er der beste Einzelfilm rund um den Gott des Donners, wobei diese Latte aber auch nicht sonderlich hoch liegt. Dass so mancher Zuschauer mit dem sehr klamaukigen Film rein gar nichts anfangen kann, ist aber völlig verständlich. Der Humor von Taika Waititi ist nicht für jeden. Hinzu kommt, dass einige namhafte Nebenfiguren rund um Thor auf relativ billige Weise einfach aus dem MCU entfernt werden, was bei einigen Fans berechtigterweise auf wenige Gegenliebe gestoßen sein dürfte.

Wenn man sich mit dem Humor von Thor: Tag der Entscheidung anfreunden kann, dann kommt man zumindest in diesem Bereich voll auf seine Kosten. Leider tappt Waititi noch stärker in eine Falle, die auch schon James Gunn in Guardians of the Galaxy Vol. 2 Probleme bereitet hat. So versucht der Regisseur so sehr eine spaßige Geschichte zu erzählen, dass er die emotionalen Momente nie für sich stehen lassen kann. Es muss immer noch irgendein Witz gemacht werden, was einige Szenen ziemlich kaputt macht. Den Höhepunkt bildet hier die Zerstörung Asgards. Letztendlich ist Thor: Tag der Entscheidung ein typischer Vertreter der SMU-Kategorie, der vor allem im Bereich Humor punkten kann.

Black Panther

Black Panther ist ein interessantes Phänomen. Der Film ist der erste Soloauftritt eines Marvel-Helden, der sofort die Marke von einer Milliarde Dollar knacken konnte. In den USA spielte Black Panther sogar mehr ein als Avengers: Infinity War und wurde zudem als erste Marvel-Produktion für den Oscar als bester Film nominiert. Natürlich spielt hier die politische Lage in den USA eine Rolle, schließlich ist Black Panther der erste dunkelhäutige Hauptheld eines Films im MCU. Der Erfolg an den Kinokassen beweist zudem, dass das Interesse in jedem Falle vorhanden ist. Dabei muss man aber auch festhalten, dass der Hype, der gerade in den USA extrem groß war, nicht im Ansatz die Qualität widerspiegelt.

Black Panther ist meiner Meinung nach einer der schwächsten Filme des MCU überhaupt und bewegt sich auf einem Niveau mit Thor: The Dark Kingdom und Captain America. Dies beginnt bereits mit Chadwick Boseman in der Rolle des T'Challa, bei dem der Funke irgendwie nie so überspringen will, wie dies bei seinen Kollegen der Fall ist. Auch Michael B. Jordan reiht sich nahtlos in die lange Reihe der Marvel-Gegenspieler ein, die man schnell wieder vergessen hat.

Die Geschichte selbst bewegt sich auf typischen SMU-Niveau, wobei man über einige Dinge wieder einmal nicht zu genau nachdenken sollte. So erscheint es wenig nachvollziehbar, dass in dem so hochentwickelten Wakanda der König immer noch durch einen Zweikampf bestimmt wird. Eine Gesellschaft, in praktisch der Stärkste regiert, passt so gar nicht zu dem Isolationskonzept, bei dem man sich ja von der ach so bösen Welt abschotten will. Hinzu kommt, dass Black Panther auch einige der schlechtesten Effektshots aller Marvel-Filme überhaupt bietet. Allein die Green-Screen-Aufnahme, in der Killmonger vor dem "Wakanda-Panorma" stirbt, sieht fast schon peinlich schlecht aus. Alles in allem war das erste Soloabenteuer von T'Challa für mich die große Enttäuschung in Phase 3. Es bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung qualitativ auch dem wahrscheinlichen Einspielergebnis gerechter wird.

Das soll es erst einmal für Teil 1 der großen MCU-Phase-Kritik gewesen sein. In zwei Wochen geht es mit Teil 2 weiter, der nicht nur Infinity War und Endgame enthält, sondern auch das finale Ranking.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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