Kritik zu Lupin: Netflix geht auf Diebestour in Paris

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Lupin Netflix Serie

Seit sein Vater in den 90er-Jahren für den Diebstahl einer wertvollen Halskette verurteilt wurde und sich später im Gefängnis erhängte, ist Assane Diop (Omar Sy) von dem fiktiven Meisterdieb Arsène Lupin fasziniert. Schließlich war es sein Vater, der ihm als Abschiedsgeschenk ein Lupin-Buch schenkte.

Als nun über 25 Jahre später die Halskette nicht nur wieder auftaucht, sondern auch noch versteigert werden soll, macht sich Diop daran, diese in seinen Besitz bringen. Inspiriert von seinem großen Vorbild Lupin plant er einen großen Coup. Doch schon bald muss der Gentleman-Dieb feststellen, dass nicht alles so ist, wie es zunächst scheint. Diop stößt auf Hinweise, dass sein Vater womöglich zu Unrecht verurteilt wurde. Das Thema lässt den Dieb nun nicht mehr los, und er macht sich daran, herauszufinden, was damals wirklich geschah.

Die Tatsache, dass sich die Macher der neuen Netflix-Serie Lupin von dem berühmten Dieb haben inspirieren lassen, ließ vermuten, dass die Geschichte sich um große Diebeszüge oder einen Coup drehen wird. Wer allerdings eine Serie im Stil von Ocean's Eleven oder Inside Man erwartet, der dürfte etwas enttäuscht werden. Tatsächlich geht es nur in der Auftaktfolge wirklich darum, ein großes Ding zu drehen. Danach rücken vor allem die Ermittlungen von Diop in den Mittelpunkt. Zwar nutzt der Dieb immer wieder seine Fähigkeiten, er fungiert nun aber eher wie ein Detektiv, sodass die Serie eher Ähnlichkeiten mit Sherlock aufweist.

Das Problem bei Lupin ist dabei, dass der Fall selbst nicht unbedingt überzeugen kann. Dies beginnt zunächst einmal damit, dass man alle Entwicklungen und Enthüllungen relativ häufig kommen sieht und Überraschungen ausbleiben. Dazu kommt, dass die Auflösung, wer wirklich hinter dem ersten Diebstahl steckte, sehr vorhersehbar ist und niemanden überraschen dürfte. Auch die Macher selbst legen den Fokus daher schon sehr früh eher auf die Rache von Diop und weniger die Ermittlungen. Hier kommt allerdings der Faktor zum tragen, dass sich die Sache leider etwas zieht.

Im Falle von Lupin bedeutet die Bezeichnung der ersten fünf Folgen als Teil 1 tatsächlich, dass man hier nur einen Teil der gesamten Geschichte zu sehen bekommt. Die Staffel endet mit einem Cliffhanger, wobei man gerade der fünften Episode anmerkt, dass hier wirklich eine Staffel einfach zweigeteilt wurde. Die Folge bietet eine Vielzahl an Rückblicken (generell ein Stilmittel, das in Lupin etwas zu häufig eingesetzt wird) und wirkt eher so, als wäre sie in der Mitte einer Staffel besser aufgehoben und nicht als Staffelfinale. Gefühlt ist man zudem nach fünf Folgen schon an dem Punkt, dass jetzt eigentlich nur noch ein Abschluss fehlt. Daher wird es interessant zu sehen sein, wie die Autoren die zweite Hälfte füllen.

Dass Lupin trotz mangelndem Überraschungsfaktor unterhaltsam geraten ist, hat die Serie zwei Faktoren zu verdanken. Zum einen ist da die Inszenierung. Die fünf Folgen sind locker und flott inszeniert und lassen sich einfach schnell in einem Rutsch wegschauen. Auch die Schauwerte stimmen. Darüber hinaus funktioniert Omar Sy in seiner Rolle als Assane Diop einfach perfekt. Dem Darsteller bei seinen Ermittlungen und wie er immer wieder die Polizei und andere Verfolger an der Nase herumführt, zuzuschauen, ist einfach ein großer Spaß. Sy scheint die Rolle auf den Leib geschrieben zu sein, und er ist ganz klar der Hauptgrund für die Existenz der Serie und gleichzeitig auch ihre größte Stärke.

Allerdings muss man als Zuschauer auch bei einigen Dingen das eine oder andere Auge zudrücken. Dies beginnt beispielsweise bei der Polizei, die anscheinend aus einigen der unfähigsten Ermittlern im Land besteht. Allein die Tatsache, dass man eine Ewigkeit benötigt, um ein Bild des Verdächtigen aufzutreiben, obwohl dieser gefälschte Social-Media-Profile und einen gefakten Wikipedia-Eintrag mit echtem Foto erstellt hat, wirkt schon sehr befremdlich. Allerdings sind nicht alle Beamten unfähig, ein Kollege scheint wiederum ein Genie zu sein, den er zieht sofort die Lupin-Verbindung, ohne überhaupt irgendwelche Indizien abzuwarten. Zum Glück glaubt ihm jedoch niemand.

Auch Omar Sy will man den Verkleidungskünstler nicht zu 100 Prozent abkaufen. Klar, Assane Diop klebt sich hin und wieder einmal eine falsche Augenbraue ins Gesicht, aber dass ihn deshalb niemand richtig beschreiben kann, überzeugt nicht wirklich. Zwar spielen die Macher hier auch die Rassismuskarte, getreu nach dem Motto, weil er schwarz ist, beachten ihn Menschen nicht. Am Ende ist Omar Sy aber immer noch Omar Sy, ein zwar schwarzer aber immer noch gut aussehender, großer und charismatischer Mann, den man nicht einfach so übersieht.

Wer allerdings in der Lage ist, solche Logikdinge auszublenden, der dürfte sich von der darstellerischen Leistung und der flott erzählten Geschichte sicherlich schnell mitreißen lassen. Auch wenn Lupin keinen Kreativpreis gewinnt, ist die Serie doch kein Totalausfall und gerade für einen längeren Binge-Abend durchaus eine Empfehlung.

Fazit

Mit Lupin startet bei Netflix die erste große Serienproduktion des Jahres 2021. Die französische Serie punktet mit einem tollen Hauptdarsteller und einer optisch ansprechenden Inszenierung. Leider haben sich die Autoren nur von dem Konzept des Gentleman-Diebs inspirieren lassen und nicht von der Genialität der fiktionalen Figur. Ein paar mehr Überraschungen und weniger Vorhersehbarkeit hätten den Drehbüchern nicht geschadet.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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