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Mehr Köpfchen, weniger Schwerter: Wie Highlander noch besser geworden wäre

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Highlander Connor MacLeod

Sich heute den Film Highlander anzuschauen, ist nicht ganz einfach. Nicht, weil der Film schwer zu bekommen ist - nein, dafür ist er zu bekannt und auf zu vielen Medien erschienen. Es ist viel eher so, dass der Film heutigen Sehgewohnheiten nicht mehr ganz entspricht und die ein oder andere Szene unfreiwillig komisch wirkt. Trotzdem entwickelt der Film durch seine Inszenierung und nicht zuletzt durch die Actionszenen eine gewisse Zugkraft.

Für all jene, die noch nichts über den Film wissen: Es geht um Connor MacLeod, der im Jahr 1536 bei einer Schlacht in den Highlands sein Leben verliert - um weniger später wieder aufzustehen. Naturgemäß finden das seine Mitstreiter aus dem Clan MacLeod seltsam und verjagen ihn deshalb aus dem Dorf. Später macht Connor Bekanntschaft mit Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez, der ihn über sein Schicksal aufklärt: Connor ist, genau wie Ramírez, ein Unsterblicher. Nur, indem ihm der Kopf von den Schultern geschlagen wird, kann er sterben. Es gibt neben Connor und Ramírez noch weitere Unsterblichen, die dazu bestimmt sind, gegeneinander zu kämpfen. Am Ende der Zeiten steht die Zusammenkunft, an deren Ende es nur einen geben kann - den letzten Unsterblichen, der die Kraft aller anderen Gefällten in sich aufnimmt. Zu dieser Zusammenkunft kommt es im New York des Jahres 1985, wo sich Connor zu Beginn des Films aufhält. Dorthin verschlägt es auch Kurgan, mit dem Connor bereits vor 450 Jahren Bekanntschaft schloß. Als schließlich letzte Überlebende sind die beiden dazu bestimmt, sich bis zum bitteren Ende zu duellieren.

Regisseur Russell Mulcahy inszeniert den Film mit ungewöhnlichen Einstellungen und rasanten Schnitten. Kreative Überblendungen verbinden die Gegenwart des Films mit Connors Vergangenheit. In Kombination mit dem treibenden Soundtrack, eine Zusammenarbeit von Filmkomponist Michael Kamen mit der Glam-Rock-Band Queen, ergibt sich ein temporeicher Actionstreifen, der trotz einiger holprigen Szenen in Schauspiel und Kampfchoreographie fesselt. Vor allem Antagonist Kurgan spielt herrlich böse, wie man es von Filmbösewichten heute nicht mehr gewohnt ist.

Mit Kurgan präsentiert der Film auch einen Gegenentwurf zum eher stillen Connor. Die beiden zeigen unterschiedliche Arten und Weisen, mit ihrer Unsterblichkeit umzugehen. Während Connor viel Mühe darauf verwendet, sich eine Tarnidentität zuzulegen und seine Unsterblichkeit geheimzuhalten - wozu auch der Verzicht auf Freundschaften gehört -, suhlt sich Kurgan förmlich in seiner Gabe und zeigt kaum Respekt im Umgang mit seinen sterblichen Mitmenschen. Dieser Aspekt des Umgang mit der eigenen Unsterblichkeit, die für Connor eher Fluch als Segen ist, nahm in der ursprünglichen Drehbuchfassung des Films einen größeren Raum ein. Und ein solcher Film wäre vielleicht auch spannender gewesen.

Denn die Schwertkampfszenen wirken zum Teil etwas aufgesetzt, die bisweilen eingeworfenen, für die Achtziger typischen Einzeiler, erscheinen deplatziert. Connors Charakter wird düster gezeichnet, gequält von seiner Vergangenheit und dem Schicksal der Unsterblichkeit. Wie geht jemand mit dieser Last um? Wie findet ein Unsterblicher wie Connor Freunde oder Liebe? In den Rückblenden auf Connors Leben in den Highlands wird deutlich, wie gerne Connor Kinder gehabt und mit seiner Frau alt geworden wäre. Auch in der Gegenwart hadert der Held mit seinen Gefühlen: Will er sich wieder mit der sterblichen Brenda einlassen, die Schmerzen des Verlustes erneut ertragen? Diese Fragen wirft der Film in den Raum, statt sie befriedigend zu beantworten konzentriert er sich aber auf die Schwertkämpfe. Ein Highlander-Film, heute produziert, würde sich diesen Fragen im Zuge des "harten Realismus" beispielsweise der Nolan-Batmans, vielleicht eher widmen.

So bleibt aber trotz allem ein unterhaltsamer Actionfilm mit wortwörtlich elektrisierenden Schwertkampfszenen und einem rockigen Soundtrack. Bisweilen mutet der Film fast wie ein langes Musikvideo für Queen an, aber das macht nichts. Denn Queen machen großartige Musik. Bester Beweis ist der Titelsong, Princes of the Universe. Wer da nicht mitrockt, hat auch sonst keinen Spaß im Leben.

Highlander läuft heute, 25.12., um 23.20 Uhr auf Kabel 1

Queen - Princes Of The Universe (Official Video)

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