Es hätte schlimmer kommen können - Kritik zu Hubie Halloween

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Hubie Dubois (Adam Sandler) sorgt in seinem Heimatort Salem jedes Jahr dafür, dass die Bewohner der Stadt Halloween sicher feiern und sich an die Regeln halten - wofür ihm niemand dankt. Dann jedoch sorgen ein entflohener Krimineller und ein geheimnisvoller Nachbar für erhöhte Alarmbereitschaft bei Hubie. Als dann noch Menschen verschwinden, liegt es an Hubie, die Polizei (Kevin James, Kenen Thompson) davon zu überzeugen, dass Monster wirklich existieren und nur er sie stoppen kann.

Eigentlich hatte Hauptdarsteller Adam Sandler versprochen, “absichtlich den schlechtesten Film aller Zeiten” zu drehen - hierzu hatte er Hubie Halloween auserkoren. Und bereits in der ersten Viertelstunde scheint es, als würde Sandler, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, alles an Pipi-Kacka-Kotz-Penis-Humor auffahren, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Schon in Minute zwei wird das erste Mal gekotzt, knappe fünf Minuten später wird das erste Mal gefurzt, nur eine Minuter später wird über einen Penis-Witz ein Running Gag für den Film gestartet und danach heißt es nur noch schlappe drei Minuten auf den ersten Pinkel-Witz warten.

Somit wäre es den wenigsten zu verübeln, die entnervt an dieser Stelle Hubie Halloween abbrechen, da diese Art von Humor schon sehr speziell und in der Regel auch mehr als flach ist. Wer jedoch durchhält, dürfte von der Geschichte rund um Hubie überrascht sein.

Kotz-Furz-Penis-Humor? Und das alles in der ersten Viertelstunde? Läuft!

Denn Hubie ist vom Prinzip her ein dummer Naivling, dem seine Heimatstadt Salem am Herzen liegt - und natürlich sieht Hubie sich bereits seiner Kindheit täglich üblen Mobbingattacken ausgesetzt. Wo manch andere Figuren vermutlich Rachepläne geschmiedet hätten, radelt Hubie gut behütet durch seinen Fahrradhelm mit Mini-Rückspiegel fast fröhlich durch Salem, weicht den buchstäblichen Attacken routiniert aus und sorgt sich weiterhin um das Wohlergehen der Bürger seiner Stadt.

Zugegeben, darstellerisch ist die Rolle für Sandler damit keine große Herausforderungen. Typen wie Hubie hat er mehr als einmal gespielt, sodass er darin leidlich Routine haben sollte. In diesem Falle ist es für den Film jedoch eine glückliche Fügung, da damit die Hauptfigur nicht auf den Nervfaktor reduziert wird, sondern mit ihrer liebenswerten Tollpatsch-Art überzeugen kann. Es funktioniert sogar so gut, dass noch nicht einmal Hubies treuer Begleiter - seine Thermoskanne - grundsätzlich stört, sondern man eher darauf gespannt ist, was er noch alles mit dieser ungewöhnlichen Kanne anstellen kann.

Sobald sich der Film von dem platten Humor etwas löst, funktionierend die Gags sogar erstaunlich gut. Die Dichte an Harley-Quinn-Kostümen ist amüsant hoch und zieht sich durch die Altersgruppen; und nach einigen Szenen freut man sich fast darauf, welches T-Shirts Hubies Mutter, dargestellt von June Squibb, nun präsentiert.

Jigsaw trifft bei Nebel auf Ghostface in der Elm Street

Der beste Kniff für Hubie Halloween war jedoch, zig liebevolle Anspielungen auf Klassiker des Genres einzubauen. So verstecken sich Scream, Saw, Halloween, A Nightmare on Elm Street, The Fog und mit gutem Willen vielleicht auch ein Schuss Psycho in dem Film.

Das Ensemble trägt letztendlich den größten Anteil daran, dass der Film nicht in einigen Albernheiten versinkt. Kevin James ist Officer Steve Downing mit einem formschönen VoKuHiLa und der unvermeidlichen Piloten-Sonnenbrille ausgestattet und spielt das Klischee eines ehemaligen High-School-Football-Stars in allen Facetten aus. Julie Bowen ist Hubies heimliche große Liebe Violet Valentine. Zwar hat ihre Rolle einige Fremdschäm-Momente, aber Bowen schafft es, dass ihre Figur nicht komplett ins Lächerliche abdriftet. Am meisten hervor sticht jedoch Steve Buscemi, der anscheinend alles überzeugend darstellt, was man ihm vor die Nase setzt.

Am Ende wartet Hubie Halloween sogar noch mit einem gelungenen Plottwist auf. Jedoch büßt dieser Moment dann mit der unvermeidlichen und vorhersehbaren Botschaft ein bisschen was ein. Etwas weniger hätte dem Film in der finalen Phase gut getan.

Fazit

Das Ziel, den schlechtesten Film aller Zeiten zu drehen, hat Sandler nicht erreicht - wobei die Messlatte dank The Room auch ziemlich hoch liegt. Zwar hat Hubie Halloween durch zahlreiche Pinkel-Furz-Witze den zu erwartenden und nervenden Blödelhumor das Potential dazu, jedoch überzeugen einige Twists und Gags dann genug, dass der Film kein Totalausfall ist und sich eher im Mittelfeld bewegt. Wer nicht in der ersten Viertelstunde aufgrund der Gags, die unter die Gürtellinie geht, abschaltet, weiß: Es hätte schlimmer kommen können.

Hubie Halloween | Official Trailer | Netflix

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